Schlagwort: Hitze –

Getreidefelder vor der Haustür

… sind für mich so ungewöhnlich, dass ich sie, wenn ich in PB bin mit der Kamera umschleiche. Es wäre interessant zu erfahren, was die Leute aus PB über die seltsame Städterin denken, die ständig Banalitäten wie Getreide- und Maisfelder fotografiert. Ich habe in der Stadt eine große Terrasse mit vielen Pflanzen und erlebe dadurch schon den Wechsel der Jahreszeiten direkt vor meinen Fenstern und Türen. Trotzdem ist das nicht dasselbe wie wogende Getreidefelder, deren Wachsen, Reifen und geerntet werden

Es läuft alles gut mit der Wohnungs-Renovierung. Mit etwas Glück beginnt der Bodenleger nächste Woche und wird nicht mehr als zwei oder drei Tage brauchen.

Ich schiele immer mit einem Auge auf die Temperaturanzeige: wird sind wieder bei 34 Grad. Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist das der der 10. Tag mit über 30 Grad in diesem Sommer, der gerade erst begonnen hat. Es hat ja nun aber keinen Sinn sich im kühlen Zuhause zu verkriechen. Man muss halt alles etwas langsamer angehen und immer wieder Abkühlung suchen.

Freitag 18.Juni 2021

Ganz sicher bin ich mir nicht, ob sich die Zeit nicht vielleicht doch objektiv beschleunigt. Dass mir das nicht nur so vorkommt, weil ich älter werde. Es könnte ja auch sein, dass ich Darstellerin in einem Science-fiction Film bin oder vielleicht von der Hitze übergeschnappt. Möglichkeiten gibt es eine Menge.

So ein halbleerer Supermarkt, der im Normalfall Freitag Nachmittag aus allen Nähten quillt, erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre. Man hat den Eindruck, dass alle Leute entweder verbarrikadiert zuhause sitzen oder in einem Bad sind, oder auf dem Land oder sonstwo auf Urlaub.

Wäre ich ein Blatt, würde ich auch Blasen werfen

Donnerstag 17. Juni 2021- Sie ist da, die erste

Heute früh habe ich mit dem Wasserschlauch elegante Drehungen und Wendungen geprobt um sowohl die Pflanzen als auch mich zu begießen. Denn sie ist da, die erste Hitzewelle. Ich habe beschlossen heuer zur Abwechslung nicht über die Hitze zu jammern. Erstens tun das ohnehin schon praktisch alle anderen und zweitens bringt es ja nichts. Aber ich werde die Hitzewellen mitzählen. Ich glaube im Vorjahr waren es sechs oder sieben, wenn nicht noch mehr.

Samstag beginnt der Maler in PB zu arbeiten. Der Arme hat große Hitze erwischt. Andererseits trocknet natürlich alles viel schneller. Er muss die bunten Streifen übermalen, die die Vorbesitzer überall an den Wänden hatten und wenn die Übermalung schnell trocknet, kann er auch schnell den nächsten Anstrich machen. Sonntag mag er nicht arbeiten, aber er plant einen extrem langen Samstag. Nun, das ist seine Sache. Ich habe es nicht eilig, weil die Tischlerfrage ohnehin erst im Planungsstadium ist.

Vorgestern saß ich abends mit einer Freundin in einem sehr stimmungsvollen Gastgarten. Hinterhof von einem Biedermeierhaus mit Wandelgang im ersten Stock, mit Efeu überwuchert. Das Essen war koreanisch und ziemlich köstlich. Ja, und unser Hauptthema waren Tischler. Bei der S ist ein Ikea-Kasten zusammengebrochen und sie hat sich für Qualität entschieden und ist auf die Suche nach Tischlern gegangen. Der erste hatte Long-Covid und kann derzeit maximal zwei Stunden pro Tag arbeiten, was alle seine laufenden Aufträge immens verzögert von neuen ganz zu schweigen. Beim zweiten ist seine Frau schwer erkrankt, nicht an covid sondern an irgendetwas anderem. Beim dritten ist sie fündig geworden. Gute Arbeit und auch noch schnell, im Juli will er fertig sein.
Ich werde darüber nachdenken, ob er auch was für mich wäre. Eigentlich wollte ich einen lokalen Tischler in PB beschäftigen, aber nachdem sich der Raumausstatter, der den Boden machen wird, sehr vorsichtig ausgedrückt hat und sich zu keiner Empfehlung durchringen konnte, sind mir Zweifel an diesem Tischler gekommen.

Der Dienstag dichtet, fünf

Katha hat das Projekt ins Leben gerufen, bei ihr gibt es auch eine Teilnehmerliste

Ich definiere für mich „Gedicht“ als verdichtete Prosa und beginne – sehr vorsichtig – mich daran zu versuchen

 

 

Zwischen Lyrik, Prosa und Schwitzen

Die Hitze kriecht durch den Körper und lässt alle Muskel erschlaffen,

Venenklappen wollen sich nur mehr zögernd schließen

Das Gehirn schmilzt, Denken wird zähflüssig

 

Die aufblasbare Badeinsel mit der Palme grinst hämisch

Die Sandaletten werden immer enger

38 Grad, ohne Berücksichtigung des strahlenden  Betons, des flüssigen Teers

und der aggressiven Mitmenschen

 

Im Sommer in den Süden?

In den Blechhitzestau?

Ins Flugzeug mit virenspendender Belüftung?

Im duftenden Flixbus?

Freiwillig?

 

Überbelichtetes Grün

Ich dachte die Überbelichtung bringt die Hitze gut heraus. In dieser Form der Darstellung ist halt nur die Bildqualität auch bescheiden.

Montag 1. Juli 19 – Höhepunkt der eigentlich schon dritten Hitzewelle

Den Siegertext des Bachmannpreises habe ich gerade gelesen, „der Schrank“ heißt er, was mich nach Fertigstellung unseres Schrankes sehr amüsiert hat. Der Text gefällt mir sehr, lustig ist er allerdings ganz und gar nicht. Es geht um das Leben im Präkariat einer jungen Frau, so jung ist sie eigentlich auch nicht mehr, sechsunddreißig. Also ein Alter, bei dem man befürchten muss, dass sich ihre Lebensumstände nicht mehr entscheidend verändern könnten. Ein gesellschaftlich sehr wichtiges Thema sei das Präkariat, sagte die Autorin. Sie war bei der Preisverleihung sehr gerührt, ob es ein autobiografischer Text ist, weiß ich nicht. Er ist jedenfalls sehr realistisch und zeigt viele Aspekte einer solchen Lebenssituation auf.

Ich freu mich darauf, die anderen Texte zu lesen. Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist immer sehr interessant, was die Texte betrifft, mit vielen Aussagen und Eitelkeiten der Juroren kann ich meistens weniger anfangen.

Mein erster richtiger Urlaubstag ist heute, gleichzeitig der bisher heißeste Tag des Jahres, es sollen bis zu 38 Grad werden. Der Wetterbericht, den ich gerade gehört habe, tröstet die Hitzegeschädigten damit, dass demnächst keine weiteren Hitzerekorde seit Beginn der Messungen im Jahre 1767 zu erwarten sind, weil die Latte im Juli etwas höher liegt als im Juni. Wenn das kein Trost ist !

Die Urlaubsplanung sieht vor, zunächst einmal zwei völlig planungsfreie Wochen zu verbringen ……

Mittwoch 26.6.19 – Schattenslalom und Schwerstarbeit

Aus dem klimatisierten Bus gestiegen, jetzt circa fünf Meter zum nächsten beschattenden Vordach, Strecke geplant: immer an der Wand lang auf der Schattenseite der Straße, ein Schwenk in die Sonne dort wo die heiße Luft aus der Klimaanlage vom Ärzteturm kommt. Ein Schwall heißer Luft. Die vielen Klimaanlagen machen die Luft natürlich noch heißer. Andererseits kann niemand bei 35 Grad vernünftig arbeiten. Ein Teufelskreis. An der Einkaufsstraße angekommen, hier gibt es keine Schattenseite aber Bäume, also die kürzestmögliche Distanz schräg hinüber zu den Bäumen und dem Wasserbecken, wo ein paar Leute wie matte Fliegen auf den Bänken sitzen.  Dann die Arkaden, durch das klimatisierte Einkaufszentrum, kleiner Zwischenstopp in der Bücherei, von dort eine relativ lange Strecke bis zum U-Bahn-Eingang, hinunter in die relative Kühle der Passage, dort ist das ÖBB-Büro.

Zum Glück ist der unterdurchschnittlich kompetente Angestellte nicht da, der mir versichert hat, man könne bei ihm kein Ticket der Deutschen Bahnen erwerben, er könne noch nicht einmal über Preise Auskunft geben. Sein Kollege braucht für das Unmögliche 5 Minuten. Irgendwann werde ich meine diversen Tickets per Internet kaufen, aber noch bin ich dazu nicht frustriert genug und kaufe bei Reisebüros und Bahnschaltern. Außer die Hotels, die buche ich online.

Gerade sind die Möbelpakete-Lieferanten mit einem großzügigen Trinkgeld abgezogen. Unser Aufzug ist niedrig, Pakete, die 2,50 hoch sind, passen da nicht hinein. Die beiden mussten alles in den 6. Stock schleppen und haben extrem geschnauft und geschwitzt. Nun denn, jetzt steht das Rohmaterial da und die nächsten, die hier schwitzen werden, sind der F und ich.

Dienstag 25.6.19 – Zwischen Schuljahresausklang und Ferieneinläuten.

Die Vorteile von Kollegen habe ich gestern Abend so richtig ausgekostet. Ein potentiel extrem öder Abend stand an, fünf Stunden in der Abendschule ohne Abendschüler, die sich nur noch Mittwoch Abend ihre Zeugnisse abholen kommen werden, aber letztendlich war es sehr interessant. Eine Kollegin erzählte ihre dramatische Familiengeschichte, in der von Adoptionen bis Sucht und Selbstmord so ziemlich alles stattgefunden hat, was man sich vorstellen kann. Warum sie das alles erzählt hat und warum gerade zur Unterhaltung gelangweilter Kollegen verstehe ich zwar nicht, aber es geht mich ja auch nichts an.

Kollegin Nummer 2 berichtete von den diversen bürokratischen Schleifen und Kosten beim Kauf bzw Verkauf eines Hauses, was mich sehr interessiert hat, weil wir ja auch ein Haus zu verkaufen haben. Und Kollege Nummer 3 war kürzlich in Hamburg und erzählte von seinen dortigen Aktivitäten. Also wurde es unerwarteterweise ein angenehmer Abend, wenn man davon absieht, dass das ganze Gebäude vor Hitze glüht.

Ich versuche, mich so gut wie möglich an die Hitze zu gewöhnen. So gut wie möglich ist in meinem Fall leider nicht besonders gut. Trotzdem möchte ich ja nicht noch weitere 2 Monate jammernd herumsitzen und tue also mein bestes um die frei Zeit zu genießen.

Heute Abend beteilige ich mich an einer Meditationspraxis, die sich für mich sehr attraktiv anhört. Ähnliches habe ich schon oft praktiziert, aber genau dieses Dakini-Mandala noch nicht. Ich bin sehr gespannt und erwartungsvoll. Für eine nicht-esoterische Person wie mich, ist es sehr bereichernd die Essenz solcher Praktiken zu erfassen und sie – für mich – von kulturell und religiös motiviertem Schnick-Schnack zu befreien. Man verzeihe mir den Ausdruck. Was dann übrig bleibt ist zumeist sehr Menschliches und sehr Tiefgründiges oder – wie in diesem Fall – eine wunderbare Methode der Psychohygiene, die vollkommen ohne Esoterik und Religion auskommt.

Ein derzeit eindeutig völlig unnötiges Objekt

Da steht er im Gastgarten, gerüstet für alle möglichen Eventualitäten. Er dominiert den Raum, denn die Gäste sitzen unter Sonnenschirmen, entlang der Wände, in Baumschatten. Niemand macht ihm den Platz an der prallen Sonne streitig. Die langfristige Voraussicht mit der hier schon Feuerholz gesammelt wurde, erscheint je nach eigener Laune bewundernswert oder absurd …

6. Tag der ersten Hitzewelle 2019 – Samstag 15.6.19

Die Prognosen lagen bei 37 Grad, und obendrein war es extrem schwül. Eigentlich wollte ich mir gerne die heute in Wien stattfindende Euro Pride anschauen, konnte mich aber nicht dazu überwinden. Die Hitze, die vielen Leute …. schade.

Die Hitze wirkt sich extrem bestimmend nicht nur auf mein Leben aus. Die ganze Stadt schwitzt und schleicht dahin. Die Architektur einer mitteleuropäischen Stadt ist eben nicht auf tagelange, große Hitze angelegt. Es fehlen die beschattenden Strukturen, die dicken Stein- oder Ziegelwände gibt es nur in alten Gebäuden, die Böden strahlen mit den Wänden um die Wette, es gibt Steinwüsten bei deren Durchquerung  Hitzekoller oder Kreislaufzusammenbruch drohen.

Das gestrige Abschlussfest unseres Maljahres war äußerst kuschelig: wir saßen eng aneinander in dem kleinen Atelier, schwitzten und machten Pläne für den Herbst. Trotzdem war es ein vergnüglicher Abend. Aber schon die Nacht war tropisch und heute zogen die Temperaturen nochmals an. Wir haben gerade nur einen Wocheneinkauf gemacht, alles verstaut und sind dann nochmals in die Hitze aufgebrochen um einen F-schen Schuheinkauf zu machen. War auch nicht besonders gemütlich: die Herrenabteilung des Geschäfts lag unter einem Glasdach, eh klimatisiert, trotzdem schrecklich drückend. Aber die Schuhe für längere Zeit sind unter Dach und Fach.

Bis vor nicht allzu langer Zeit habe ich den F hin und wieder einmal daran erinnert, dass es wohl kein Fehler wäre, Schuhe, Pullover oder sonstwas zu kaufen. Damit übernahm ich dann irgendwie die Verantwortung für diese Käufe und der F hatte die bequeme Position sich ziehen und bitten zu lassen obwohl es doch seine Sachen waren. Dieses Verhalten habe ich völlig eingestellt, ich sage zu diesem Thema gar nichts und siehe da, nun kommt der F und fragt mich, ob ich mitkomme wenn er einkaufen geht. Das ist doch deutlich besser.

Den Rest des Tages haben wir uns beide nicht mehr aus dem Haus bewegt. Man muss ohnehin irgendwann räumen, kochen, Wäsche waschen und das eine oder andere planen.

Das Außenthermometer auf dem Küchenfensterbrett, gegenüber dem Spinnennetz – auf welches am späten Nachmittag die Sonne direkt hinbrennt, zeigt 45 Grad. Morgen soll es etwas besser werden ….

2. Tag der ersten Hitzewelle 2019 – Dienstag 11.6.2019

Noch kann man die schönen Seiten des Sommers genießen, noch kühlt es abends ab, die Häuser sind noch nicht extrem aufgeheizt, die Temperaturen sind noch nicht über 33 Grad gestiegen. In meinem Viertel gibt es viele begrünte Innenhöfe, manche Innenhöfe sind groß wie Gärten aber von der Straße aus nicht zu sehen. Die begrünten Dächer werden immer häufiger, Balkone und Terrassen sind bepflanzt und wohnlich eingerichtet. Solange sich die Hitze einigermaßen in Grenzen hält, lässt es sich gut leben. Sollte der Sommer aber – wie im Vorjahr -fünf oder sechs extreme Hitzewellen haben, ist es mit dem guten Leben vorüber und die Stadt und ihre Bewohner schalten auf überleben.