la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Falsche Zielgruppe

 

Helliconia: Frühling

So wurde dieser erste Teil einer Trilogie angekündigt:

Helliconia ist ein Planet in einem Doppelsternsystem, auf dem ein Jahr zweieinhalb Tausend irdische Jahre dauert. Nach mehr als tausend Jahren erbarmungslosem Winter beginnen die Gletscher auf Helliconia zurückzuweichen. Das erste Grün zeigt sich, die Tierwelt erwacht. Nun kehren auch die Menschen, Nachfahren der Forscher, die diese Welt einst entdeckten, an die Oberfläche ihres Planeten zurück – doch zuerst müssen sie die Fesseln der Barbarei abschütteln und sich von der Unterdrückung der einheimischen Phagoren befreien …

Wenn sich die  Handlung eines 485 Seiten langen Romans umfassend in 3 Sätzen zusammenfassen lässt ist das aus meiner Sicht kein gutes Zeichen. Wenn man gerne seitenlang liest wer wen wie geprügelt und/oder abgestochen hat, ist das wahrscheinlich anders.

An und für sich lese ich diese Art von Fluchtgeschichten ganz gerne, wenn sie flüssig geschrieben sind und so, dass es eine Welt gibt, in die man sich hineindenken kann und ausgearbeitete Figuren. Bei diesem Text hatte ich den Eindruck, dass es sich um ein Drehbuch oder Regieanweisungen für einen Action-Film handelt. Der Autor verwendet eine sehr einfache, abgehackte Sprache. Es kommen sehr viele Personen vor, aber nur ganz wenige werden wenigstens ein kleines bisschen entwickelt. Es geht von einer Kampf- und Schlachtenszene zur nächsten, wobei es sehr schwierig ist, die zahlreichen Personen mit sehr langen Namen überhaupt auseinanderzuhalten und kaum hat man sich eine Person irgendwie gemerkt, ist sie schon wieder weg und kommt nicht mehr vor.

Ich gehöre eindeutig nicht zum Zielpublikum dieser Trilogie, deren Lektüre ich nach einem Drittel des ersten Bands auf extremes Querlesen umgestellt habe und deren zweiten und dritten Band ich nicht lesen möchte.


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Sonntag 22. November 2020 – Aloe Vera

Zwei hübsche Pflänzchen habe ich geschenkt bekommen (danke schön, liebe E) und nachdem sie im Wasser schon ordentliche Wurzeln gebildet hatten, kamen sie heute in die Erde. Die Erde kam von draußen und musste sich noch etwas aufwärmen, weil es heute Nacht gefroren hat. Die eine Pflanze kommt an ein Westfenster, in einen Raum, in dem es ihr hoffentlich nicht zu warm sein wird, die andere an ein Südfenster in einen kühleren Raum.

Eigentlich wollte ich sie in mein Regenwasser-Gieß-Programm aufnehmen, aber nachdem die Aloe Vera Kalk mag, wird sie Wiener Leitungswasser mögen. Als Sukkulente trinkt sie ohnehin nicht viel. „Immer nur von unten gießen“ schreibt der Net-Gärtner. Das ist nicht weiter schwierig, das kenne ich auch von der Fleischfressenden, die übrigens vor kurzem tatsächlich eine Spinne und eine Fliege erwischt hat, wie auch immer sie das geschafft haben mag. Ich hatte schon den F im Verdacht, ob er ihr Leckerbissen zukommen lassen wollte, aber er beschwört seine Unschuld. Dann muss sie es selbst geschafft haben. Beachtlich!

Es hat in diesem Jahr sehr viel geregnet und alle meine Auffanggefäße für Regenwasser sind voll. Seit heute Nacht sind sie auch schon gefroren, ziemlich tief, nicht nur in einem Film an der Oberfläche.

Ich schätze den Saft der Aloe Vera als Behandlung für kleine Wunden. Zu diesem Zweck verwende ich Stifte, die an sich als Lippenstifte gedacht sind, von einer Firma, die sich großspurig Forever living nennt. Dieses Versprechen wird sie nicht halten, aber manche ihrer Produkte finde ich ganz gut. Abgesehen von Wundheilung soll die Aloe auch die Luft in Innenräumen reinigen. Ich vermute, dass sie dafür noch etwas wachsen muss, aber dann…


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Freitag 20.November 2020

Der Hermann Schmidt Verlag schickt einen Newsletter mit dem Hinweis auf ein Buch mit dem Titel  „Erfolgreiches eigenes Atelier“. Lustiger Zufall. Auf „erfolgreich“ in dem hier genannten Sinn lege ich ja keinen Wert, erfolgreich für meine Vorstellungen soll es aber schon werden. Es soll mich zum regelmäßigen Malen motivieren, dazu meine derzeitigen Themen „Brücke“  und „Abstrahierung“ endlich auch anders als im Kopf anzugehen.

Der D hat bei der Vertragsunterzeichnung die gesamte Kaution bezahlt, in bar. Eine seltsame, irgendwie anachronistische Vorgangsweise. Und jetzt warte ich darauf, dass er mir seine Kontonummer mitteilt, damit ich meinen Anteil überweisen kann, denn wir sehen einander derzeit ja nicht. Aber nix, keine Kontonummer. Manchmal können auch großzügige Menschen leise nerven!

Andere nerven lauter. Es gibt da die alte Geschichte vom buddhistischen Meister, der gefragt wird, warum er bloß mit jemandem befreundet ist, der ein extrem unangenehmer, unhöflicher, unverläßlicher Mensch ist und in allem und jedem andere Standpunkte auf äußerst rechthaberische Weise vertritt. Und der Meister erklärt, dass dies sein wichtigster und  liebster Freund sei, weil er an ihm und seinen Verhaltensweisen Gelassenheit und Loslassen üben kann. Ich übe auch. Wenn auch vielleicht nicht mit so viel Erfolg wie der besagte Meister. Andererseits ist ja der Erfolg seiner Bemühungen nicht überliefert, was vielleicht seine Gründe hat.

Es nervt mich außerdem, dass mir zu meinem grünen Foto in der „impulswerkstatt“ so gar nichts einfällt, abgesehen von zwei möglichen Fantasygeschichten zu denen ich aber keine Lust habe. Eine dritte Idee hatte ich gestern, sie nimmt aber auch noch keine konkreten Formen an. Dabei habe ich gestern Unkraut gejätet und Pflanzen aus dem Wasser in die Erde befördert. Gärtnerisches wirkt oft sehr inspirierend. Diesmal nicht. Es gibt ja eigentlich viele Ansatzpunkte: das Grün, die Ähre, der Stacheldraht, die Verbindung von Stacheldraht und Ähre, Krieg und Frieden, Durchhaltevermögen, Behinderungen, Freiheit und und und aber nichts will sich zu einem Text formen.

 

 


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Mittwoch 18.11.20 – Ateliergesäusel

JUHUUU, es ist soweit. Heute haben wir den Mietvertrag unterschrieben; mit Zusatz aus der Juristenfeder meiner Schwägerin, aber die beiden jungen Männer, deren Agentur das Atelier vermietet, sind so sympathisch und authentisch, dass es wohl gar nicht notwendig gewesen wäre. Vorsicht schadet ja aber nie. Es ist ein Vertrag für 4 Jahre geworden mit 3monatiger Kündigungsfrist für alle Beteiligten.

Ab 1. Dezember bin ich also 1/3 Teilhaberin an einem Atelier. Ein sehr schönes Gefühl und der Beginn von etwas. Was genau ist noch nicht definiert, aber es wird sich entwickeln in welche Richtung auch immer.

Zunächst müssen wir dann einmal einziehen. Vorläufig haben wir jede/r eine Staffelei, der D. spendet zum Einstieg zwei Klappsessel und die A. hat einen Tisch zu vergeben. Der D. freut sich schon auf den Tag, an dem die Baumärkte wieder aufsperren um Farbe und sonstiges zu erwerben. Ich hätte so meine Bedenken, wenn ich nicht selbst gesehen hätte, wie gut und kompetent er an seinem Haus in Irland selbst gearbeitet hat. Die Wände des Ateliers sind holzverschalt und dieses Holz soll heller gestrichen werden. Über die Farbe müssen wir uns noch verständigen, aber ein heller Anstrich macht einen Raum freundlicher und größer. Bei einer Größe von 40 m2 ist das kein Luxus.

Wir haben ja einen Shut-Down, aber mit hundert Ausnahmen, so dass sich ohnehin für jeden Aufenthalt im öffentlichen Raum eine passende Begründung findet und so ist es natürlich auch kein Problem einen Vertrag unterschreiben zu gehen. Ich bin 3 Stationen mit dem Bus gefahren und den Rest zu Fuß gegangen, es ist wirklich sehr nah von meiner Wohnung. Unterwegs habe ich auch ein paar abstrakte Nachtlichtbilder probiert. Das ist der Eingang des Ateliers von außen, beleuchtet, weil die Handwerker dort noch arbeiten.


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Der blaue Nil -ABC-Etüde

 

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Ulli vom Café Weltenall

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Nachdem mir derzeit absolut keine Geschichten einfallen wollen, greife ich auf das bewährte Einfach-drauflos-Schreiben zurück. Und siehe da, das geht auch in genau 300 Wörtern

„Die Quelle des Blauen Nil“ hatte für mich immer einen ganz besonderen Reiz, dessen Ursprung ich nicht nachverfolgen kann. Habe ich als Kind irgendwo gehört oder gelesen, dass diese Quelle für die europäischen Erforscher des afrikanischen Kontinents eine große Herausforderung darstellte, dass sie lange nicht gefunden wurde ? Jedenfalls entwickelte sich die „Quelle des Blauen Nil“ zu einem Ausdruck, den ich immer noch richtig gerne höre und schreibe, der abenteuerliche, mystische Bilder aufsteigen lässt.   

Der blaue Nil ist nicht blau, er führt eine Menge Sedimente mit und ist daher dunkel, was in der Übersetzung aus dem Arabischen in europäische Sprachen zu „blau“ wurde. Es würde sich unbedingt lohnen, in Bibliotheken und auch im Netz nach Übersetzungsfehlern zu stöbern, die im Laufe der Geschichte wichtige Auswirkungen hatten. Beim Blauen Nil ist das nicht der Fall, aber wenn ich zum Beispiel an den Apfelbaum im Garten Eden denke. Ein überaus interessantes Thema.

Ganz griesgrämig werde ich, wenn ich denke, mit welchen Banalitäten des Alltags ich mich beschäftige, statt mich in die lichten Höhen der Forschung zu begeben. Ich weiß, dass auch mein Bild der Forschung in alten Dokumenten ein stark romantisiertes ist. Tatsächlich ist das ein Kampf gegen Staub, Verwesung und unleserliche Handschriften in den Tagebüchern längst selbst zu Staub gewordener Menschen.

Andere Menschen träumen von Prinzen auf weißen Rössern. Nur zu. Bei mir sind es die alten Dokumente und die Quelle des blauen Nil. Wobei das Zusammentreffen von Quellen und Dokumenten für letztere sehr schlecht ausgehen könnte. Die Tinte löst sich auf und fließt in den Nil, der dadurch tatsächlich blau wird.

Solche Bilder sind wohl eine Art Selbstbefriedigung des Hirns in Zeiten des Shut-Downs bzw eine Entschuldigung für meine Antriebslosigkeit. Wer oder was hindert mich daran, zu einem Thema, das mich interessiert zu forschen? Nur ich selbst.

300 Wörter


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Montag 16.November 2020 – Der zweite

Der Lockdown Nummer 2 also, ab morgen. Beim ersten Mal war ich froh, dass alles heruntergefahren wurde, inklusive Schulen. Es kam mir damals etwas unheimlich vor, mit den Öffis zu fahren, große Gruppen zu unterrichten. Dabei waren die Infektionszahlen im März bei gerade 100 pro Tag, vor kurzem waren sie bei fast 10.000. Angeblich sollen die österreichischen Zahlen pro Million Einwohner die höchsten der Welt sein. Das glaube ich nicht so ganz, denn die Zahlen, die aus manchen Ländern gemeldet werden, sind wahrscheinlich nicht besonders glaubwürdig. Aber schlimm genug wäre es schon, die höchsten Zahlen Europas zu haben.

Tatsächlich hat sich das distance-learning als ziemlich anstrengend für alle Beteiligten entpuppt und in weiterer Folge als Ursache für eine katastrophale Vergrößerung der Gräben zwischen von zuhause geförderten Kindern und solchen, deren Eltern sie gar nicht unterstützen können oder wollen. Beim zweiten Durchgang des Lockdown soll wieder der gesamte Unterricht auf distance-learning umgestellt werden. Die älteren Schüler*innen schaffen das ganz gut, die kleineren aber nicht. Abgesehen vom Kanzler war so ziemlich die gesamte Regierung und viele andere Entscheidungsträger gegen die Schulschließungen. Aber der Herr Kurz lässt ja keine großen Zweifel darüber, wer das letzte Wort hat.
Es haben aber schon viele Schulen Systeme ausgeklügelt, wie sie doch unterrichten können. Die Schulen sind ja nicht geschlossen, es findet eine Betreuung statt und immerhin beim zweiten Durchgang ist man darauf gekommen, dass man ja statt die Kinder nur zu bespaßen die Gelegenheit nützen könnte, gerade die schlechteren Schüler*innen zu fördern. Das Unterrichtsministerium verteilt Tablets und Laptops an Schüler*innen und Sonderverträge an Lehramts-Studierende in hohen Semestern. Eine österreichische Lösung: bei ungeliebten Bestimmungen gibt es so viele Ausnahmen und Sonderfälle , dass man sich die Regelungen genauso gut hätte ersparen können. Wir Österreicher sind noch aus Habsburgszeiten ein ziemlich autoritätsgläubiges Volk, andererseits ist aber die kreative Umgehung von Gesetzen und Bestimmungen, die einem selbst nicht sinnvoll erscheinen, ein beliebter Volkssport.

Diesmal bin ich am Tag vor dem Lockdown ziemlich nervös. Den ganzen Tag lang habe ich den Eindruck, dass ich irgendetwas vergessen haben muss, dass ich unbedingt vor dem Schließen des gesamten Handels besorgen müsste. Aber was ? Sicher keine Gegenstände des täglichen Gebrauchs, ich bin immer schon eine große Vorratshalterin gewesen, ganz abgesehen davon, dass die Supermärkte nicht schließen. Ich weiß einfach nicht, woher diese Unruhe gekommen ist. Jetzt ist es auf jeden Fall ohnehin zu spät.


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Romantik ohne Leben – Impulswerkstatt

 

Mein erster Beitrag zum November in der Impulswerkstatt. Wie sich zeigt, bin ich gerade sehr unromantisch unterwegs. Eigentlich meistens. Ich hatte einen völlig anderen Text im Sinn, aber dieser hat sich mit Erfolg vorgedrängt.

 

 

Das Meer streckt die Finger aus nach dem Land. Die Steine hat es schon zu Sand zerrieben, nun nähert es sich wieder, streicht den Sand glatt und hinterlässt Luftblasen. Mit Luftblasen kenne ich mich aus.

„Et la mer efface sur le sable les pas des amants désunis” mein heutiger Ohrwurm, nachdenklich, melancholisch… Mich aber stimmt es heiter, das Lied von den im Sand verwischten Spuren der Liebenden. Das Bedauern über den Verlust so mancher Geliebter hält sich in Grenzen.

Was bin ich froh, dass ich dich los bin mit deinem romantischen Getue vom „immer und ewig“ und „den verwandten Seelen“ und von „Liebe besiegt alles“ und dem ganzen Geschwurbel und Geschlabber.

Wenn es darum ging einen Dichtungsring auszuwechseln, wolltest du dir deine edlen Pianistenhände nicht schmutzig machen. Füreinander geschaffen waren wir, du für die Freuden des Lebens, ich für alles andere. Das Begießen der blauen Blumen der Romantik war dein maximaler Beitrag zu den Niederungen des Alltags.

Du konntest unmöglich selbst das Auto zum Mechaniker bringen, du musstest dir ja Liebesschwüre ausdenken, die du dann deklamieren konntest wenn ich vom Mechaniker zurück war und in aller Eile das Abendessen kochte. Ein paar Butterbrote wären eines in ewiger Liebe verbundenen Paars wie uns beiden nicht würdig gewesen. Und dass du selbst etwas gekocht hättest, entsprach nicht deinem Image als romantischer Liebhaber.

Als Liebhaber warst du allerdings wirklich gut, das muss ich dir lassen. Perfekt wäre es gewesen, hättest du dabei gelegentlich auch den Mund gehalten und nichts Gereimtes rezitiert. Auch auf die ausgewählten Passagen aus Romeo und Julia hätte ich in dem Zusammenhang gerne verzichtet. Dagegen hätte es meine Libido sicher noch gesteigert, wenn du es einmal geschafft hättest die Waschmaschine in Gang zu setzen oder den Staubsauger zu schwingen.

Die Welt wolltest du mir zu Füßen legen und dem ganzen Universum von unserer Liebe künden, die so hell leuchtete wie das Firnament. Deine Metaphern waren eher durchschnittlich.  Es musste aber jemand den Rasen mähen und neue Glühbirnen besorgen. Du warst es nie, warst immer ausgelastet mit Künden, Jubilieren oder Dichten während ich den Zaun strich oder die Steuererklärung machte.

Ich wählte und kaufte das neue Sofa, dein Beitrag dazu war es, dekorativ darauf herumzuliegen. Das Dekorative kann man dir ja nicht absprechen. Dein reizender Engel war ich. Wahrscheinlich deswegen, weil Engel mit Flügeln ausgestattet sind und somit sehr schnell gewünschte Dinge herbeischaffen können.

Zugehört hast du mir nie, du musstest ja von den ewigen Bindungen des Fleisches und der Seele labern, die über viele Leben hinaus andauern. In diesem Leben musstest du dich wohl von den vorhergegangenen ausruhen und für die zukünftigen stärken.

Such dir doch einen anderen bezaubernden Arbeitsengel !

„Et la mer efface sur le sable les pas des amants désunis”

Endlich!