Schlagwort: Schule –

Montag 20.4.2020 –

Langsam verdichten sich die Gerüchte, wie die heurigen Abschlussjahrgänge und -semester beurteilt werden sollen in jenen Fächern, die nicht bei den Abschlußprüfungen vorkommen: aufgrund der Arbeit im Fernunterricht. Naja, eine müde Sache, schließlich kann ja niemand überprüfen, wer diese Arbeiten tatsächlich verfasst hat. Ich wäre dafür einfach mit „teilgenommen“ oder „nicht teilgenommen“ zu benoten. Ansonsten ist das wieder einmal nur eine Art Demutsgeste, die von den Schüler*innen und Studierenden gefordert wird, die mit Kenntnissen nichts zu tun haben muss.

Aber was soll´s , es darf auch Glück im Unglück geben und so kommen viele Schüler*innen um Fächer herum, die sie nicht mögen oder von denen sie keine Ahnung haben. Für einige wird das hilfreich sein, für andere neutral, für einige ein Nachteil, wenn jemand aufgrund des Zeugnisses Kenntnisse voraussetzt, die nicht vorhanden sind. Wie so vieles im Leben: Roulette.

Es sickert bei mir erst so langsam durch, was alles abgesagt wurde. Zum Beispiel Fs Weihnachtsgeschenk, die Schifffahrt zur Sommersonnenwende in der Wachau mit Feuern an den Donauufern und Feuerwerk auf dem Fluss. Darum tut es mir sehr leid. Wir werden wohl auf nächstes Jahr oder eine andere Schifffahrt umbuchen. Die Betriebe im Tourismusbereich sind ohnehin in großer Anzahl am Rande des Ruins, da muss man sich  nicht mit Rückzahlungsforderungen für entfallene Veranstaltungen daran beteiligen.

Meinen Träumen nach zu schließen, beschäftigt sich mein Unterbewußtsein offenbar heftig mit dem Virus, was mir im wachen Zustand gar nicht so klar ist. Mir fehlt es ja an nichts, trotzdem …

Montag 30. März 2020

So !! Ich habe alle Übungsaufträge fertig gestellt und verschickt. Damit sind die SchülerInnen in meinem Fach bis nach Ostern beschäftigt. Das fühlt sich sehr gut an. Natürlich muss ich nach wie vor korrigieren und Feedback geben, aber das läuft nebenbei und erfordert nicht allzuviel Energie und schon gar keine Kreativität, die wäre dabei eher hinderlich und darf sich nun frei austoben.

Ich spiele gerade eine Runde candy-crash und summe dabei die Marseillaise. Sehr bedenklich, wenn ich mir das so überlege, klarer Fall von Corona-Syndrom.

Voraussichtlich ab Mittwoch spenden also alle Supermärkte am Eingang allen Kunden je einen Mund- und Nasenschutz, den dann alle beim Einkaufen tragen sollen. So weit so gut. Über kurz oder lang, nach Maßgabe der Anzahl der verfügbaren Masken wird man sie wohl eine Zeit lang überall tragen müssen. Ich werde es hassen, was mir nicht viel nützen wird, also werde ich mich bemühen es zu lieben. Unrealisierbare Pläne gehören auch zum Corona-Syndrom. Der Wiener Bürgermeister bekommt morgen vom chinesischen Botschafter ein paar zigtausende Masken geschenkt. Wir sind in der dritten Woche Shut-down. Morgen soll es regnen, wenn nicht gar schneien und hageln. Das wird die Gelegenheit für einen langen, genüsslichen, einsamen Spaziergang.

Freitag 27.3.2020 – 12. Tag der Coronabeschränkungen

Ich sitze täglich stundenlang am Computer. E-mails von den Schüler*innen kommen herein. Viel mehr als ich gedacht hätte, von Leuten von denen ich es nicht erwartet hätte. Die Situation ist wohl auch für die Studierenden  verwirrend und unsicher, sie fürchten wohl nicht zu Unrecht, um den Abschluss des Sommersemesters und sind bemüht den Kontakt zu halten.

In Wiener Brennpunkt-Pflichtschulen hört man, gibt es Kinder, die einfach von der Bildfläche verschwunden sind, ihren Lehrer*innen nicht antworten. Teilweise, weil es an der technischen Ausrüstung fehlt, teilweise weil sie keine Möglichkeiten haben zuhause zu lernen oder die jüngeren Geschwister betreuen müssen. Es ist eine ziemliche Katastrophe, weil da die ohnehin großen Abgründe zwischen geförderten und nicht geförderten Kindern noch mehr aufbrechen werden, ohne dass die Kinder etwas dagegen tun könnten. Die Stadtverwaltung hat nun offenbar das Sozialamt auf das Problem angesetzt. Ob das Ergebnisse bringen wird. Ziemlich sicher scheint jedenfalls, dass die Schulen nach den Osterferien nicht gleich wieder hochgefahren werden.

Langsam schlägt mir die Isolation auf´s Gemüt

Sonntag 15. März 2020

Nun hat Fs Chef endlich home office angeboten mit der hübschen Formulierung, ob er sich vorstellen könne zuhause effizient zu arbeiten. Kann er. Allerdings ist er gerade per Rad aufgebrochen um sich seinen Kopfhörer aus dem Büro abzuholen. Ich hätte gesagt, na kauf dir doch einen gleich ums Eck, aber nein, das geht ja nicht, ab Morgen ist ja alles zu und heute ist Sonntag. Ursprünglich hatte man ja überlegt, die Elektronikgeschäfte offen zu lassen, weil die vielen Menschen, die ins home office gehen wahrscheinlich dies und das brauchen werden, das wurde aber dann nicht verwirklicht. Nur der Lebensmittelhandel, die Apotheken und Drogerien, Tankstellen, Trafiken, Post bleiben offen.

Drakonische Maßnahmen, ja. Jetzt wurde auch eine Ausgangssperre auf österreichisch verhängt. Man soll wenn irgend möglich zuhause bleiben, aber man kann einkaufen gehen, spazieren, aber nur allein oder mit Personen mit denen man ohnehin zusammen wohnt, dringende Erledigungen sind auch ausgenommen. Krisen erfordern drastische Maßnahmen und ich persönlich kann damit gut leben. Das Problem ist , dass man die Erfolge oder Nicht-Erfolge erst zeitversetzt sehen kann. Der heutige Tote hat sich vor mehreren Tagen angesteckt.

Eine der positiven Seiten dieses „Urlaubs“ wird sein, dass meine Terrasse in diesem Frühling wunderbar gepflegt werden wird. Wir kaufen meistens bei einem großen Interspar, bei dem es zwar am vergangenen Panik-Freitag kein Klopapier und keine Küchenrollen gab, aber Pflanzen und Blumenerde. Weiters werde ich viel Zeit zum Lesen und Wohnungräumen haben. Ich muss noch nicht einmal in die Schule, weil das Ministerium die ursprüngliche Idee, die Schularbeiten und sonstigen Prüfungen der Abschlussklassen in Kleingruppen abzuhalten aufgegeben hat. Nicht so gut geht es den Kollegen in den Unterstufen, die die Kinder, die zuhause nicht betreut werden können bespaßen müssen. Man weiß aber noch gar nicht, wie viele das sein werden. Es ist alles flexibel zu improvisieren. An und für sich sind solche Situationen in gewisser Weise auch prickelnd.

Dienstag 10. März 2020

Es herrscht eine seltsame Stimmung. „panische Ruhe“ nennt sie ein von mir sehr geschätzter Journalist. Es werden höchstwahrscheinlich alle Schulen geschlossen werden, es ist nur noch nicht klar wann, und wir Lehrer*innen wurden vom Minister aufgefordert ein Konzept für den Fernunterricht zu erstellen um „den Unterrichtsertrag sicherzustellen“. Solche Konzepte legen wir ja locker an einem Abend hin. Die Unis wurden bereits geschlossen, das Problem bei den Schulen ist die Betreuung der jüngeren Schüler*innen. Wo sollen Eltern so plötzlich eine oder mehrere vertrauenswürdige Betreuungspersonen hernehmen? Es ist momentan alles recht schwierig und steht auf tönernen Füssen, aber wir werden´s schon packen. Morgen also zehn Stunden Unterricht und dazwischen Fernlernkonzept erstellen und natürlich sämtliche nicht-digitale Unterlagen sortieren und nachhause befördern.

Mittwoch 26. Februar 2020

Was mich erstaunt ist, dass ich an meinen Arbeitsmarathon-Mittwochen nicht mehr und nicht weniger müde bin, egal ob ich in der Mittagspause herumlaufe und diverses erledige oder ob ich irgendwo herumhänge. Ein Sprung nachhause und eine Runde schlafen, wäre auch eine Möglichkeit, die aber zeitlich schwer einzubauen ist.

Gestern war es obendrein sehr galgenhumorig in der Schule. In Wien gab es eine Lehrerin, die in Italien war und deren Grippe zunächst als mögliche Corona-Infektion gedeutet wurde. Wir bekamen die ganze Geschichte brühwarm mit, weil der Neffe einer Kollegin Schüler dieser Schule ist. Zunächst sollte diese Schule evakuiert werden, dann wurde sie gesperrt und alle „Insassen“ durchgetestet. Schließlich Entwarnung. Wir haben Szenarien entworfen, wie wir – 150 Lehrer*innen  und 1200 Schüler*innen im Schulgebäude kampieren würden. Es war lustig. „Der Schmäh rennt“ nennt man so eine Stimmung in Wien. Naja, eine kleine Spur Hysterie war möglicherweise auch dabei. Aber insgesamt war es eher beruhigend. Wir haben auch Pläne gemacht, was wir nicht alles zuhause endlich erledigen könnten, falls demnächst die Schulen geschlossen würden. Auf jeden Fall war es wesentlich unterhaltsamer als eine Faschingssitzung, wenn auch einen Tag zu spät.

Heute gibt es allerdings den ersten bestätigten Corona-Fall in Wien

Donnerstag 13.Februar

Der neue Stundenplan ist einmal durch und meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Es sind nicht mehr Stunden als im Wintersemester, aber sie sind extrem konzentriert und ich hätte mir das Ausklingen etwas gemütlicher vorgestellt. Ich werde mich auch nicht beschweren gehen, weil die Stundenplanmacher ohnehin am Zahnfleisch und mit blanken Nerven unterwegs sind. Es gab eine Reihe von Klassen, die unerwartet zusammengelegt, neu eröffnet, anders oder gar nicht geteilt wurden. Alles sehr kompliziert, weil doch in gewissem ausmaß und nach Möglichkeit auf Wünsche eingegangen wird. Computerprogramme schaffen unseren komplizierten  Stundenplan schon lange nicht mehr.

Ein neues Mittagslokal muss gefunden werden. Nachdem ich im bisherigen zweimal eindeutig alte Nudeln serviert bekam und ich obendrein noch gesehen habe, wie an der Schank – völlig ungeniert – aus den Resten von zwei gerade abservierten Gläsern ein „neues“ komponiert wurde, gehe ich dort nicht mehr hin und eine Menge Kollegen haben sich angeschlossen. So werde ich eben die Mittagspause am Dienstag nützen um eines der etwas weiter entfernten Lokale auszuprobieren. Eines davon wurde schon gelobt, vielleicht nehme ich das als erstes. In der näheren Umgebung gibt es mehrere Gasthäuser, die aber alle nicht besonders gut kochen, einen Serben, der hauptsächlich Fleischmassen mit Fleischbeilagen bietet, ein paar Hochpreislokale, einen anderen Asiaten, der möglicherweise höhere Standards hat, einen Vietnamesen, wo man sehr gut isst, der aber immer sehr voll ist und viele Pizzerias. Die Lokale mit gutem Essen und Qualitätslebensmitteln sind alle etwas weiter weg, aber sie sollten es auch wert sein, etwas weiter zu gehen.

Freitag 17.1.2020 – das ewig Weibliche …

Es findet sich doch für alles und jedes ein passendes Zitat aus „Faust“. Manche sind schon so richtig abgelutscht. Trotzdem für „das ewig Weibliche zieht uns hinan“ finde ich immer wieder Beispiele. Es gibt ja Leute, die prinzipiell „das ewig Weibliche zieht uns hinab“ zitieren. Mein Bruder zum Beispiel. Ich gestehe ja zu, dass die Definition des „ewig Weiblichen“ voller Fallstricke und Bodenminen steckt. Trotzdem. Mein neuester Anlass: ein Studierender an der Abendschule, der sich bislang eigentlich durch gar nichts ausgezeichnet hat, höchstens durch seine unauffällige Art, hat eine neue Freundin, die ihn so richtig zum Glänzen bringt. Es ist eine Freude, wie da plötzlich Intelligenz deutlich sichtbar wird, wie Kenntnisse und Fähigkeiten auftauchen, und wie er Freude daran hat diese auch herzuzeigen.

„Siehst du“ sage ich – aber nicht im Ernst – zum F. „da sieht man wieder, was wir für euch tun“ . „Pffff“ sagt der F „aus blankem Eigennutz. Schließlich sind es ja die Frauen, die Wert legen auf Glänzen und Strahlen. Wir Männer sind bescheiden, zurückhaltend und per definitionem völlig uneitel.“ Nun ja …

Ich glaube, ich bin am Beginn einer Gern-Koch-Phase. Das merke ich daran, dass ich beim Betrachten des Inhalts der wöchentlichen Gemüsekiste überlege, was ich mit diesem und jenem Grünzeug anfangen werde und dass ich dazu dann Rezepte studiere. Das liegt auch daran, dass ich fast alle Prüfungen für dieses Semester zusammengestellt, abgehalten, korrigiert und benotet habe und somit mein Arbeitsrhythmus deutlich gemütlicher wird. Einen Durchgang mündliche Prüfungen braucht es noch. Die mache ich aber aus dem Stegreif.

 

Mittwoch 15.1. 2020

Kälte verfolgt mich in letzter Zeit. Draußen ist es kalt, die eiskalte Wohnung von K beschäftigt mich immer noch und am 8.1, dem ersten Schultag nach zwei Wochen Ferien stellte sich heraus, dass irgendwann in diesen zwei Wochen die Heizung eingegangen war. Es hatte im ganzen Haus zwischen 7 und 11 Grad. Daraufhin wurden Schüler und Lehrer nachhause geschickt und die Heizungsmonteure rückten an. Am nächsten Tag Vormittag hatte es im Lehrerzimmer immerhin schon 17 Grad, ähnlich in den Klassen. In den Gängen allerdings, wo es nur sehr vereinzelte Heizkörper gibt, ist es immer noch deutlich kälter. Auch der Rest der Woche war noch ziemlich kühl und wir vergnügten uns damit, die Schüler*innen immer wieder mal die Stiegen rauf und runter zu hetzen, um ihr Einfrieren zu vermeiden. Das war für alle Beteiligten ganz lustig und sicher höchst gesund. Es bot sich mir auch die Gelegenheit mein allerneuestes Strickprodukt  auszuführen. Es ist so warm, dass ich es unter normalen Umständen wahrscheinlich nie brauchen kann, aber in dieser Woche war es genau richtig und der nächste Besuch beim K findet sicher auch noch im Winter statt.

Die Wetterlage „gefrierendes Nieseln“ mag ich nicht besonders. Der Hochnebel scheint meterdick zu sein, darunter ist es eisig und die Feuchtigkeit, die aus dem Nebel kommt, gefriert auf den Gehsteigen. Höchst ungemütlich und glitschig, wenn man spätabends unterwegs ist.

Die positive Seite: mir ist die Geschichte „Kälte“ eingefallen. Vielleicht schreibe ich sie heute Nacht.

Als Sprachfan kann man sich immer wieder darüber freuen, interessante Wörter und Wendungen kennenzulernen. Seit gestern genieße ich einen Ausdruck aus der Juristensprache, der mir äußerst gut gefällt: „aufschiebende Bedingung“. Es ist mir sogar schon gelungen, den Ausdruck in einem Gespräch unterzubringen, ohne dass er besonders aufgefallen wäre.

Schule vor dem Kollaps

Ein sehr eindringlicher und leider wohl kaum übertriebener Titel.

Das Buch beschreibt die Situation in Deutschland, die sich von jener in Österreich diesbezüglich kaum unterscheidet. Auch in Österreich gibt es Parallelgesellschaften, die wenig bis keinen Wert auf Bildung legen, Kinder, die grundlegende Dinge wie zB die Benutzung einer Schere zum Ausschneiden von Papier kaum beherrschen, Kinder, die keine Beziehung zur Natur haben, weil sie aus ihren Wohnungen kaum herauskommen. Kinder, die kaum Deutsch können. Auch in Österreich muss man sehr darauf achten für solche Lagebeschreibungen keinen Applaus von der falschen Seite zu bekommen.

Die Autorin, Ingrid König, ist seit Jahrzehnten Schuldirektorin und durch alle möglichen Höhen und Tiefen der Bemühungen um sprachliche und kulturelle Integration gegangen. Sie beschreibt sehr engagiert die Veränderungen, die im Lauf der Zeit stattgefunden haben und die aktuelle Lage. Durch zahlreiche Fallbeschreibungen gewinnt man einen Einblick in die schwierige Situation vieler Kinder und Lehrer*innen.

„Es gibt viele nachvollziehbare Gründe für Inklusion, aber die wenigsten Verantwortlichen machen sich bewusst, was es bedeutet ein lernbehindertes Kind in der Klasse zu haben (wobei es oft nicht bei einem bleibt) gemeinsam mit Kindern, die vielfältige Verhaltensauffälligkeiten aufweisen, Kindern mit Konzentrationsschwierigkeiten neben Kindern mit Rechenschwäche, vielen Kindern mit Migrationshintergrund ohne wirklich ausreichende Deutschkenntnisse, Kindern, die als Seiteneinsteiger mitten im Schuljahr kommen, Kindern, die mit Chipstüten als Frühstück in die Schule kommen, Kindern, die mit winzigen , müden Augen am Morgen im Unterricht sitzen, weil sie nachts und am Wochenende stundenlang Playstation oder PC-Spiele spielen, Kindern, die zu nichts Lust haben, Kindern, die nach ein paar Monaten wieder weg sind. Und dazwischen ein paar leistungsstärkere und begabtere, die etwas lernen wollen und sich schnell langweilen, wenn man ihnen nicht auch immer wieder Futter gibt – dies alles unter einen Hut zu bringen, ist schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Wir versuchen es trotzdem.“ p. 168

Ein sehr empfehlenswertes Buch für jene, die meinen, dass Lehrer*innen zu viel Urlaub und kaum irgendetwas zu tun hätten und dass es ja ganz einfach wäre, jungen Kindern etwas beizubringen Der Einblick in die „Idylle“ einer Grundschule (in Österreich: Volksschule) in einem Brennpunkt-Bezirk in Frankfurt ist sehr überzeugend.

Nix Neues – Donnerstag 5.12.19

Der PISA-Test ist wieder einmal gegessen. Österreichs 15-jährige liegen wie immer weltweit in einem deprimierenden Mittelfeld, können schlecht sinnerfassend lesen und werden immer schlechter in Naturwissenschaften. Schuld daran sind selbstverständlich ausschließlich die Lehrer. Eine Gesellschaft, die den Schulanfängern erzählt, dass es nun vorbei sei mit dem schönen Leben und der „Ernst des Lebens“ beginnt, Eltern, die ihre Kinder in der Schule abgeben und zu deren Schulleben nur noch intensives Geschimpfe auf Lehrer und Bildung im allgemeinen beitragen, ein System, das 10 jährige(!) in zwei Kategorien teilt, das hat alles nicht das Mindeste mit den schwachen Ergebnissen  zu tun. Nein, es sind die Lehrer, die bekanntlich keine Ahnung von irgendwas haben. Sonst würden sie es doch locker schaffen im Alleingang  Klassen mit Kindern, von denen bis zu 100%  schlecht Deutsch können, in bildungsfernen bis bildungsfeindlichen Milieus aufwachsen und in den Familien keinerlei Hilfe zum Lernen bekommen ohne Unterstützung von zB Psychologen und Sozialarbeitern in gebildete, sozial integrierte, bildungsinteressierte Menschen zu verwandeln. Wären die Lehrer nicht so unfähig, würde die Gesellschaft ja ganz anders dastehen. Alle Jahre wieder!

Ich merke schon, mein vorweihnachtlicher Dekowahn wird langsam aber sicher von meinem klassischen Ärger über das undifferenzierte Klingelingeling  in allen Bereichen des Lebens abgelöst. „Stop talking Start making“ steht auf einem riesigen Transparent am Wiener Stephansdom. Sieh da !

Einen Nikolaus kann man mieten, habe ich gerade gelesen. Auch ein Geschäftsmodell. Ich bin ja eher ein fan von Perchten. Da gibt es manchmal großartige Holzmasken und sehr engagierte, wild herumhüpfende Tänzer.

Donnerstag 7.11.19

Was mir nicht alles eingefallen ist während ich am Meer spazierengegangen bin , was ich nicht alles hätte schreiben können. Aber Meer pfutsch, Inspiration pfutsch. Ein Binnenlandbewohnerin-Schicksal eben.

Dafür habe ich gestern und heute Abend ganz hervorragende Vorträge zum Thema Extremismus und Radikalisierung gehört. Zwei Mitarbeiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands haben über Theorie und Praxis ihrer Arbeit berichtet. Beide konnten die Abendschüler sehr gut mitnehmen, was ja keineswegs einfach ist. Sie haben aber viel Erfahrung mit Jugendlichen dieser Altersstufe, 17 bis Mitte 20, um die 95% Migrationshintergrund, genau die Zielgruppe junger Menschen, die für Radikalisierung empfänglich ist. Ich habe auch eine Menge gelernt: gut die Hälfte der Symbole zahlreicher extremistischer Vereinigungen hatte ich noch nie gesehen, die Unterscheidungsmerkmale verschiedener extremistischer Gruppierungen hätte ich auch nicht aus dem Ärmel geschüttelt.

 

Freitag 27.9.19

In zwei Tagen ist es endlich vorbei mit diesem widerwärtigen Wahlkampf. Unendlich viele Fernsehdebatten, , was sich auf den social medias abspielt, ist jenseitig, Grins-und-sonst-nix-Plakate. Allerdings bieten diese dümmlichen Plakate den kreativen Beschmierern Umgestaltern viele Möglichkeiten. Hofers Hitlerbärtchen gehört zu den weniger originellen Werken. Sehr gut gefällt mir die Variante des FPÖ-Plakats mit der Ansage „Rot-grün gefährdet deine Zukunft“, das „deine“ eingeringelt und mit einem Pfeil zu Hofers Foto hin versehen. Nicht dass es irgendeine halbwegs realistische Möglichkeit für eine rot-grüne Regierung gäbe, aber die türkis-blaue Variante ist eventuell auch nicht mehr so sicher, weil die „Einzelfälle“ der FPÖ ein Ausmaß annehmen, dass sogar Sebastian Kurz  leise Zweifel zu beschleichen scheinen.

Unerwartet anstrengend an meinem Stundenplan sind die beiden aufeinanderfolgenden Abende. Insgesamt wird aber das letzte wohl ein bequemes Schuljahr werden. Insgesamt komme ich mir total gesund und fit vor im Vergleich zu dem, was einigen Kollegen passiert. Sehleistung von 5% auf einem Auge, Oberschenkelhalsbruch beim Radfahren, totale Bettruhe wegen Schwindel aufgrund von extremem Augendruck, Herzmuskelentzündung. Unglaublich kurz ist der Schritt von jung und dynamisch zu sehr krank. Herbstliche Überlegungen, Vergänglichkeit und Verfall ….

6.9.19 – erste Woche abgehakt

Eine ganze Woche Schule durch und die Vorzüge und Nachteile des neuen Stundenplans sind ziemlich ausgelotet. Mir scheint, dass die Vorzüge deutlich überwiegen. Ein paar winzige Details sind nicht so toll, aber – wie ein Schüler sehr richtig über seinen eigenen Stundenplan sagte „man kann aus allem ein Drama bauen“. Also, ich baue nicht, bin sehr zufrieden und darf nicht vergessen, mich bei den Stundenplanmacherinnen zu bedanken.

Erstaunlich ist, was mein neues TV-Modem alles kann. Vielleicht gibt es das alles eh schon seit vielen Jahren und jeder Kabelfernsehnutzer findet es ganz banal, aber für mich ist es neu, dass es eine Funktion gibt, mit der man – wenn man mitten in einer Sendung den Fernseher aufdreht – die Sendung wieder von Anfang an sehen kann oder dass man Sendungen aufzeichnen und in einer persönlichen Mediathek speichern kann. Auf die Arte-Mediathek komme ich allerdings nach wie vor nur über internet. Nix ist perfekt.

Und schließlich merke ich, dass ich doch noch ziemlich gern unterrichte. Der administrative Kram rundherum wird immer mehr und nervt beträchtlich, aber die Kommunikation mit Schülern und Studierenden ist schön, nach wie vor. Beunruhigend finde ich, dass sich die Schulärztin aus unter ärztliche Schweigepflicht fallenden Gründen entschlossen hat, eine Notfallinterventionsgruppe von LehrerInnen zu bilden, und auch für alle anderen an der Schule beschäftigten Personen Verhaltensanweisungen für den Fall von Suizidankündigungen von SchülerInnen zusammenzustellen. Sie veranstaltet auch Impfaktionen, was ich sehr, sehr gut finde.

Der Lieblingsasiate gegenüber der Schule hat natürlich immer noch die genau gleiche Speisekarte wie Ende Juni. Never change a running system ! Ich gehe aber ohnehin höchstens einmal in der Woche hin, da passt das schon.

Montag 2.9.19 – Takelage

Sehr plötzlich ist die Hitze verschwunden und es war wunderbar vom Regen geweckt zu werden, der auf die Metalljalousie fiel. Meine Reserven an Gießwasser für die kalkempfindlichen Pflanzen haben sich ver-x-facht und der Schachtelhalm steht praktisch im Sumpf, wie er das gerne mag, hoffe ich zumindest.

Arbeitsbeginn ist für mich erst Dienstag Nachmittag, dafür ist und bleibt der Mittwoch ein Neunstundentag. Insgesamt ist mein Stundenplan für dieses Schuljahr aber recht entspannt. Die Kolleginnen waren äußerst nett zu mir und haben alle meine Wünsche berücksichtigt. Das ist ja nicht immer möglich, aber wenn dann doch alles gut ineinandergreift, erzeugt es sehr viel an Lebensqualität.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich eine Menge Energie darauf verwende, Irrationales aus meinem Leben fernzuhalten obwohl es mich beträchtlich fasziniert. Dann komme ich immer wieder an den Punkt, an dem die Balance zwischen Nüchternheit und  …. ja, was eigentlich ….. ins Wanken gerät und dann eine Weile wankt. Das ist gut so, dann gehen so manche innere Türen auf