la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit

Damals im Wald – ABC-Etüden

14 Kommentare

Die ABC-Etüden bei  Christiane 

Es soll ein Text entstehen mit einer Länge von  maximal 300 Wörtern, in dem die 3 vorgegebenen Wörter vorkommen.

Die Art des Textes kann frei gewählt werden.

Nasskalt war es draußen, knapp am Gefrierpunkt. Jeder Zweig hielt mindestens einen Tropfen, der langsam zur Erde fiel oder gefror und sich mit dem Holz verband. Manche Tropfen erstarrten auf dem Weg zur Erde, auf toten Blättern, auf leeren Stängeln, das Wasser fiel auf verschiedene Art vom Himmel zur Erde.

Wir waren dazwischen und hatten es warm, Haut an Haut, Mensch an Mensch unter Schafwolle und Planen. Der gefrierende Regen fiel auf das Zelt in unregelmäßigen Kadenzen. Unser Zelt war improvisiert, wir konnten in den Regen hinaussehen, warten bis er zu Schnee wurde oder zu Eisregen. Das war die einzige Frage, die wir uns stellten, würde es Regen bleiben oder Schnee werden oder würde einfach nur der Boden vereisen, der Raureif sich über die Äste der Winterbäume legen. Es war aber nicht wichtig, denn unsere Körper fühlten sich warm an unter unseren Händen, wir umschlangen und verschlangen einander und die Wärme kam aus unserer eigenen Energie. Wir hatten keine Vergangenheit und vielleicht auch keine Zukunft, aber was für Momente! Wir versicherten einander, dass wir diesen Momenten nicht nachtrauern würden, sie nur genießen, dass wir niemals, niemals in den öden Alltag abgleiten würden, niemals in Gewohnheiten erstarren wollten.

Der Schnee deckte langsam alles zu. Er war sanfter als der Regen, aber auch entschlossener. Er lächelte wohl über das Pärchen, das sich nicht unterschied von vielen anderen, die er schon gesehen hatte, in vielen Wintern vor allem an diesem Tag der Sonnenwende. Er blies kurz hinein in das Zelt um die beiden daran zu erinnern, dass auch ihre jugendliche Energie nicht mehr lange reichen würde, dass es wirklich kalt wurde.

Wir spürten das eisige Schneetreiben auf der nackten Haut und dass es Zeit war zu gehen, zurück ins gewohnte Leben, weg von den Winterbäumen und der wilden Liebe.

Lange habe ich mich erinnert.

301 Wörter

 

 

 

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14 Kommentare zu “Damals im Wald – ABC-Etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 51.52.18 | Wortspende von dergl | Irgendwas ist immer

  2. Ein andauerndes Paradies – wer träumt nicht davon?

    Gefällt 1 Person

  3. oh,oh, wie schön wärs gewesen, wäre die jugendliche Energie noch ein Weilchen geblieben, aber die hatte es plötzlich eilig und machte sich davon, hinaus in den eisigen Alltagsregen …
    Ein guter Text, liebe Myriade, der mich noch ein Weilchen begleiten wird *lächel*

    Gefällt 2 Personen

  4. Das klingt poetisch schön und ein wenig dramatisch. Wie eine Flucht vor etwas schlimmeren als dem Alltag.

    Gefällt mir

  5. Ich hab mir beim Wintercamping einmal eine böse Erkältung geholt. Ich geb daher nur die paar folgenden Zeilen ab und geh schnell wieder ins warme Trockene.

    In nasskaltem Novemberwetter
    steh‘ ich vor’m kahlen Winterbaum.
    Er trauert nach jedem der Blätter,
    helfen wird’s ihm aber kaum!
    Na, eine Strophe geht noch:
    Drum ich umarm‘ den Baum und flüst’re:
    „Der nächste Frühling kommt gewiss!“
    „A Aussicht“, sagt er „eine düst’re,
    bis März da steh‘n mit nasse Füß‘!“

    Liebe Grüße, Resi

    Gefällt 1 Person

  6. Eine Herzgeschichte, so schön!
    liebe Grüße, Ulli

    Gefällt 2 Personen

  7. Ach, die ist aber schön. Der letzte Satz macht das Ganze wunderbar rund.
    Einen entspannten Sonntag dir und liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

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