Schlagwort: Norwegen

Mitten im Verkehr – das Mondgrasprojekt 23

Mitte August beginnt in Norwegen das Schuljahr. Überraschenderweise wird dies von den Schülern gefeiert und zwar mit so einer Art Faschingsumzug mitten im öffentlichen Raum bzw im Verkehr. Sie singen und skandieren und lachen. Sehr sympathisch. Die eine Truppe, wahrscheinlich eine Klasse, mit Masken, die andere mit Balletbekleidung, oder sollen es Prinzessinnen sein ?

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Falsche und wahre Klischees – Mitmachblog

Im Prinzip ist natürlich jedes Klischee falsch. „Alle irgendwas sind irgendwie“ kann höchstens im biologischen Bereich manchmal wahr sein. „alle Fische leben im Wasser“ oder „das Grün der Pflanzen kommt vom Chlorophyll“ sind sicher zu 99,9 % wahr. Irgendwelche Ausnahmen gibt es immer 🙂 Wenn man aber „Alle“ durch „viele“ oder „eine überwiegende Mehrheit“ ersetzt, dann haben doch viele Klischees eine gewisse Berechtigung.

Zum Beispiel „In Norwegen (bzw ganz Skandinavien) ist man kinderfreundlich“ gehört meiner Meinung nach zu den großteils wahren Klischees. Es beginnt mit den ca 70% der Väter, die in Kinderbetreuungskarenz gehen. In Österreich sind es beschämende 2,1%. Es setzt sich fort mit einer prinzipiell kinderfreundlichen Einstellung im öffentlichen Raum. Überall wo man hinkommt, gibt es Spielecken für Kinder, von der Anzahl und Qualität von Spielplätzen rede ich gar nicht. Es wird generell auf die Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenen in Begleitung von Kindern geachtet.

Gleich bei der Ankunft am Flughafen von Oslo kann man überrascht sehen, dass es da nicht nur Gepäckswagen und Rollstühle zur allgemeinen Benutzung gibt, sondern auch Kinderwagen, sogar eine Zwillingsversion:

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Norwegen, altnordisch „nortvegr“, der Weg nach Norden , der Weg nach innen

IMG_8895Immer schon haben mich Polarexpeditionen fasziniert. Um dabei zu überleben müssen Menschen alle ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen einsetzen. Einerseits materielle Ressourcen wie Nahrung, Kleidung, Brennstoffe sowie beste körperliche Kondition und Ausdauerfähigkeit, andererseits müssen zur Konfrontation mit einer übermächtigen Natur auch alle vorhandenen inneren Ressourcen mobilisiert werden. Dem Eis, den Schneestürmen, der Kälte und Finsternis müssen Begeisterung, Mut, Disziplin und nicht zuletzt Mitmenschlichkeit entgegengesetzt werden. IMG_8996Ein winziger Eindruck dieses Weg-in-den-Norden-Gefühls war auch auf meiner bequemen Schiffsreise zu spüren. Der Wind der überall durchbläst und das Schiff zum Knirschen und Knarren bringt. Jeden Tag wurde es kälter und weitere Kleidungsstücke kamen zum Einsatz. Man konnte an den Mitreisenden deutlich bemerken, dass die wärmenden Eigenschaften mancher Teile wichtiger wurden als der modische Eindruck. Aber nicht nur die Kabinen, sondern das gesamte Schiff auf dem wir reisten, war geheizt und für das warme Wasser in der Dusche hätten Polarforscher wohl so einiges gegeben. Dennoch sind die Hurtigrutenschiffe keine Kreuzfahrt- sondern Frachtschiffe, die auch nachts in vielen Häfen anlegen und Fracht und Passagiere ein-und ausladen, was es praktisch unmöglich macht, eine Nacht durchzuschlafen.IMG_8996Ich sitze unter drei Schichten Kleidung an Deck und erlebe die verlockende Anziehung der Schönheit dieser Landschaft, die stärker ist als das Wissen um ihre Lebensfeindlichkeit. Ich merke, wie mich die Natur anzieht und öffnet und wie ich den Weg nach innen erkennen kann.IMG_9104Es ist Menschen gelungen sich auch in diesem kalten Milieu niederzulassen. Mit viel Einfallsreichtum und Intelligenz haben sich die Menschen hier festgeklammert und überlebt und sind schließlich sogar in die Polarregion gezogen. Getrieben von Forschergeist, Abenteuerlust, wer weiß. Vermutlich waren die Gründe nicht so verschieden von jenen unserer ältesten Vorfahren, die von Afrika aus die ganze Welt besiedelten.

IMG_9311Gestern nacht kreuzten wir ein anderes Schiff, das nach Süden fuhr, während wir noch weiter in den Norden unterwegs waren. Das Schiff wirkte sehr klein mitten im Eismeer, fuhr aber beleuchtet und zielstrebig. Einen Augenblick lang war ich stolz zur Gattung homo sapiens zu gehören.

geschrieben am 12.8.16

Zum Thema Bloggen

… habe ich beschlossen meiner bisherigen Linie treu zu bleiben und keinen Laptop auf Reisen mitzunehmen. So werde ich die schönste Küste der Welt (?) nur in informatischer Begleitung meines Smartphones bereisen. Aber es sind ja noch ein paar andere Leute auf dem Schiff und es wird schon irgendjemand dabei sein mit dem/der sich gelegentlich eine helle Nacht verplaudern läßt.

Ach, ich freu mich schon. Immer schon wollte ich einmal die Hurtigruten fahren. Fjorde und Wasserfälle, Robben und Wale, Landschaft nördlich des Polarkreises, Tromsö, Kirkenes, einige vielversprechende Ausflüge, der Dom von Nidaros zum Beispiel und, und. Ich werde es bewährt beschaulich angehen und auch nicht immer die Kamera zwischen mir und den Eindrücken haben. Tausende Fotos werden es wahrscheinlich trotzdem werden. Unendlich schade finde ich nur, dass es im Sommer keine Nordlichter gibt. Aber ich werde schon noch irgendwann welche zu sehen bekommen.

indexInzwischen müsste ich, so das Flugzeug nicht abgestürzt ist, in Bergen sein und es mir auf dem Schiff bequem machen. Komisch ist es, aus einer zukünftigen Position heraus etwas zu schreiben. Sehr komisch, daher gehe ich über 24 Stunden früher lieber weiter Koffer packen.