Schlagwort: Hitze –

Samstag 2. Juli 2022 – Entspannung der Lage

Beachtlich ist es, wenn die Temperatur innerhalb von zwei Stunden um nahezu zwanzig Grad sinkt, wenn sie von „unerträglich“ über „immer noch recht heiß“ bis zu „genau richtig“ und „schon etwas kühl“, von 35 bis 15 Grad herunterrasselt. Für meinen Geschmack ein wunderbarer Abend! Zwar begann es zu regnen nachdem ich ausgiebig gegossen hatte, aber das sind Kleinigkeiten, schließlich gieße ich gerne und freue mich darüber, dass wir keine Wasserknappheit haben.

Lange hatten wir schon vor, auf dem nahe gelegenen Markt zum Essen einzukehren zum Beispiel in ein vietnamesisches Lokal. Ich habe mir selbst zu rollende Sommerrollen ausgesucht. Zum selbst Rollen, klang verlockend. Geschmeckt haben sie mir sehr, es war irgendein Gewürz dabei, das ich nicht identifizieren konnte. Es wurden Reispapierscheiben auf den Tisch gestellt, die man zunächst durch Drehen im Wasser weich machen musste. Dann kam die Füllung hinein, da gab es verschiedene Möglichkeiten an Fleisch und Gemüse und dann musste man aus diesen Teilen eine Rolle machen, die dann in verschiedene Saucen getaucht wurde.

Ich fürchte ich habe mich ziemlich blöd angestellt, denn die Kellnerin hat mir eine Weile zugesehen und mir dann in einer Mischung aus amerikanischem Englisch und einer Sprache, die eventuell vietnamesisch gewesen sein könnte, erklärt und vorgemacht, wie dieses klebrige Reispapier am besten gerollt werden kann. Sie war sehr nett und wir haben gemeinsam darüber gelacht, was für ein Schlachtfeld ich auf meiner Seite des Tisches hinterlassen habe. Aber es war köstlich und ich denke, ich werde als fortgeschrittene Reispapierwicklerin wiederkommen. Der F hat es sich leichter gemacht und ein Gericht gewählt, das man mit einem Löffel aus einer großen Schale essen konnte. War auch sehr gut.

Endlich einmal wieder ein rundherum angenehmer Tag, den ich durch Nichthören oder Lesen von Nachrichten gekrönt habe. Die Weltnachrichten sind insgesamt furchtbar und die nationalen auch nicht gut, obwohl das ein Jammern auf hohem Niveau bleibt.

Mittwoch, 29.Juni 2022 – Gedankenfetzen

Den letzten Ungarischkurs in diesem Semester habe ich absolviert. In letzter Zeit habe ich etwas geschwächelt, weil anderweitig gar so viel los war, aber ich habe mich schon für zwei Intensivwochen im Juli angemeldet um die Grundpfeiler besser einzuzementieren. Hoffentlich werde ich das nicht bereuen, denn die Stadt glüht jetzt schon und es ist erst Ende Juni. Aber wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe…

Ich überlege, mir im Herbst jemanden zur Konversation zu engagieren. Sehr viel geht da noch nicht, aber man muss ja irgendwie damit anfangen, die Grammatik und Vokabel zusammenzusetzen und ins Leben zu bringen.

Aus gegebenem Anlass rätsle ich gerade über „schlagen“, „vorschlagen“, „zuschlagen“, „beschlagen“. Deutsch ist nicht ganz so schwierig wie ungarisch, aber auch ziemlich furchtbar.

Auch im Atelier hätte ich sturmfreie Bude, der D ist in Irland und kommt erst gegen Ende August zurück, aber zum Malen fehlt s mir gerade an Motivation, kommt auch nicht oft vor. Heute um 11h hat es bereits 30 Grad, da kann man sich auf den Nachmittag richtig freuen ! Der F sagt, im Sommer wäre die Hitze mein vorrangiges Thema. Das ist nicht falsch, aber wenigstens findet er nicht, dass sie mein einziges Thema ist. Wenn er heute nachhause kommt und unter der Hitze stöhnt, es werden wahrscheinlich mehr als 36 Grad, werde ich bedeutungsschwer die Stirn runzeln oder so

Freitag 20.Mai 2022 – Leider Lieblingsthema

Schon begonnen hat die Zeit zu der ich jeden Weg danach aussuche, ob er im Schatten oder in der Sonne liegt. Daraus ergeben sich manchmal auch neue Wege, die ich gar nicht kenne, obwohl ich regelmäßig dicht daran vorbeikomme. Für den Weg ins Atelier bieten sich auch Möglichkeiten von brennend heiß bis einigermaßen beschattet. Die Glastüren des Ateliers selbst werden von einem sehr großen Baum beschattet, der ab dem frühen Nachmittag die Sonne in Schach hält. Glücklicherweise, denn so bleibt das Innere einigermaßen kühl. Leider bin ich in Sommerzeiten extrem auf die Hitze fokussiert, die zum sehr wichtigen bis bestimmenden Faktor bei allem und jedem wird.

Heute bin ich zum Miksang-Fotografieren mit anschließender gemeinsamer Bildbetrachtung verabredet, bis zu 33 Grad sind vorhergesagt. Es ist noch nicht ganz so schlimm, weil die Stadt noch nicht aufgeheizt ist, aber mir reicht es völlig. Jedenfalls werde ich mich sehr bemühen den Nachmittag und Abend trotzdem zu genießen. Wenn man sich allerdings bemühen muss um zu genießen ….

Ich war in letzter Zeit selten im Atelier, weil einfach nicht alles gleichzeitig geht, wenn ich das auch gerne hätte, aber gestern ging es wieder einmal. Der D. hat sich erkundigt, ob es mich eh noch gibt und ob ich nicht im Sommer nach Irland kommen möchte. Daraus ist für mich ein Plan entstanden, im Herbst nach Irland zu fahren. Falls sich nicht die erwartete herbstliche Coronawelle wieder gewaltig aufbaut. Man wird sehen.

Der D hat inzwischen zwei neue Portraits angelegt und überlegt, ob er nicht in Irland bei einer Landschaftsmalerin Unterricht nehmen soll. Mein Tore-Bild, das schon lange unfertig herumsteht, verändert und entwickelt sich wieder. Fertig? Aber doch noch lange nicht …

Getreidefelder vor der Haustür

… sind für mich so ungewöhnlich, dass ich sie, wenn ich in PB bin mit der Kamera umschleiche. Es wäre interessant zu erfahren, was die Leute aus PB über die seltsame Städterin denken, die ständig Banalitäten wie Getreide- und Maisfelder fotografiert. Ich habe in der Stadt eine große Terrasse mit vielen Pflanzen und erlebe dadurch schon den Wechsel der Jahreszeiten direkt vor meinen Fenstern und Türen. Trotzdem ist das nicht dasselbe wie wogende Getreidefelder, deren Wachsen, Reifen und geerntet werden

Es läuft alles gut mit der Wohnungs-Renovierung. Mit etwas Glück beginnt der Bodenleger nächste Woche und wird nicht mehr als zwei oder drei Tage brauchen.

Ich schiele immer mit einem Auge auf die Temperaturanzeige: wird sind wieder bei 34 Grad. Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist das der der 10. Tag mit über 30 Grad in diesem Sommer, der gerade erst begonnen hat. Es hat ja nun aber keinen Sinn sich im kühlen Zuhause zu verkriechen. Man muss halt alles etwas langsamer angehen und immer wieder Abkühlung suchen.

Freitag 18.Juni 2021

Ganz sicher bin ich mir nicht, ob sich die Zeit nicht vielleicht doch objektiv beschleunigt. Dass mir das nicht nur so vorkommt, weil ich älter werde. Es könnte ja auch sein, dass ich Darstellerin in einem Science-fiction Film bin oder vielleicht von der Hitze übergeschnappt. Möglichkeiten gibt es eine Menge.

So ein halbleerer Supermarkt, der im Normalfall Freitag Nachmittag aus allen Nähten quillt, erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre. Man hat den Eindruck, dass alle Leute entweder verbarrikadiert zuhause sitzen oder in einem Bad sind, oder auf dem Land oder sonstwo auf Urlaub.

Wäre ich ein Blatt, würde ich auch Blasen werfen

Donnerstag 17. Juni 2021- Sie ist da, die erste

Heute früh habe ich mit dem Wasserschlauch elegante Drehungen und Wendungen geprobt um sowohl die Pflanzen als auch mich zu begießen. Denn sie ist da, die erste Hitzewelle. Ich habe beschlossen heuer zur Abwechslung nicht über die Hitze zu jammern. Erstens tun das ohnehin schon praktisch alle anderen und zweitens bringt es ja nichts. Aber ich werde die Hitzewellen mitzählen. Ich glaube im Vorjahr waren es sechs oder sieben, wenn nicht noch mehr.

Samstag beginnt der Maler in PB zu arbeiten. Der Arme hat große Hitze erwischt. Andererseits trocknet natürlich alles viel schneller. Er muss die bunten Streifen übermalen, die die Vorbesitzer überall an den Wänden hatten und wenn die Übermalung schnell trocknet, kann er auch schnell den nächsten Anstrich machen. Sonntag mag er nicht arbeiten, aber er plant einen extrem langen Samstag. Nun, das ist seine Sache. Ich habe es nicht eilig, weil die Tischlerfrage ohnehin erst im Planungsstadium ist.

Vorgestern saß ich abends mit einer Freundin in einem sehr stimmungsvollen Gastgarten. Hinterhof von einem Biedermeierhaus mit Wandelgang im ersten Stock, mit Efeu überwuchert. Das Essen war koreanisch und ziemlich köstlich. Ja, und unser Hauptthema waren Tischler. Bei der S ist ein Ikea-Kasten zusammengebrochen und sie hat sich für Qualität entschieden und ist auf die Suche nach Tischlern gegangen. Der erste hatte Long-Covid und kann derzeit maximal zwei Stunden pro Tag arbeiten, was alle seine laufenden Aufträge immens verzögert von neuen ganz zu schweigen. Beim zweiten ist seine Frau schwer erkrankt, nicht an covid sondern an irgendetwas anderem. Beim dritten ist sie fündig geworden. Gute Arbeit und auch noch schnell, im Juli will er fertig sein.
Ich werde darüber nachdenken, ob er auch was für mich wäre. Eigentlich wollte ich einen lokalen Tischler in PB beschäftigen, aber nachdem sich der Raumausstatter, der den Boden machen wird, sehr vorsichtig ausgedrückt hat und sich zu keiner Empfehlung durchringen konnte, sind mir Zweifel an diesem Tischler gekommen.

Der Dienstag dichtet, fünf

Katha hat das Projekt ins Leben gerufen, bei ihr gibt es auch eine Teilnehmerliste

Ich definiere für mich „Gedicht“ als verdichtete Prosa und beginne – sehr vorsichtig – mich daran zu versuchen

 

 

Zwischen Lyrik, Prosa und Schwitzen

Die Hitze kriecht durch den Körper und lässt alle Muskel erschlaffen,

Venenklappen wollen sich nur mehr zögernd schließen

Das Gehirn schmilzt, Denken wird zähflüssig

 

Die aufblasbare Badeinsel mit der Palme grinst hämisch

Die Sandaletten werden immer enger

38 Grad, ohne Berücksichtigung des strahlenden  Betons, des flüssigen Teers

und der aggressiven Mitmenschen

 

Im Sommer in den Süden?

In den Blechhitzestau?

Ins Flugzeug mit virenspendender Belüftung?

Im duftenden Flixbus?

Freiwillig?

 

Überbelichtetes Grün

Ich dachte die Überbelichtung bringt die Hitze gut heraus. In dieser Form der Darstellung ist halt nur die Bildqualität auch bescheiden.

Montag 1. Juli 19 – Höhepunkt der eigentlich schon dritten Hitzewelle

Den Siegertext des Bachmannpreises habe ich gerade gelesen, „der Schrank“ heißt er, was mich nach Fertigstellung unseres Schrankes sehr amüsiert hat. Der Text gefällt mir sehr, lustig ist er allerdings ganz und gar nicht. Es geht um das Leben im Präkariat einer jungen Frau, so jung ist sie eigentlich auch nicht mehr, sechsunddreißig. Also ein Alter, bei dem man befürchten muss, dass sich ihre Lebensumstände nicht mehr entscheidend verändern könnten. Ein gesellschaftlich sehr wichtiges Thema sei das Präkariat, sagte die Autorin. Sie war bei der Preisverleihung sehr gerührt, ob es ein autobiografischer Text ist, weiß ich nicht. Er ist jedenfalls sehr realistisch und zeigt viele Aspekte einer solchen Lebenssituation auf.

Ich freu mich darauf, die anderen Texte zu lesen. Der Ingeborg-Bachmann-Preis ist immer sehr interessant, was die Texte betrifft, mit vielen Aussagen und Eitelkeiten der Juroren kann ich meistens weniger anfangen.

Mein erster richtiger Urlaubstag ist heute, gleichzeitig der bisher heißeste Tag des Jahres, es sollen bis zu 38 Grad werden. Der Wetterbericht, den ich gerade gehört habe, tröstet die Hitzegeschädigten damit, dass demnächst keine weiteren Hitzerekorde seit Beginn der Messungen im Jahre 1767 zu erwarten sind, weil die Latte im Juli etwas höher liegt als im Juni. Wenn das kein Trost ist !

Die Urlaubsplanung sieht vor, zunächst einmal zwei völlig planungsfreie Wochen zu verbringen ……

Mittwoch 26.6.19 – Schattenslalom und Schwerstarbeit

Aus dem klimatisierten Bus gestiegen, jetzt circa fünf Meter zum nächsten beschattenden Vordach, Strecke geplant: immer an der Wand lang auf der Schattenseite der Straße, ein Schwenk in die Sonne dort wo die heiße Luft aus der Klimaanlage vom Ärzteturm kommt. Ein Schwall heißer Luft. Die vielen Klimaanlagen machen die Luft natürlich noch heißer. Andererseits kann niemand bei 35 Grad vernünftig arbeiten. Ein Teufelskreis. An der Einkaufsstraße angekommen, hier gibt es keine Schattenseite aber Bäume, also die kürzestmögliche Distanz schräg hinüber zu den Bäumen und dem Wasserbecken, wo ein paar Leute wie matte Fliegen auf den Bänken sitzen.  Dann die Arkaden, durch das klimatisierte Einkaufszentrum, kleiner Zwischenstopp in der Bücherei, von dort eine relativ lange Strecke bis zum U-Bahn-Eingang, hinunter in die relative Kühle der Passage, dort ist das ÖBB-Büro.

Zum Glück ist der unterdurchschnittlich kompetente Angestellte nicht da, der mir versichert hat, man könne bei ihm kein Ticket der Deutschen Bahnen erwerben, er könne noch nicht einmal über Preise Auskunft geben. Sein Kollege braucht für das Unmögliche 5 Minuten. Irgendwann werde ich meine diversen Tickets per Internet kaufen, aber noch bin ich dazu nicht frustriert genug und kaufe bei Reisebüros und Bahnschaltern. Außer die Hotels, die buche ich online.

Gerade sind die Möbelpakete-Lieferanten mit einem großzügigen Trinkgeld abgezogen. Unser Aufzug ist niedrig, Pakete, die 2,50 hoch sind, passen da nicht hinein. Die beiden mussten alles in den 6. Stock schleppen und haben extrem geschnauft und geschwitzt. Nun denn, jetzt steht das Rohmaterial da und die nächsten, die hier schwitzen werden, sind der F und ich.

Dienstag 25.6.19 – Zwischen Schuljahresausklang und Ferieneinläuten.

Die Vorteile von Kollegen habe ich gestern Abend so richtig ausgekostet. Ein potentiel extrem öder Abend stand an, fünf Stunden in der Abendschule ohne Abendschüler, die sich nur noch Mittwoch Abend ihre Zeugnisse abholen kommen werden, aber letztendlich war es sehr interessant. Eine Kollegin erzählte ihre dramatische Familiengeschichte, in der von Adoptionen bis Sucht und Selbstmord so ziemlich alles stattgefunden hat, was man sich vorstellen kann. Warum sie das alles erzählt hat und warum gerade zur Unterhaltung gelangweilter Kollegen verstehe ich zwar nicht, aber es geht mich ja auch nichts an.

Kollegin Nummer 2 berichtete von den diversen bürokratischen Schleifen und Kosten beim Kauf bzw Verkauf eines Hauses, was mich sehr interessiert hat, weil wir ja auch ein Haus zu verkaufen haben. Und Kollege Nummer 3 war kürzlich in Hamburg und erzählte von seinen dortigen Aktivitäten. Also wurde es unerwarteterweise ein angenehmer Abend, wenn man davon absieht, dass das ganze Gebäude vor Hitze glüht.

Ich versuche, mich so gut wie möglich an die Hitze zu gewöhnen. So gut wie möglich ist in meinem Fall leider nicht besonders gut. Trotzdem möchte ich ja nicht noch weitere 2 Monate jammernd herumsitzen und tue also mein bestes um die frei Zeit zu genießen.

Heute Abend beteilige ich mich an einer Meditationspraxis, die sich für mich sehr attraktiv anhört. Ähnliches habe ich schon oft praktiziert, aber genau dieses Dakini-Mandala noch nicht. Ich bin sehr gespannt und erwartungsvoll. Für eine nicht-esoterische Person wie mich, ist es sehr bereichernd die Essenz solcher Praktiken zu erfassen und sie – für mich – von kulturell und religiös motiviertem Schnick-Schnack zu befreien. Man verzeihe mir den Ausdruck. Was dann übrig bleibt ist zumeist sehr Menschliches und sehr Tiefgründiges oder – wie in diesem Fall – eine wunderbare Methode der Psychohygiene, die vollkommen ohne Esoterik und Religion auskommt.