la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Aus eins mach viele – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.   

Sie sah ihn schon von weitem kommen, er trat auf exakt die gleichen Pflastersteine wie jeden Tag, im bankgrauen Nadelstreif, dem schuldigweißen Hemd und der vor Selbstzweifeln schluchzenden gestreiften Krawatte. Sie wartete bis er sie sehen konnte. Jetzt war der richtige Moment. Zeremoniell hob sie die große, schwarze Salatschüssel hoch und ließ sie dann ganz langsam und bewusst los. Genug. Es.reicht! Das schwarze Ding stand für die letzten fünfzehn Jahre. Die Schüssel fiel vor ihren Augen, in Zeitlupe, auf den Steinboden und zerbrach langsam und endgültig in Dutzende von verschieden geformten Scherben. Von jeder einzelnen Scherbe, die am Boden ankam, verdampfte das Schwarz in einem kleinen Wölkchen, das hochschoss und verschwand. Zurück blieben spitze Scherben, runde Scherben, raue und seidige Scherben, die plötzlich in den verschiedensten Farbschattierungen und Oberflächenstrukturen leuchteten.

Das wellige Blau des Meeres in dem er ihr immer den Tauchkurs vermiest hatte, das bewegte Orange der Faschingsumzüge, zu denen die Kinder nie gehen durften, das sanfte rot-beige der Katze, die ihm niemals ins Haus kommen würde, das wehende Grün des Gartens, den er niemals betrat, die samtigen roten Theatersitze, die sie ewig nicht mehr gesehen hatte und das diamantene Leuchten lebendiger Liebe.

Er kam heran, blieb sprachlos stehen. Die Scherbe mit den scharfen Kanten und dem eintönigen einheitsgrauen Muster sprang seine Hosenbeine hoch. Sie stand für sein ewiges Gejammer, seine Feigheit und bedingunslose Konformität, dafür was für ein gleichgültiger Partner und Vater er war. Die Zeiten der schwarzen Salatschüssel waren endgültig vorbei, ihre zersprungenen Teile, bunt und vielfältig ließen sich zu Verschiedenem zusammensetzen und auch wieder auseinander nehmen. Bunt, lustig, traurig und intensiv sollte das Leben werden in dem sie nun wieder selbst die Verantwortung und das Ruder übernehmen würde.

Große, graue Wölkchen im Nadelstreifdesign  stiegen in die Höhe, er verdampfte.

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Die perfekte nachbarliche Harmonie – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

René gehörte zu jenen Hobbygärtnern von denen weniger fleißige Menschen abschätzig behaupten, sie würden den Rasen mit der Nagelschere bearbeiten. Früher hatte er einen perfekten Rasen, Bäume und Blumen und einen kleinen Teich. Kurz nachdem die neuen Nachbarn eingezogen waren und er ihr großes Vereinsschild am Gartentor gesehen hatte, begann er damit Gemüsebeete anzulegen. Direkt an der Grenze zum Nachbargarten wuchsen nun Salat, Kohl, Radieschen und Karotten und wurden selbstverständlich genauso perfekt gepflegt wie alles andere. Am späten Nachmittag wenn die Nachbarn und immer einige Mitglieder ihres Vereins im Garten waren, goss und erntete er das Gemüse.

Für das Verhältnis mit seinen Nachbarn musste man Verantwortung übernehmen, lautete Renés Lebensphilosophie. Er war durchaus auch bereit sich für Frieden und Harmonie etwas zu verbiegen und anzupassen. Wenn das alle täten, pflegte er zu sagen, wäre die Welt ein besserer Ort.

Heute hatte er die Nachbarn samt Verein zum Abendessen im Garten eingeladen. Kunstvoll drapierte er seidige Tischtücher in Pastellfarben über mehrere Gartentische und arrangierte darauf ein Dutzend überquellender Salatschüsseln mit dem Gemüse aus eigener Produktion.

Nun musste er sich aber beeilen. Die Lederschuhe und -jacken mussten verschwinden, die Teppiche aus Tierfellen auch. Zumindest die Strecke aus dem Garten zur Gästetoilette musste einwandfrei sein. Alle anderen Räume wurden abgesperrt. Nun eilte René noch in seine Küche, die seit Monaten einem Hochsicherheitstrakt glich: der Dunstabzug ausgeschaltet, die Fenster hinter geschlossenen Jalousien. Gelüftet wurde nur manchmal in der Nacht.

Eine Stunde vor dem Eintreffen seiner Gäste saß René bei fest verschlossenen Fenstern und Türen in seiner Küche. Auf seinem schönsten und größten Teller lag ein saftiges Stück Schweinsbraten, das er langsam und verzückt genoss. Dann versenkte er den Teller im Geschirrspüler, versprühte Tannenduft in Küche und Flur und versperrte das Sicherheitsschloss an der Küchentür. Er war bereit, den veganen Verein der Freunde der Karotte zu empfangen.


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Schüssel I und Schüssel II – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Der österreichische Bundeskanzler Schüssel, war bei den Linken nicht nur wegen seiner eigenen Person unbeliebt sondern auch wegen der Tatsache, dass er die FPÖ in die Regierung geholt hatte. Diese Unbeliebtheit trieb manchmal auch sehr extreme Blüten wie im Haus von Bekannten, wo das Wort „Schüssel“ und damit auch „Salatschüssel“ tabu geworden war.

Ein Salatbuffet gab es an einem Abend. Seidiges Tischtuch, schöne Keramik, sehr viele Schüsseln, die nicht genannt werden durften. Na ja, so halb im Ernst.

– Gibst du mir bitte diesen äh…  Salatbehälter dort.

– Sollen wir das große blaue Salatdings nehmen oder lieber die zwei kleineren

– Habt ihr euch wirklich eine Sateliten äh … antenne zugelegt?

– Wir waren kürzlich im Shop der Gmundner Keramikfabrik. Es gibt ein paar neue Designs auf Tellern, Häferl und Sch ….. äh sonstigen Produkten.

– So ein schönes Riesenhäferl ohne Henkel und mit Salat drin.

-Der Bambussprossensalat passt farblich so gut zu seiner ……. Umgebung.

Alle Anwesenden liefen zu Höchstform auf. Die sprachlichen Mäander waren auch ganz lustig für einen Abend von den „konkaven Salatserviervorrichtungen“ bis zu den „Keramikteilen, die eindeutig zu groß zum Trinken sind“, haben wir uns einiges einfallen lassen. Aber jahrelang! Es gab schließlich ein Kabinett Schüssel I und ein Kabinett Schüssel II. Ob auch bei den zahlreichen Gerichtsverhandlungen, die die vielfältigen Betrugsaffairen dieser Zeit aufarbeiten das Wort „Schüssel“ tabu ist ? Falls ja, dann aus völlig anderen Gründen als beim Salatbuffet.

Ich habe diese Familie aus den Augen verloren, frage mich aber öfter, ob sie das System des sprachlichen Negierens der Realität auch für Kanzler Kurz übernommen haben. Stelle ich mir auch recht mühsam vor. „Ich mache einen …… nicht langen Spaziergang“, „kannst du kurz …..äh ….. einen Moment die Schüssel halten.

 


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Abfallglück – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane 

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Das vielseitige Wort „Abfallsglück“ hat mich total gepackt. Es fallen mir jede Menge Verwendungsmöglichkeiten an. Einen Dank an Ludwig für die Inspiration 

„Völlig unschuldig ist er, an diesem blöden Gerücht ist überhaupt nichts dran“ sagte sie entschlossen.

„Wie immer halt“ sagte die Freundin, ernsthaft bemüht nicht sarkastisch zu klingen.

„Eh. Er ist immer der Sündenbock für alles. Nicht nur dass er tausend Freundinnen haben soll, was ja im übrigen auch niemand was angeht, nein, jetzt ist er auch noch für die Unterschlagungen in der Firma verantwortlich. Und unlängst, stell dir vor, kommt nicht eine Mutter aus dem Kindergarten zu mir und erzählt mir – so widerwärtig hinter vorgehaltener Hand, dass er die Kleine, wie hat sie gesagt – grob an der Hand gerissen hat – und nicht einmal – hat sie gesagt, jedesmal wenn sie ihn sieht. Blödes Tratschweib!“

„Wenn er aber vielleicht wirklich grob zu der Kleinen ist? …….“

„Was, du auch? So ein Blödsinn, warum sollte er den grob zu seiner Tochter sein, wenn er sie doch vom Kindergarten abholt.“

Und dann brach sie in Tränen aus. Die mühsame Beherrschung, die sie dann wieder irgendwie schaffte, ging der Freundin noch näher als die Tränen. Von allem Anfang an hatte sie dieser Beziehung ein sehr baldiges Verfallsdatum gegeben. Dann kam das Baby und sie hatte hautnah miterlebt, wie ihre Freundin sich diesen Mann schön geredet hatte, nach allen Regeln der Kunst. Nichts konnte ihre Überzeugung ins Wanken bringen, dass er immer nur das beste beabsichtigte und die ganze Welt ihn verkannte und verfolgte.

Sie hatte sich wieder gefasst und rieb energisch an ihrer Teekanne herum.

„Ich weiß, du willst es nicht hören“ sagte die Freundin. „Aber wir waren am Wochenende am Weihnachtsmarkt und …..“

„Ach, ja, ja und da habt ihr ihn sicher mit einem ganzen Harem gesehen und stockbesoffen“

So in etwa war es gewesen, aber die Freundin hatte resigniert. Wenn jemand so fest an seinem Abfallglück hing, war da nichts zu machen. Nur die Kleine …..

 


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Besinnliche Worte zum baldigen Ende – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane 

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Nachdem die Wörter von Ludwig stammen, der ganz andere Wortgebilde im Sinn hatte, als die, die wir jetzt so schreiben, dachte ich mir, ich fasse mich kurz.

Näher rückt das endgültige Verfallsdatum unseres Abfallglücks, unseres Plastiklebens aus dritter Hand.

Unschuldig ist niemand und überleben wird auch keiner.

Die Ameisen werden uns nachfolgen, oder die Kraken,

solange bis sie das Konsumglück entdecken.

Dann kommen die nächsten dran

Falls der Planet das noch hergibt.


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Antons Suche – ABC Extraetüde

Die ABC-ExtraEtüden bei  Christiane

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 500 Wörtern, in dem die 6 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Die Kombination von „Winterbäume“ und „bluten“ hat mich wohl an Anton erinnert, von dem wir schon lange nichts mehr gehört haben. Hier geht es um seine menschliche äh….. kätzische Dimension. Flumsi gewidmet, der geistigen Mutter von Kater Anton.

 

Missmutig schlich Anton hinter den Holzstoß und sprang durch den Eingang zu seinem Tagesquartier. Die Abteilung „Katerehre“ in seinem Gehirn registrierte automatisch, dass die Eleganz des Sprungs mit Null Punkten zu bewerten sei. Anton war aber so deprimiert, dass ihm alles egal war. In diesem nasskalten Substandardquartier musste er den ganzen Tag verbringen, weil er ja die Sonne nicht mehr vertrug. Ziemlich erfolglos versuchte er, es sich einigermaßen bequem zu machen. Es hatte keinen Sinn seinem früheren Leben nachzutrauern, in der Erinnerung wurden die Decken nur  immer wärmer und weicher, die Dosenöffner immer dienstfertiger, ach und die Nachbarsmiezen.

Er streckte seine linke Pfote, fuhr die Krallen aus und betrachtete traurig das ehemals geschliffen gepflegte Samtpfötchen. Wenn er damit ein wenig Milchtreten praktiziert hatte, verfiel seine Menschin in Verzückung und dann gab es fellpflegende Streicheleinheiten noch und noch. Besser gar nicht daran denken. Vorhin gerade als er um die reizende neue Mieze aus der Nachbarschaft herumgeschlichen war, hatte die doch tatsächlich angeekelt die Pfote geschüttelt. Angeekelt! Von Anton dem ehemaligen Schwarm aller Katzen nah und fern. Und das war noch nicht das Schlimmste. Sein Unglück war Anton so peinlich, dass er nur selten daran dachte, die Gehirnabteilung „Katerehre“ brachte dann auch immer sämtliche neuronale Verschaltungen durcheinander. Ach, diese bezaubernde Nachbarsmieze, dreifärbig und gelockt, unglaublich geschmeidig und der nahezu unwiderstehliche Geruch, und dieser Nacken, dieser Nacken in den er so gerne beißen würde. Sie würde aber nur bluten und dann auch diese verstörenden roten Augen bekommen statt ihrer wunderschönen, transparenten grünen Augen. Doch den zärtlichen Nackenbiss und alles was darauf folgte, beherrschte Anton nicht mehr, er war – das schreckliche Wort tauchte immer wieder auf – er war impotent, impotent bis in die letzte Schnurrhaarspitze. Er konnte die Miezen nur noch zum bluten bringen.

Wenn der vampirische Anton nicht ohnehin schon tot gewesen wäre, hätte er ernsthaft daran gedacht der erste selbstmörderische Kater zu werden. Durch die Verteidigungschlitze im Holzstoß sah er die Winterbäume, die im Sturm ächzten und wankten. Auch kein besonders aufmunternder Anblick für einen Kater, der von nichts anderem träumt als nächtelang zu singen, um die schönste Mieze zu werben und zu lieben. Vielleicht auch wieder mal bei Tageslicht. Die Gehirnabteilung „Katerehre“ hatte sich vor Verzweiflung vorübergehend abgeschaltet. Die roten Augen leuchteten.

„Dich gibt es also wirklich“ sagte eine Stimme. Anton sprang in Verteidigungsposition und stellte alle Haare auf um doppelt so groß zu wirken. Reflexe kann man schließlich nicht ausschalten

„Ich bin die Waldfee“

„Nicht größer als eine Maus“dachte Anton, plumpste wieder auf den Boden und wackelte andeutungsweise mit dem Hinterteil.

„Na, na, täusch dich nicht“ sagte die Waldfee „Ich kann jede beliebige Größe annehmen. Aber in diesem finsteren Loch ist ja kein Platz“

Verärgert kniff Anton die Augen zusammen „Glaubst du, ich wäre nicht auch lieber woanders“ knurrte er.

„Deswegen bin ich ja da“ sagte die Waldfee mit einer etwas zu lieblichen Stimme. „Es gibt nämlich eine Lösung für dich. Du weißt doch sicher, was ein Regenbogen ist“

„Pffffff, die gibt es nur bei Sonnenschein“ bemerkte Anton uninteressiert.

498 Wörter

 


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Durch die Wüste – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane 

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Hier stand sie nun.

Ihre Familie hatte sie verlassen. Für die Reise ihres Bruders hatte das ganze Dorf zusammengelegt, ein wenig von allen Onkeln, Tanten, Cousins, von den Geschwistern, den Eltern, den Großeltern, Menschen aus der weiteren Familie, viele hatten etwas beigetragen in der Hoffnung auf große Geschenke von einem in Europa etablierten Verwandten. Aber sie selbst war einfach gegangen, ohne Geld, ohne genaues Ziel immer nur den nächsten Schritt vor Augen.

Viele Männer hatten ihr weh getan, hatten sie geprügelt und vergewaltigt, aber einige hatten ihr doch Geld gegeben und immer dachte sie an den Weg, an ein paar Schritte weiter in Richtung Norden. Ihre Füsse hatten geblutet in den Schuhen aus Plastikflaschen, ihre Hände waren zerschunden, ihre Genitalien verletzt. Tagelang gab es nichts zu essen, kaum Wasser. Viele blieben in der berauschenden Landschaft der Wüste, zwischen den Dünen, die immer wieder andere Ausblicke eröffneten, in der manchmal völlig transparenten Luft, die bei einem Sandsturm die Lunge völlig lähmen konnte. Auch die Leichen wurden an manchen Tagen von Sand bedeckt, an anderen lagen sie frei unter dem tiefblauen Himmel.

Der Himmel war noch ebenso blau. Die gnadenlosen Sanddünen liefen in Straßen aus, an denen elende Hütten und auch ein paar Häuser standen. Sie  konnte kaum glauben, dass sie so weit gekommen war. Es hatte sich noch nicht viel verändert: die Ansprüche der Männer waren dieselben, die Prügel auch, das Geld, das sie manchmal bekam, sah etwas anders aus. Wasser gab es hier und wenn man die Orte kannte auch zu essen und einen Schlafplatz. Doch sie wollte an den Ort, von dem sie gehört hatte, an den Ort an dem sie sein konnte.

Und hier stand sie nun, ein dürres Mädchen, barfuß, aber an ihrem Ziel angekommen: unter der Regenbogenfahne. Sie lächelte.