la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


20 Kommentare

Sunnys Zeitzeugen

Hier gehts zu Sunny

Ich habe zwei sehr verschiedene Arten von „Zeitzeugen“ anzubieten. Nummer 1 ist ein Heiliger im Eisenstädter Dom. Es wird wohl bei Heiligen ähnlich sein wie bei Märtyrern: man weiß nicht wirklich, ob es die richtigen Knochen sind. Somit ist die Zeitzeugenschaft hier etwas umstritten

Auch im zweiten Fall ist das so eine Sache: Vor etwa 200 Millionen Jahren gab es bereits die Phytosaurier, denen die rezenten Krokodile äußerst ähnlich sind. Man nennt diese netten Tiere ja auch lebende Fossilien. Dieses konkrete Exemplar hier ist aber wohl nicht annähernd 200 Millionen Jahre alt 🙂 Laut seinen Quartiergebern im Aquarium von Bergen ist er oder sie noch keine 3 Jahre alt.

Advertisements


10 Kommentare

Heilige holding ?

Die österreichische Vinzenz-Gruppe ist eine aus sieben Krankenhäusern und zwei Pflegeheimen bestehende Holding, die vom Orden der Barmherzigen Schwestern 1995  gegründet wurde. Offenbar ein sehr tüchtiger Orden, denn die Gruppe ist kaufmännisch wie medizinisch sehr gut aufgestellt. Image illustrative de l'article Vincent de PaulQuelle: Wikipedia

Der heilige Vincent de Paul  geboren in Pouy am 24.April 1581 und verstorben in Paris am 27. September 1660 ist der Namensgeber dieser Holding ebenso wie vieler christlicher Organisationen. Die Historiker bezweifeln zwar den Wahrheitsgehalt der Legende, dass er zwei Jahre lang als christlicher Sklave in Nordafrika gelebt haben soll und dann mit seinem von ihm zum Christentum bekehrten ehemaligen Herrn und dessen drei Frauen nach Rom gereist sei.

Tatsache ist aber, dass er 1619 Beichtvater des für die französischen Galeeren zuständigen Generals, Philippe-Emmanuel de Gondi wurde . 1625 gründete er die Kongregation der Lazaristen ( In Deutschland Vinzentiner genannt). Vinzent de Paul verstand es offenbar ausgezeichnet die Damen der französischen Gesellschaft zum Spenden für die Armen und Bedürftigen zu motivieren und war Gründer mehrerer wohltätiger Organisationen.

So wurde auch diese österreichische Holding nach Vinzent de Paul benannt. Wie ich auf das Thema komme ? Nun, das Spital, in dem meine Rehab stattfindet, gehört auch zur Vinzenz-Gruppe und ich bin äußerst beeindruckt von der freundlichen Atmosphäre, die dort herrscht. Zuerst dachte ich, es müsste ein ganz fantastisch effizientes Qualitätsmanagement sein, das solche Ergebnisse erzielt, aber wenn man genau hinsieht, so stellt man fest, dass nicht eine professionelle Freundlichkeit herrscht, sondern eine sehr überzeugende Herzlichkeit.

An und für sich würde es mich irritieren, wenn in einem Rehabzentrum überall Kreuze hängen, sogar im Schwimmbad, wenn es eine angeschlossene Kapelle gibt ….. aber in diesem Fall, in einem so großartig organisierten und funktionierenden Spital mit einem derart außergewöhnlichem Personal habe ich mich schon nach einer Woche daran gewöhnt und genieße das Ambiente geradezu.

 


8 Kommentare

Die Verzweiflung der Tradition – abc-etüde

2017_37.17_zwei_lz | 365tageasatzaday

„Knutschkugerl“ sagten die älteren Schüler im Schlafsaal des Stifsgymnasiums zu ihm, „Knutschkugerl“ weil sie es natürlich alle wussten. Alle wussten, dass er in diesem Schuljahr regelmäßig zu Pater Pius gehen musste und wahrscheinlich wussten sie auch, was er dort tat. Trotzdem konnte er mit niemandem darüber reden, auch im Beichtstuhl erwartete ihn Pater Pius. Einmal hatte er versucht in vorsichtigen Andeutungen mit seiner Mutter zu reden. Sie weinte, „Bub“ sagte sie „das sind doch heilige Männer, und das Gymnasium, denk an das Gymnasium und die Matura, ich kann´s dir nicht zahlen“.

Heute schaute er von seinem Balkon auf das Stift hinüber, zu den  Schlafsälen der Kinder. Die Konzerte in Japan waren wie immer erfolgreich gewesen. Die Sängerknaben füllten dort jeden Konzertsaal. Der Valentin hatte sich als Solist ganz passabel gemacht, eine erstaunliche Verwandlung, wenn auch von der Stimme her eigentlich der Florian oder der Max besser wären. Aber den Valentin hatte er für heute Abend bestellt, wie so oft in diesem Jahr.


17 Kommentare

Es lebe der Fisch (zu summen nach der Melodie von „es lebe der Sport“)

Sehr viel Eiweiß, gesunde Fette und absolut kein Zucker. Fisch kann man kalt oder warm in verschiedenster Zubereitung essen. Mein Lieblingsvegetarier isst auch Fisch.Also werde ich mich zur begeisterten Fischesserin entwickeln. Zwar verstehe ich den Unterschied zwischen dem Verspeisen eines Huhns zum Beispiel und dem eines Fischs nicht wirklich, aber ich muss ja nicht alles verstehen.

Von Seiten der Religion geht es ja meines Wissens um die Unterscheidung zwischen Land- und Wassertieren. Wassertiere, also zum Beispiel Fisch, durfte man auch in der Fastenzeit essen. Böse Zungen behaupten ja, dass man in manchen Klöstern Wildschweine im Wasser gehalten hätte um den Speiseplan in der Fastenzeit aufzumotzen ….

Ein kleiner Abstecher in die bizarre Welt von Lieferanten eines Hofs, den es seit 100 Jahren nicht mehr gibt. Na ja, Hauptsache der Fisch ist frisch, die Gedankenwelt in der Firma C.Warhanek kann mir ja egal sein


14 Kommentare

Die Arabesken des IS

Die Sprache des Terrors

Spannendes Thema, neuer, spannender Ansatz. Philippe-Joseph Salazar wurde in Casablanca geboren und verbrachte dort auch seine Kindheit. Man kann wohl sagen, dass er in der arabischen Welt zuhause ist. Obendrein ist er ein Schüler von Roland Barthes, einem bekannten Linguisten und Semiotiker. Betrachtet  man diese beiden biographischen Daten, so erstaunt der linguistische Ansatz zum Verstehen des IS nicht.

Salazar beschäftigt sich hauptsächlich mit der Rhetorik des IS. Dazu geht er zunächst zurück zur französischen Revolution:

Wer wäre heute noch bereit, derartige Sätze überzeugend auszusprechen oder gar in die Tat umzusetzen: Saint Justs „Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit“ Robespierres „Wer den Himmel anruft, will die Erde an sich reißen“ oder Marats“Die Freiheit muss mit Gewalt errungen werden“ Heute will das niemand mehr. Nur noch das Kalifat. (p14)

Er beschreibt die blumigen Arabesken des politischen Diskurses des IS

Gegen diesen Stil sind wir machtlos: Unsere politische Sprache ist vergleichsweise steril, rhetorisch banal und ohne jede Poesie. (p17)

Äußerst erhellend ist auch der Vergleich zwischen westlicher und islamischer Rechtstradition. Wo die westliche Rechtssprechung auf Rechtsnormen beruht (diese und jene Handlungen sind aufgrund von diesen und jenen Gesetzen verboten), arbeitet die islamische Rechtssprechung mit Analogien, die auf Interpretationen des Korans oder der Prophetengeschichten beruhen.

Weiters beschäftigt sich Salazar mit der Person des Kalifen, mit der Art wie er an die Macht kommen kann und mit dem Blick des Kalifats auf „sein“ Territorium

Das Recht auf Besitz und Eroberung, welches das Kalifat für sich in Anspruch nimmt, ist nicht extraterritorial, vielmehr ist es eine Wiedereroberung also eine Bestätigung, dass ihm jegliches Territorium bereits gehört. (p. 41)

Das territoriale Argument des Terrors lautet also wie folgt: weil Frankreich bereits dem Kalifat gehört, zur Zeit aber von den Ungläubigen besetzt gehalten wird, muss man diese Ungläubigen terrorisieren (p 42)

Auf der grundlegenden Unterscheidung zwischen „langue“ (Sprache) und „parole“(Rede) baut Salazar seine Betrachtungen der Propaganda auf, mit der der IS Jugendliche potentielle Dschihadisten überzieht. Er analysiert eine Reihe von IS-Videos sowie Videos der Gegenpropaganda des Westens.

„Um es anders zu sagen: In der E-Technik Internet verlegt sich das Kalifat auf Qualität, wir hingegen legen Wert auf Quantität. Das Kalifat setzt auf Heroismus, wir setzen auf Prävention. Es setzt auf das Ideal, wir setzen auf den Durchschnitt. Es setzt auf Transzendenz, wir setzen auf die Mittelschicht“ (p. 76)

Äußerst interessant finde ich auch die Gegenüberstellung des Dialogs (ein großer Wert im Westen) und des Appells, einer im Kalifat geschätzten Art der Rhetorik (p 84 ff)

Über die Ausführungen Salazars zum Feminismus im Kalifat konnte ich mich nur wundern, ebenso wie über seine ausführlichen Beschreibungen der Attribute der Männlichkeit der Krieger des Kalifats.

„Das Kalifat macht den Krieg wieder zu einer Sache der Männlichkeit“ (p117)

Ein weiterer Aspekt, den Salazar aufzeigt, ist der Unterschied zwischen der ideologischen Richtung des Islam des Kalifats und jener des Iran, eines Landes mit einer indo-europäischen Kultur, die die schiitische Version des Islam praktiziert

„Schauen wir uns den iranischen Islam an: Hat man jemals gesehen, wie ein Soldat der islamischen iranischen Revolution eine moralische Ansprache hielt und einem Opfer die Kehle durchschnitt, trotz aller Kriege und Schlachten, die seit der Entthronung des Schahs und der Erneuerung der schiitischen Herrschaft stattgefunden haben ? Nein, denn das ist nicht seine Aufgabe.“ (p 124)

„Im Iran, einer indoeuropäischen Kultur regiert der Klerus, schützen die Revolutionsgarden und arbeiten die Menschen, das ist das von Platon in der Republik beschriebene trifunktionale Modell (p.125) In der anthropologischen Sphäre, der die semitische und die arabisch-muslimische Welt, mit Ausnahme des Irans, entstammen, gibt es jedoch keine derartige funktionale Teilung. Ein arabisch-islamischer Soldat kann als Opferpriester handeln und seine Handlung während einer Liturgie des Menschenopfers auch als solche bezeichnen“ (p125)

Auch mit der Psychologie der ins Kalifat einwandernden jungen Menschen beschäftigt sich Salazar:

„Plötzlich – oder endlich- entdeckt man, dass Dschihadisten nicht zwingend dumm, minderbegabt, marginalisiert, gescheitert und ausgegrenzt sind, sondern in nicht wenigen Fällen Diplome vorweisen können, Söhne aus gutem Hause oder folgsame und fleißige Mädchen sind, die ihre Entscheidung häufig wortgewandt auszudrücken und zu beschreiben in der Lage sind (p. 142)

Salazar thematisiert noch die westliche und die dschihadistische Diskursgemeinschaft und erläutert seine Ansicht, wie der Krieg gegen den IS in einen bewaffneten Frieden umgewandelt werden könnte.

Keine einfache Lektüre, aber insgesamt ein hochinteressantes Buch mit ausführlicher, weiterführender Bibliographie zum Thema. Nicht besonders gut ist die Übersetzung. An vielen Stellen fand ich die Terminologie nicht so gut gewählt bzw verstand ich sie nur durch „Rückübersetzung“ ins Französische.

Philippe-Joseph Salazar

„Die Sprache des Terrors“

Pantheon Verlag: 2016

ISBN: 978 – 3-570- 55343 – 5

Vielen Dank an den Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars


19 Kommentare

Kulturcrash und Religionsverwirrungen in losen Sätzen

In der Schule haben wir immer wieder interkulturelle Probleme. Der neueste Fall hat es besonders in sich. Eine Schülerin aus einer tschetschenischen Familie schreibt gemeinsam mit einem österreichischen Schüler eine Projektarbeit. Die Familie des Mädchens hat nichts dagegen, soweit wäre die Sache ganz problemlos, wäre da nicht eine österreichische Mitschülerin, die sich in den jungen Mann verliebt hatte, dabei aber auf kein Interesse seinerseits stieß. Um sich zu rächen hat sie nun die tschetschenische community gegen diesen Schüler aufgehetzt und  ihm selbst auch Drohbriefe geschrieben. Ob die Tschetschenen ihrem Ruf der heftigen Gewaltbereitschaft entsprochen haben oder nicht, wird von der Polizei untersucht. Der von diesem massiven Mobbing betroffene Schüler hat jedenfalls Angst allein auf die Straße zu gehen und läßt sich von seinem Bruder in die Schule begleiten….

Dafür wieviel Sprengstoff im Zusammentreffen so vieler Kulturen, Sprachen und Religionen liegt, funktioniert der Alltag in unserer Schule ohnehin ziemlich gut. Nur manchmal eskaliert das eine oder andere.

Zwei junge Frauen stehen mit ihren Wachturmaustellungsregalen auf Rädern im Eingangsbereich der U-Bahn. Auf dem einen Wagerl steht „Gratis-Bibelkurse“, das andere ist ganz in arabischen Lettern gehalten, die wohl  für die Zielgruppe verständlich sind. Beide Transportregale sind mit den typischen Zeichnungen der Schriften der Zeugen Jehovas bebildert.  Höchstwahrscheinlich gibt es viel mehr Zeuginnen als Zeugen Jehovas, aber die oberen Ränge dieses Finanzkonzerns sind sicher mit Männern besetzt.