Schlagwort: Wien –

Das etwas andere Wien

Wenn ich Zeit habe, spaziere ich gerne durch völlig untouristische Bezirke meiner Stadt. Slums gibt es in Wien nicht und die Bevölkerung ist nach wie vor in allen Bezirken ziemlich gemischt. Aber es gibt schon Gegenden in denen nicht eine einzige Villa steht und Deutsch als Umgangssprache sehr wenig zu hören ist. Diesmal habe ich mich nach politischen Aussagen umgesehen. Die Fotos sind alle in einer einzigen Straße gemacht worden, die vom Herzen des 15.Bezirks in Richtung Schönbrunn führt.

Hier gibt es zum Beispiel eine Menge schriftlicher Lebenszeichen der Anarchisten, von deren Überleben sonst eigentlich nie etwas zu hören ist. Das Plakat ist dann auch noch von einem Fastenaufruf garniert.

IMG_8084„Volkskrieg in Indien“ sagt mir jetzt nicht wirklich viel und ich habe auch keine Ahnung wer wohl Ajith ist, für dessen Freilassung hier geworben wird. Unter Indien wieder die in dieser Straße allgegenwärtigen Anarchisten …IMG_8086Ein Aufruf gegen Weihnachtsgeschenke und für mehr soziale Wärme hat es bis in den Juli geschafft, wenn auch etwas lädiert.IMG_8088Anstatt um teueres Geld Plakate drucken zu lassen, kann man natürlich auch Hauswände als Werbeträger benutzen, die neuen Anstriche bezahlen ja andere. Die ACAB ist auch eine Jugendbande, die von Tschetschenen dominiert wird und in den Parks mancher Wiener Bezirke immer mehr auffällt.

IMG_8089Um welche Art von Aufstand, für oder gegen wen es sich hier handelt, muss man als Leser offenbar wissen.

IMG_8090Am Übergang zu schöneren Bezirken – Schönbrunn liegt in 15 Minuten zu Fuß – gibt es auch gepflegte Dienstleistungen des horizontalen Gewerbes. Es ist eindeutig ein Fortschritt, dass die Prostituierten nicht mehr auf der Straße herumstehen, zu ihrem eigenen Schaden und zum Ärger der Umgebung.IMG_8097

Schnurren und schnurren

Wir kommen ans Ende der Hitzewelle Nr 1 dieses Sommers. Zwar haben mich die 34 Grad nicht abgehalten zum wochenendlichen Malkurs zu gehen, aber das Unternehmen war schon ziemlich schweißtreibend. Die klimatisierten Busse und Straßenbahnen gibt es in Wien erst seit wenigen Jahren, davor wären sie einfach nicht notwendig gewesen. Dass es immer noch Menchen gibt, die behaupten, es gäbe keinen Klimawandel ist  wirklich verblüffend.

Die Gedanken zum Brexit haben mich durch den heißen Tag begleitet, waren Thema von Unterhaltungen und sind auch in einer Zeichnung aufgetaucht.

Zuhause schnurren die Klimageräte. Ein äußerst gemütliches Geräusch und so melodisch ! Je heißer es ist desto melodischer …. Mit etwas Fantasie kann man sich eine große schnurrende Katze vorstellen. Nur wäre das Katzentier nicht so eckig und viel weicher und hätte Schnurrhaare. Aber kann man einem Gerät, das die Innenluft von 30 auf 22 Grad bringt, vorwerfen keine Schnurrhaare zu haben ?

Im Haus gegenüber sitzt eine große Gruppe junger Leute vor dem Fernseher und schaut Fußball. Gerade ist einer von ihnen mit einer neuen Kiste Bier eingetroffen und wird von lautem Beifall empfangen. Nein, ich beobachte nicht das Leben meiner Gegenübernachbarn, ich habe Blumen gegossen und dabei sehe ich einfach hinüber. Und nachdem es endlich etwas abgekühlt hat und es somit sehr angenehm ist, sich draußen aufzuhalten, gieße ich ziemlich lange. Auch mich selbst ein bissl …..

Ist der echt ?

Schaut doch ganz so aus ! Ein echter himmelblauer, strahlend polierter Trabi auf Wiens Straßen. Mit einer Dachgalerie, von der man nur hoffen kann, dass sie nie beladen wird. Viel gefahren wird er wohl auch nicht, weil er immer am gleichen Platz steht.

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Wind ? Wut ? oder einfach schlechte Qualität ?

Jedenfalls ein extrem deprimierender Anblick. Gleich daneben ist der Eingang zu einer Berufsschule vor der sich die Schülerinnen und Schüler eng zusammendrängen unter dem viel zu schmalen Vordach, einerseits um sich vor dem Regen zu schützen andererseits zur unauffälligen körperlichen Annäherung. Es wird heftigst geraucht und die Tschicks bedecken die Straße vor und neben dem Gebäude.

Einerseits lässt man die Jugendlichen vor dem Schulgebäude rauchen, stellt aber keinerlei Möglichkeit zum Wegwerfen der Tschicks zur Verfügung, als ob das Fehlen von Aschenbechern Raucher davon abhalten würde zu rauchen. Ein absurder Ansatz würde man meinen. Entweder ist etwas erlaubt oder es ist verboten. Bei uns in Österreich ist das anders: da ist vieles zwar nicht erlaubt, aber auch nicht verboten und falls es doch verboten ist, kümmert sich niemand darum das Verbot durchzusetzen. Ein Schwebezustand gewissermaßen, der in manchen Fällen sehr angenehm ist, in anderen aber eher frustrierend. Das hängt von der eigenen Position zu dem jeweiligen Thema ab ….

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Habseligkeiten mit Sessel

mein Beitrag zu  *.txt  bei Dominik Leitner

Es war im Winter, zu der Zeit in der es immer wieder schneit. Eines Tages als ich morgens im Bus saß um zur Arbeit zu fahren, war eine Busstation besiedelt worden. Eines dieser Stationshäuschen mit Glaswänden und einer Metallbank im hinteren Teil in der Mitte. Da stand jetzt ein sehr großer Einkaufswagen vollgepackt mit Plastiksackerln und anderen Behältnissen, daneben ein Sessel Modell Schulen und öffentliche Veranstaltungsräume. Einer dieser unbequemen aber leicht zu reinigenden und problemlos stapelbaren Sessel. Auf diesem Sessel schließlich stand ein Metallkübel wie man sie bei Ikea kaufen kann und darin ein Strauß Plastikrosen. Vom Besitzer dieser Habseligkeiten war aber weit und breit nichts zu sehen. Da hatte ich noch die Theorie, dass vielleicht jemand umzog und ein paar Dinge dort zwischengelagert hatte. Nur die Kombination von Einkaufswagen und Sessel fand ich ungewöhnlich.

Später am Tag kam ich dort wieder vorbei und sah nun jemanden auf der Bank sitzen und essen. Wie sich später herausstellte war es eine Frau, die hier aus der Bustationsbank einen gedeckten Tisch gemacht hatte. Sie hatte etliche ihrer Plastiksackerl ausgepackt, die zum Essen notwendigen Dinge herausgeholt und um sich herum aufgestellt. Am nächsten Tag war ich ziemlich früh unterwegs und es schneite ein bisschen. Die Busstation war immer noch bewohnt, der Einkaufswagen samt Sessel mit einer Plane abgedeckt und verschnürt, die Bewohnerin lag auf der Bank und schlief.

So ging es mehrere Tage lang. Untertags standen die Habseligkeiten im Einkaufswagen in der Busstation, meistens mit den Plastikrosen obenauf. Die Stationsbewohnerin selbst sah man nicht so oft. Sie musste aber immer wieder umpacken, denn die Ladung des Einkaufswagens sah immer wieder anders aus. Vielleicht hatte sie irgendwo einen Schlafplatz, zu dem sie ihren Einkaufswagen nicht mitnehmen konnte. Jeden Morgen war ich neugierig, ob sie noch da war und die Polizei wohl ein Auge zudrückte, weil die Obdachlosenunterkünfte zu der Zeit alle hoffungslos überfüllt waren. Sie blieb sehr lange. Offenbar hatte sich noch niemand darüber beschwert, dass die Busstation für niemanden außer die Bewohnerin betretbar war. Darüber habe ich mich gefreut.

Dann war sie eines Tages weg. Spurlos, als wäre da nie etwas gewesen außer dem Wartehäuschen mit der Metallbank.

Es hat dann noch ein paarmal geschneit.

Incongru pour Sylvain

Je profite de l´ocasion pour publier un photo d´une campagne de publicité pour le fameux lièvre de Dürer (peint en 1502). L´oeuvre la plus précieuse de la galerie viennoise de L´Albertina, une galerie riche en oeuvres d´art emblématiques.

Voilà l´original

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et son frère en plastique devant l´opéra en plein centre-ville. Malheureusement je le trouvais tellement horrible que je ne me suis pas vraiment appliquée. C´est dommage, si je l´avais pris de l´autre coté on aurait vu l´opéra derrière ……. La prochaine fois.

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Zentralfriedhof – 1-

Zu Zeiten als in Wien die Schweizer-Witze aktuell waren (mittlerweile macht man über die Schweizer keine Witze mehr sondern bewundert sie) jedenfalls hieß es damals, dass der Zentralfriedhof nur halb so groß sei wie Bern aber dafür doppelt so lustig. Wie dem auch immer sein möge, der Zentralfriedhof ist gigantisch groß, 2,5 Quadratkilometer. Er wurde 1874 gegründet in der Absicht alle anderen Wiener Friedhöfe nach Möglichkeit aufzulassen. Daher wurden Gräber, Grabsteine, Mausoleen auf den Zentralfriedhof verlegt und es herrscht dort heute eine enorme Dichte an wirklich berühmten Persönlichkeiten und solchen, die sich durch besonders auffällige und meist höchst geschmacklose Denkmäler zu solchen machen wollten.

Wir waren gar nicht besinnlich unterwegs. Kein Wunder, die Sonne strahlte, das Wahlergebnis drohte. Auf dem Zentralfriedhof herrschte Urlaubsstimmung. Radfahrer, Spaziergänger, Touristen. Dennoch gab es Gräber, die auch bei dieser Stimmung sehr beeindruckend waren.

Dorothea Neff, eine Schauspielerin, die im letzten Drittel ihres Lebens erblindete, versteckte eine Freundin, Lili Wolff, 4 Jahre lang vor den Nazis. In diesem Grab ist sie gemeinsam mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Eva Zilcher begraben.

Mir haben die Schattenspiele über der Totenmaske einer Blinden sehr gut gefallen. Der Spruch ist meines Wissens aus der Tora.

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Spielplatz – das Mondgrasprojekt 13

Spielplatz – na ja, ein Thema mit dem ich nicht allzuviel anfangen kann. Nur zwei Dinge fallen mir dazu ein. Erstens, dass ich immer ganz beeindruckt bin von der Vielfalt an Spiel- und Turngeräten und – aufbauten, die es auf einem durchschnittlichen Spielplatz so gibt, von einem Abenteuerspielplatz ganz zu schweigen. Auf diesen schwingenden Brücken und Lianen, in diesen Baumhäusern an diesen Balancierstrecken hätte Tarzan auch üben können.

IMG_7571Der zweite Punkt, den ich auch absolut positiv finde, ist die steigende Anzahl von Männern, die man in Begleitung von kleinen Kindern auf der Straße und eben auch auf Spielplätzen sehen kann. Ob das jetzt Väter, Großväter, Onkel, Brüder oder Babysitter sind, ist in dem Zusammenhang egal. IMG_7574IMG_7575

Läufer laufen

Heute Vormittag hat der Wienmarathon stattgefunden. Ich bin immer wieder fasziniert von diesen dürren afrikanischen Marathonläufern, die ausschauen als stünden sie kurz vor dem Verhungern, die aber mit ihren unsichtbaren Muskeln und Riesenlungen gewaltige Leistungen bringen. Es ist kalt und windig. Die kühlen Temperaturen sind wohl gut für die Läufer, der Wind weniger. Die Zuschauer sind eingepackt wie im Winter. Ein kurzes Stück läuft die Strecke des Halbmarathons parallel zu der Hauptstrecke und die Hobbyläufer sind ein paar Meter lang auf gleicher Höhe mit den Spitzenläufer. Muss ein tolles Gefühl sein

Und dann kommen unvermeidlich diese blöden Sportlerinterviews. Immer die gleichen Fragen, immer die gleichen Antworten. Ein Sportler spricht durch seinen Körper, warum kann man das nicht so stehen lassen !

Schöne Wienbilder aus den Verkehrsüberwachungshubschraubern. Ein bissl Tourismuswerbung kann ja nichts schaden.