Schlagwort: Geschichte –

Schon sehr lange …

Webstühle haben mich immer schon fasziniert. Wie einfach und wie genial diese Verschränkung von Fäden zu einem Gewebe doch ist. Das Erzeugen von vielseitig verwendbarem Stoff durch Verknoten und Verweben gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit, die allerdings Stein- und Holzbearbeitung voraussetzt.

Und die Muster ….. auch der Wunsch zur Gestaltung, das Streben nach Schönheit gehört zum Menschen, von den allerersten handwerklichen und künstlerischen Schritten an.

Diese Webstühle wurden von Archäologen nachgebaut

Was nicht alles als Ausstellungsstück herumsteht

Der F hat ein phantastisches Interview gelesen mit einem Verantwortlichen für die Verteilung von Trabis aus dem Jahr 1990. Der Mann erzählt, dass sie vor ein paar Wochen gerade die Bestellungen von 1975 (!!) ausgeliefert hätten, dass aber zum Zeitpunkt des Interviews die Nachfrage auf praktisch Null gesunken wäre. So ändern sich die Zeiten.

 

Obsidian

Obsidian, der harte Stein mit dem die Mayas den zu opfernden Menschen die Herzen lebend herausgeschnitten haben. Liter von Blut um den Göttern Regen abzuringen. Aber die Götter blieben hart und der Klimawandel zerstörte die blühende Kultur der Maya. Trotz aller Opfer und allen Bluts. Vielleicht waren die angerufenen Götter schon im Blut ertrunken …

 

 

Barracoon – Geschichten vom letzten amerikanischen Sklavenschiff

50. Station der literarischen Weltreise – Benin

Eines der Vorwörter zu diesem Buch stammt von Alice Malsenior Walker, der Autorin des Romans „Die Farbe Lila“, der 1983 mit dem American Book Award und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und 1985 von Steven Spielberg verfilmt wurde.

„Wenn man Barracoon liest, versteht man sofort, welches Problem viele Schwarze, vor allem schwarze Intellektuelle und politische Führer, vor Jahren damit hatten. Es benennt schonungslos die Gräueltaten, die afrikanische Völker aneinander verübten, lange bevor angekettete Afrikaner traumatisiert, krank, desorientiert, ausgehungert als „schwarze Fracht“ auf Schiffen im „höllischen Westen“ eintrafen. Wer mag sich das maßlos grausame Verhalten der „Brüder und Schwestern“ eingestehen, die unsere Vorfahren als Erste gefangen nahmen?  Wer wollte in aller fürchterlichen Detailgenauigkeit wissen, wie afrikanische Häuptlinge zielgerichtet Afrikaner von benachbarten Stämmen fingen, wie sie Eroberungskriege provozierten, um Menschen – Männer, Frauen und Kinder – , die nach Afrika gehörten, für den Sklavenhandel zu erbeuten? und dies auf so abscheuliche Art und Weise, dass es einem noch 200 Jahre danach bei der Lektüre vor Grauen und Jammer schaudert. Dies ist, machen wir uns nichts vor, mehr als quälend zu lesen“

Vorwort von Alice Walker p.10

Es handelt sich hier um einen relativ kurzen Text, der die autobiographisch erzählte Geschichte von Cudjo Lewis sein soll und wohl auch ist, die von Zora Neale Hurston  1927 und 1928 aufgezeichnet wurde, was ihr auch Kritik an der wissenschaftlichen Verlässlichkeit ihrer Arbeit eingebracht hat. Die Lebensgeschichte wird von mehreren Vorwörtern und Einleitungen eingerahmt. Es gibt auch einen Anhang mit afrikanischen Geschichten und der Beschreibung von Spielen.

Es hat mich angerührt, wie hier von einer Afroamerikanerin jedes kleinste Krümel von Geschichte ihrer Vorfahren eingesammelt und betrachtet wird. Auch dem afrikanischen Sklavenhandel, der älter ist als der afro-europäische oder afro-amerikanische sieht sie ohne Beschönigungen  ins Auge. Das große menschliche Bedürfnis nach Wissen über die eigenen Wurzeln wird hier sehr deutlich.

Cudjo Lewis, der eigentlich Kossula hieß, war ein Afrikaner, der 1859 auf dem letzten Sklavenschiff, der Clotilda, nach Amerika gebracht wurde zu einem Zeitpunkt zu dem der Sezessionskrieg bereits im Gang war und die offizielle Abschaffung der Sklaverei auch in amerika nur noch eine Frage der Zeit.

Sein Leben war hart. Angefangen mit seiner Gefangennahme durch das Heer des Königs von Dahomey, der einen blühenden Sklavenhandel betrieb  und alle Angehörigen eines Volkes, die für den Verkauf als Sklaven an die amerikanischen und europäischen Sklavenhändler nicht in Frage kamen, köpfen ließ. Einige Jahre lebte er als Sklave. Nach der Befreiung wurde sein Leben nicht wirklich leichter, ein Schlag folgte dem nächsten. Seine Kinder starben eines nach dem anderen. Trotz allem war er einer der Begründer einer Gemeinschaft von Afrikanern auf die die schon länger in Amerika befindlichen Sklaven herunter sahen und sie als Wilde betrachteten. An diesen wahnwitzigen Mechanismen menschlichen Verhaltens hat sich ja nichts verändert.

Dieser Leseeindruck hat gar nichts mit meinem Meinungsaustausch mit Natalie bei den „Brüsten des Modells“ zu tun. Es ist reiner Zufall , dass ich gerade ein Buch zu diesem Thema gelesen habe.

Jede Menge …

… Klimts und Schieles im Oberen Belvedere

Und eine Gedenktafel bei deren Anblick ich patriotische Anfälle bekomme. Die Tafel ist in einen wunderschönen Boden eingelassen. Vor den Türen zu dem Balkon von dem aus Kanzler Leopold Figl 1955 „Österreich ist frei“ rief und dabei den Staatsvertrag hoch hielt, der der russischen Besatzungsmacht in endlosen Verhandlungen abgerungen worden war. Wenn das nicht gelungen wäre, wäre ich in einem weiteren Ostblockstaat geboren worden. Möchte ich mir gar nicht so gerne vorstellen.

 

Jeden Beruf muss man erlernen, auch Kaiserin

Und auch die Handhabung der berufstypischen Gegenstände verlangt Übung.

Im Oberen Belvedere – eine seltsame Skulptur der Kaiserin Maria Theresia (Regierungszeit 1740 -1780). Hier ist sie als junge Frau dargestellt. Was mich belustigt hat, ist die Art, wie sie das Szepter hält. Beeindruckt hat mich aber die meisterhafte Darstellung des üppig fallenden Stoffs ihres Kleids.

Nummer 28 der Bücherchallenge

Nr. 28

EIN HELD /EINE HELDIN, DIE DEIN HERZ BERÜHRT HAT

Unter den literarische Figuren bzw den in der Literatur beschriebenen Figuren und auch den selbst schreibenden Menschen, die mein Herz berührt haben, sticht eine immer wieder hervor. Dieses junge Mädchen im Teenageralter, das mit ihrem Tagebuch ein Mahnmal gesetzt hat. Dieses kluge und begabte Kind, das keine Chance hatte, lange genug zu leben um erwachsen zu werden und ihre Anlagen zu entwickeln. Opfer einer Diktatur, deren führende Köpfe und verhetzte Massen sich aufgrund einer wirren Herrenrassen-Ideologie anmaßten, über Leben und Tod anderer zu entscheiden.

Anne Frank hat ein Tagebuch geschrieben, das durch reinen Zufall erhalten blieb. Als die SS das Versteck der Familie Frank und vier weiterer Menschen stürmte und alle auf den Weg ins KZ brachte, interessierten sie sich nicht für Bücher und Papier. Es ist das Tagebuch eines notgedrungen sehr reifen jungen Mädchens, das sich aber auch mit den typischen Themen von Mädchen ihres Alters beschäftigt. Und es ist ein sehr gut geschriebenes persönliches Zeitdokument. Wer es nicht gelesen hat, hat etwas versäumt.

Anne schrieb ihr Tagebuch an eine fiktive Person namens Kitty:

„Stell dir vor, wie interessant es wäre, wenn ich einen Roman vom „Hinterhaus“ veröffentlichen würde. Bei dem Titel allerdings würden sich die Menschen denken, es handelt sich um einen Detektiv-Roman. Aber nun im Ernst, wird es nicht Jahre nach dem Krieg, vielleicht nach zehn Jahren, unglaublich erscheinen, wenn wir erzählen , wie wir Juden hier gelebt, gesprochen, gegessen haben?“

Es wäre schön, wenn es heute unglaublich erscheinen würde. Wie könnte es aber gelingen, die aktuell noch oder wieder existierenden menschenverachtenden Regime zu ignorieren?

Das zweite kleine Buch, folgt den Spuren Anne Franks und der anderen Menschen, die im gleichen Versteck lebten. Es beschreibt aus der Sicht der Augenzeugen, die Verhaftung der Gruppe Menschen, die Jahre im „Hinterhaus“, in Amsterdam versteckt lebten. Dieses Hinterhaus gehörte zu der Firma von Anne Franks Vater. Der Autor hat auch in den verschiedenen KZs, durch die Anne Frank getrieben wurde, recherchiert. Er hat Menschen befragt, die Anne in den Lagern gekannt haben und er hat Menschen befragt, die rund um die Lager lebten und von denen viele behaupteten nichts von den KZs gewusst zu haben. Wenn man aber die Schilderungen jener Menschen hört, die erzählen, dass sie natürlich wussten, was in den Lagern vorging, allein der Geruch der Krematorien und der aufgeschichteten Leichenberge war allgegenwärtig, dann ist es wohl nicht möglich, nichts gewusst zu haben. Obwohl der menschliche Geist stark ist im Verdrängen.  Das Buch wurde 1958 zum ersten Mal veröffentlicht. Man kann in 13 Jahren viel verdrängen …

Ich habe für diesen Beitrag Stunden gebraucht, weil ich der Versuchung des Lesens sowohl des Tagebuchs als auch des Recherche-Buchs nicht widerstehen konnte. Falls jemand nach einer Möglichkeit sucht bei 36 Grad im Schatten zu frösteln, so kann ich diese Lektüre empfehlen.

Vielen Dank  an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt

Nummer 8 der Buchchallenge – Sklaven und Baumwolle

Buch Nr. 8

EIN BUCH, DAS IN EINER VERGANGENEN EPOCHE SPIELT

Wir befinden uns im amerikanischen Bürgerkrieg, in den 1860er Jahren, während des Krieges und danach. Ich hatte eine uralte zerfledderte Version dieses Buch. Zerfleddert, weil ich es öfters gelesen hatte einerseits, und weil es für ein Taschenbuch einfach zu dick war um lange zu überleben. Daher habe ich meine Urversion durch diese hier ersetzt:

Ein Buch, das sehr bekannt wurde, dessen Verfilmung lange Jahre die Liste der meistgesehenen Filme anführte. Ein gut geschriebenes Buch, ein gut recherchiertes Buch. Aber, sowohl in dem Buch als noch mehr in dem Film werden die als Sklaven auf den Feldern und in den Häusern der amerikanischen Südstaaten arbeitenden Afroamerikaner als kindliche, schlichte Gemüter dargestellt, die ihren „Herren“ treu ergeben und mit ihrem Leben sehr zufrieden sind.

Als Europäer konnte man das Buch eventuell lesen, ohne diesen Aspekt der Geschichte zu berücksichtigen. Ich habe es zumindest so gelesen, nicht weil mir nicht klar war, dass das Verhältnis zwischen den Südstaatlern und ihren Sklaven wohl kaum so idyllisch gewesen sein kann, wie hier dargestellt, aber dieser Hintergrund erschien mir für die große, dramatische Geschichte von Scarlett O´Hara und Rhett Butler als unbedeutend. Ob man das als Amerikaner auch so sehen konnte, kann ich nicht beurteilen.

Jedenfalls ist sicher mittlerweile allen klar, dass die Sklaverei in den Südstaaten der USA im neunzehnten Jahrhundert nicht so gelaufen ist, wie in „Im Winde verweht“ dargestellt. Darf man das Buch trotzdem mögen? Doch, darf man, aber die Berücksichtigung der speziellen Sichtweise der Autorin auf den historischen Kontext finde ich schon wichtig.

Auf Christianes Anregung habe ich „Undergroundrailroad“ von Colson Whitehead gelesen.

Ein Buch, das ebenfalls die Zeit der Sklaverei in den USA beschreibt allerdings von einem völlig anderen Gesichtspunkt aus nämlich  anhand der Lebensgeschichte einer von einer Plantage fliehenden Sklavin. Eine Mischung aus brutalstem Realismus und einem genialen surrealen Element, eben der Undergroundrailroad. Dies war die Bezeichnung für ein landesweites Netz von Fluchthelfern für Sklaven, die vom Süden in den Norden flüchten wollten. Die Flüchtenden wurden von den Helfern auf verschiedensten Wegen durchs Land geschleust. Dabei bedienten sie sich als Code der Terminologie der noch ziemlich neuen Technologie der Eisenbahn. Man sprach von Stationen, Zügen und Passagieren.

Colson Whitehead hat daraus ein unterirdisches Eisenbahnsystem gemacht, das in den Felsen gehauen worden sein soll. Er lässt dieses starke Bild sehr vage. Weder erfährt man, wer dieses fantastische System gebaut haben soll noch wie oder wo genau. Aber ich finde das Bild eines unterirdischen Eisenbahnnetzes genial. Die Übergänge zwischen der realistischen Sprache der Erzählung und den surrealen Bildern holpern übrigens nicht im mindesten. Ich hatte anfangs einige Zweifel ob es diese Züge vielleicht nicht doch irgendwie irgendwo gegeben haben könnte. Hat es aber natürlich nicht.

Wann genau die Geschichte spielt, erfährt man nicht; in den 1830er, oder 1840er Jahren, irgendwann vor dem Sezessionskrieg. Die Protagonistin ist die Enkelin einer noch in Afrika aufgewachsenen Frau.

Diese beiden Bücher als Beispiel dafür wie verschieden vergangene Epochen literarisch verarbeitet werden können, je nach Blickwinkel der Autoren

 

Vielen Dank an Ulrike von Blaupause7, von der die Aufgaben für diese Challenge stammen und die auch eine Teilnehmerliste führt

Freitag 24. April 20 – Gespenstisch

Zu den Dingen für die ich in den bisher 6 Wochen relativer Isolation Zeit gefunden habe, gehört das Kramen in alten und sehr alten Fotos. Dieses gehört zu den ganz alten: 4 Monate bin ich da alt, ein anderes Jahrtausend.

Es ist ganz erstaunlich um wieviel besser sich die S/W Fotos im Vergleich zu den Farbfotos konservieren. Sehr alte Farbfotos haben – bei mir zumindest – immer einen heftigen Rotstich, die schwarz-weißen sind oft zu dunkel oder zu hell, manche aber ganz passabel. Und die alten Fotos, die von Fotografen zu Beginn des letzten Jahrhunderts gemacht wurden, sind noch sehr gut erhalten. Die gesamte männliche Verwandtschaft in diversen Uniformen …