Autor: Myriade

Preiswunder

Übers kleine deutsche Eck sind wir aus Zell am See nachhause gefahren und haben im deutschen Bad Reichenhall Pause gemacht. Viel Zeit hatten wir nicht und sind daher gerade einmal durchs Stadtzentrum gebummelt. Eine hübsche Kurstadt mit entsprechender Architektur, obwohl das Stadtzentrum nichts darüber aussagt, wie es sich in einer Stadt lebt. Ordentlich nass geworden sind wir auch, weil natürlich die vorsorglich mitgenommenen Schirme im Auto geblieben sind. Das ist aber nicht wirklich überraschend.

Da uns zuhause ein leerer Kühlschrank erwartete und direkt auf dem Weg ein Aldi-Markt lag, gingen wir einkaufen. Als Österreicher:in bleibt einem der Mund offen stehen bei den niedrigen Preisen! In Österreich gibt es die Supermarkt-Kette „Hofer“, die zu Aldi-Süd gehört und auch um einiges billiger ist als andere österreichische Supermärkte, aber immer noch um einiges teurer als der deutsche Aldi. Auch Bekleidung und Bücher und wahrscheinlich einfach alles ist in Deutschland billiger als in Österreich.

Nun haben wir noch ein langes Wochenende in PB angehängt bei dem der F heldenhaft gelitten hat, weil wir wieder stundenlang beim Tischler waren. Ihm ist es ja ziemlich egal welches Holz, welche Farbe, abgerundete Kanten oder nicht etc.pp Jetzt haben wir aber alles ziemlich geklärt und können beim nächsten Termin wahrscheinlich bestellen. Es dauert dann ohnehin alles mindestens bis Ende des Jahres. Aber, wie ist das mit der Vorfreude.

Leben – Fotodrabbel

Eine Wurzel muss nicht starr sein, muss nicht wie ein Betonpfeiler in Blut und Boden gemauert werden. Wenn Wasser über lebendige Wurzeln fließt, leuchten sie, der Wind bringt sie zum Summen und manchmal schwimmen sie sogar ein Stück weit. Sonnenvergoldete Schönheit des Weges. Wurzeln wachsen und verzweigen sich und wie bei allem Lebendigem liegt ihre Ewigkeit in der Veränderung. Nur tote Wurzeln faulen und fesseln, brechen schließlich, ziehen Menschen in Schlamm und Verwesung. Es wächst nur mehr der Hass.

Lebendige Wurzeln aber, atmende, leuchtende, fließende sind von Flügeln kaum mehr zu unterscheiden und behalten doch immer die Verbindung zur Erde.

Drabbel Nr. 11

Brücke durch Welten – Impulswerkstatt

Ein nicht-fiktiver Text

Die Brücke ist eine, die die Innenstadt und den zweiten Wiener Gemeindebezirk verbindet und trennt. Heute verbindet sie, die beiden Ufer, das Oben und Unten, Alt und Jung. Man rennt oder schlendert von einer Seite zur anderen, Stufen führen hinunter zum Donaukanal, einem innerstädtischen Jugendtreff, zu den Mauern voller Graffiti, den Lokalen, im Sommer zum aufgeschütteten Sand mit den Liegestühlen darauf. Freizeit wie am Strand, oder fast. Auf der Stadtseite eine Station, in der sich die Nord-Süd und die Ost-West Linien der U-Bahn treffen, eingebettet in Vergnügen, Konsum und Kultur. Von der Brücke gerade ein paar Minuten zu fuß ins Stadtzentrum, in die Altstadt, „in die Stadt“ sagt man in Wien.

Auf der innerstädtischen Seite liegt auch der Morzimplatz, wo sich im ehemaligen Hotel „Metropol“ die Leitstelle der Gestapo mit ihren Folterkellern befand. Der zweite Wiener Gemeindebezirk, die Leopoldstadt, wurde auch Mazzes-Insel genannt, weil der Großteil der jüdischen Gemeinde dort lebte, damals aus 200.000 heute aus etwa 12.000 Menschen bestehend.

Zu Nazizeiten trennte die Brücke mehr als sie verband. Sie trennte zwei Welten. Der Führer der einen Welt hatte beschlossen, die andere radikal auszurotten. In der Leopoldstadt wurden die zur Deportation vorgesehenen Menschen in Häusern zusammengepfercht, von wo aus sie abgeholt und im Normalfall in den Tod getrieben wurden. Als ich einmal eine Reise nach Israel machte und Yad Vashem besichtigte, sagte unser Begleiter, dass er ja in das Museum nicht mitkommen müsse, wir würden die Orte auf den Fotos ohnehin alle kennen und alles Geschriebene wäre auf deutsch. Das lag deutlich unter der Gürtellinie.

So ist Wien. Unter dem bunten, fröhlichen Gesicht, hinter den prachtvollen Bauten und den zahllosen kulturellen Veranstaltungen liegen Abgründe, die notdürftig zugeschüttet wurden, was dazu führt, dass noch heute immer wieder jemand darüber stolpert oder einsinkt. Viele Abgründe wurden gründlich ausgeräumt und trittsicher gemacht, andere warten noch darauf.

Über diese Brücke gehe ich zu meinem Ungarischkurs. Im Sommer bietet sie eine Aussichtswarte für prachtvolle Sonnenuntergänge, braust der Wind über den Donaukanal wehen Schals und Mützen und manche von ihnen entschließen sich dazu, dem Wind zu folgen. Schirme kann man auf der Brücke auch nur selten benützen, meist werden sie vom Wind umgedreht und der Regen prasselt in Kragen und modelliert Hosenbeine.

Wie eine Initiierung ist es. Um auf die andere Seite zu gelangen, setzt man sich den Naturgewalten aus.

Ungarisch in Wien – ABC-Etüde

Wie immer bei Christiane
Drei Begriffe (siehe unten) sollen in einen Text von 300 Wörtern verpackt werden

Die Wörter stammen diesmal von Nellindreams

Es ist keine Geschichte geworden, schon gar keine spannende, eher so eine Art Tagebucheintrag oder Kalendernotiz. Die Wörter waren so leicht unterzubringen, dass ich dachte, dass eine Etüde auch einmal so aussehen kann. Die Regentonne finde ich höchst inspirierend und so kommt nächste Woche vielleicht noch eine zweite Etüde dazu.

Heute hat der zweite Teil meines Ungarisch-Intensiv-Sommerkurses begonnen. Von Sommer ist allerdings nicht mehr die Rede, es ist kalt und regnet seit Tagen immer wieder. Als absoluten Regenfreak freut mich das und ich habe in den letzten Tagen in Wien und in Zell am See wunderbare Spaziergänge gemacht. Verregnete Enten und Schwäne habe ich besucht, in jede Regentonne habe ich hineingeschaut, ob sie bald überfließen wird und zurück in Wien bin ich im Kaffeehaus gesessen und habe die Regenschauer genossen.

Eines habe ich nicht gemacht: ungarisch geübt, obwohl ich doch wusste, dass der erste Teil des Intensivkurses seinem Namen alle Ehre gemacht hat und sehr intensiv war und somit die Wahrscheinlichkeit, dass der zweite genauso sein würde sehr groß war.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich hingehen soll, schließlich fangen die regulären, einmal in der Woche stattfindenden Kurse ohnehin nächste Woche an. Muss ich da vorher noch einen Intensivkurs machen? Ja, will ich, habe ich beschlossen und warf mir Feigheit vor. Dabei wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, wie der Kurs zusammengesetzt sein würde. Theoretisch: Anfänger zweiter Teil.

Die Gruppe besteht aus fünf Männern, einer Kursleiterin und mir. Einer davon lebt seit Jahren in Sopron und spricht fließend, die vier anderen leben mit Ungarinnen und haben teilweise zweisprachig aufwachsende Kinder. Was, so frage ich mich, haben diese Herren in einem Fast-Anfänger-Kurs verloren?

In der ersten halben Stunde schwankte ich zwischen sofort verschwinden und morgen nicht wiederkommen. Aber glücklicherweise ist mein Selbstbewußtsein beim Sprachenlernen groß und solid und ich habe die sehr nette Lehrerin heftig in Beschlag genommen. Sie hat die Situation sehr sensibel gemanagt und im Laufe der vier Stunden ging es immer besser. Etliche verschüttete Vokabel und Grammatikpunkte sind aus dem Untergrund aufgetaucht und letzten Endes war ich recht zufrieden.

Und morgen geht´s weiter.

300 Wörter

Energie aus der Höhe

Zuerst fuhren wir in den elften Stock eines Parkhauses und stellten dort das Auto ab. Dann ein Stück zufuß, Bus Nummer 1, Ein offener Lift um eine Steilwand hinaufzukommen, dann noch ein Bus und man ist beim oberen Stausee des Kraftwerks Kaprun. Es handelt sich um ein Wasserkraftwerk mit zwei gewaltigen Staumauern, eine davon auf über 2000 Metern

Die obere Staumauer
Blick auf die untere Staumauer und den dazugehörigen Stausee

Es ist eine gewaltige Anlage, die nicht nur aus zwei Stauseen besteht sondern auch aus zahlreichen unterirdischen Verbindungen, die durch die Berge gebaut wurden. Schon jetzt erzeugt es eine Menge Strom soll aber noch weiter ausgebaut werden.

Wir mussten da unbedingt hinauf, denn ich bin ja mit einem studierten Wasserbauingenieur unterwegs. Aber, ich muss schon sagen, ich bin sehr beeindruckt! Die Landschaft ist gewaltig, die Seen, die Berge, die Gletscher und diese Leistung der Ingenieurskunst. Ich kann ja sonst auf Berge durchaus verzichten, aber diesem Eindruck konnte ich mich nicht verschließen.

Wie es aber nun so ist in österreichischen Landen und sicher auch in deutschen, wo man hinkommt stolpert man über neuere Geschichte von der beschämenden Art.

Der Bau wurde mitten im 2. Weltkrieg, im Jahr 1940 begonnen. Nachdem die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter nach Ende des Krieges nicht mehr zur Verfügung standen, sprang der Marshallplan ein. Kann man das nun geschickt finden oder moralisch verwerflich ? Ich weiß es nicht. Tatsache ist, dass das beeindruckende Werk fertig gebaut wurde und heute einen wichtigen Beitrag zur Energiegewinnung leistet.

Auf dem Gelände bei der oberen Staumauer steht auch noch ein seltsames Bauwerk „Heidnische Kirche“ genannt. Das Bauwerk ist eindrucksvoll, auf der Tafel fällt allerdings auf, dass die Toten erst ab 1947 gezählt werden, obwohl die Bauarbeiten 1940 begonnen wurden.

Heidnische Kirche

Ich halte nichts von Sippenhaft und es ist auch nicht so, dass es mir lieber wäre, wenn es dieses Kraftwerk nicht gäbe, ganz im Gegenteil, so wie die Zeiten sind. Trotzdem …

Geschmacksverirrungen

Ich schaue mir überall wo ich hinkomme die Gedenkstätten für Kriegsopfer an. Ob da die Rede ist von „Helden“ und „Gefallenen fürs Vaterland“ etc oder ob es eine verhältnismäßige neutrale Stätte ist, etwa mit Namen und/oder einem Hinweis auf die Schrecken des Krieges, einer Mahnung für den Frieden oder Ähnliches.

Was sich der Pfarrer von Zell am See gedacht hat, oder wer immer dieses Objekt dort aufgestellt hat, ist mir unverständlich. Viel geschmackloser geht es kaum. Es spricht ja nichts dagegen, Kerzen für Kriegsopfer anzuzünden und auch Geld dafür zu sammeln, aber in einem blank polierten, überdimensionalen Geschoss ? Eine Kanone in deren Rohr man Münzen hineinwerfen kann, wäre doch auch nicht schlecht, oder vielleicht ein Sarg ….

Krakenfreundschaft

Craig Foster & Ross Frylink
„Seachange“
Mosaik Verlag: 2022

Beim Salzburger Mosaik Verlag, der zur Randomhouse-Gruppe gehört, gibt es Vielfältiges zu entdecken und nicht zuletzt diesen umwerfenden Bildband.

Vorausgeschickt: die Fotos sind eine wahre Augenweide, man wird richtig hineingezogen in diese fantastische Wasserwelt. Ebenso vorausgeschickt: es gibt auch einen Film zu diesem Projekt. Unter „Mein Lehrer der Krake“ findet man ihn leicht, es gibt ihn aber auch bei Netflix. Er ist sehr sehenswert.

Die beiden Autoren zeigen fantastische Makros von sehr vielen Bewohnern – tierischen und pflanzlichen – der Tangwälder an der südafrikanischen Westküste vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Kap Agulhas. Wegen meines großen Interesses für Oktopusse begeistern mich besonders die Portraits der Kraken. Diese faszinierenden bunten Strukturen, der Blick in ihre Augen aus größter Nähe! Ich liebe diese Darstellungen, bei denen man die Strukturen der Haut und sonstiger Organe genau sieht. Viele dieser Fotos haben Qualitäten von abstrakten Gemälden.

Aus meiner Sicht rund um die Fotos gibt es auch Text. Man kann es natürlich auch so sehen, dass der Text von den Fotos illustriert wird. Es ging Craig Foster und Ross Frylink jedem für sich um das
Eintauchen in eine äußere faszinierende Welt ebenso wie um das Tauchen in die eigene Psyche und Vergangenheit. Beide sind gerade ein paar Meter von der Küste und den Tangwäldern aufgewachsen und haben sehr früh zu tauchen begonnen.

Auch die Texte sind ein Eintauchen in eine fremde, faszinierende Welt mit Bewohnern, die die unglaublichsten Eigenschaften und Fähigkeiten haben.

„Ich war überwältigt als ich zum ersten Mal in das Auge eines Gestreiften Katzenhais blickte und sich darin ein ganz anderes Universum spiegelte. Der Hai sammelt Aragonit (eine Kristallform von Calciumcarbonat) aus dem Meerwasser und baut daraus auf der Rückseite seines Auges einen glänzenden Spiegel auf. dies befähigt ihn, in dem dunklen Wald das schwache Mondlicht zu verstärken und sich nachts zu orientieren. Er sieht bei schwachem Licht zehnmal besser als ich“ S 44

Bei den Tauchgängen, den Reisen ins Abenteuer, lebt Craig Foster seine eigene Theorie über die Verbindung des Menschen zur Natur.

„Wir sind überaus anpassungsfähig, aber unser frühes evolutionäres Erbe taucht immer wieder in unserem Seelenleben auf. Wir sehnen uns nach unseren Wurzeln in der Wildnis. Wenn wir sie nicht nähren, fühlen wir uns entfremdet, nicht mit uns selbst in Einklang. Wir fühlen uns gespalten, als verlorene Wesen, die sich in einem immer enger werdendem Kreis des Wahnsinns drehen. Jeder Schritt zurück zu unserer Quelle, zu unserem Ursprung, bringt uns jener positiven Kraft näher, die man Liebe nennen könnte. Die Wildnis lebt als ein Archetypus in den Tiefen unserer Seele fort. Diese Prägung lässt sich nicht auslöschen.“ S 90

Auch für das in der Kalahari lebende Volk der San und ihre Felsmalereien interessieren sich die beiden Autoren und integrieren deren Kunst und Kultur in ihre Betrachtungen über das Verhältnis von Mensch und Natur. Es gibt daher in dem Buch auch einige Fotos von solchen Felsmalereien.

Die nicht ganz einfachen Lebensgeschichten der beiden Autoren werden ebenfalls in die Begegnungen mit den Meereslebewesen verwoben. Am meisten beeindruckt hat mich die Begegnung zwischen Mensch und Krake. Foster schildert seine Freundschaft mit einem Krakenweibchen und es kommt kein Zweifel auf, dass es sich um eine Beziehung handelt, die man als Freundschaft zwischen zwei Species bezeichnen kann. Besonders eindrucksvoll kann man im Film sehen, wie die beiden einander berühren, ja geradezu miteinander kuscheln.

Der wissenschaftliche Zugang zum Meer wird in einem Vorwort von dem Meeresbiologen Jannes Landschoff vertreten, der auch mit Foster und Frylinck im Rahmen des Sea Change Projekts taucht und in einer Einleitung von Jane Goodall, die meint,

(…) dass Menschen tiefe und starke Beziehungen zu vielen verschiedenen Lebensformen aufbauen können S11

Dass Sea Change Projekt entwickelt sich offenbar prächtig:

In dieser Gruppe der „Waldfans“ sind alle Altersgruppen vertreten – von 15 bis 75 – über Generationen hinweg sind Freundschaften entstanden, miteinander verflochten durch die Kraft des Meeres. Dieses gemeinsame Interesse daran, Geschichten zu erzählen und sich über Flora und Fauna auszutauschen, steht im Zentrum der ursprünglichen Naturerfahrung des Menschen, und es verbindet den Menschen mit der Wildnis und die Wildnis mit dem Menschen“ S 329

Saudi-Arabien en marche

Abgesehen von einer sehr schönen Landschaft mit See und Bergen gibt es im salzburgischen Zell am See eine weitere Attraktion: eine große Anzahl von Urlauber*innen aus Saudi-Arabien. Von der total verschleierten Frau unter einer Abaya, über Kopftuchträgerinnen mit freiem Gesicht bis zu ganz unverhüllten Frauen in bunter Bekleidung ist alles vertreten.

Vor etlichen Jahren, vor Corona, wurde in Österreich ein Vermummungsverbot eingeführt, das auch das Tragen von Burkas, Abayas und ähnlichen Kleidungsstücken, die das Gesicht verhüllen umfasst. Schon damals wurde die Frage diskutiert, wie denn nun mit Touristinnen aus arabischen Ländern verfahren werden sollte. Dann kam Corona und löste die Frage: die Frauen, die sich verschleiern wollten/ mussten, trugen statt des Gesichtsschleiers eine FFP2-Maske. Diese Lösung kenne ich, denn sie wird auch in Wien praktiziert. Dass das Tragen dieser Masken nichts mit medizinischen Erwägungen zu tun hat, sieht man daran, dass kein einziger arabischer Mann eine Maske trägt.

Es ist nun natürlich sehr unhöflich, zu starren oder gar zu fotografieren. Ich habe mich allerdings beider Faux-Pas schuldig gemacht. Ich dachte, was der Schwan darf, darf ich auch.

Ein nettes Erlebnis war es mit diesen beiden Frauen, die ich fotografiert habe, allerdings von weitem. Sie haben es trotzdem bemerkt. Die eine hat sich das Gesicht mit der Hand bedeckt, die andere hat ein Victory-Zeichen gemacht. Als wir dann aneinander vorbei gingen, haben wir alle drei gelacht.

Wir haben die saudischen Touristen überall angetroffen, rund um den See, beim Picknick in der Wiese, lächelnd im Regen, auf den Bergen, im Schnee. In mehr oder weniger geeigneter Bekleidung. Sehr gut gefallen hat mir eine Gruppe von fünf jungen Männern, die sich Anoraks und Stiefel ausgeliehen hatten, alle bei demselben Verleih, weswegen sie die gleichen Jacken und Stiefel trugen, was schon sehr urig aussah. Besonders lustig war aber, dass auf den Leihstiefeln hinten drauf, groß in weiß, die Schuhgröße zu lesen war. Diese fünf waren unmöglich zu fotografieren, denn sie sind mit der Energie und dem Schwung von Fünfjährigen im Schnee herumgekugelt.

Wenn man bedenkt, wie teuer und wie umweltschädigend eine Anreise im Flugzeug über mehr als 4000 Km ist, wäre es doch wünschenswert, wenn die Reisenden sich ihres Lebens erfreuen und ihre Umwelt wahrnehmen würden. Ist halt nicht immer der Fall

Ausklänge

Urlauben mit dem F ist ebenso interessant wie anstrengend. Vor der Kulisse des Sommerausklangs sehen und erleben wir viel, es bleibt aber keine Energie zum NIederschreiben. Dafür ist dann der Herbst da.

Ich freue mich auf das Schreiben, habe aber jetzt gerade keine Lust dazu. Klingt absurd, ist aber ganz genau so. So eine Art Sammelphase vor der Winterruhe …

Mittwoch 14.September – glänzender Nebel

In der Nacht ballt er sich zusammen, dicht und grau und undurchdringlich hüllt er alles ein und hält es kompakt und undurchdringlich fest. Morgens ist es neblig, im Tal scheint ein trüber, novembriger Tag bevorzustehen. Die Nebelwolken ziehen hin und her, wirbeln und reißen ihre Körper in Fetzen. Dann erscheint irgendwo ein erster blauer Schimmer, der wieder verschwindet, wieder auftaucht. Plötzlich wird der Nebel transparent, die Wälder, die Berggipgel tauchen auf, liegen aber noch hinter verhüllenden Schleiern. Dann zieht sich der Nebel ganz zurück, ein strahlender Tag mit Fernsicht steht bevor.

Montag, 12. September 2022 – Schatten im Schnee

Gestern hat es herunten auf 750 Metern den ganzen Tag lang genieselt, ruhig und unaufgeregt. Heroben auf über 3000 Metern aber hat es geschneit und gar nicht wenig. Wir haben den Tag wettermäßig sehr gut getroffen. So zuwider mir der Massentourismus ist, so gehöre ich doch selbst zu denjenigen, die Berge nicht selbst besteigen wollen/können und kann daher nicht gut über andere herziehen, die auch mit Sesselliften und Seilbahnen unterwegs sind. Wenn es nur ein paar Menschen weniger wären und ein paar Selfiesticks und wenn viele nicht so laut wären und so völlig blind und taub für die Erhabenheit von Bergpanoramen.

Dekadenz -ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane
Drei Begriffe (siehe unten) sollen in einen Text von 300 Wörtern verpackt werden

Seit meine jüngste Schwester Bett und Bad des Statthalters teilt und ihre Geschwister nicht vergessen hat, weiß auch ich, wie wichtig Federn bei einem Bankett sind. Der Statthalter bemüht sich die Gebräuche am römischen Kaiserhof zu imitieren und große Orgien auszurichten. Dazu gehört neben Ausschweifungen jeder Art, dass die Gäste sich immer wieder von ihren Liegen hochhieven, mit Hilfe von Federn Brechreiz erzeugen und so in ihren überdehnten Mägen wieder Platz für weitere Gerichte schaffen.

Mir liegt nicht allzuviel am Essen, das der Statthalter schätzt, fetttriefend und zu stark gewürzt ist es und der Wein fließt in so großen Mengen, dass die meisten Anwesenden selten noch einen klaren Gedanken fassen können. Ebenso ist es mit dem Gastgeber selbst, der auch in nüchternem Zustand keine großen geistigen Leistungen vollbringt. Seine Talente lägen anderswo sagt meine Schwester, aber sie klingt nicht sehr überzeugend.

Gerade erschrak ich heftig, denn neben dem Statthalter räkelt sich genüßlich ein Mädchen, das ganz bestimmt nicht meine Schwester ist. Sie ist etwa im Alter der Enkel des Statthalters und vor kurzem an seinem Amtssitz erschienen; eine laszive Schönheit, die aus ihren vielen ebenso hübschen und anschmiegsamen Konkurrentinnen herausragt, weil sie eine gewisse Bildung besitzt. Sie buchstabiert sich leidlich durch die Korrespondenz des Statthalters und rechnet auch sehr erfolgreich. Bis jetzt konnte meine Schwester sie in Schach halten, doch wir sind alle sehr besorgt, mit der Gunst des Statthalters steht und fällt unser gutes Leben.

Wir haben schon Vorbereitungen getroffen für den Fall, dass ein schneller Rückzug notwendig würde. Pferde und gut gefüllte Satteltaschen für uns drei. Und während ich überlege, ob wir noch warten sollen, sehe ich meinen Bruder am Nebeneingang in den Saal stehen und mir eindeutige Zeichen machen. Es ist Zeit für uns zu verschwinden. Wir haben ja alle drei genug zurückgelegt bis zum nächsten Abenteuer.

300 Wörter