Schlagwort: Sprachen –

Samstag 17. April 2021

Seit über einem Monat habe ich einen wunderbaren Schreibtischbegleiter. Er steht dekorativ da und riecht betörend. Leider riecht er nicht mehr so stark wie anfangs, weil er langsam doch abblüht, aber es wachsen schon neue Ranken, die es vielleicht auch bis zur Blüte bringen. Ich habe den Jasminstock bei einem mir äußerst unsympathischen Blumenhändler gekauft, der auf die Frage, ob ich den Jasmin viel oder wenig gießen soll „wenig“ geantwortet hat. Deswegen gieße ich ihn eher viel und mit bestem Erfolg.

Der Geruch von Jasmin entführt mich immer nach Sevilla, in die „Casa de Pilatos“, einem Renaissance-Mudéjar-Palast, der abgesehen von seinen architektonischen Schönheiten auch eine Jasminlaube im Garten hat, die für diejenigen, die den Geruch so gerne mögen wie ich ein olfaktorisches Paradies darstellt. Mein Arbeitszimmer ähnelt zwar in keinem einzigen Detail einem andalusischen Palast, aber es riecht schon seit Wochen so.

Heute habe ich bei einem Spaziergang durch Bloghausen einen rumänisch geschriebenen Blog gefunden, der über diverse Reisen und Länder berichtet. Ich habe einmal – vor vielen Jahren – begonnen rumänisch zu lernen. Die Mischung aus romanischen und slawischen Elementen hat mich fasziniert. Es ist dann nichts weiter daraus geworden, weil ich keine native speaker kannte, mit denen ich mich gerne unterhalten hätte. Beim Lesen verstehe ich schon eine Menge, aber es passiert immer wieder, dass ein für das Verstehen entscheidendes Wort eine slawische Wurzel hat. Leider beherrsche ich keine einzige slawische Sprache und kann daher auch nichts ableiten. Das sieht dann so aus wie ein Weg, der über viele verständliche, landschaftliche Elemente plötzlich vor einem unverrückbaren Felsen endet. Natürlich gibt es Wörterbücher und Übersetzungsprogramme, aber es macht mir mehr Freude, mich selbst durchzuschlängeln und dann die unverständlichen Teile irgendwann aus dem Kontext zu verstehen

Ich entdecke so viele Ähnlichkeiten in den Vorlieben, die Mercier beschreibt

Nicht nur, was die Freude am Regen und am Aufenthalt auf dem Wasser betrifft, auch die Beschäftigung mit Sprache, der Vergleich von Sprachen. Der Traum des Protagonisten ist es, alle Sprachen der Länder zu lernen, die an das Mittelmeer grenzen. So weit würde ich nicht gehen, aber das Betrachten verschiedener Ausdrücke in verschiedenen Sprachen, finde ich auch sehr spannend.

„Es war auf der Fähre von Portsmouth nach Le Havre. Sie hatten diese Strecke gewählt, um möglichst lange auf dem Wasser zu sein. Beide liebten sie die Abenddämmerung und verfolgten sie an Deck. La nuit tombe, night is falling. Mit Einbruch der Dunkelheit – warum klang das gewaltsamer als das Fallen? Warum brach die Morgendämmerung an und die Abenddämmerung herein?“

Pascal Mercier „Das Gewicht der Worte“ S144

Dienstag 29.1.19

Erfreulich finde ich es, Zeit zu haben um Radio zu hören, OE1 mit seinen Sendungen zu den allerverschiedensten Themen, meistens oder sogar fast immer auf hohem Niveau. Heute gab es zum Beispiel für sprachinteressierte Menschen einen Bericht über das Buch einer jungen Historikerin zum Thema „Sprachenvielfalt im Heer der Donaumonarchie“. Es ging auch um das großteils vergessene Vokabular mit dem die verschiedenen Nationalitäten die jeweils anderen bezeichneten und um die Falsifizierung der Theorie, dass es eine große Chance sei, nur mit einer Sprache aufzuwachsen, weil man dann wüsste, wo man hingehört. Borniert finde ich diesen Ansatz, wenn man bedenkt was für eine große Bereicherung jede Sprache, die man lernt darstellt. Und je früher man sie lernt desto besser.

Ein Jammer, dass viele den Begriff „Heimat“ gleichsetzen mit „Beschränkung auf das, was es in der unmittelbaren Umgebung immer schon gegeben hat“. Als könnte man nicht Traditionelles und Neues erlernen und schätzen, als würde dies das Leben nicht enorm bereichern. Manchmal kommt mir vor, dass es in der alten Monarchie in manchen Bereichen viel weltoffener zuging als im heutigen Österreich.

Ich übe unverdrossen, eigentlich eher verdrossen, das Stiegensteigen. Mein Körper signalisiert „das geht nicht“. Es geht aber wohl, gut sogar, nur ist dieses Wissen nicht nachhaltig. Ich erinnere mich, dass ich völlig problemlos zwei Stockwerke genommen habe, aber die Erinnerung schafft es gewissermaßen nicht bis ins Körperbewußtsein. Ein frustrierendes Gefühl. Fein wäre es, wenn jemand in dem Reha-Team Feldenkrais-Methode gelernt hätte. Das wäre wohl genau der Ansatz.

Freitag bin ich bei jemandem eingeladen, der im dritten Stock Altbau ohne Lift wohnt. Wenn ich mich recht erinnere, haben die Stiegen auch kein Geländer zum Anhalten und der F hat auch keine Lust mitzukommen. Na gut, Motivation ist alles, ich werde das schon hinkriegen.