la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Es gibt keine Sippenhaft – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei Christiane

Aus 3 vorgegebenen Wörtern einen Text schreiben

Das ist etwas zu reduziert, aber in 10 Sätzen geht nicht so viel und um ein bissl Spannung hineinzubringen, muss es auch kurze Sätze geben

Die Sektkorken knallten, die Tafeln bogen sich unter den ausgefallensten Delikatessen, das Land lag in Schutt und Asche und die Menschen hungerten und schwiegen, denn für Protest drohte noch Schlimmeres als der Hungertod. Im Hause des Diktators wurde gefeiert, das Leben, die Macht, der Kitzel der ständigen Gefahr.  Giftgasschwaden zogen über das Land, der Mangel an allem war zur Gewohnheit geworden. Nicht nur während der Feste bewachten Legionen von Soldaten das Schloss und seine Parkanlagen, patrouillierten in unregelmäßigen Abständen über immer andere Wege über das riesige Grundstück. Trotzdem sahen sie nicht alles, die Kinderfrau des Lieblingskindes gehörte zu einer Widerstandsgruppe ebenso wie einige Leibwächter.

Sie entführten das Kind, das sie „Drachenei“ nannten und versteckten es in den unterirdischen Labyrinthen des Basars. Es war ein sehr liebenswertes Kind, das seinen Entführern bald ans Herz wuchs und sie teilten gerne ihre Beute aus altbackenem Brot, angeschlagenem Obst und schlechten Nachrichten aus dem Palast. Der Diktator reagierte nicht auf die Forderungen der Entführer, er hatte viele Kinder und viele Frauen und große Folterkeller für des Aufruhrs Verdächtige, auf ein Kind mehr oder weniger kam es ihm nicht an. Dies wurde ihm allerdings zum Verhängnis, denn aus den Reihen der Widerstandskämpfer trat jene Frau hervor, die das Land wieder aus dem Elend herausführte. Drachenei wurde die erste demokratisch gewählte Präsidentin des Landes.

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Der unbedankte Ritter – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei Christiane

3 Wörter in eine Geschichte verpacken

Holterdipolter – Hoppel di Poppel, lange schon war der Ritter auf seinem Pferd unterwegs auf staubigen Straßen, durch unsichere Furten und über hohe Bergpässe, manchmal bekam er nur altbackenes Brot und ein paar Äpfel zu essen, aber nichts konnte ihn von seinem Weg abbringen, durch alle Widrigkeiten folgte er der Spur des zerbrochenen Dracheneis.  Die Bauern der Umgebung hatten geklagt, dass sie von einem gewaltigen Drachen bedrängt würden, er raubte Mensch und Tier, brannte mit seinem Flammenatem ihre Häuser nieder und versetzte die Umgebung in Angst und Schrecken. Dort irgendwo in dem Wald mit den Felshöhlen sollte er leben und zum größten Entsetzen aller, hatte sich die Mär herumgesprochen, dass außer dem dunkelgrün getigerten Drachen mit den gewaltigen Stacheln nun auch noch ein zweites Monster gesehen worden war, ein blutrotes Wesen mit besonders großen, kreisenden gelben Augen. Die Bauern wussten nicht mehr aus noch ein und baten den Ritter flehentlich er möge sie vor dem sicheren Verderben retten. So ritt er nun dahin, seit Tagen und Nächten, ohne Rast und Ruh immer auf der Spur des zerbrochenen Eis, das das flüchtende Drachenpaar zurückgelassen hatte. Mochten sie aber noch so weit flüchten, eines Tages würde der Ritter sie einholen, das erwachsene Paar und vielleicht auch Jungdrachen, die aus anderen Eiern geschlüpft sein könnten.  Bescheiden würde der Ritter alle Ehrungen zurückweisen und nur den ehrenvollen Titel „Drachentöter“ in seinem Namen und Wappen führen. Die staubige Straße zog sich unendlich dahin. (8) Da, plötzlich, orangefarbener Rauch, ein ohrenbetäubendes Gepolter, ein türkiser Knall und eine unheimliche Stimme: „Du Rotzbub, wehe, du trampelst noch einmal durch meine Gemüsebeete und stör die Hühner nicht beim Eier legen“ brüllte die Nachbarin ganz außer sich.


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Goldene Karyatiden

Bei mir findet das totale Kulturwochenende statt. Heute waren wir bei einem Konzert im goldenen Saal des Musikvereins. Die Qualität der Fotos ist mangels günstiger Perspektive nicht so gut, aber immerhin vermitteln sie einen Eindruck. Ohne den Blumenschmuck, den man beim Neujahrskonzert in diesem Saal immer sieht, ist er noch immer schön, aber es fehlt das Gegengewicht zu dem vielen Gold.


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Klare Linien, die Schönheit hervorbringen

Am Wochenende findet in meinem Meditationszentrum ein Kunstfestival statt. Heute waren die letzten Vorbereitungen im Gange. Bilder gehängt, Ikebana gemacht, beides miteinander kombiniert. Sehr Schönes ist dabei herausgekommen.


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Als die islamische Welt an der Spitze des Fortschritts stand

Ich habe ja mein 6-Bett-Zimmer-Krankenhaus-Erlebnis noch nicht restlos verdaut und was lese ich da über das mittelalterliche Kairo im  vierzehnten Jahrhundert.

„Nach Recherchen des britischen Wissenschaftlers *) existierten schon Anfang des vierzehnten Jahrhunderts im Maristan-Krankenhaus (Kairo) sorgfältig sterilisierte Operationsräume mit den modernsten chirurgischen Geräten, für die Patienten abgetrennte Einzel- und Doppelzimmer und angeschlossene Bäder. Man konnte sich zur Linderung der Schmerzen und Entspannung einen Koran-Vorleser bestellen oder auch eine weltliche Musiktruppe oder die hospitalseigene Bibliothek aufsuchen. Reiche wie Arme wurden tatsächlich gleich behandelt – Errungenschaften einer Zivilisation, von denen man außerhalb der arabischen Welt nur träumen konnte. “

*) Stanley Lane-Pool, Autor einer umfassenden Stadtgeschichte über Kairo

Erich Follath „Jenseits aller Grenzen“ Verlag Penguin 2016 p. 78

Übrigend ein sehr interessantes Buch, von dem es hier noch mehr zu hören geben wird.


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Triste Verhältnisse 1920 in Wien

Alex Beer

„Die rote Frau“

Limes: 2018

Das ist schon mein zweiter Wien 1920-Krimi von Alex Beer. Hier der erste.   In beiden sind die harten Lebensbedingungen in Wien, kurz nach dem 1.Weltkrieg sehr eindringlich und wohl realistisch geschildert. Auch der Protagonist August Emmerich – „August“ weil er in diesem Monat gefunden und ins Waisenhaus gebracht wurde – hat eine Kriegsverletzung, einen Granatsplitter im Knie, der ihm starke Schmerzen und eine beträchtliche Gehbehinderung einbringt.

Auch dieser Roman hat eine gut konstruierte Handlung. Die Spannung wird durch ein paar unerwartete Wendungen aufrecht erhalten,  die Charaktere sind gekonnt herausgearbeitet. Die Handlung führt durch verschiedene soziale Milieus, die ich sehr überzeugend geschildert finde: vom Rotlicht bis zum verarmten Adel. Auch das Lokalkolorit ist einwandfrei – man muss sich als Ortskundige nicht fragen, wie um alles in der Welt man von A nach B in 10 Minuten kommen soll, wenn doch da die ganze Stadt dazwischen liegt. Kein Wunder, die Autorin lebt – laut Klappentext – selbst in Wien.

Das einzige Problem, das ich mit diesem und auch dem anderen Text habe, ist stellenweise die Sprache. Es ist mir schon klar, dass es schwierig ist, in einem der zahllosen Dialekte des Deutschen zu schreiben und den Text trotzdem auch für Menschen, die diesen Dialekt nicht kennen lesbar zu machen. Die Lösung finde ich geschickt: diverse Einheimische sprechen Wiener Dialekt, der Ermittler spricht Hochdeutsch. Soweit so gut, aber an vielen Stellen werden Wörter verwendet, die es im Wien des Jahres 1920 garantiert gar nicht und auch im Wien des Jahres 2018 nicht wirklich gibt. Im österreichischen Deutsch wird nicht „gelaufen“ sondern gegangen; es erzeugt ein sehr seltsames Bild, wenn der gehbehinderte Ermittler durch die Gegend „läuft“, was für Wiener ein Synonym für „rennt“ ist. Es gibt keine „Jungs“ und es wird nicht „geklaut“. „Mit ´ner Puff´n bedroht“ als Mischung von zwei verschiedenen Umgangssprachen klingt ebenso seltsam wie „Da bin ich doch restlos überfordert mit“. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es mag kleinlich klingen, aber mich hat jeder dieser sprachlichen Missgriffe aus dem Lesefluss herausgeschleudert.

Insgesamt ein guter Krimi. Mein Kritikpunkt ist ja auch für nicht österreichisch Sprechende völlig irrelevant.