Samstag 29. August 2020 – Blasen im Sumpf

Was  mir an die 10 Jahre des Meditierens und eine Annäherung an buddhistische Philosophie gebracht haben, merke ich, wenn der Boden auf dem ich normalerweise gut stehe und gehe Tendenzen zum Sumpf entwickelt. Seltsame Vegetation, leichtes Einsinken beim Gehen, es steigen ein paar Blasen auf, die anzeigen, dass im Untergrund etwas gärt.

Dann lasse ich die Blasen aufsteigen aus dem sumpfigen Untergrund und sehe ihnen zu, wie sie von einer Spur von Luftbewegung wild herum gewirbelt werden, wie sie durch verschiedene Schichten von Emotionen durch tauchen, verschieden gefärbt werden, ihre Form verändern. Viele von ihnen kenne ich gut. Im Lauf der Jahre sind sie mir vertraut geworden und wir haben eine ganz gute Beziehung zueinander entwickelt. Ich tue nicht mehr so, als würde ich sie nicht kennen. Nein, ich begrüße sie ganz artig, weiß woher sie kommen und dass sie bald weiterfliegen werden, wenn ich ihnen das ermögliche.

Es ist eigentlich so einfach, nur dazusitzen und sich selbst zuzusehen beim Denken und beim Fühlen und den schillernden Blasen zuzusehen und gar nichts zu tun um die Situation zu verändern. Mir fällt es allerdings manchmal ziemlich schwer, nicht sofort irgendetwas zu unternehmen um Probleme zu lösen, um unangenehme Situationen zu verändern. Lösungsorientierung ist nicht in jedem Zusammenhang eine glückliche Eigenschaft. Denn Emotionen kann man nicht lösen, man kann sie nur aushalten, durchgehen und am anderen Ende gestärkt herauskommen und die Blasen fliegen lassen.

23 Gedanken zu “Samstag 29. August 2020 – Blasen im Sumpf

  1. Schwierig, nicht immer gleich zu Lösungen zu greifen, einfach erst mal nur zu sehen, was sich entwickelt, anzunehmen und fließen zu lassen. Meditation hilft möglicherweise dabei, ist mir aber in der puren Form, wie sie sich die ungeschulte Allgemeinheit vorstellt, fremd. Einfach gehen, gehen, gehen, um den Kopf zu befreien, liegt mir eher.

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    1. Gehen, gehen, gehen mag ich auch gerne, ist aber was anderes. Es gibt so viele mehr oder weniger absurde Praktiken, die sich Meditation nennen, dass es für jemanden, der/die sich nicht damit beschäftigt ganz schwierig ist, das Original zu erkennen.

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  2. Das Ding ist halt, das bei aufgewühlten Emotionen die alt bekannten Lösungen nur zurück in eingefahrene Gewässer führen. Um neu Lösungen zu entwickeln braucht es die Zeit sich „beim Denken zuzusehen“ und loszulassen
    Wunderbar beschrieben, liebe Myriade.
    Herzliche Grüße
    „Benita“

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  3. Für die von dir beschriebenen mentalen Zustände gefällt mir das Bild der ruhigen Betrachtung der aufsteigenden Bläschen sehr gut. In sumpfigem Gelände in der Natur empfiehlt sich allerdings wohl doch, nach der nächsten tragenden Grassode Ausschau zu halten. 😉

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