Sonntag 14.August – bequeme Schubladen

Ich bin beim Radfahren eine spät Berufene. Nie hätte ich gedacht, dass es mir Freude machen könnte, durch die Gegend insbesondere entlang der Donau zu radeln. Das Spätberufensein hat durchaus seine Vorteile. Ich muss mit niemandem in Konkurrenz treten wegen der Länge der Strecke, der sportlichen Ausführung des Rades, der Geschwindigkeit, dem Outfit.
Ich setze mich selbst in die Schublade freundliche, ältere Dame und kann somit fahren wie, wann, womit und wohin ich will. Mein Outfit unterliegt nur meiner eigenen Beurteilung und ich bin auf jeden Fall zu loben, weil ich mich sportlich betätige. Ich lächle, die Entgegenkommenden lächeln zurück und es fällt wahrscheinlich nicht weiter auf, dass ich keinen Helm trage. Ich fahre eher in der Mitte des Wegs als rechts, niemand keppelt mich an, ich bin eindeutig nicht in Wien und auch nicht jung.

Älter werden, hat definitiv einen Aspekt der Befreiung von gesellschaftlichen Normen und Zwängen. Zwar bin ich eigentlich nicht besonders schrullig, genieße aber das Gefühl, dass mir eine gewisse Schrulligkeit zugebilligt wird und dass andere darauf Rücksicht nehmen.

35 Gedanken zu “Sonntag 14.August – bequeme Schubladen

        1. Es geht mir tatsächlich um viele Bereiche des Lebens. Wie gesagt je nach Beruf kann man manches nicht tun. Außerdem ist es mein persönliches Gefühl der Freiheit, das ich ja nicht rechtfertigen muss. Auch das nicht rechtfertigen müssen, gehört zu den angenehmen Seiten. 🐳

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          1. Rechtfertigen ist auch ein guter Aspekt. Warum und wozu muss man sich überhaupt rechtfertigen?
            Weil man ist wie man ist?
            Jeder ist anders, das kann man tolerieren. Anders herum wünscht man sich dann ebenfalls toleriert zu werden.
            Zum Thema Dress Code in Berufen: Finde ich gut und wichtig. Aber auch da zeigt sich mittlerweile eine Aufweichung, die ich persönlich schade finde.

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  1. Ja! So erlebe ich das auch: keine Erwartungen an Normierung mehr erfüllen zu müssen (oder zu denken, das zu müssen), befreit so sehr. Und die „Norm“ der Schrulligkeit setzt dem noch das Sahnehäubchen auf.
    Über die Sache mit dem Helm solltest du aber vielleicht noch mal nachdenken.

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  2. Oh ja, auch wir Männer genießen das. Es ist für uns vermutlich auch noch ein bisschen einfacher, da wir ohnehin nicht so sehr viel auf das Äu´ßere geben, na ja ein bisschen vielleicht. Aber damit ist mit fortgeschrittener Erfahrung auch nicht mehr weit her. Ist der Lack erst ruiniert…

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    1. Bei Mestroy heißt es „ist der Ruf einmal ruiniert, lebts sich weiter ungeniert 😃 Gerade bei den Männern sind etwa die Bekleidungsvorschriften ja noch viel rigoroser. Aber es gibt ja auch noch so viele andere Dinge, auf die man pfeifen kann 😃🐬

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  3. Nur so macht auch mir das Radfahren Spaß. Und die Vorteile des Alter zu genießen ist das Beste was man machen kann um sich damit zu versöhnen. 😉 Wegfallende Zwänge gehören unbedingt dazu. Schönen Feiertag…sofern es den bei dir heute überhaupt gibt.

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    1. Als Kind bin ich natürlich auch geradelt, aber dann sehr lange nicht. Ich denke nicht, dass das Alter unbedingt kindisch machen muss. Gut, das ist natürlich eine Frage der Definition.. Wie ich gerade geschrieben habe, alt wird man ohnehin, da kann man genausogut die Vorteile genießen, die Nachteile bleiben den wenigsten erspart

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  4. Das Wohlfühlen in einer gewissen eigenen Schrulligkeit kenne ich mittlerweile auch recht gut. Lange Zeit habe ich mich in der Hinsicht ziemlich rigoros selbst zensiert – „Das geht doch nicht!“, „Das steht dir nicht!“, „Wie sieht das denn aus!“, „Das darfst du nicht!“. Inzwischen habe ich aber erkannt, dass mir ein bisschen schrullig sein sehr gut tut. 😉

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  5. Ich hatte schon immer meinen eigenen Dresscode, habe aber auch selten Jobs gehabt, wo es einen gab. Aber da musste ich mich dann natürlich auch dran halten.
    Früher bin ich alles mit dem Rad gefahren, aber das mache ich schon lange nicht mehr. In der Großstadt macht das einfach keinen Spaß und wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, dann am liebsten zu Fuß, Ansonsten mit dem 125er Roller. Damit falle ich kleine Person allerdings auch immer mächtig auf, weil meine Maschine doch recht wuchtig ist. Neulich wollte mich jemand unbedingt mit meiner Maschine fotografieren 🙂

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    1. Ja, in der Stadt steige ich auch auf kein Rad, das traue ich mich gar nicht. Mein Rad steht im Wochenendquartier und wartet auf mich 😉
      Ich habe auch festgestellt, dass ich beim Radfahren für meine Verhältnisse erstaunlich wenig fotografiere . Das hätte ich mir ganz anders vorgestellt. Aber ich denke, solange man sich selbst überrascht, ist alles gut 🙂
      Da sieht man doch, was ein unkonventionelles Outfit ausmacht. Ich bin schon gespannt auf ein paar Fotos von dir …

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        1. Ah, danke! Also mir gefällt dein Stil, sehr bunt aber farbharmonisch, originell in den Schnitten… Das sind obendrein sehr schöne Beiträge. Die Figuren, teilweise überlebensgroß aber sonst sehr realistisch, und die wunderbare Nordsee in Regen und Sturm, da wäre ich gerade auch gerne.

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          1. Die Figuren waren toll. Das sind die Alltagsmenschen von Silke Lechner. Auf Sylt stehen auch welche und anderswo in der Republik.
            Ich habe so ein paar Lieblingsmarken und habe einfach Spaß an Klamotten und Kombinationen.
            An die Nordsee geht es zum Glück demnächst. Einmal im Jahr muss ich da mindestens hin. Diesmal nach Amrum. Ich freue mich schon sehr darauf.

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