Mittwoch 22. April – eine kleine Wutstory.

Meine fleischfressende Venusfliegenfalle muss dringend umgetopft werden. Sie hat in diesem Frühling schon zwei große Blüten hochgefahren, aber die Klappfallen, die im Vorjahr so groß und prächtig rötlich gefärbt waren, sind irgendwann verkümmert. Sie braucht neue Erde, einen neuen Topf und etwas Motivation. Die Motivation in Form von Fliegen wird sich von selbst einstellen, aber für Topf und Erde bin wohl ich zuständig. Nachdem ich keine Lust habe, mich in eine lange Schlange vor einem Pflanzenmarkt einzureihen, versuche ich es zunächst telephonisch bei kleinen Gärtnereien und Blumengeschäften. Nix, die haben verständlicherweise nur ganz normale Blumenerde. Dafür, dass alle drei Jahre vielleicht jemand kommt und Carnivorenerde kaufen will, werden sie keinen Lagerplatz verschwenden. Man weiß ja nun dank der streckenweise höchst erhellenden Coronakrise, wie wichtig Lagerplatz ist.

Also online bestellen. Als bekennende Haptikerin hasse ich Online-Bestellungen, ein Ding erwerben, das ich vorher nicht angreifen konnte, furchtbar. Ich gehe also widerwillig an die Sache heran. Der ungeliebte Amazon, dem man zugute halten muss, dass er überaus kundenfreundlich ist, wenn er auch keine Steuern bezahlt und seine Angestellten, die gar keine Angestellten sind sondern großteils Leiharbeiter miserabel behandelt. Das ginge alles schnell und problemlos nur kann keine Carnivorenerde nach Österreich geliefert werden. Aha, vielleicht auch ein Lagerproblem, oder das neueste deutsche Ausfuhrverbot: Mundschutz und Carnivorenerde?

Gut, ein großer Baumarkt also, Produkt vorhanden. Hoffnung keimt auf, ich dringe nach mehreren Schleifen bis zu einem Lieferformular durch, bis zu der Spalte mit den Postleitzahlen. Ich setze meine Postleitzahl ein, das Kastl färbt sich rot, die Postleitzahl muss fünfstellig sein sonst kommt man nicht weiter bei der Bestellung. Österreichische Postleitzahlen sind aber vierstellig. Eine unüberwindliche Hürde. Ich rufe bei der in Wien mehrfach vertretenen Baumarktkette an und frage, ob ich, wenn sie es schon nicht schaffen das online Lieferformular  an lokale Bedingungen anzupassen nicht vielleicht telefonisch bestellen könnte. Totale Überforderung, nein, das geht nicht, aber, strahlendes Lächeln durch die Leitung, man könne mir beliebig viele Packungen reservieren und beiseite legen, es gäbe jede Menge davon.  Nein, danke, können sie sich ersparen. Freundlich bleiben!

Der nächste Kandidat. Hier gibt es auch einen Online-shop, aber nur für ausgewählte Produkte. Ich gewinne die Wette mit mir selbst, dass Carnivorenerde nicht dazu zählt. Ich schmeiße alles hin und wünsche den Baumärkten den coronabedingten Ruin. Hätten sie unbedingt verdient bei so viel Unfähigkeit. Der Herr Partner ruft im Hintergrund, dass ich gerade in der Praxis erlebe, warum der grausliche A. praktisch die Weltherrschaft übernommen hat: dort funktioniert immer alles, wie und warum interessiert irgendwann nicht mehr, wenn man den Spießrutenlauf durch diverse unbrauchbare Online-Shops absolviert hat. Dazwischen ruft die Gärtnerei an, bei der ich  Erdbeerpflanzen bestellt habe und teilt mir mit, dass sie noch keinen Erfolg beim Suchen hatten, weil offenbar ganz Wien in diesem Sommer Obst und Gemüse selbst anbauen möchte, dass sie aber dran bleiben und am Freitag nochmals anrufen. Das ist Service!

Ich werfe einen Blick auf die Venusfliegenfalle, die ja nun nichts kann für die Unfähigkeit heimischer Betriebe und mache noch einen letzten Versuch. Ohne viel Hoffnung, denn es handelt sich um die Kette von der mir ein Studierender die folgende gruselige Geschichte erzählt hat: er arbeitete dort einmal die Woche, Samstags und wäre von seinem Chef der Baustoffabteilung zugewiesen worden. Nachdem der junge Mann seinem Chef gestanden hatte, dass er von Baustoffen überhaupt nichts wüsste, gab ihm der Chef den Rat, dass er sich, wenn auskunftsheischende Kunden auftauchen würden, einfach verstecken solle. Hält man sowas für möglich! Natürlich wirbt gerade dieser Markt allenthalben mit seinem besonders guten Kunden-Service. Ich war schon sehr verärgert und bereit beim geringsten ärgerlichen Detailchen sofort aufzugeben und alle zum Teufel zu schicken, aber siehe da, es hat alles funktioniert, man kann bei diesem Markt sogar den Versandstatus nachverfolgen. Die Venusfliegenfalle bekommt eine Chance. Obwohl, die Lieferung ist ja noch nicht angekommen und die Angelegenheit somit noch nicht beendet.

 

19 Gedanken zu “Mittwoch 22. April – eine kleine Wutstory.

  1. Verflixt, Deine Erzählung ist durchaus unterhaltsam, obwohl ich mir denken kann, dass Du beim Durchleben und Aufschreiben weniger Schmunzeln musstest als ich beim Lesen.
    Dass ein unkundiger Baumarktangestellter sich vor wissbegierigen Kunden flink verstecken solle, habe ich bisher nur gerüchteweise gehört … und nicht wirklich erstaunt, dass Du die Mär bestätigt fandest.
    Immerhin – Deine Geschichte scheint ein Happy End zu haben und ich wünsche Dir und den bald umgetopften Pflänzlein nurn das Beste.
    Liebe Grüße
    Ines

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  2. Tja, nicht so einfach mit den onlinebestellungen
    und ich hänge nun total in der Luft, hat es nun geklappt oder doch nicht. Die angekündigte Mail kam nämlich nicht an… (Hab ich etwa gar nicht bestellt?)
    Nein, das war nicht der ungeliebte, aber immer funktionieren Riese mit dem A ganz vorne *stöhn*

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  3. Ach deswegen laufen die im Baumarkt immer weg! ^^

    Ist so eine fleischfressende Pflanze eigentlich sehr anspruchsvoll in der Haltung?
    Ich wollte mir immer eine anschaffen, aber mein schwarzer Daumen hat mich davon abgehalten. … Carnivorenerde klingt jetzt nicht gerade nach pflegeleicht. *grübel*

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    1. Naja, man muss sie feucht halten und mit kalkfreiem Wasser nur von unten gießen. Ich betreibe eine aufwendige Sammlerei von Regenwasser und wenn es nicht genug gibt, bekommt sie Mineralwasser ohne Kohlensäure. Und die spezielle Erde. Aber die Venusfliegenfalle ist sehr hübsch.

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  4. Keine Pflanze für Veganer*innen. Wirklich schwierig. Es klingt komisch, aber es fällt mir schwer einer solchen Pflanze beim Verdauen von Fliegen zuzusehen.
    Normalerweise sind wir bemüht Fliegen, die sich in die Wohnung verirren den Weg hinaus zu zeigen und das mitunter mit sehr viel Geduld. 😉
    Obwohl diese fleischfressenden Pflanzen wirklich interessant sind.

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