la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Hüftchroniken #9 – langsame Normalisierung

Sehr viele Dinge habe ich liegen lassen, verschoben, weitergereicht, vorläufig für unwichtig erklärt. Daraus ergibt sich jetzt eine ziemlich lange To-do-Liste. Ich habe begonnen, sie langsam und gemütlich abzuarbeiten, an jedem Tag nur ein anzusteuerndes Ziel, meistens ergibt sich dann unterwegs ohnehin noch dieses und jenes.

Ich bin immer noch mit zwei Krücken unterwegs, zwar wäre es nicht mehr wirklich notwendig, aber wenn ich ohne Krücken gehe, hinke ich ähnlich wie vorher, obwohl dafür gar keine Veranlassung mehr besteht. Besonders schwierig ist es, meinem Hirn begreiflich zu machen, dass es kein Problem mehr ist und auch nicht weh tut mit beiden Beinen Stufen zu steigen. Wenn ich aber mit den Krücken unterwegs bin, auch wenn ich den Boden damit eigentlich nur mehr antippe, dann gehe ich gerade. Nun gut, das braucht eben seine Zeit. Ich stelle mir das plastisch so vor, dass ich die eingegrabenen Gewohnheiten im Hirn langsam planiere und neue Wege eröffne.

Die Leute auf der Straße sind im allgemeinen sehr nett. Ständig hält mir jemand die Tür auf, oder überlässt mir einen Sitzplatz oder möchte meine Krücken aufheben, die gar nicht umfallen können, weil ich sie um den Hals trage. Eigentlich alles sehr angenehm, aber ich muss gestehen, dass es mich schon leise nervt, mich ständig bei allen zu bedanken. Natürlich ist es so viel angenehmer als wenn alle über mich drübertrampeln wollten, trotzdem tue ich mir schwer mit der Rolle der Schwachen, auf die andere Rücksicht nehmen (sollen/müssen).

Schon seit zwei Wochen hänge ich ständig am Telefon um zu versuchen, meinen viel zu späten Reha-Termin im März vorzuschieben. März wäre ohnehin schon kulant, hieß es, weil eigentlich bis Ende April alles voll sei. Ich setzte auf lästig, und habe jeden Tag angerufen, ob nicht jemand zurückgetreten ist. Und ja, tatsächlich, ich habe einen Termin im Februar bekommen, der gut passt. Eine Woche früher wäre noch besser gewesen, aber so ist es auch sehr gut und ich freu mich schon auf die Mischung zwischen trainieren und verwöhnt werden.

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Fingerübungen mit der Sonne

  • Die Sonne hat sich zu einem kurzen Besuch entschlossen
  • Man glaubt es kaum, heute scheint die Sonne
  • Wenn im Winter vormittags die Sonne scheint, trifft sie direkt auf das Fenster meines Arbeitszimmers
  • Der Himmel ist offen – für alles, was da kommen mag
  • Die Sonne ist die Grenze nach oben
  • Winterblau mit Schleiern und indirekter Beleuchtung
  • Frau Sonne blinzelt nach längerem Schlaf

Wenn es inhaltlich nicht viel zu sagen gibt, ist es interessant, sich mit der Form zu beschäftigen. Wie viele hunderte Formen gibt es für die Aussage: „es scheint die Sonne“.

Es bringt durchaus auch Erkenntnisse, in einem Stil zu schreiben, den man sonst nicht wählen würde, der einem völlig gegen den Strich geht.

Vielleicht haben auch andere Lust, sich etwas auszudenken.


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Ewig jung – ABC Etüden

Die ABC-Etüden bei  Christiane 

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Können Menschen ein Verfallsdatum haben, eine Ablauffrist, abgesehen von der unausweichlichen Vergänglichkeit des Daseins?

Entgeht man diesen Ablauffristen, wenn man sich Nervengift in die Falten spritzen lässt oder Haare implantieren. Machen Kunststoffbällchen im Pornostarformat – oder auch kleiner – wirklich jünger und glücklicher? Ist es nicht lächerlich sondern bewundernswert, wenn Schlagerstars mit siebzig die gleichen Liedchen trällern wie mit zwanzig? Ist es ein gutes Gefühl von einem schleimigen Exemplar Mensch als jüngere Schwester der eigenen Tochter angesprochen zu werden? Macht es Sinn nicht Eltern sondern Freunde seiner Kinder sein zu wollen, meistens auch noch die besten Freunde. Alles nur um diesen Ablauffristen zu entgehen, die dann unweigerlich ins Verfallsdatum münden.

Ist es klug, sich immer nur mit den Augen anderer zu betrachten? Wobei die Kriterien nach denen uns andere betrachten auch immer nur eigene Hypothesen sind. Wer weiß denn, ob der Unbekannte, dem wir irgendwo begegnen „hat die aber viele Falten“ denkt oder etwas völlig anderes.

Vielleicht kann man mit hunderten Runzeln, schütterem Haar und zitternden Händen am Rollator gehend durchaus glücklich und zufrieden sein, wenn die im Laufe eines Lebens angesammelten inneren Ressourcen tragen. Erwirbt man sich innere Ressourcen, wenn man sich hauptsächlich dem völlig aussichtslosen Projekt des Anti-agings widmet?

Nur so ein paar unschuldige Fragen.