la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Beurteilungen anderer …

Häuser aus der Perspektive von anderen Häusern, gespiegelt, verändert, verzerrt. Wir Menschen machen das ja auch so

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Novembergedanken

Diese Tage sind so geschichtsträchtig, jeder Stein, jede Wand scheint ihre Erinnerungen abzustrahlen, verstärkt durch die unbewegliche Düsterheit des Wetters. Noch nie habe ich das so intensiv erlebt wie in diesem Jahr. Die menschlichen Abgründe erscheinen bodenlos und meine Gedanken darüber, wie ich selbst mich wohl verhalten hätte, kreisen in einer Endlosschleife, die sich nicht auflösen lässt. Wohl gab es Menschen, die sich menschlich verhalten haben, die ihre Überzeugungen nicht der Angst geopfert haben, selbst in Gefahr zu geraten, quer durch alle Gesellschaftsschichten hindurch gab es sie. Aber es waren so wenige, so wenige im Vergleich zu jenen, die entweder feige oder auch völlig verführt, verblendet und verroht waren.

Ich war nur einmal in Israel, im Februar 2000 und natürlich haben wir Yad Vashem besucht. Warum tut man sich das an? Aus Interesse oder doch aus einem diffusen Sippen-Schuldgefühl heraus? Es war genauso schrecklich, wie ich es mir vorgestellt hatte, wie es sich wohl alle Mitglieder der Reisegruppe vorgestellt hatten. Wir waren, ich weiß nicht mehr genau, zehn, zwölf Leute und ausnahmslos alle waren mit großen Sonnenbrillen erschienen. Als ließen sich die heftigen Emotionen, die an einem solchen Ort unweigerlich entstehen hinter Sonnenbrillen verbergen. Einmal ganz abgesehen davon, dass es gar nicht verständlich ist, warum man sie verbergen möchte. Welche Österreicher, welche Deutschen könnten sich ungerührt an so einem Ort aufhalten, wo immer die Möglichkeit besteht, die eigenen Väter, Großväter, Brüder, Onkel, Cousins als Schlächter auf irgendeinem Foto wiederzufinden, die Orte an denen man lebt, als Orte eines Massakers, eines Pogroms, eines Mordes oder der massiven Erniedrigung von Menschen zu entdecken. Wer da nicht weint …

Zwei Dinge sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Ein kleines Gebäude. Man geht hinein, es ist völlig finster und es werden die Namen ermordeter Kinder vorgelesen in einer endlosen Abfolge; es scheint als wäre die halbe Welt schon im Kindesalter ermordet worden, man taumelt wieder hinaus, ans Licht. Persönlich sehr berührt haben mich auch einige ganz andere Ausstellungsstücke; vergilbte Hefte, in denen die ersten Schreibversuche in hebräischer Schrift von nach Israel  Eingewanderten zu sehen sind. Viele Menschen, die sich von ihrer Herkunft her als Juden fühlen, sind ja gar nicht religiös. Damals wie heute. Ich kenne einige solche „jüdische Atheisten“, die sich alle mit der Frage auseinandersetzen, was denn  jüdische Identität ausmacht. Allerdings ist mir noch niemand begegnet, der/die seine Zugehörigkeit zum Judentum prinzipiell in Frage gestellt hätte. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der europäischen Intelligenz wurde ihrer Heimat, ihrer Menschenrechte, ihrer Sprache und Schrift beraubt und musste ganz von vorne beginnen: sie mussten eine für viele völlig neue Sprache und Schrift lernen.


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Samstag 10.11.18 – Unerträglich?

„Unerträglich“, ein Wort, das mir leicht über die Lippen kommt. Dies ist unerträglich und das und jenes, tatsächlich ist vieles schwer auszuhalten, aber nicht wirklich unerträglich, sonst wäre ich daran schon gestorben oder verrückt geworden. Und wenn Situationen knapp am Unerträglichen vorbeischrammen, fahren die psychischen Schutzmechanismen hoch und es breitet sich eine gewisse wohltuende Gleichgültigkeit aus, eine Art Betäubung. Betäubung ist halt nur kein besonders kreativer, freudvoller Zustand.

Auf einem großen Müllplatz war ich heute und konnte mich nicht entscheiden, ob ich es gut finden sollte, dass dort so viele Leute ihre Abfälle deponieren, oder ob ich es erschreckend finden sollte, wie viel Müll verschiedenster Art in kurzer Zeit so anfällt. Wir haben vier große, sehr große Kartons mit Elektro-Schrott in den dafür bestimmten Container befördert. Was sich so ansammelt an Kabeln, Ladegeräten für diverse Geräte, Computerteilen, kaputten Haushaltsgeräten, etliche sehr skurrile strombetriebene Gerätschaften und und. Und ja, nach dem stundenlangen Aussortieren wird das ökologische Gewissen immer dehnbarer und es wandert so manches in den Müll, was noch die eine oder andere Verwendung hätte finden können.

Man weiß ja, dass das Universum zum Chaos tendiert. In diesem Sinne ist mein Schreibtisch ein physikalisches Versuchsgebiet und ich freue mich bekanntgeben zu können, dass die Experimente die Theorie voll bestätigt haben.

 


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Donnerstag 8.11.18

Hochnebel seit Tagen. Das Kopfsteinpflaster im Stadtzentrum ist großteils noch dasselbe wie vor 100 Jahren, als die Kutschen darüberrumpelten und plötzlich zu Feinden und Unmenschen deklarierte Mitbürger es reinigen sollten mit ungeeigneten Werkzeugen, auf Knien, umgeben von Menschen, die aufs Menschsein vergessen hatten. Wegen der Armut, wegen des Neids, wegen der Verhetzung ……… hoffentlich. So viele Ereignisse, so viele mögliche Gedenktage. Morgen jährt sich das Novemberpogrom, das bis vor wenigen Jahren, bei manchen noch immer „Reichskristallnacht“ hieß. Besonders brutal sei es in dieser Nacht in Wien zugegangen. Das wundert mich nicht, bei der Hinterhältigkeit gehören wir zu den besten weltweit, bei der Zivilcourage eher nicht.

In Österreich wird heuer 100 Jahre Republik gefeiert. Dazwischen schieben sich die Gedenktage für Ereignisse aus der Zeit als die Republik auf Eis lag, vorübergehend abgeschafft, als sie noch ganz jung und unerfahren war und nicht in der Lage sich zu wehren.

Insgesamt grau in grau. Wie wird man ein guter Mensch, wie ein schlechter? Wie kann jemand gleichzeitig KZ-Wärterin und liebevolle Mutter sein? Wie können junge Menschen 2018 den gleichen menschenverachtenden Schwachsinn glauben wie 1938? Wie können andere solche Entwicklungen leugnen? Es stellen sich Fragen, die tief ins Menschsein hineinreichen. Antworten gibt es nicht viele und die wenigen sind meist ideologisch gefärbt, von allen Seiten.

Mein persönliches ano horribilis setzt sich auch fort, aber es ist noch zu jung für eventuelle Gedenktage.