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Wind ? Wut ? oder einfach schlechte Qualität ?

Jedenfalls ein extrem deprimierender Anblick. Gleich daneben ist der Eingang zu einer Berufsschule vor der sich die Schülerinnen und Schüler eng zusammendrängen unter dem viel zu schmalen Vordach, einerseits um sich vor dem Regen zu schützen andererseits zur unauffälligen körperlichen Annäherung. Es wird heftigst geraucht und die Tschicks bedecken die Straße vor und neben dem Gebäude.

Einerseits lässt man die Jugendlichen vor dem Schulgebäude rauchen, stellt aber keinerlei Möglichkeit zum Wegwerfen der Tschicks zur Verfügung, als ob das Fehlen von Aschenbechern Raucher davon abhalten würde zu rauchen. Ein absurder Ansatz würde man meinen. Entweder ist etwas erlaubt oder es ist verboten. Bei uns in Österreich ist das anders: da ist vieles zwar nicht erlaubt, aber auch nicht verboten und falls es doch verboten ist, kümmert sich niemand darum das Verbot durchzusetzen. Ein Schwebezustand gewissermaßen, der in manchen Fällen sehr angenehm ist, in anderen aber eher frustrierend. Das hängt von der eigenen Position zu dem jeweiligen Thema ab ….

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Viele Neue

Wir haben also einen neuen Regierungschef, Christian Kern, früherer Chef der Bundesbahnen. In dieser Position war er erfolgreicher als alle seine Vorgänger. Wir haben auch vier neue Minister und Ministerinnen, eine durchaus bunte Truppe. Frischer Wind wäre großartig, womöglich sogar einige neue Ansätze. Ein paar neue Gesichter allein werden den Karren aber nicht aus dem Dreck ziehen können. Die ersten Interviews  des Neuen klingen gut, hoffentlich sind seine Taten auf der Höhe seiner Worte ….

Und nächsten Sonntag findet der 2. Durchgang der Bundespräsidentenwahlen statt ……. Man kann nur hoffen, dass die Protestwähler kurz Gebrauch von ihrem Hirn machen und überlegen wohin ihr Protest führen kann. Das wäre ja allerdings beim ersten Durchgang auch schon möglich gewesen.

Wie konnte es nur so weit kommen ?

Kostproben der Werke von Odin Wiesinger, des Lieblingsmalers von Norbert Hofer, der mit einiger Wahrscheinlichkeit Bundespräsident wird. Norbert Hofer ist Ehrenmitglied einer deutsch-nationalen Burschenschaft (gibt es überhaupt auch andere Burschenschaften?), zu seinen liebsten Hobbys gehört das Schießen und er freut sich schon darauf, Bundespräsident zu sein, wenn H.C Strache Bundeskanzler ist und „wir auch den ersten Nationalratspräsidenten haben“. „Wir“ ist natürlich die FPÖ. Weil, Norbert Hofer bezeichnet sich, je nachdem vor welchem Publikum er spricht, als „überparteilich“ (soll man lachen, soll man weinen) oder als „durch und durch FPÖler“Daf3 image010

Das muss ich noch nachtragen

Der großartige Schlusssatz von Christian Rainer in einem Profil-Artikel:

Gehen wir unruhigen Zeiten entgegen, sind wir vielleicht schon mittendrin? Aber nein! Wir machen gemütlich Jausenpause – in Pompeji.

Turbulent gehts zu

Ein Theatercoup ! Vor 2 Tagen ist Bundeskanzler Faymann von allen Ämtern zurückgetreten. Niemand wusste davon. Man hatte sich auf eine lange quälende Phase der ignorierten Rücktrittsforderungen eingestellt. Ich hätte es Faymann nicht mehr zugetraut, dass er die Macht loslassen und sich in Würde zurückziehen könnte. Damit hat er bei mir eine Spur an Wertschätzung zurückgewonnen.

Die beiden möglichen Nachfolger, die genannt werden, sind beide erprobte Spitzenmanager ohne jede politische Erfahrung. Wer weiß, vielleicht verstehen sie mehr von Politik als die klassischen Politiker. Und in zwei Wochen ist der zweite Durchgang der Bundespräsidentenwahlen. Je mehr ich von Kandidat Hofer zu sehen und zu hören bekomme, desto unbehaglicher wird mir.

Blau war sie heute wirklich die Donau

Die Mäander der Perschling waren heute unser Ausflugsziel. Ich wußte bis heute nichts von der Existenz der Perschling und ihrer Mäander, aber F. , der gerne Karten studiert, findet immer wieder solche Orte.

Strahlender Sonnenschein, für meine Begriffe fast schon zu warm. Die Perschling mäandert wirklich eindrucksvoll. So sehen völlig unregulierte Flüsse aus. Die ganze Gegend ist voller labyrinthischer, kleiner Flussarme und zahlreicher Brücken aus diversen Materialien. Wenn man davon ausgeht, dass ein Fluss mehr oder weniger geradeaus fliesst, ist man hier sehr verwirrt.  Da wir nicht in einem Hubschrauber unterwegs waren, gibt es leider keine Luftaufnahmen von dem Phänomen.

Dann fuhren wir ein Stück weiter zur Donau, die tatsächlich blau war, wie ich sie selten gesehen habe.

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Auch grün war sie an manchen Stellen.

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Ich bin immer glücklich am Wasser zu sein, egal welche Art von Gewässer es ist, aber je bewegter das Wasser desto mehr mag ich es.

Alte Wege – das Mondgrasprojekt 16

Alte Wege ist ein geradezu ideales Motto für meinen gestrigen Tag ! Wir sind bei prächtigstem Wetter und strahlender Natur ein bisschen in der Gegend herumgeirrt auf der Suche nach einer angeblich vorhandenen Brücke aus römischer Zeit. F. ist ein begeisteter Aufspürer solcher Ausflugsziele. Nach einigem hin und her und auf und ab haben wir sie auch gefunden.

Alte Wege führen durch die Landschaft. Hier sieht man, was ein Volk der Straßen- und Brückenbauer vor annähernd zweitausend Jahren für solide Brücken bauen konnte. Schade, dass die Römer sich hauptsächlich für steinerne Wege und Brücken interessiert haben. Die Bemühungen zur Völkerverständigung überließen sie anderen …

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Des ersten Durchgangs zweiter Teil

Es gibt also ein Ergebnis des ersten Wahlgangs. Der eine Vertreter der etablierten Parteien hat sich mit Würde zurückgezogen, muss ich ihm zugestehen, der andere wirkte als wäre er entweder noch im Schock oder ohnehin heilfroh aus der Sache herausgekommen zu sein.

Frau Gris, die wirklich parteilose Kandidatin war ganz euphorisch über ihre 18%, die sie tatsächlich aus dem Nichts heraus geschafft hat. Nur, was bringts, sie kommt damit nicht in die Stichwahl.

Van der Bellen, der wandelnde Gleichmut, wie immer halt.

Und der Baumeister Lugner, der es auf 2,4% gebracht hat, sieht sein Wahlziel, einen Feldzug gegen die Regierung zu führen, auch erfüllt. Auf die Frage des Journalisten wieviel Werbewirkung für sein Einkaufszentrum er sich von seiner Kandidatur verspreche, lächelte er. Seine Frau, Mausi oder Spatzi, ich kann mir die Namen der jungen Damen an seiner 83-jährigen Seite nicht merken, zischte aus dem Hintergrund „sag gar nichts, das ist eine Frechheit“. Wahrheiten stehen auch bei Lugners nicht hoch im Kurs.

Die Meinungsforscher, die alle unisono einen Sieg von Van der Bellen prognostiziert hatten, wirkten auch nicht gerade wie die strahlenden Sieger.

Das aus meiner Sicht interessanteste der Kommentare und Analysen waren die Prognosen für die Stichwahl. Mehrere Kommentatoren meinten, dass ein gräbenaufreißender Lagerkampf grün gegen blau, rechts gegen links oder wie auch immer definiert, Vorteile für Hofer bringen würde. Eine sachliche personenzentrierte Auseinandersetzung würde dagen Van der Bellen Stimmen bringen.Besonders förderlich für Hofer wären aber negative Kommentare über die Hofer-Wähler aus dem In- und Ausland, weil dadurch der in Österreich immer drohende „jetzt erst recht-Effekt“ ausgelöst werden würde.

Und der siegreiche Norbert Hofer ? Der war in seinem staatsmännischen Modus unterwegs. Bei Wahlreden und  Stammtischrunden klingt er völlig anders. Inhaltlich hat er sich allerdings in seinen Rollen etwas verheddert. Die Journalistenfrage, ob er denn tatsächlich gesagt hätte, dass er als Bundespräsident höchstpersönlich zu Verhandlungen nach Brüssel reisen würde obwohl das ja in der Verfassung nicht vorgesehen ist, brachte in leicht in Verlegenheit. Man kann sich vorstellen, dass so eine Aussage am Stammtisch sehr gut kommt, in einem seriösen Interview dagegen eher nicht. Aber er entschloß sich für die etwas abgemilderte Stammtischversion und erklärte jawoll, er würde – natürlich in Begleitung von Außenminister oder Kanzler – selbst nach Brüssel reisen, zum Beispiel um TTIP zu verhindern. Ja, das ist halt der Realitätsgehalt von populistischen Wahlversprechen …..

Ah ja, und zum Abschluss noch ein Schmankerl. Hätten die Männer kein Wahlrecht gehabt und nur die Frauen gewählt, dann hätte Hofer um etwa 10% weniger Stimmen bekommen, Van der Bellen wäre –  ganz knapp vor Gris – an erster Stelle gelegen.

Wasserkraft

F und ich haben einen Sonntagsausflug gemacht. Wegen Frühling und Wochenende und überhaupt und sind in der kleinen Stadt Ybbs an der Donau gelandet. Fotografieren wäre auch schön gewesen, aber das Licht war entgegen der Behauptungen der Wettervorhersage wieder einmal düster. Bin ich in letzter Zeit ja gewohnt 😦

Einen alten Stadtkern gibt es in Ybbs mit sehr vielen (geschlossenen) Gasthöfen und mittelgut instand gehaltenen Gebäuden, wie diesem mit den Hochwassermarken von über 5 Jahrhunderten. Seit 2013 gibt es aber einen Hochwasserschutz für diese Seite der Stadt.

IMG_7526Das dominanteste Gebäude der Stadt auf der Flussseite ist ein ehemaliges Kloster, das heute ein psychiatrisches Krankenhaus und eine Kuranstalt ist. Gleich daneben steht eine riesige Kaserne.

Außerdem gibt es ein älteres Donaukraftwerk mit einer Schleuße zu besichtigen über das man wie über eine Brücke hinübergehen bzw -fahren kann. Ich gehe ja nicht so rasend gern über Brücken durch die man hinuntersehen kann, aber F war ganz entzückt von den diversen technischen Vorrichtungen auf der Brücke und die Schleuße hat ihn ganz unwiderstehlich angezogen.

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Kaum hatte ich gesagt, dass ich nicht über diese Brücke drübergehen will, war der Herr Ingeniör schon im Laufschritt in Richtung Schleuße unterwegs. Nun ja, jedem das Seine. Ich habe mich an ein paar Fotos versucht, aber es blieb alles düster obwohl ich ohnehin die Automatik benützt habe, weil ich immer davon ausgehe, dass sie beim Fotografieren viel besser ist als ich. So ganz hat sich das diesmal nicht bewahrheitet. Eigentlich ein gutes Zeichen …

Noch ein Motivationsbild für Leute mit Höhenangst: wir stehen hier auf der Brücke aus dem vorigen Foto. Ja, genau: hoch und transparent.

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Im Doppelpack – das Mondgrasprojekt 11

Der Neusiedlersee ist ein Steppensee mit einem dichten Schilfgürtel, daneben liegt der Nationalpark Seewinkel, ein Vogelparadies in dem auch verschiedene Wildtierarten gezüchtet und gehalten werden. Eine ganz eigene Landschaft, die allein schon von ihren Farben her an große Steppen erinnert. Wenn die Sonne darauf scheint (was sie an diesem Tag leider nicht gemacht hat) leuchtet das Schilf in einem speziellen Gold. Farblich besonders ästhetisch sind auch die Salzlacken und die sie umgebende Erde.

Mein Doppelpack ist also: See + Schilf

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Die Brücke von Andau

Wir haben einen kleinen Vorosterurlaub im Burgenland gemacht, wo wir in einem Schloß gewohnt haben und auch sonst geschichtsträchtige Orte besucht haben wie die Brücke von Andau.

Die Brücke von Andau ist nur ein Holzsteg über den Einser Kanal, der Grenze zu Ungarn. Dieser Übergang über den Eisernen Vorhang existierte, weil die Bauern der Gegend – wiederum aus historischen Gründen- ihre Felder zu beiden Seiten der Grenze hatten und eine Möglichkeit brauchten um über den Kanal zu kommen.

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Am 23.10.1956 brach in Ungarn ein Aufstand gegen die Sowjetbesatzung aus, der am 5.11. brutal niedergeschlagen wurde. Insgesamt flüchteten in diesen Tagen ungefähr 200.000 Ungarn nach Österreich. 70 bis 80.000 davon kamen zu Fuß über diese kleine Brücke. Die politische Situation damals war extrem angespannt, in Österreich rechnete man mit einer sovjetischen Invasion. Aber am 21.11 sprengten die Sovjets „nur“ die Brücke.

Das Burgenland war 1956 eine arme Region und ist es heute noch. Das Betreuen so vieler Menschen war eine große Leistung auf die man in der Region noch heute stolz ist.

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Von der Brücke weg führt ein „Fluchtstraße“ genannter 9.2 Km langer Weg. Es ist ein schmaler Weg. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist und stehenbleiben möchte, muss man sich halb in den Straßengraben stellen um eventuell entgegenkommende Fahrzeuge vorbei zu lassen. Es gibt viele Anlässe um stehen zu bleiben, denn entlang dieser Straße stehen eine große Anzahl von Kunstwerken, die dort zur Erinnerung aufgestellt wurden. Sie sind aus Stein, Holz, Metall und teilweise bereits ziemlich verwittert. Viele davon sind aber gerade durch diese Verwitterung besonders eindrucksvoll.

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