la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


10 Kommentare

45. Station der Leseweltreise – Nepal im Wiener Weltmuseum

Ich habe beschlossen, meine Literaturweltreise auch für darstellende Kunst zu öffnen. Der Ausstellungskatalog von „Nepal Art Now“ wird also zu meiner Nepal-Station.

Es ist eine Ausstellung von der ich nicht besonders viel erwartet hatte, der F. ist überhaupt nur mir zuliebe mitgegangen und hat sich noch weniger erwartet, aber wir waren beide angenehm überrascht.

Das Titelbild des Katalogs sieht auf den ersten Blick nicht besonders interessant aus, ist aber Teil einer mehrteiligen Serie von Anil Shahi zum Thema gesellschaftliche Verlogenheit, die als Serie durchaus eindrucksvoll ist.

Verschiedenste Stilrichtungen gab es zu sehen, von ganz klassisch-buddhistischen über abstrakte, expressionistische, fotorealistische  Bilder.

Dieses Bild stammt von Laxman Shresta und er nannte es „Ohne Titel 1“

Das große Erdbeben  in Nepal war ein wiederkehrendes Thema .

Hier „Aftermath“ von Asha Dangol

 

Viele Bilder waren in ihrer Ikonographie als Bilder von Künstlern erkennbar, die in einer hinduistisch-buddhistischen Kultur aufgewachsen sind. Es gab Bilder, die ungeheuer fein und detailreich hinduistische Götterwelten oder buddhistische Lebensräder darstellten.

Es gab auch etliche Portraits bekannter Persönlichkeiten in einem modernen hinduistischen Stil. Hier handelt es sich um eine Serie von Sunil Sigdel, der unter der ironischen Bezeichnung „peace owners“ Donald Trump, Vladimir Putin und Mao darstellt. (Ernst beiseite, ich finde Trump gewinnt in dieser Darstellung).

Was mir an der Ausstellung und auch an dem Katalog sehr gut gefällt, ist, dass die Künstler selbst zu Wort kommen und ihre Werke kommentieren. So schreibt Sunil Sigdel zu seinen „peace owners“

„Peace Owners ist eine Satire auf Führer auf der ganzen Welt und ihr Wettrüsten im Namen der Friedenssicherung. Ich habe ihre Portraits mit buddhistischer Bildsprache durchdrungen, Motive aus den traditionellen Newar-Paubha und tibetischen Thanka-Werken aufgenommen und ihre kriegsähnliche Haltung Symbolen des Buddhismus gegenüber gestellt, die für Frieden stehen.“

Etliche Installationen wurden auch ausgestellt. Sehr beeindruckt hat mich eine von Sheelasha Rajbhandari genannt „Agony of the New Bed“ aus der der Serie „Marriage Taboos“, in der es um die gesellschaftliche Unterdrückung der Frauen geht. Die Installation besteht aus einer großen Anzahl vergoldeter Betten mit Frauenportraits darin.

Ein sehr interessanter Nachmittag im Wiener Weltmuseum

 


10 Kommentare

Nein, nein, nicht ich habe mir den Namen ausgedacht

Man konnte das Insekt unter genau diesem Namen im Tiergarten bewundern, eine völlig unpolitische Angelegenheit. Zur Erklärung für Nicht-Österreicher: Türkis ist die neue Farbe der konservativen Partei unter Sebastian Kurz und Blaue nennen sich die rechten Recken der FPÖ.


6 Kommentare

Donnerstag 29.8.19 – Hitler im Bunker, Lebensmittel im Müll

„Der Untergang“, ein Film über Hitlers letzte Tage im Bunker in Berlin, im Hintergrund ein heftiges Gewitter über Wien, gewaltige Blitze und Donner. Bruno Ganz beklemmend gut als Adolf Hitler, krank und/oder unter Drogen, mit gelegentlichen jovialen Anklängen. Kein Monster hat nicht auch menschliche Züge. Ich schaffe es ja kaum mir einen Kriegsfilm anzusehen. Ererbtes Trauma. Das Interview mit der Sekretärin, die irgendwie den Auszug aus dem Bunker überlebt hat. Sie sagt, dass sie ihrem jüngeren Ich kaum verzeihen kann. Die Szene in der Frau Goebbels im Einvernehmen mit ihrem Mann die gemeinsamen sechs Kinder tötet, weil sie zu gut für eine post-nationalsozialistische Welt sind. Das Leben ist beim Erfinden perverser Verbrechen der Literatur weit voraus ….

Die Hälfte aller Lebensmittel in Österreich werden weggeworfen, das sind im Schnitt ca 170 Kg pro Kopf und Jahr. Würde man die Babys wegrechnen wären es noch mehr. Einerseits der Überfluss der einen und der Mangel der anderen und andererseits auch der Energieverbrauch für die Erzeugung dieser Lebensmittel, die auf dem Müll landen.

Weitere fröhliche, erbauliche Details erspare ich mir. Schließlich führe ich einen Großteils-Tralala-Blog.


11 Kommentare

Montag 5. August 2019 – Im Auge des Orkans

Zuhause einrichten für eine Woche, dann geht´s ins schöne Waldviertel. Womöglich habe ich da viel Zeit zum Schreiben und Zeichnen und Fotografieren und so zu tun, als ob die Welt in bester Ordnung wäre.

Dabei ist die Weltlage derzeit geradezu apokalyptisch. In Sibirien brennen gewaltige Flächen, die Permaböden tauen auf, das gespeicherte CO2 wird freigesetzt und heizt die Atmosphäre noch mehr auf. Überschwemmungen in einigen Gebieten, extreme Dürre und Wassermangel in anderen. Und die politischen Anführer sind macht- und geldgierig und obendrein blind.

Das politische Klima in Österreich ist auch ungemütlich, aber wir jammern auf einem ziemlich hohen Niveau. Ich gehöre auch zu den zahlreichen Menschen, die finden, dass die Übergangsregierung ihre Sache ziemlich gut macht, vor allem im Vergleich zu vorherigen und bestimmt wieder kommenden Zuständen.


10 Kommentare

Danke, Ulli

Ein interessantes Buch, das Ulli mir da empfohlen hat. Es beginnt wie eine gute, aber nicht besonders bemerkenswerte Dystopie, entwickelt sich aber zu einem Buch mit äußerst interessanten Betrachtungen über Mensch und Gesellschaft.

Eine kleine Kostprobe:

„Weißt du, was eine Hexe ist, Mia?“

Überrascht hebt die Angesprochene den Kopf und muss sich anstrengen um ihre Konzentration auf den neuen Begriff zu richten.

„Eine Hexe, mit Buckel und Besen?“ Die im Backofen oder auf dem Scheiterhaufen endet?“

„Das Wort kommt von Hagazussa. Die Hexe ist ein Heckengeist. Ein Wesen, das auf Zäunen lebt. Der Besen war ursprünglich eine gegabelte Zaunstange“

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Zäune und Hecken sind Grenzen, Mia. Die Zaunreiterin befindet sich auf der Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Zwischen Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Körper und Geist. Zwischen Ja und Nein, Glaube und Atheismus. Sie weiß nicht, zu welcher Seite sie gehört. Ihr Reich ist das Dazwischen. Erinnert dich das an jemanden?“

(…)

„Wer keine Seite wählt“ sagt die ideale Geliebte „ist ein Außenseiter. Und Außenseiter leben gefährlich. Von Zeit zu Zeit braucht die Macht ein Exempel, um ihre Stärke unter Beweis zu stellen. Besonders wenn im Inneren der Glaube wackelt. Außenseiter eignen sich, weil sie nicht wissen, was sie wollen. Sie sind Fallobst. “ p. 144

 


22 Kommentare

43. Station der Leseweltreise – Polen

Wieder einmal eine Strecke der Leseweltreise

Nachdem David Ben Gurion als David Grün in Polen, das damals zum russischen Reich gehörte, geboren wurde,  und aufgewachsen ist, „verrechne“ ich ihn hier unter Polen.

Diese von Tom Segev verfasste Biographie David Ben Gurions lässt sich trotz großer Detailgenauigkeit flüssig lesen. Das ist bei einer wissenschaftlich angelegten Biographie keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Es sind etwa 700 Seiten Text und  weitere  etwa 100 Seiten Anmerkungen.

Eine Biographie lässt sich nicht zusammenfassen, es sei denn man erzählte das ganze Leben der beschriebenen Person und das würde doch weit über einen Leseeindruck hinausgehen. Ich beschränke mich also darauf einige Aspekte hervorzustreichen, die mich beeindruckt haben.

Ganz besonders interessant fand ich die Geschichte der Beziehungen zwischen den im heutigen Israel ansässigen Palästinensern und den großteils eingewanderten Juden, vom Anfang der jüdischen Besiedlung unter britischer Regierung bis zur heutigen Situation, die mehr oder weniger klugen und mehr oder weniger gerechten Ansätze zu einem friedlichen Zusammenleben, die politisch hochkomplizierte Zusammenarbeit zwischen britischer Kolonialmacht, eingewanderten Juden und Palästinensern, die ebenfalls sehr schwierigen Prioritätssetzungen der zionistischen Bewegung, der Blick aus anderer Perspektive auf den zweiten Weltkrieg.

Sehr gut gefiel mir auch, dass Ben Gurion nicht auf ein Podest erhoben und mit heroischen Zügen ausgestattet wurde, sondern dass auch seine weniger bewundernswerten Eigenschaften und Handlungen im politischen und privaten Bereich beleuchtet werden. Auch so bleibt noch die Beschreibung eines Menschen, den man aus verschiedenen Gründen bewundern kann, eines Großen des 20. Jahrhunderts.

 


11 Kommentare

Sonntag 9.6. – Kooperation mit Spinnen

Vor mein Küchenfenster hat eine riesige, eine wirklich riesige, schwarze Spinne ein Netz gespannt. Entsprechend der Größe der Spinne ist auch das Netz gewaltig. Nachdem gleich daneben eine Tür ist, mache ich das Fenster praktisch nie auf, kippe es höchstens. Die Spinne durfte also jagen und sie tat das sehr erfolgreich: nach einem Nachmittag hingen jede Menge winzige Insekten im Netz, die aber bald wieder verschwunden waren, nicht weil sie sich hätten befreien können sondern weil sie die Vorräte der Spinne erweitert hatten.  Ich fand, dass ich so ein natürliches Fliegengitter durchaus eine Weile hängen lassen könnte. Nachdem ich ja auch gelegentlich kleine Leckerbissen für die Fleischfressende jage, habe ich doch ein gewisses Verständnis für Spinnen entwickelt. Der Wind war nicht so freundlich gesinnt und hat das Netz ordentlich zerzaust. Jetzt wird man sehen, ob die Spinne noch da ist und Ausbesserungen vornimmt oder ob sie sich ein windstilleres Plätzchen sucht.

Ende Juni ist für mich immer die Zeit der Abschlußfeste. Leider haben diese Feste die Tendenz alle gleichzeitig stattzufinden und anstatt eines genießen zu können, muss ich mehrere gleichzeitig jonglieren und genieße dadurch keines. Schade, aber nicht zu ändern. Mit dem Abendunterricht kollidiert schon einmal die Maturafeier meiner Lieblingsklasse in dieser Woche, da werde ich mir sicher etwas einfallen lassen.

Die Stadt beginnt sich aufzuheizen, diesmal nicht politisch sondern temperaturmäßig. Politisch herrscht derzeit Sommerfrieden, die Übergangsregierung wurde so zusammengestellt, dass offenbar alle zufrieden sind. Man kann den Bundespräsidenten gar nicht  genug loben dafür , wie gut er die Krise in ruhige Fahrwasser geleitet hat. Auch werden trotz gegenteiliger Behauptungen von Kurz viele der Absurditäten, die die FPÖ ins Regierungsprogramm gebracht hatte, entweder nicht durchgeführt oder rückgängig gemacht. Auf diese Art kommt endlich das Rauchverbot in allen Lokalen, das im Rest der Welt schon zur Normalität geworden ist. Und die wirklich widerwärtigen Tafeln mit „Ausreisezentrum“ vor dem Erstaufnahmelager Traiskirchen sind verschwunden. Zwar wurden sie von Aktivisten abmontiert aber unter Duldung der Polizei.


11 Kommentare

Mittwoch 29.5.19 – Aktion und Reaktion

41.000 Vorzugsstimmen hat Strache bei den Europawahlen von den Stammwählern der FPÖ bekommen. 41.000 !! Mit dem alten „Jetzt-erst-recht“-Schmäh mit dem schon Waldheim gewählt wurde. Ob er das Mandat annimmt, weiß man noch nicht.

In der Wiener Innenstadt gibt es derzeit im öffentlichen Raum eine Ausstellung von Portraits von KZ-Überlebenden. Eine Ausstellung, die schon an mehreren Orten zu sehen war, bis jetzt ohne Zwischenfälle. Ausgerechnet in Wien wurden nun einige zerrissen und beschmiert, mit Hakenkreuzen. Es ist ebenso empörend wie beschämend. Aber aus der Empörung heraus hat sich spontan eine  Gruppe von Menschen gefunden, die die Bilder genäht hat und nun werden sie nächtens von Freiwilligen bewacht, hauptsächlich von Jugendgruppen darunter auch die muslimische Jugendorganisation. Verrohung hat immer einen Ursprung, nicht zuletzt das durch die Politik bedingte gesellschaftliche Klima, aber daraus kann auch Positives entstehen. Der Satz von Bundespräsident Van der Bellen „Wir sind nicht so“, bezogen auf die moralischen Abgründe, die im Ibiza-Video zu sehen waren, hat einen Nerv in der Gesellschaft getroffen.

Der Bundespräsident ist in den letzten Tagen äußerst beschäftigt, nicht nur politisch. Er spricht zB auch bei den Begräbnisfeierlichkeiten für Niki Lauda. Van der Bellen hat sich viel Respekt und Vertrauen erworben, eventuell auch bei einigen Hofer-Wählern, oder doch nicht …..


12 Kommentare

Sonntag 26.5.19

Ich kann gar nicht sagen, wie leid es mir tut, dass ich zu brav oder zu alt oder zu feig bin, um Plakate zu beschmieren. Das Europawahl-Plakat mit Strache und Vilimsky und der Textzeile „Österreich braucht dich“ ist ja auch fast unwiderstehlich. Entlang meiner täglichen Wege hängen mehrere von der Sorte und gestern konnte ich mit viel Freude feststellen, dass andere der Versuchung nicht widerstanden haben und die beiden ….. äh ….. Herren mit Hitlerbärtchen und Hörnern versehen haben und ABER EUCH NICHT draufgeschrieben haben. Genau so ist es, diese Gestalten braucht Österreich nicht und Europa nicht und diejenigen, die sie vorgeblich vertreten am allerwenigsten.

Freitag und Samstag Malwochenende. So gerne ich politisiere, aber beim Malen kann/will ich nicht reden und das macht die Sache etwas anstrengend, denn die politische Lage ist brisant und ich komme kaum irgendwo hin, wo nicht mehr oder weniger emotional diskutiert wird. Trotzdem war das Malen erholsam. Ich habe mich weiter mit der Technik Öl über Acryl beschäftigt und bin von der Intensität der Ölfarben begeistert.

Leider harren auch an diesem Sonntag noch etliche Prüfungsarbeiten ihrer Korrektur, aber immerhin kann ich mich damit ins Freie setzen. Und zuvor gehen wir natürlich noch wählen.

 


4 Kommentare

Dienstag 20.5.19 – Stiegen, Treppen und Villen

Politisch turbulente Zeiten, sehr turbulente, aber auch überaus interessante Zeiten und es besteht durchaus Hoffnung, dass sich nach dem reinigenden Sturm so manches anders zusammenfindet und neu bildet. Jedenfalls,  was für ein Glück, dass in der Hofburg Alexander van der Bellen residiert und nicht der andere Kandidat zum Amt des Bundespräsidenten, der nun FPÖ-Obmann geworden ist. „Wir kriegen das schon hin“ hat van der Bellen in einer unerwarteten Rede gemeint. Die Formulierung würde mir gut gefallen, wenn sie mich nicht an „wir schaffen das“ erinnern würde.

Wunderschöne Häuser aus dem 19. Jahrhundert gibt es in Wien. Barrierefrei sind sie nicht. Viele solche Häuser, mit geschnitzten Toren, bunten Glasfenstern in den Gängen, schmiedeeisernen Geländern sind von der Straße her nur über Treppen zugänglich. In vielen wurden nachträglich Lifte eingebaut, man muss aber um bis zu den Liften zu kommen Treppen steigen. Gehbehinderte und/oder Rollstuhlfahrer können in solchen Häusern nicht wohnen. Auch Kinderwagen, Einkaufswagen, Koffer sind mühsam zu transportieren. In den Zeiten als diese Häuser gebaut wurden, setzte man offenbar auf unerschöpfliche menschliche Arbeitskraft. Schleppen musste das Gesinde.

In der Hofburg und in den diversen Ministeriumsgebäuden gibt es Lifte im Hintergrund. In sämtlichen Reportagen aber sieht man Politiker und Beamte immer die Prachttreppen zu fuß hinauf und hinuntergehen, elastisch und sportlich natürlich, eigentlich schweben sie mehr als sie gehen, wie Filmstars der alten Schule. Treppen gehören im Öffentlichkeitsgeschäft  zu den ganz wichtigen Requisiten und Hintergründen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass manche der aktiv-elastischen eher als Treppenwitz der Geschichte enden auch wenn die Villen ihres Untergangs ebenerdig waren.


22 Kommentare

Ja ……. Jaaaaaa ………Jaaaaaaaaaa !!!

Was für ein großartiger, wunderbarer, denkwürdiger Tag: die FPÖ ist erledigt, der „Vizekanzler Strache“ samt seinem Protégé Gudenus zurückgetreten, die Koalition gekündigt, so bald wie möglich Neuwahlen. Endlich ist auch Kanzler Kunz nicht mehr darum herum gekommen, die FPÖ als nicht regierungsfähig und moralisch verkommen öffentlich wahrzunehmen. Natürlich ist das Filmen mit versteckter Kamera auch sehr bedenklich, aber bei diesem Ergebnis kann man nur dankbar sein, dass es jemand gemacht hat.

Wir sind zur Feier des Tages an die Donau, in die Wachau gefahren. Zu dem Zeitpunkt wussten wir erst, dass Strache zurückgetreten war, was uns auch schon sehr gefreut hat. Ein schöner sonniger Tag. Den F. hat es aufwärts gezogen, mich zur Donau hinunter. Als wir uns zum Abendessen im Gasthaus zum Goldenen Schiff wieder trafen, hörten wir dann die Erklärung vom Kanzler, dass er die Koalition aufkündigt. Ein Grund zum Jubeln.


19 Kommentare

ABC-Etüden – Katzenaugen überall

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Die drei vorgegebenen Wörter in einen Text von maximal 300 Wörtern verpackt.

 

Im großen Sitzungssaal der UNO waren alle versammelt. Die Staatsoberhäupter sämtlicher UNO-Mitgliedsstaaten blickten nachdenklich oder auch gelangweilt in Richtung des Rednerpults; auch die Vertreterin von Groß-Felinien, eines neuen Staates, der sich vor kurzem von Papua-Neuguinea abgespalten hatte.

Wie immer in den letzten Jahren ging es fast ausschließlich um Maßnahmen gegen die katastrophalen Folgen des Klimawandels.

Die Bewohner*innen von Groß-Felinien waren besonders aufmerksame Menschen und so fiel nur der Vertreterin dieses neuen Kleinstaates auf, was sich hinter den Kulissen der Versammlung abspielte. Sie sah grüne, gelbe, blaue, rote Augen mit vertikaler Pupille im Hintergrund des Saals überall hervorlugen, hinter Vorhängen, unter Sitzen, neben Flaggen. Und an den gewagtesten und kuriosesten Orten balancierten die Miezen in Richtung des zentralen Punkts des Sitzungsaals. Schatten in Rot, getigert, marmoriert, langhaarig und lockig; schwarze, weiße, braune, beige und orange Athleten nahmen ihre Positionen ein. Die Katzenaugen leuchteten.

Als der Vertreter des mächtigsten Staats der Erde ohne sich die Mühe zu machen bis zum Rednerpult zu gehen einfach aufstand und erklärte, dass er wichtigeres zu tun hätte und sein Privatjet auf ihn warte, schlugen sie zu. Aus den Samtpfoten wurden Krallen ausgefahren, zum besseren Zielspringen kurz die Schwerkraft abgedreht und die reizenden Kuscheltiere verfuhren mit den Weltpolitikern als wären sie verirrte Mäuse, weit weg von ihrem Bau. Allerdings nahmen sie sich nur jene vor, die sich durch ihre sture Haltung allen konstruktiven Maßnahmen widersetzten. Die anderen wurden nicht nur verschont sondern geehrt, je eine schnurrende, barthaarleckende  Mieze stieg elegant über das, was von den nicht umweltbewußten Politikern noch übrig war und setzte sich auf ihren Schoß.

Die Vertreterin von Groß-Felinien lächelte träumerisch, schließlich kam sie aus einem Land, wo die Menschen nicht  nur sehr aufmerksam sondern auch sehr fantasiebegabt waren. Der nächste Redner gab rhetorisch geschliffene, unverbindliche Worte von sich, der Privatjet war längst abgeflogen.

 

 

 


23 Kommentare

Umfärbung – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden. 

Schäbige Tische, Holzbänke und Thonet- Sessel, plüschige Vorhänge, der mit „Herr Ober“ zu betitelnde Kellner in einem auch etwas abgewetzten schwarzen Anzug, die Stimmung aber voller Funken des Geistes. Zwar fehlten heute die Maler; weder Klimt noch Kokoschka und schon gar nicht Schiele waren erschienen. Aber Sigmund Freud und Theodor Herzl politisierten in einer Ecke, die von einer prächtigen Pflanze abgeschirmt wurde. Friedrich Torberg unterhielt sich mit einer älteren Dame, die ich auf den ersten Blick für die Tante Jolesch hielt, was ja wohl nicht sein konnte. Beide bissen gelegentlich in die vor ihnen stehenden Torten, wobei die Tante Jolesch, die ja nicht die Tante Jolesch sein konnte, dreinsah als wäre das Tortenstück verdorben. Vielleicht dachte sie an ihr berühmtes Schinkenfleckerl – Rezept. Auch Arthur Schnitzler befand sich in Damengesellschaft, in zahlreicher Damengesellschaft. Sie saßen alle um ihn herum und erweckten den Eindruck irgendetwas Wichtiges von ihm zu wollen, das er aber nicht bereit war zu geben.

Dann wurde mir aber endgültig klar, dass es sich hier nicht um reales Leben handeln konnte, denn Karl Kraus und Helmuth Qualtinger standen in einer verrauchten Ecke und rezitierten abwechselnd Passagen aus „die letzten Tage der Menschheit“.

Szenenwechsel.

Nun war das Café von einer großen Gruppe von Burschenschaftern bevölkert, die Ger– mania, mit Narben im Gesicht, mittelalterlicher Kleidung  und bunten Kappen mit Bändern auf den Köpfen. Sie brauchten keine Liederbücher, sie beherrschten alle ihre Lieder textsicher, auch das über die siebte Million.

Die Stimmung hatte sich völlig verändert, jede Spur von Humor und Lebensfreude, von Klugheit und Talent hatte sich in den Nebel der Geschichte zurückgezogen. Es wurde gesoffen, gegrölt, gekämpft und es wurden die Zeiten der totalen Machtübernahme in Europa heraufbeschworen.

Leider kein Szenenwechsel, sie sind noch immer da, zahlreich und geschäftig.


31 Kommentare

Eine deutsche Karriere

Monatelang habe ich an dem Buch gelesen, in winzigen Portionen, weil mir der beschriebene Mensch gar so zuwider war mit seiner ungebremsten Gier, seiner gnadenlosen Biederkeit, seinem skrupellosen, mörderischen Geltungsdrang und schließlich mit der beispiellos erfolgreichen Verlogenheits- und Verstellungstaktik mit der er als einziger bedeutender Nazi bei den Nürnberger Prozessen im wahrsten Sinn des Wortes seinen Kopf aus der Schlinge gezogen hat.

Auf ca 600 Seiten Text und ca 300 Seiten Quellen- und Literaturverzeichnis wird Albert Speer in allen seinen Facetten beschrieben. Magnus Brechtken hat eine minutiös recherchierte Biographie geschrieben, für Nicht-Historiker*innen bzw Leser*innen, die nicht bis ins kleinste Detail an der Person interessiert sind, vielleicht etwas zu minutiös. Ich zumindest habe vieles überblättert und dennoch eine massive Albert-Speer-Dosis abbekommen.

Zu den Qualitäten dieser Biographie zählt auch die zusammenfassende Einleitung:

„Albert Speer ist vermutlich, der am häufigsten zitierte Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts. Ein engagierter Nationalsozialist, Unterstützer Hitlers, Architekturmanager, Kriegslogistiker, Rüstungsorganisator, Mitbetreiber der NS-Rassenpolitik, eine Zentralfigur des Eroberungs- und Vernichtungskrieges: das ist der reale Albert Speer bis 1945.

In der Nachkriegszeit hat sich ein anders Bild von ihm verbreitet. Hier erscheint Speer meist als verführter Bürger, unpolitischer Technokrat, als fleißiger Fachmann, der vor allem seine Arbeit im Sinn hatte und dabei wenig wahrgenommen haben wollte, von den Verbrechen, die sich um ihn herum ereigneten, während er in Wahrheit mit der SS paktierte, Zwangsarbeiter in den Tod trieb und europaweit die Kriegsrüstung organisierte. Allenfalls dunkle Ahnungen habe er gehabt von dem, was doch vor seinen Augen und nicht selten auf seine direkte Initiative hin geschah.

Es war die Legende vom unwissend-arglosen Bürger Albert Speer auf der schuldfreien Seite der Geschichte. Auf der anderen standen die ungehobelten Parteimänner mit ihrem lauten Benehmen und den groben Visagen. Das waren „die Nazis“. Irgendwie war er in deren Nähe geraten.

(…)

Nach dem Einsatz für den Nationalsozialismus und der Täterschaft als Verbrecher strebte Speer die Interpretationsherrschaft über die Geschichte an um alles, was er getan hatte, umerzählen, vernebeln, in ablenkenden Fabeln auflösen zu können. In beiden Rollen war Speer ebenso energisch wie erfolgreich.

Gerade deshalb ist Speers Karriere exemplarisch, eine deutsche Karriere im 20. Jahrhundert, die bis in die höchsten Sphären der Macht führte, an die Schalthebel einer europäischen Kriegsmaschinereie mit Millionen Arbeitern und Soldaten und einem Arsenal von Waffen, wie sie in der Weltgeschichte zuvor nicht eingesetzt worden waren. Speer sorgte für die Verlängerung des Kriegs um Jahre, opferte dabei unzählige Menschen, um den Sieg des Nationalsozialismus zu erreichen und sah sich in der Endphase des Kriegs sogar ernsthaft als möglichen Nachfolger Hitlers.

(…)

Nimmt man die nationalsozialistische Herrschaft als Ganzes in den Blick und befreit man sich von der Täuschung, dass „die Nazis“ etwas „Fremdes“ waren, eine mysteriöse Macht, die das Land im Jänner 1933 irgendwie von außen überwältigte und im Mai 1945 wieder verschwand, wird klar, Albert Speer war einer von zahllosen Deutschen, die Nationalsozialisten sein wollten, die ihr Leben und ihr Streben danach ausrichteten. Sie wollten Hitler und damit auch sich selbst zur Macht verhelfen. Speer ragte heraus und ist doch zugleich exemplarisch für all jene, die sich mit ähnlichen, wenngleich bescheideneren Ambitionen so wie er für den Nationalsozialismus engagierten, ihn trugen und gestalteten.

nach Magnus Brechtken „Albert Speer, eine deutsche Karriere“ Siedler Verlag, München: 2017. p. 9, 10