Mary Trump und ihr Onkel

Leider ein sehr enttäuschendes Buch. Am besten gelungen, finde ich den Titel. Wenige Fakten und sehr viele davon  stammen vom Hörensagen, aus Erzählungen anderer Familienmitglieder. Ein paar Anekdoten, in denen auch Donald Trump vorkommt. Viel Interpretation auf Basis von  psychologischen Ferndiagnosen der Autorin. Sogar die biographischen Daten von Donald Trump sind spärlich gesät, es fehlen sogar Eckdaten wie Heiraten und die Geburt von Kindern. Donald Trump ist noch nicht einmal die Hauptperson in diesem Buch, das man nicht als Biographie bezeichnen kann. Er tritt als Nebenfigur auf, als gleichgültiger Onkel und völlig unfähiger Geschäftsmann, der sich in permanentem Ruin befinden würde ohne die ständige finanzielle Unterstützung seines Vaters, Fred Trump.

Ich fand es ganz interessant und ziemlich gruselig über das Leben einer völlig dysfunktionalen, reichen amerikanischen Familie zu lesen. Die Autorin beschreibt eigentlich das Leben ihres Vaters, dem ältesten Bruder von Donald Trump, der laut ihrer Interpretation durch die Kälte und mangelnde Wertschätzung seines Vaters in den Alkoholismus getrieben wurde, an dem er letztlich wahrscheinlich starb.  Ebenso hätte dieser Vater seinen Sohn Donald zu dem gemacht, was er heute ist. Das mag alles so sein oder auch nicht. Mary Trump ist Psychologin, aber ihre Diagnose von der psychischen Instabilität und dem Charakter ihres Onkels geht kaum über das hinaus, was ohnehin alle sehen können.

Auch die Geschichte von Mary Trumps Vater, die den größten Teil des Textes ausmacht, ist spekulativ und bruchstückhaft und eigentlich auch nicht besonders überzeugend was ihren Wahrheitsgehalt bzw die Interpretation seiner Handlungen betrifft.

Erstaunlich finde ich, dass Donald Trump, sein Image von diesem Buch so bedroht sah, dass er es verbieten lassen wollte. Ich finde nicht, dass viel drinsteht, was ein politisch interessierter Mensch nicht ohnehin wüsste, und was der US-Präsident nicht täglich demonstrieren würde. Wer also entweder biographische Daten oder irgendwelche enthüllte Geheimnisse erwartet, sollte sich anderweitig informieren.

 

11 Gedanken zu “Mary Trump und ihr Onkel

    1. Es ist nicht lesenswert. Nicht, dass ich die Kritik an Donald Trump nicht berechtigt fände. Meiner Meinung nach kann man ihn gar nicht genug kritisieren. Aber Substanz sollte die Kritik schon haben. Obendrein ist sich die Autorin ja auch nicht zu gut darin einzuwilligen, ein Lobeshymnenbuch über Onkel Donald zu schreiben. Das habe ich eigentlich am ärgsten gefunden: einerseits über die zweifellos vorhandene moralische Verkommenheit Trumps zu schreiben andererseits aber selbst bereit zu sein, für Geld ein Lobesbuch über ihn zu schreiben. Dabei fällt ihr gar nicht auf, wie verwerflich so eine Haltung ist. Gerade das ist es aber, was sie an ihrem Onkel und völlig zu recht kritisiert: den völligen Mangel an Unrechtbewußtsein. Es entsteht der Eindruck, dass sie selbst auch ein gelungenes Produkt einer dysfunktionalen Familie mit sehr bedenklichen Werten ist.

      Gefällt 4 Personen

  1. Ich finde es immer etwas befremdlich, wenn aus der eigenen Familie solche Biografien auftauchen. Vielleicht weil ich nicht verstehen kann, wie man dann noch an die Öffentlichkeit gehen möchte. Es hat immer einen etwas komischen Beigeschmack, selbst wenn die Informationen darin richtig sind. Ich hatte überlegt es zu lesen, aber ich glaube das was ich von diesem Mann sehe und höre reicht mir bereits. Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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