Montag 28.1.19

Im Pensionistenheim pflegen die Einwohner eine beinharte Hackordnung. Wer dement ist, steht in der Hierarchie ganz unten. Diese Gruppe ist allerdings sehr groß und daher gibt es noch weitere Unterteilungen. Wer sich noch in die Selbstdarstellung retten kann, nur ein bissl vergesslich zu sein, steht noch besser da als jemand, der ständig nachfragen muss, welchen Monat wir gerade haben. Es wird wohl so sein, dass die nicht-dementen Menschen den dementen ausweichen, aus der uneingestandenen Angst heraus, dass dieser Zustand doch irgendwie ansteckend sein könnte. Und die langsam dement werdenden sehen in den anderen ihre sehr nahe Zukunft, die sie verzweifelt verdrängen möchten. Wenige Menschen sehe ich dort, die einfach nur alt,  mit sich und ihrem Leben aber im großen und ganzen im reinen sind.

Heute früh hat es wild geschneit, den restlichen Tag ist alles wieder weggetaut. Die Gehsteige sind ganz gut begehbar, aber um die Straße zu überqueren, brauchte man eigentlich ein Boot, oder Goretex-Schuhe. Nicht der letzte modische Schrei, aber funktional, sehr funktional. Mit Verwandten meiner derzeit im Gebrauch befindlichen bin ich auch schon trockenen Fusses am Rand des Atlantik im Wasser gegangen.

Ebenso wie ein Besuch beim Friseur, erfreut ein Besuch bei der Fusspflegerin. Ein Berufsstand, der wohl auch nicht sehr viele männliche Mitglieder hat, falls überhaupt irgendeines. Gestern habe ich eine Statistik gesehen, die darstellt, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen bis zum ersten Kind äußerst gering sind, dann aber aus dem Ruder laufen. Wird schon so sein, Tatsache ist aber auch, dass zum Beispiel KFZ-Mechaniker nun einmal mehr verdienen als zum Beispiel Fußpflegerinnen. Schon klar, eine Fußpflegerin hätte ja auch KFZ-Mechanikerin werden können …..

19 Gedanken zu “Montag 28.1.19

  1. eben las ich,dass ein Museum für moderne Kunst in Chicago auf die Eintrittspreise einen Nachlass bei genderspezifischen Einkommensunterschieden gibt. Ich grübelte, wie die das wohl feststellen. Vielleicht müssen Fußpflegerinnen weniger Eintritt bezahlen als Kzf-Mechaniker?
    Was Goretex ist muss ich erst ergoogeln….

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      1. O ha, du denkst, hier regnet es nicht und ist nicht kalt? (Ich weiß inzwischen, wozu Goretex da ist). Eben telefonierte ich mit einer Freundin, in Messinien ist der Teufel los. die Straße zwischen Kalamata und Sparta ist zusammengebrochen, viele Dörfer im Gebirge sind abgeschnitten, weil die Straßen einfach verschwunden sind. Regen, Regen und Schnee, Regen. Dazu die verbrannten Berge, die das Erdreich nicht halten. Alles kommt ins Rutschen, löst sich auf.

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  2. Du „Ein Berufsstand, der wohl auch nicht sehr viele männliche Mitglieder hat, falls überhaupt irgendeines.“
    An zwei Stellen habe ich es erlebt, dass der Chef der Einrichtung ein Mann war.
    Bist du oft im Altenheim, dass du dich da so gut auskennst. – Bei meiner Mutter hätte ich so eine Aussage nicht treffen können, aber ich war auch nicht so oft vor Ort.

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      1. In diesem konkreten Fall könnte ich beides gemeint haben. – Bei meiner Mutter im Heim arbeitete ein Pfleger auf ihrer Station – eine Perle von Pfleger, halber Arzt, gute Diagnosen bei Störungen. Aber sonst alles Frauen – der Chef war jedoch wirklich ein Mann.
        Und bei den podologischen Fußpflegern, bei denen ich eine Zeit lang war – übrigens eine riesige Praxis in sehr exzellenter Lage – war der Chef ein Mann.

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  3. Schon komisch, dass Leute, die sich um komplexe Sachen kümmern, mehr Geld bekommen als solche, die sich um Menschen kümmern. Menschen sind ja noch viel komplexer als so ein Auto! Es ist ja nicht nur die Fußpflegerin, die schlechter bezahlt wird als der Mechaniker, auch die Altenpflegerin bekommt nicht so viel wie er. Oder gerade man so – durch den Schichtdienst und so.

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  4. Es gibt tatsächlich auch männliche Fußpfleger, aber die scheinen teurer zu sein *g* . Warum ist mir schleierhaft, vermutlich halten sie sich für unentbehrlicher als die Frauen… und selbstbewußt schlagen sie es auf ihre Preise.

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      1. Vielleicht gibt es Frauen, die lieben es, von einem Herrn an den Füßen verschönert zu werden 🙂
        Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, ich weiß nur, daß es im kleinen Nachbarstädtchen einen Fußpfleger gab, dessen Praxis sehr überlaufen war. Der Rest ist Dichtung *g*

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