la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Barlach

17 Kommentare

Eine völlig andere Art von Biographie als alle, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Anfangs hat es mich irritiert, dass es ein ziemlich erzählerischer Text ist. Der Autor versetzt sich in seine Figur, für meinen Geschmack etwas zu sehr, eine Biographie ist kein Roman. Ich habe mich aber eingelesen, denn diese Art Text ist natürlich auch wesentlich flüssiger zu lesen.

Sehr interessant fand ich, wie lange Barlach gebraucht hat um nicht nur seinen eigenen Stil sondern überhaupt die starke Motivation für sein bildhauerisches Werk zu finden. Dass er auch Dramatiker war und etliche Stücke geschrieben hat, wusste ich vorher gar nicht.

Als Mensch besonders sympathisch ist mir Ernst Barlach durch diese Biographie nicht geworden:

„In seinen Briefen an Düsel hält er seine offenbare Ignoranz für eine deutsche Tugend. Böcklin und Klinger können auch viel weniger als die gefeierten Pariser Meister, aber in ihnen steckt viel mehr an Wahrheit und Tiefe, eben echtes Genie! In dieser Stadt (Paris) aber sei man bloß fingerfertig geschickt, nur hier konnte einst Meyerbeer über Wagner triumphieren. Barlachs Fazit: „Wir sind schon zu sehr Juden“ Barlach, ein Antisemit? Das nicht, aber einer, der immer mal wieder in Gefahr steht, in Deutschtümelei zu versinken, das schon.“ S51

Vielleicht ein Detail, dennoch ist es mir unangenehm aufgefallen bei einem in der Gegenwart lebenden Biographen. Barlach hatte ein Kind mit einer nicht näher beschriebenen Frau. Er bekam auf gerichtlichem Weg das Sorgerecht für dieses Kind, das seiner Mutter weggenommen wurde. Für heutige Begriffe eine doch sehr ungewöhnliche Vorgangsweise, zumal der Vater Barlach das Kind von dessen Großmutter aufziehen ließ. Dem Autor ist aber die hinter diesem Urteil stehende Einstellung und die Haltung und Gemütslage der Mutter nicht einmal einen Nebensatz wert.

Der zweite Punkt, den ich interessant fand, war die Beschreibung der ersten Jahre des Nazi-Regimes. Wie sich Barlach und viele andere deutsche Künstler positioniert haben. Wie verschieden das Attribut „deutsch“ von verschiedenen Seiten verwendet wurde.

Die Illustration der Biographie, vor allem die Abbildungen von Barlachs Werk finde ich nicht sehr großzügig. Ob man schwarz-weiße oder farbige Abbildungen vorzieht ist Geschmackssache, aber die Anzahl der Fotos von Skulpturen ist doch sehr klein.

17 Kommentare zu “Barlach

  1. liebe myriade, sehr interessant ist dein blick auf details, die ich über barlach nun auch nicht wusste. vielen dank!
    lieben gruß: pega

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  2. Barlach gehört zu den wichtigen Künstlern meiner Jugend. Als Erstsemester nahm ich an einer Einstudierung des expressionistischen Stückes „Der Jüngste Tag“ teil, die zu meinem Glück nicht zur Aufführung kam, denn obgleich ich, verteilt über drei Nebenrollen, nur wenige Zeilen zu memorieren hatte, durchlitt ich Alpträume, dass ich den Einsatz verpassen oder die Worte vergessen würde. Damit endete meine Karriere beim Theater (ich wollte Theaterwissenschaften studieren und Dramaturgin werden).

    Seine Skulpturen fanden bei den Nazis keine Gnade, weil er einen „slawischen Menschentyp“ anstatt des heroischen germanischen darstellte. alllerdings gab es auch Befürworter seiner „nordisch-deutschen“ Kunst. Geistig und künstlerisch verwandt war er mit Käthe Kollwitz, deren „slawische“ Gesichtszüge in der „Schwebenden“ von Güstrow wiedererkannt wurden. Die Skulptur wurde eingeschmolzen. Kollwitz portraitierte ihn1938 auf dem Totenbett und war bei seiner Beerdigung anwesend. Beide waren, geprägt durch den 1. Weltkrieg, sehr stark mit dem deutschen Drama befasst und sahen sich als deutsche Künstler, die Deutschland während des Nazi-Regimes trotz Berufsverbot und Zerstörung ihrer Arbeiten nicht verlassen wollten. Eine geistig-künstlerische Verwandschaft mit Nolde sehe ich ebenfalls, auch wenn die heutigen Biographen, die vor allem nach dem „Standpunkt“ der Künstler im „3. Reich“ und nach antisemitischen Äußerungen fahnden, da Barlach eher exkulpieren als Nolde.

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    • Ich finde, dass man am besten fährt, wenn man die Person der Künstler*innen und ihre Werke trennt. Die Debatten darüber wie sehr jemand zB mit den Nazis oder sonst einer in Verruf geratenen Ideologie verbunden war, führen nur in Sackgassen. Soll mir das hochgeschätzte Werk von Künstler X plötzlich nicht mehr gefallen dürfen, weil er menschlich gesehen meinen moralischen Ansprüchen nicht genügt? Das Genießen von Kunst hat ja nichts mit moralischen Bewertungen zu tun.

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      • Ich bin froh, Myriade, dass du das so siehst. Mir geht dies Gestochere nach „Gesinnungen“ von verfehmten Künstlern ziemlich auf den Geist, zumal die wirklichen Verbrecher und Antreiber leider kaum belangt wurden. Trennen würde ich Werk und Mensch jedoch nicht,denn es ist ja der Mensch, der das Werk hervorbringt, und seine besondere Seinsweise zu verstehen, ist schon wichtig. Aber des Urteils über die menschlichen Schwächen, Tugenden und biografischen Verquickungen sollte man sich enthalten, finde ich.

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        • Es ist überhaupt gut, sich möglichst des Urteils über Privatpersonen zu enthalten. Ich schaffe das ja nicht immer. Bei Politikern sehe ich das aber anders …..
          Übrigens sind meine Schnippel in Griechenland eingetroffen. Wie lange sie jetzt noch bis zu dir brauchen, wird sich zeigen 🙂

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          • Wo sind sie eingetroffen? in Maroussi? Ich kann eine Freundin bitten nachzusenden, was dort eintrifft.

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            • Ich weiß nicht, bei der Postnachverfolgung steht „am 1.6. im Zielland angekommen und befindet sich in Verteilung“ . Wie schnell das jetzt geht, kann ich nicht beurteilen. Wenn jemand extra zu deiner Adresse geht, würde ich vielleicht noch ein paar Tage warten damit sie nicht umsonst hingeht.

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  3. Leider gibt Wikipedia nichts über das Privatleben des Künstlers preis. – Der Schutz seiner Privatsphäre ist auch sein gutes Recht.

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  4. „Vielleicht lerne ich es doch noch, manchmal den Mund zu halten, wenn bodenloser Schwachsinn verzapft wird von Leuten, die sich durch das Lesen von drei Artikeln als Expert*innen zu einem Thema fühlen, über das ihnen aber in Wirklichkeit die allergrundlegendsten Kenntnisse fehlen.“

    Ich habe damit auch Schwierigkeiten. Als ich noch arbeitete, hörte ich von einem Kollegen diverses zur Flüchtlingskrise. Aber er blieb allein damit.
    Dieses Sichpaaren eines sehr wachen Verstands mit kruden Ideen werde ich wohl nie verstehen.

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