Schlagwort: Gesundheit –

Dienstag 10. März 2020

Es herrscht eine seltsame Stimmung. „panische Ruhe“ nennt sie ein von mir sehr geschätzter Journalist. Es werden höchstwahrscheinlich alle Schulen geschlossen werden, es ist nur noch nicht klar wann, und wir Lehrer*innen wurden vom Minister aufgefordert ein Konzept für den Fernunterricht zu erstellen um „den Unterrichtsertrag sicherzustellen“. Solche Konzepte legen wir ja locker an einem Abend hin. Die Unis wurden bereits geschlossen, das Problem bei den Schulen ist die Betreuung der jüngeren Schüler*innen. Wo sollen Eltern so plötzlich eine oder mehrere vertrauenswürdige Betreuungspersonen hernehmen? Es ist momentan alles recht schwierig und steht auf tönernen Füssen, aber wir werden´s schon packen. Morgen also zehn Stunden Unterricht und dazwischen Fernlernkonzept erstellen und natürlich sämtliche nicht-digitale Unterlagen sortieren und nachhause befördern.

Sonntag 8.März 2020 – Kefir und Blasen

Neues von der Kefir-Front. Zuerst habe ich ihn nur etwa 20 Stunden werken lassen. Dabei ist ein Getränk herausgekommen, das ziemlich neutral geschmeckt hat. Ich ließ ihn dann insgesamt 36 Stunden arbeiten und bekam ein immer noch flüssiges Produkt, das mir wider Erwarten wirklich gut geschmeckt hat, mit Himbeeren und Birnen, so eine Art gesünderes Fruchtjoghurt. Nach etwa 50 Stunden hatte er eine sehr dickflüssige Konsistenz bekommen. Man konnte ihn noch gut abseihen und – welch angenehme Überraschung – er hat mir gut geschmeckt, ohne irgendwas dazu. Ein voller Erfolg also. Ich hatte aus Kinderzeiten den Kefir als ganz grauslich schmeckend in Erinnerung. Immer erfreulich, wenn sich negative Erinnerungen ins Positive umkehren.

Der F steht dem Kefir skeptisch gegenüber und hält sich lieber an industrielle Yoghurts. Er meinte, er hätte noch nie eine Langzeitbeziehung mit einem Pilz gehabt. Nun ja, tatsächlich ist die Frage, die ich noch nicht geklärt habe, was mit dem Kefir passiert, wenn er wochenlang allein bleibt. Lässt man ihn dann vor sich hin arbeiten und Alko-Yoghurt erzeugen? Lässt man ihn ohne Milch stehen? Kann man ihn vielleicht einfrieren? Braucht man einen Kefir-Sitter?? Derzeit bin ich nicht besonders reisefreudig. Die Vorstellung irgendwo in der Welt in einem Hotel unter Quarantäne gestellt zu werden, finde ich nicht besonders verlockend. Ob nun krank oder nicht. Eine Freundin, die ich am Samstag getroffen habe, ist gestern nach Madeira geflogen. Hoffentlich kann sie zur geplanten Zeit zurückkommen.

In letzter Zeit fällt mir immer wieder auf, wie sehr auch die Blogs in Blasen organisiert sind. Vielleicht nicht ganz so extrem wie andere Social Media und Meinungsblasen in der wahren Welt. Aber auch hier gibt es zu vielen Themen feststehende Meinungen über die sich die üblichen Kommentator*innen eines Blogs einig sind, die überhaupt nie in Frage gestellt werden. Blasenhoppen ist also angesagt.

Donnerstag 5.März 2020

Eines meiner derzeit dominierenden Lebensthemen ist die Energie, oder vielmehr deren Fehlen. Zu einem hohen Anteil ist das wohl eine Altersfrage. Aber nicht nur. Mein absurder Stundenplan, der die Unterrichtsstunden auf drei sehr lange Tage zusammenpresst, obendrein auf aufeinanderfolgende Tage ist daran sicher auch nicht unbeteiligt. Zwar schlafe ich im Normalfall genug, aber das gesunde Essen ist für mich eine Zeitfrage und ich schaffe es nicht wirklich. Obendrein braucht man je älter man wird umso längere Erholungszeiten. Mit 20 kompensiert man eine durchgefeierte Nacht mit etwas längerem Schlafen am nächsten Tag oder nicht einmal das. Naja, die Zeiten sind leider vorbei.

„Supradyn vital 50+“ kommt auch nicht annähernd an Popeyes Spinat heran… In meinem Kühlschrank ruht ein Sauerteigstarter namens Sherman, der mir von einer Kollegin gespendet wurde. Blöder Name, aber falls ich ihn aktiviere, werde ich ihn umtaufen. Ich würde ja gerne selbst Brot backen, aber die Sache ist doch wesentlich komplizierter und vor allem zeitaufwändiger als ich gedacht habe. Meine Vorstellung war, dass ein Stück von dem Starter mit weiterem Mehl und Wasser und ein paar Gewürzen gemischt wird, dann meinetwegen noch eine Weile herumliegt und dann in den Ofen kommt. Auch das ist schon viel Aufwand, aber das kann ich mir vorstellen. Die Realität sieht aber offenbar anders aus: mehrere Teige braucht es, mehrere unterschiedlich lange Ruhezeiten, ziemlich genaue Vorgaben was wie lange dauern soll oder darf. Nein, ich glaube das ist doch nix für mich, außer ich finde ein einfacheres Rezept. Ein bissl suche ich noch.

Im Rahmen meiner Kampagne „wo ist nur die Energie geblieben?“ habe ich auch einen Kefirpilz geschenkt bekommen. Er hat noch keinen Namen, steht in einem Glaskrug in der Küche und produziert ein hoffentlich auch noch köstliches auf jeden Fall aber sehr gesundes Getränk. Ich habe meine Zweifel, ob es mir schmecken wird, ich trinke auch nicht gerne Milch, aber mit etwas gutem Willen kann man sich ja an vieles gewöhnen. Dem F wird er wahrscheinlich schmecken, der trinkt Milch wie Wasser, sogar warm. Ich kann gar nicht hinschauen so grausig finde ich das. Aber gut, sollte es meine Energiebilanz verbessern, werde ich bestimmt mit Erfolg versuchen, das  ….. köstliche Getränk täglich zu konsumieren, oder zumindest hin und wieder, falls der F. was übrig lässt.

Heute wäre der zweite Tag Kieser-Training in dieser Woche fällig. Geht aber leider nicht, weil ich auf einen Techniker warte, der meine Kabel-Box überreden soll, wieder mit der Mediathek zusammenzuarbeiten. Nach längeren Verhandlungen und diversen per Ferndiagnose erstellten falsifizierten Vermutungen der Kabelgesellschaft, hat man mir einen Techniker zugestanden, der zwischen 16:00 und 20:00 kommen soll. Ich bin also kaserniert. Zwar habe ich ohnehin wenig Zeit zum Fernsehen, wenn ich aber schon so eine Box habe, die in der Theorie sehr viel kann, so sollte sie doch auch funktionieren

Das Wochenende wird angenehm aber nicht besonders erholsam werden. Vielleicht wirkt die Verbindung von Supradyn vital 50+ und Kefir.

Mittwoch 26. Februar 2020

Was mich erstaunt ist, dass ich an meinen Arbeitsmarathon-Mittwochen nicht mehr und nicht weniger müde bin, egal ob ich in der Mittagspause herumlaufe und diverses erledige oder ob ich irgendwo herumhänge. Ein Sprung nachhause und eine Runde schlafen, wäre auch eine Möglichkeit, die aber zeitlich schwer einzubauen ist.

Gestern war es obendrein sehr galgenhumorig in der Schule. In Wien gab es eine Lehrerin, die in Italien war und deren Grippe zunächst als mögliche Corona-Infektion gedeutet wurde. Wir bekamen die ganze Geschichte brühwarm mit, weil der Neffe einer Kollegin Schüler dieser Schule ist. Zunächst sollte diese Schule evakuiert werden, dann wurde sie gesperrt und alle „Insassen“ durchgetestet. Schließlich Entwarnung. Wir haben Szenarien entworfen, wie wir – 150 Lehrer*innen  und 1200 Schüler*innen im Schulgebäude kampieren würden. Es war lustig. „Der Schmäh rennt“ nennt man so eine Stimmung in Wien. Naja, eine kleine Spur Hysterie war möglicherweise auch dabei. Aber insgesamt war es eher beruhigend. Wir haben auch Pläne gemacht, was wir nicht alles zuhause endlich erledigen könnten, falls demnächst die Schulen geschlossen würden. Auf jeden Fall war es wesentlich unterhaltsamer als eine Faschingssitzung, wenn auch einen Tag zu spät.

Heute gibt es allerdings den ersten bestätigten Corona-Fall in Wien

Sonntag 23. Februar 2020

Draußen brüllt der Sturm und es ist viel zu warm, drinnen bespricht der Fernseher die Verdreifachung der Infizierten durch das COVID-19 in Italien. 300 Km von der österreichischen Grenze, 700 Km von Wien entfernt. In Norditalien herrschen mittlerweile gruslige Zustände: Orte abgeriegelt, Schulen geschlossen, die Menschen werden aufgefordert zuhause zu bleiben. Und die Person 0, also jene von der die Infektion ausgegangen ist, wurde noch nicht gefunden. Ja, es nützt nichts, ich fürchte mich vor Pandemien, inzwischen wohl auch mit einiger Berechtigung. Ein wahrhaft ungemütlicher Sonntag.

Ist es nicht schön ….

… ein Kalb zu sehen, das nicht mit gerade drei, vier Wochen unter grauenhaften Bedingungen durch halb Europa transportiert wird um dann irgendwo geschlachtet zu werden wegen der Export- oder Import-  oder sonst irgendwelcher Quoten.

Dieses schon recht große Kalb wurde – wie es sich gehört – mit Muttermilch aufgezogen und darf auch groß werden, dafür hat es eine Nummer im Ohr und gehört zu einem Schau-Bauernhof, aber immerhin hat es doch im Vergleich zu vielen seiner Artgenossen ein gutes Leben.

Wild geht es bei uns derzeit zu

Bei über 39 Grad Fieber um 9:00 Früh bekomme ich die Panik. Der F hat sich offenbar die Weihnachtsfeiertage zum krank werden ausgesucht und so haben wir die Gelegenheit die Notfalldienste der Stadt Wien zu testen. Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass das ganze Land -inklusive Ärzte – zwei Wochen Urlaub macht und waren schon einmal äußerst positiv überrascht, dass die telephonische Beratung leicht zu erreichen war. Obendrein waren von den fünf praktischen Ärzten, die sich in Gehentfernung befinden nur zwei auf Urlaub und drei im Dienst, einer davon Fs Hausarzt, bei dem auch noch nur wenige Patienten waren. Also eigentlich hat an diesem 23. Dezember alles so funktioniert als wäre ein ganz normaler Montag. Was nichts daran ändert, dass die Ursache für das hohe Fieber ungeklärt ist. Ich will nicht ins Detail gehen aber jedenfalls hat der Hausarzt empfohlen, am Mittwoch ein Ambulatorium aufzusuchen. Wäre morgen nicht Weihnachten hätte er vielleicht empfohlen dort sofort hinzufahren, das lässt sich schwer sagen. Jedenfalls schläft der F jetzt, was sicher das Vernünftigste ist, was er tun kann und ich treffe mich mit meiner Nichte, die ich schon ewig nicht gesehen habe.

Es stürmt und regnet seit gestern in Strömen, wir werden also möglicherweise den Weihnachtsmarktbesuch kurz halten und uns lieber in ein Café setzen. Der Regen würde mich weniger stören, aber wenn bei Regen viele Menschen zusammenkommen, haben die auch alle einen Schirm und das enge Zusammenstoßen von Regenschirmen ist meist sehr unangenehm. Ich wollte das Treffen aber nicht absagen, weil ich mich ja vielleicht anstecke und dann sehen wir uns die ganzen Ferien lang nicht. Also auf in den Kampf!

19.12.19

Der vorweihnachtliche Teil des Prüfungsmarathons ist so gut wie abgeschlossen. Etwa ein Drittel der Arbeiten habe ich auch schon korrigiert. Ab Morgen Abend gibt es dann nur noch selbsterzeugten Stress und der hält sich sehr in Grenzen. Der Christbaum wird langsam und genüsslich Kugel für Kugel geschmückt. Die Barbarazweige sind etwas zu früh aufgeblüht aber eine wahre Pracht.

Schlimme Neuigkeiten gibt es von meiner Kollegin. Sie hatte am Wochenende den zweiten Lungeninfarkt in ein paar Wochen und bekommt nun eine Maxi-Chemo. Es gibt Fachausdrücke von denen ich lieber nie gehört hätte. Das ist eine Chemotherapie bei der die Patienten 46 Stunden lang an der Gift-Infusion hängen. Ob die behandelnden Ärzte noch irgendeine Hoffnung haben oder wenn nicht, warum sie zu solchen Keulen greifen, weiß ich auch nicht und wollte es ihr gegenüber nicht unbedingt thematisieren.

 

18.12.- Auf unseren Jahrestag !

Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde an mir gesägt, gebohrt, gefräst und ich habe Bekanntschaft mit meinem Titan-Hüftgelenk gemacht. Ein Jahr soll es dauern bis der Körper „vergessen“ hat, dass das neue Teil nicht immer da war. So ganz ist das bei mir nicht der Fall, aber nicht wegen des neuen sondern wegen des alten Hüftgelenks, das begonnen hat gelegentlich zu zicken. Es ist aber noch nicht soweit, das ganze Procedere noch einmal zu durchlaufen. Ein, zwei Jahre wird das andere Gelenk schon noch funktionieren. Ganz vergessen kann ich also das Thema „Hüfte“ noch nicht, aber ich kann mich gut erinnern, wie es war, jeden Schritt zu spüren und immer zu überlegen, ob es sich nun lohnt, diese fünf Schritte mehr zu machen oder doch nicht. Ich habe also zwar noch nicht vergessen, dass ich ein künstliches Hüftgelenk habe, aber das wirkt sich durchaus auch positiv aus, weil ich mich immer noch darüber freuen kann, wie wunderbar es ist, zu gehen ohne ans Gehen denken zu müssen.

Wegen einer ganz harmlosen Bemerkung, die ein Kollege von mir ganz nebenbei gemacht hatte, habe ich mich am meisten gefürchtet. Er erzählte, dass man in der ersten Zeit nach der OP schon ziemlich hilflos wäre. Das hat mich mehr geschreckt als alles andere. Es war aber gar nicht so. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich hilflos gefühlt. Ein paar Stunden nach der OP hat mich der Physiotherapeut aus dem Bett geschmissen, der Katheter wurde entfernt und ab diesem Zeitpunkt ging es stetig immer nur aufwärts. Am Anfang war es wichtig, den 90Grad Winkel im Gelenk nicht zu unterschreiten, das war manchmal etwas mühsam, aber es hat sich doch für alles eine Lösung gefunden und nach 4 Wochen konnte ich ohne Krücken gehen, manche Bewegungen noch nicht machen, aber immerhin. Ab der 9. Woche habe ich Reha gemacht und am Tag nachdem ich von der Reha zurück war, habe ich wieder zu arbeiten begonnen. Großartig waren die Momente des „zum ersten Mal wieder …..“ Zum ersten Mal wieder tief gebückt, zum ersten Mal wieder Absätze getragen, zum ersten Mal wieder Brustschwimmen, zum ersten Mal wieder Schneidersitz. Es waren echte Highlights.

Nein, es war insgesamt nicht furchtbar und ich habe keine allzu große Angst vor dem zweiten Durchgang.

 

 

Ausweglos – Montag 16.12.19

Sehr schwer fällt es mir passende Worte zu finden um mit meiner Kollegin zu kommunizieren. Einer Kollegin, die immer sehr nett und hilfsbereit war, die eine sehr gute Lehrerin war. Nun hat sie vor ein paar Tagen die erste Chemotherapie bekommen, ohne dass irgendjemand daran glaubt, dass die Therapie heilen kann, die Ärzte nicht, die Patientin nicht, die Angehörigen und das Umfeld nicht. Angesichts des Todes muss menschlicher Austausch authentisch sein, sonst lässt man ihn lieber bleiben. Authentisch kann aber nur der Zugang sein „ich weiß, dass du bald sterben wirst und ich wünsche dir ganz herzlich, dass du die verbleibende Zeit gut leben kannst.“ Aber will sie das hören? Will sie vielleicht lieber hören „Gute Besserung, das wird schon wieder “ und wenn die Töne noch so unecht sind.

Hüten muss man sich davor, sich  besonders arm und überfordert zu fühlen, weil man mit einer solchen Situation umgehen muss. Hüten muss man sich aber auch vor den falschen Tönen. Andererseits wem steht es eigentlich zu, die Patientin zu zwingen der Wahrheit ins Auge zu sehen? Vielleicht will sie sich lieber in eine Scheinwelt flüchten und/oder auf ein Wunder hoffen ? Falls das so ist, wie geht man nun damit um …

Freitag 29.11-

Ob wohl eine fortgeschrittene Demenz die absolute Erfahrung des „Hier und Jetzt“ bewirkt ? Wohl eher nicht. Es wird , wie so vieles, ganz anders sein, als man es sich vorstellen kann. Die medizinische Forschung ist beim Thema „Demenz“ nach wie vor um keinen konkreten Schritt weitergekommen. In einer an sich ganz guten medizinischen Zeitschrift, deren neueste Ausgabe ich gestern beim Zahnarzt gelesen habe, wird Vorbeugung empfohlen: Bewegung, gesunde Ernährung und Pflegen von sozialen Kontakten. Genau dasselbe, was auch für langes Leben und zur Behandlung von allem wofür es keine Behandlung gibt, empfohlen wird.

Seit ein paar Tagen hängt ein Plakat des  Wiener St.Anna-Kinderspitals:  ein Kind mit haarlosem Kopf, also in Chemotherapie, und in ziemlich großen Lettern „forscht schneller“. Seltsam, an wen das wohl gerichtet ist. Das St. Anna ist selbst auch ein Ort der Forschung zum Krebs bei Kindern.

Die conditio humana lauert hinter vielen Ecken mit vielen Tragödien. Kaum jemand schafft es, seinen Slalomkurs durchs Lebens so zu gestalten, dass alle diese Ecken vermieden werden.

Freitag 27.9.19

In zwei Tagen ist es endlich vorbei mit diesem widerwärtigen Wahlkampf. Unendlich viele Fernsehdebatten, , was sich auf den social medias abspielt, ist jenseitig, Grins-und-sonst-nix-Plakate. Allerdings bieten diese dümmlichen Plakate den kreativen Beschmierern Umgestaltern viele Möglichkeiten. Hofers Hitlerbärtchen gehört zu den weniger originellen Werken. Sehr gut gefällt mir die Variante des FPÖ-Plakats mit der Ansage „Rot-grün gefährdet deine Zukunft“, das „deine“ eingeringelt und mit einem Pfeil zu Hofers Foto hin versehen. Nicht dass es irgendeine halbwegs realistische Möglichkeit für eine rot-grüne Regierung gäbe, aber die türkis-blaue Variante ist eventuell auch nicht mehr so sicher, weil die „Einzelfälle“ der FPÖ ein Ausmaß annehmen, dass sogar Sebastian Kurz  leise Zweifel zu beschleichen scheinen.

Unerwartet anstrengend an meinem Stundenplan sind die beiden aufeinanderfolgenden Abende. Insgesamt wird aber das letzte wohl ein bequemes Schuljahr werden. Insgesamt komme ich mir total gesund und fit vor im Vergleich zu dem, was einigen Kollegen passiert. Sehleistung von 5% auf einem Auge, Oberschenkelhalsbruch beim Radfahren, totale Bettruhe wegen Schwindel aufgrund von extremem Augendruck, Herzmuskelentzündung. Unglaublich kurz ist der Schritt von jung und dynamisch zu sehr krank. Herbstliche Überlegungen, Vergänglichkeit und Verfall ….

6.9.19 – erste Woche abgehakt

Eine ganze Woche Schule durch und die Vorzüge und Nachteile des neuen Stundenplans sind ziemlich ausgelotet. Mir scheint, dass die Vorzüge deutlich überwiegen. Ein paar winzige Details sind nicht so toll, aber – wie ein Schüler sehr richtig über seinen eigenen Stundenplan sagte „man kann aus allem ein Drama bauen“. Also, ich baue nicht, bin sehr zufrieden und darf nicht vergessen, mich bei den Stundenplanmacherinnen zu bedanken.

Erstaunlich ist, was mein neues TV-Modem alles kann. Vielleicht gibt es das alles eh schon seit vielen Jahren und jeder Kabelfernsehnutzer findet es ganz banal, aber für mich ist es neu, dass es eine Funktion gibt, mit der man – wenn man mitten in einer Sendung den Fernseher aufdreht – die Sendung wieder von Anfang an sehen kann oder dass man Sendungen aufzeichnen und in einer persönlichen Mediathek speichern kann. Auf die Arte-Mediathek komme ich allerdings nach wie vor nur über internet. Nix ist perfekt.

Und schließlich merke ich, dass ich doch noch ziemlich gern unterrichte. Der administrative Kram rundherum wird immer mehr und nervt beträchtlich, aber die Kommunikation mit Schülern und Studierenden ist schön, nach wie vor. Beunruhigend finde ich, dass sich die Schulärztin aus unter ärztliche Schweigepflicht fallenden Gründen entschlossen hat, eine Notfallinterventionsgruppe von LehrerInnen zu bilden, und auch für alle anderen an der Schule beschäftigten Personen Verhaltensanweisungen für den Fall von Suizidankündigungen von SchülerInnen zusammenzustellen. Sie veranstaltet auch Impfaktionen, was ich sehr, sehr gut finde.

Der Lieblingsasiate gegenüber der Schule hat natürlich immer noch die genau gleiche Speisekarte wie Ende Juni. Never change a running system ! Ich gehe aber ohnehin höchstens einmal in der Woche hin, da passt das schon.

Freitag 30.8.19 – Rollstühle und Toiletten

Zwei Rollstuhlfahrerinnen soll es in diesem Schuljahr unter unseren Schülerinnen geben. Zwei scheinbare Barrieren mussten dafür beseitigt werden. Vom Gehsteig zum Erdgeschoss des Schulgebäudes führen ein Dutzend Stufen. Ziemlich absurd, aber so hat man eine Zeit lang alle Häuser gebaut. Sehr hohe Stufen übrigens, wie ich aus meiner letzten Zeit vor der Hüft-OP weiß. Aber es gibt daneben auch einen kleinen Treppenlift, der zwar noch nie benutzt wurde, aber offenbar funktioniert, sonst hätten die beiden Mädels nicht aufgenommen werden können, denn es gibt nur diesen Eingang. Die zweite Scheinbarriere waren die Toiletten. Das Haus hat in jedem Stockwerk eine Behindertentoilette, die von den Lehrerinnen und Lehrern genützt und mit dem Generalschlüssel gesperrt wird. Natürlich sind diese Generalschlüssel nicht für die Schülerschaft bestimmt, daher müssen die Schlösser gewechselt werden, sodass die beiden Rollstuhlfahrerinnen Schlüssel bekommen, die diese Klos sperren nicht aber die Lehrerzimmer. Eigentlich wirklich einfach …..

Klug finde ich, dass die beiden Mädchen zu zweit sind, also nicht eine Rollstuhlfahrerin als Pionierin durch die Schule rollen muss. In diesem Gebäude gibt es keinen bautechnischen Grund, warum keine gehbehinderten Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden könnten. In unserem alten Schulgebäude, dass umgebaut wird, wäre das nicht möglich gewesen, weil es keinen Aufzug gab. Interessierte Jugendliche und deren Eltern wurden wohl darauf hingewiesen, dass es in Wien alle Oberstufenschulformen auch in einer Integrationsform gibt sogar mit angeschlossenem Internat. Trotzdem ist es doch sehr begrüßenswert, wenn junge Rollstuhlfahrerinnen aus ihrem geschützten Kosmos herauskommen und eine ganz normale Schule besuchen. Kleinigkeiten wie geeignete Computerplätze für Rollstühle oder Ähnliches werden sich sicher einrichten lassen