Schlagwort: GESEHENES –

Integrationsnähmaschinen

Die österreichischen Medien, zumindest die, die ich konsumiere sind jetzt eingeschwenkt auf Integrationsberichterstattung. Also man erfährt über (Aus)bildungsprojekte, über Qualifikationen für den Arbeitsmarkt, die Flüchtlinge hätten und ähnliches mehr.

Kürzlich sah ich einen Bericht über ein paar junge Afghanen, die eine Schneiderausbildung hätten. Man sah strahlende junge Männer, die auf uralten Nähmaschinen (wo die wohl herkamen) ein paar Stücke Stoff zusammennähten. Das in einem Land aus dem die ehemals florierende Textilproduktion  praktisch in ihrer Gesamtheit nach Asien ausgelagert wurde. Der Bericht über die Schneider lag irgendwo zwischen rührend und ärgerlich.

Lokalaugenschein

Seit langem hatte ich mal wieder Zeit fotografieren zu gehen und bin an vielem Alltäglichen hängengeblieben.

An den unglaublichen Preisen für Dinge, die aus allermiserabelsten Rohstoffen in mehr oder weniger Sklavenarbeit erzeugt werden und die die Leute trotzdem kaufen. Die Armut oder die Gier der einen zementiert die Armut der anderen. IMG_7232Offenbar kümmert sich die Strassenverkehrsordnung auch um den Besuch von Lokalen 🙂IMG_7254

Auch die Polizei war unterwegs. Es gab in dieser Straße mehrere Bettler, deren Dokumente sie kontrolliert haben und die sie dann in Ruhe ließen. Ich frage mich, welche Art von Dokumenten das gewesen sein können …  IMG_7263

Expressives Wochenende

Vorige Woche waren wir in einer Expressionisten-Austellung mit dem großartigen Titel „Farbenrausch“. Im Leopold-Museum im Wiener Museumsquartier. Ich bin ja ein großer Nolde-Fan und habe in den letzten Jahre mehrere große Ausstellungen seiner Bilder gesehen. Auch bei dieser waren etliche Nolde-Bilder dabei, aber vor allem Bilder von Künstlern vom Blauen Reiter und einigen anderen. Zum Beispiel von einem sehr vielseitigen Einzelgänger: Christian Rohlfs.

Interessant in dem Zusammenhang ist, dass es ja nur ganz wenige bekannte österreichische Expressionisten gibt: Schiele, Kokoschka und eventuell Klimt an wenigen besonderen Tagen.

An diesem Wochenende haben wir selbst expressiv gemalt. „Wir“ ist eine Malgruppe, die ich vor ein paar Jahren gegründet habe. Wir sind neun Leute und eine Meisterin und treffen uns viel zu selten aber doch. Diesmal habe ich wieder einmal sehr geschwelgt in den Formen und Farben …..

IMG_6449

Seminar über Weinkellern

Unser Seminarhotel, ein einfühlsam renovierter Teil der 700 Jahre alten Burganlage von Retz liegt gleich neben dem Hauptplatz der Stadt. Also, wohl eher Städtchen, 4208 Einwohner. Der heutige Hauptplatz war der Dorfanger. 1180 wurde das damalige Dorf „Rezze“ erstmals urkundlich erwähnt, 1300 gründete man die Stadt Retz. Aber schon 1295 wurde die Dominikanerkirche fertiggestellt. Kaiserlich-königliches gibt es ja in Österreich überall, hier habe ich die Abkürzungen originell gefunden

IMG_5875

Der älteste erhaltene Teil der Stadtmauern, dieser Turm wurde 1425 gebaut. IMG_5887 IMG_5892

Rund um Retz liegen Weinberge und Weinberge und Weinberge. Ein großer Teil der Stadt ist unterkellert mit Weinkellern, Weinkellern und Weinkellern. Es gibt einen Weinwanderweg und Weinradwege….. Es ist aber eine sehr schöne Landschaft, in der Nähe liegt ein Nationalpark mit 300Km Wanderwegen. In Retz selbst steht die einzige betriebsfähige Windmühle Österreichs. Leider hatte ich keine Zeit sie zu besuchen, ich war ja nicht auf Urlaub. Als nette Kuriosität verkehrt am Wochenende ein Nostalgiezug, ich glaube es ist eine Schmalspurbahn, die „Reblausexpreß“ genannt wird.

Die Reblaus gehört hierzulande zur Kulturlandschaft 🙂 Von Hans Moser wurde sie in einem Wienerlied besungen. Ich persönlich bin ja kein fan von Wienerliedern, aber dieses ist so bekannt, dass sogar ich es kenne.

I muaß im frühern Lebn eine Reblaus gwesen sein
Ja, sonst wär die Sehnsucht nicht so groß nach einem Wein
Drum tu den Wein ich auch nicht trinken sondern beißen
I hob den Rotn grod so gearn als wie den Weißn
Und schwörn könnt ich, dass ich eine Reblaus gwesn bin
Ich weiß bestimmt, ich hab gehaust in einem Weingarten bei Wien
Drum hab den Gumpoldskirchner ich so vom Herzen gern
Und wonn i stirb möcht i a Reblaus wieda werdn

IMG_5896

Die Fotos sind zum größten Teil miserabel aber sie geben immerhin einen Eindruck , wie es im Retzerland  so aussieht

Machtübernahme

Praça do Comércio oder Terreiro do Paço oder Sturz der Regierung – Lissabon

Einer der schönsten Plätze, die ich kenne. Die Harmonie der Architektur, die Weite, die entsteht, weil der Platz direkt in den Fluß übergeht, das großartige Licht, der Torbogen in die Stadt hinauf.

Vor dem großen Erdbeben von 1755 stand hier der Königspalast daher hieß der Platz Terreiro do Paço (Palastgründe, Palastgelände) Nach dem Wiederaufbau der Stadt nannte man ihn Praça do Comércio (Platz des Handels) In den letzten Jahren war hier eine riesige Baustelle, weil der Platz umgestaltet werden sollte. Nach jahrelanger Umgestaltung ist der wesentliche Unterschied zu früher aber wohl die Verbannung der Autos. Durch die rücksichtslose Verparkung war viel von dem Flair verlorengegangen. Jetzt atmet der Platz wieder ….

Hier am Rande des Platzes, gleich am Wasser, neben einigen Überresten der Mega-Baustelle und zwischen einer Mischbevölkerung von Touristen und Obdachlosen läßt sich auch das Rätsel lösen, wer denn nun nach dem kürzlichen schwierigen Wahlergebnis die Macht übernehmen wird. Aus der Luft kommend  rotten sich die künftigen Machthaber des Landes schon zusammen.

IMG_5575Ob sie über die Weiterführung der Austeritätspolitik beraten oder Anti-Merkel-Kundgebungen planen, kann man noch nicht sagenIMG_5576Jedenfalls wird der Triumphtanz der Eroberer bereits geprobt.Man beachte die elegante Fußarbeit IMG_5577