la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Der Preis der Hingabe – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die Wörter stammen diesmal von Ludwig Zeidler

Die drei vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 300 Wörtern verpackt.

Hingeben wollte sich Gertrude, an jemanden, der über allen anderen stand, den sie verehren wollte, ohne wenn und aber, an den sie die unerträgliche Verantwortung für ihr Leben abgeben konnte. Die Welt sollte er ihr erklären und den richtigen Weg zur Erleuchtung zeigen. Dafür war sie bereit alles zu geben, was sie hatte, was sie war und was sie konnte. Sie putzte, sie spendete, sie überzeugte andere. Sie nahm an langwierigen, komplizierten Ritualen teil. Kein ambivalentes Gefühl leisen Zweifels durchzog jemals ihre bedingungslos demütige Haltung vor dem großen Rinpoche.

Sie putzte gerade noch den Vorraum zu den Privaträumen des Rinpoches im Tempel, erneuerte die Blumengestecke, verbeugte sich vor dem Bild des Meisters. Alles lautlos um ihn nicht zu stören. Die Tür zu des Meisters Räumen war nur angelehnt und sie hörte, wie er mit einem seiner Assistenten sprach. Sie hörte, was sich ihr wie glühend einprägte. „Nein, das kannst du vergessen“ sagte der Meister „so dumm ist nicht einmal die kleine, dünne Frau mit dem irren Blick, wie heißt die noch gleich?“ „Gertrude ?“ „Ja genau, Gertrude“

Die Tür ging auf, der Meister sah ihr tränenüberströmtes Gesicht, zögerte kurz, setzte sein breitestes Lächeln auf und erklärte ihr, dass er besonders fortgeschrittene Schüler wie sie auf diese Art der Erleuchtung einen Schritt näher bringe. Der Schock konnte sie aus ihren gewohnten Verhaltensmustern herauskatapultieren und sie die unendliche Weite des Raumes erkennen lassen.

Ein paar Tage später fand man ein zerschnittenes, schwarzes Tuch, das das größte Foto des Meisters im Tempel bedeckte und einen Brief von Gertrude. Zunächst befürchtete man das Schlimmste, einen Wahnsinnsausbruch, eine Verzweiflungstat. Doch in dem Brief fanden sich nicht die erwarteten langatmigen Abschiedsworte ans Leben sondern nur ein Satz „So dumm ist die Gertrude dann doch nicht “ und ein Zettel, der die Stornierung ihres beträchtlichen Bankdauerauftrags an den Tempel dokumentierte.

 


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Karfreitag im Original-Haarlem

Viel Interessantes haben wir in Holland gesehen, erlebt und fotografiert. Einiges wird hier vorkommen, anderes nicht.

Weder der F noch ich sind religiös, aber wir waren beide doch sehr überrascht über die Situation, die wir am Karfreitag in Haarlem antrafen. Wir wollten uns den zentralen Platz ansehen mit einigen sehr sehenswerten Gebäuden und der größten Kirche. Wir dachten in einem protestantischen Land würde am Karfreitag eine irgendwie getragene wenn nicht gar religiöse Stimmung herrschen. Aber weit gefehlt, direkt vor und neben der Kirche gab es einen sehr lauten, sehr gut besuchten Jahrmarkt mit allem Drum und Dran. Ausgerechnet die Hell-Raiders ließen die Leute durch die Luft fliegen

Einen Verteidiger hatte die Kirche, der steinerne Mann war offenbar gegen die Plastikfrau sehr erfolgreich 🙂

 


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#INKTOBER2018 #13 – guarded

Guarded heißt ja nicht nur beschützt oder bewacht im positiven Sinn sondern auch überwacht. Überwacht von anderen, die sich womöglich auch noch als wohlwollend verstehen. Ein bissl vielschichtiger als „Pfui, die Bösen“ ist es aber schon gemeint.


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Dienstagsmarathon

Mein Stundenplan ist sehr fein, aber die Dienstage sind unendlich. Ich bin um 8:00 aufgestanden und um 22h15 nachhause gekommen. Dazwischen habe ich unterrichtet und einen Berg Administratives erledigt, eine Menge neuer Schüler*innen und Studierender kennengelernt und natürlich auch eine Pause gehabt in der ich zur Abwechslung vom asiatischen Essen gebackenen Parasol gegessen habe. Sehr ungewöhnlich, dass es diese Pilze in Lokalen oder auch auf dem Markt gibt. Meist muss man sie selbst im Wald pflücken, falls man denn Gelegenheit dazu hat.

Heiß und stickig ist es in unserem derzeitigen Schulgebäude. Im dritten und vierten Stock Saunatemperaturen. Alle Fenster und Türen sind offen. Der Unterricht in einem Raum wird oft vom Unterricht in einem anderen gestört, aber die Hitze und die stehende Luft wären noch unangenehmer. Mittwoch soll es wieder 30 Gad haben.

Trotz der klimatischen Bedingungen plätschert der Unterricht angenehm dahin, vormittags wie abends. Die interkulturellen Highlights gibt es in den Pausen zu erfahren. Zum Beispiel die Debatte darüber ob Tätowierungen haram sind oder nicht. Es gab unter den Studierenden zwei Meinungen dazu: die einen sagen, dass sie erlaubt seien, weil sie ja unter der Haut liegen und daher den Körper nicht verletzen, die anderen meinen, man müsse sie auf jeden Fall bei der Gebetswaschung entfernen, was nicht möglich ist, daher sind sie verboten. Ich habe dazu keine Meinung. Lustig fand ich die Information, dass es schnell abwaschbaren Nagellack geben soll, der sich bei der Gebetswaschung schnell entfernen lässt.

Ich genieße solche Überlistungen der eigenen Religionsvorschriften. Sie zeigen so eine grundvernünftige Einstellung zum irdischen Leben. Vor allem bei nicht ganz so orthodoxen Juden gibt es ja da die skurrilsten, sophistisch erdachten Strategien, wie man Vorschriften, die das Leben schwierig machen umgehen kann. Dass sich solche Dinge auch bei den Muslimen entwickeln, finde ich äußerst positiv. Vorschriften zu hinterfragen und sich Möglichkeiten auszudenken, wie man sie umgehen kann ohne sie wirklich zu brechen, lässt sich mit der Unflexibilität und Humorlosigkeit des Fanatismus nicht vereinbaren. Nun ist der abwaschbare Nagellack noch kein großes Zeichen, aber immerhin.

 


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Vom Minirock zur schwarzen Säule

Das Gespräch, das ich heute abend mit einer Studierenden geführt habe, war so interessant, dass man uns beinahe im Schulgebäude eingesperrt hätte. Gerade noch im letzten Moment bevor der Schulwart die Alarmanlage eingeschaltet hat, sind wir hinausgekommen.

Sie hat mir von ihrer Großmutter erzählt, die als junge Frau in Afghanistan ein relativ freies Leben führte und Lehrerin war. Nach dem frühen Tod ihres Mannes zog sie allein zwei Söhne groß, einer davon der Vater der jungen Frau, doch dann kamen die Taliban und reduzierten sie auf eine schwarze Säule. Sie erzählte, wie die Großmutter die ganze Familie zur Auswanderung gedrängt hatte. Ich habe nicht gefragt, ob die Großmutter selbst auch mitgekommen ist. Die Frage werde ich nachholen

Sehr spannend fand ich auch das Verhältnis der jungen Frau zum Islam. Sie teilt ihr Leben in verschiedene Bereiche ein. In der Bäckerei, in der sie arbeitet, könnte sie ein Kopftuch tragen, tut es aber nicht, weil sie meint, dass ihre Religion nicht als Provokation herhalten soll. In der Abendschule trägt sie ein loses Kopftuch, die Art wie man sie an Frauen im Iran sieht; weder das Haar noch der Hals sind eigentlich bedeckt. Auf meine Frage, wie man ein Leben zwischen Arbeit und Schule mit fünf Gebeten am Tag verbinden könne, sagte sie, dass das darauf ankäme, wie man „Gebet“ definiere. Nach einer modernen Auslegung des Islam, wäre alles, was man gerne für andere tue, auch als Gebet zu betrachten. Wenn das viele Menschen so sähen, würde das der Gesellschaft sehr gut tun.

Jedenfalls eine interessante, neue Studierende, die gerne redet und gerne Auskunft gibt über ihre Meinungen.