la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


Ein Kommentar

48. Station der literarischen Weltreise – Vatikan

Nachdem mir „der zweite Schlaf“ von Robert Harris sehr gut gefallen hat, habe ich mich gleich an einen zweiten Harris herangemacht. Vorausschickend: auch dieser hat mir sehr gut gefallen.

Die Handlung beginnt mit dem unerwarteten Tod des Papstes. Der Protagonist des Romans, einer der vier höchsten Kardinäle der Katholischen Kirche hat die Aufgabe das Konklave, das den nächsten Papst ernennen soll zu organisieren. Gleich zu Beginn fragt man sich, wie viel von den tatsächlichen kirchlichen Würdenträgern in die Figuren des Romans eingeflossen sind. Robert Harris äußert sich dazu in einer Vorbemerkung:

„Obwohl ich um der Authentizität willen im ganzen Roman echte Titel benutzt habe (Erzbischof von Mailand, Dekan des Kardinalskollegiums etc) habe ich sie in dem Sinne benutzt wie man vielleicht über einen fiktiven amerikanischen Präsidenten schreiben würde. Ähnlichkeiten der von mir für diese Ämter erfundenen Figuren mit ihren gegenwärtigen Amtsträgern sind nicht beabsichtigt (…) Trotz gewisser vordergründiger Übereinstimmungen soll der verstorbene Heilige Vater in „Konklave“ kein Portrait des gegenwärtigen Papstes sein. „

Die „vordergründigen Übereinstimmungen“ sind enorm, die Situation in der katholischen Kirche weltweit, die Situation ihrer Würdenträger, Priester, Ordensfrauen etc ist auch sehr realistisch beschrieben. Weiters fand ich das Prozedere bei einer Papstwahl ebenso interessant wie das Einbeziehen in die Handlung der Kunstwerke in der Sixtinischen Kapelle.

Insgesamt ist es ein spannender Roman, in einem Milieu, das wohl nur den wenigsten Lesern vertraut ist. Unter den versammelten Kardinälen kristallisieren sich die Favoriten für das Amt des Papstes heraus. Sehr beachtlich finde ich, dass es Robert Harris gelingt, eine Atmosphäre zwischen Religiosität und persönlichem Ehrgeiz der Kardinäle zu erschaffen. Das Wirken des Heiligen Geistes wird auf der gleichen Erzählebene behandelt wie die Intrigen der Bischöfe gegeneinander. Es gibt auch mehrere Handlungsstränge, die im Bereich des Thrillers angesiedelt sind, die aber nicht weitergeführt werden, weil das Ende so überraschend und unerwartet ist, dass, wie das im Leben auch wäre, alle anderen Aspekte der Geschichte unter den Tisch fallen. Ein Ende, das zu denken gibt

Spannung mit kulturhistorisch interessantem Hintergrund.

 


13 Kommentare

Warum eigentlich „der zweite Schlaf“ ?

Science Fiction von der Art wie ich sie gerne mag.

Die Welt befindet sich auf dem technologischen Stand des Mittelalters weil aufgrund einer zunächst unbekannten Katastrophe die gesamte Zivilisation zusammengebrochen ist. Nach einer sehr finsteren Periode, in der die Menschheit stark dezimiert wurde, schreibt man nun das Jahr 1468 Unseres Auferstandenen Herrn und die Kirche hat die Macht übernommen. Die Erforschung der Vergangenheit wird als Blasphemie betrachtet, obwohl es gar nicht schwierig ist, jede Menge Artefakte aus der technischen Welt zu finden.

Der Protagonist der Geschichte ist ein junger Priester, der in einen Strudel von Ereignissen gerät, die sein ganzes Leben umkrempeln und in Frage stellen. Ich fand die Geschichte spannend, mit einigen unerwarteten Wendungen. Das Ende hätte für mich allerdings etwas genauer ausgeführt sein können, mit mehr Information zu der Katastrophe.

Viele Details an der Geschichte haben mir gut gefallen, zum Beispiel, dass zwar so gut wie alle Gebäude der Vorfahren also des technischen Zeitalters zerstört und zerfallen sind, die viel älteren Steinkirchen aber immer noch stehen, ebenso wie der Hadrianswall hinter dem im Norden Englands die Nachfahren der IS-Kämpfer noch leben.

Etwas mysteriös blieb die Bezeichnung „zweiter Schlaf“. Vielleicht ist es eine Metapher auf ein zweites dunkles Zeitalter der Menschheit, obwohl das Mittelalter so dunkel ja nicht war. In der Geschichte wird erwähnt, dass die Menschen die Gewohnheit hätten, den Nachtschlaf in zwei Teile zu teilen. Davon habe ich noch nie gehört, was nicht heißt, dass es diese Gewohnheit nicht irgendwann, irgendwo gegeben haben kann.

Insgesamt haben mir Geschichte und Autor gut gefallen und ich habe bereits für Nachschub an weiteren Romanen von Robert Harris gesorgt.