la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


3 Kommentare

28. Station der Lesereise – Großbritannien 2

Anne Perry

„Des anderen Feind“

Goldmann: 2018

ISBN: 978-3-48703-5

Anne Perry hat zwei Serien von historischen Krimis geschrieben, die beide im London des viktorianischen Zeitalters spielen. Die Serie zu der dieser Roman gehört, hat zwei Hauptfiguren: Esther Latterly, die gemeinsam mit Florence Nightingale im Krimkrieg Krankenschwester war und William Monk, der im Laufe der Geschichten Polizist, dann Privatdetektiv und schließlich Kommandant der Londoner Wasserpolizei wird. Es gibt Romane. in denen eine der beiden Figuren, die Hauptperson ist und solche, in denen beide für die Handlung ziemlich gleich wichtig sind. Im Laufe der Zeit kommen sie einander näher und heiraten schließlich. Im vorliegenden Buch sind sie schon ein paar Jahre verheiratet und das Straßenkind, das sie vor einigen Jahren zu sich genommen haben, ist so gut wie erwachsen und spielt in der Handlung auch eine Rolle.

Dieser Roman spielt in einer ungarischen Zuwanderer-Community in London. Allzu viel dürfte sich die Autorin nicht mit Ungarn beschäftigt haben, denn die Ungarn werden hauptsächlich dadurch beschrieben, dass sich ihr Essen durch hervorragende Würzung von der englischen Kost unterscheidet. Ich verkneife mir jede weitere Bemerkung dazu. Auch das viktorianische Ambiente kann die Autorin besser, was nicht heißt, dass es schlecht wäre. Es handelt sich hier nur nicht um ihren besten Roman.

Ich fand, dass die Geschichte eine Weile braucht um in die Gänge zu kommen, einen spannenden Mittelteil hat und dann ein für die Leserschaft unmöglich zu erratendes Ende. Nach dem gemächlichen Tempo der Handlung, ist das Ende etwas abrupt und überraschend. Insgesamt aber ein flüssig zu lesender Krimi mit vielen sehr gut herausgearbeiteten Personen und auch ein paar eher schemenhaften in einem viktorianischen Londoner Ambiente. Genau das richtige für leichte, unterhaltsame Schnell-Lektüre.

Hier geht´s zu meiner Lesereise


21 Kommentare

Vieles aber nicht alles stammt aus China

Eines meiner Lieblingszitate aus dem Talmud habe ich gerade zufällig mit der Angabe „Chinesisches Sprichwort“ auf einem blog gefunden.

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Talmud oder auch nicht (siehe Kommentare)

Man könnte sagen, dass es ganz egal ist, woher Weisheit kommt. Trotzdem finde ich korrektes Zitieren wichtig.

 


8 Kommentare

25.Station der Literaturweltreise – Japan 2

Kazuo Ishiguro

„Als wir Waisen waren“

Heyne: 2016

ISBN 978 – 3- 453-421554

Meine literarische Weltreise

Ich habe noch keinen Ishiguro gelesen, den ich nicht großartig gefunden hätte; so auch diesen. Daher habe ich meine Zentralasienreise für einen Abstecher nach Japan bzw China unterbrochen.

Es ist eine ziemlich wilde Geschichte, die hier erzählt wird. Ein junger Engländer ist in den 1930er Jahren in London als Detektiv sehr erfolgreich. Über diese Tätigkeit erfährt man aber nichts und sie ist auch für die Geschichte nur insofern relevant als man als Leser annehmen kann, dass  der Erzähler im Bereich der Recherchen kompetent ist. Dieser junge Mann ist im International Settlement in Shanghai aufgewachsen gemeinsam mit Kindern aus aller Welt. Als er ungefähr zehn ist, verschwindet zuerst sein Vater, kurz danach auch seine Mutter und er wird nach England zu seiner Tante geschickt ohne dass das Verschwinden der Eltern aufgeklärt worden wäre.

Die Nachforschungen nach dem Verbleib seiner Eltern betreibt er jahrelang und systematisch. Ein Zeitstrang des Romans erzählt seine Kindheit in Shanghai, der andere die Gegenwart, in der er schließlich selbst nach Shanghai fährt um seine Recherchen abzuschließen.

Ich fand es manchmal schwierig zu sehen, ob der Erzähler sich kurz in ein Fantasiereich verirrt hat oder sich in der Realität befindet. Auch die Auflösung des Rätsels stellte mich vor die Frage, ob solche Vorfälle damals in Shanghai möglich gewesen wären. Es ist eine äußerst spannende Handlung, die in einigen Sequenzen ihre Figuren durch die Hölle gehen lässt, in anderen Erinnerungen aus einer behüteten Kindheit erzählt.

Auch mehrere Nebenfiguren sind sehr plastisch und interessant. Der beste Kindheitsfreund, der darunter leidet, dass seine Eltern ihn nicht japanisch genug finden und dem der Erzähler unter schrecklichen Bedingungen wieder begegnet. Die englische Lady, die auf der Suche nach einem ganz besonderen Mann ist und sich in eine grässliche Ehe verirrt. Die Adoptivtochter des Erzählers, eine sehr interessante Persönlichkeit

Opium spielt in dem Roman eine Rolle. Nach zwei Opiumkriegen, in denen die Briten China den Import der Droge aufzwangen, wird  zum Zeitpunkt der Erzählung Opium von Briten und Chinesen gemeinsam vertrieben. Die Opfer sind zahlreich, die Gewinne gigantisch. Auch der zweite japanisch-chinesische Krieg spielt in dem Roman eine Rolle. Zu dem Zeitpunkt der Handlung sind die Japaner bei der Eroberung Shanghais gerade sehr weit gekommen.

Klingt nach einem Action-Roman. Das ist es aber keineswegs, es ist ein Text mit der Qualitätsmarke „Ishiguro“.


4 Kommentare

24. Station der Literaturweltreise – Tschechien

Lenka Hornaková-Civade

„Das weiße Feld“

Verlag Blessing: 2017

ISBN 978-3-89667-582-8

Meine Literaturweltreise

Das Leben von drei Generationen von Frauen, die alle ohne Vater aufwachsen, wird in diesem Roman beschrieben. Magdalena, die in den 1930er-Jahren in Wien lebt und von dem jüdischen Arzt für den sie arbeitet eine Tochter hat, zieht nach Verschwinden dieses Mannes in ein winziges Dorf in der heutigen tschechischen Republik. Magdalenas Tochter Libuce wächst dort auf und bekommt ihrerseits auch eine Tochter: Eva.

Ein interessantes Buch, das gewissermaßen einen Nebenschauplatz des 2. Weltkriegs beschreibt, das Leben von Menschen an der Peripherie des großen Weltgeschehens. Vom aufkommenden Naziregime bis zum Realkommunismus erlebt Magdalena die beiden ganz großen Katastrophen des Jahrhunderts; Von der Flucht aus Wien bis zu der Konfiszierung ihres erfolgreichen Gasthofs in dem kleinen mährischen Dorf unter kommunistischem Regime.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Erzählperspektive von einer Frau an die nächste übergeht und dadurch die Personen und Geschehnisse von verschiedenen Blickpunkten aus beleuchtet werden.

Die Autorin Lenka Hornaková-Civade wurde in der damaligen Tschechoslowakei in der Provinz Mähren geboren und wanderte 1991 nach Frankreich aus, wo sie an der Pariser Sorbonne Wirtschaft und Philosophie studierte. Der vorliegende Roman ist ihr erster, der  in französischer Sprache geschrieben wurde. Eva, die Enkelin von Magdalena, hat die große Sehnsucht nach Paris zu reisen. Vielleicht hat der Roman einen zumindest teilweise autobiographischen Hintergrund.


16 Kommentare

Optimisten versus Pessimisten

Eine höchst interessante Zusammenstellung von Statistiken und Berichten über alle möglichen Bereiche des Lebens, die den Titel des Werks belegen. Eine Lektüre, die Optimisten und Pessimisten auf unterschiedliche Art bereichert.

Aus einer anderen Publikation stammt das folgende Zitat:

„Die Frontstellung zwischen Optimisten und Pessimisten ist uralt und wurde im 18.Jahrhundert exemplarisch von 2 Philosophen ausgefochten: der deutsche Aufklärer Gottfried Wilhelm Leibnitz erdachte das Modell einer von Gott etablierten Harmonie, in der gutes wie Böses enthalten ist, insgesamt jedoch die Möglichkeit zum Erreichen der „besten aller Welten“. Sein französischer Widersacher Voltaire schrieb daraufhin den satirischen Roman „Candide“, in dem die Hauptfigur durch eine Serie von Katastropehn, Schlechtigkeiten und Miseren stapft und dabei in irrwitziger Verblendung dennoch immer die beste aller Welten zu erkennen glaubt.

Voltaire hat Leibnitz mißvestanden, wohl absichtlich, denn Leibnitz hatte nie gemeint, die Welt habe einen paradiesischen Zustand erreicht und sei frei von Leid. Doch die Verhöhnung des vermeintlich Blauäugigen saß, und „Candide“ wurde trotz der Zensurversuche der Kirche ein sensationeller Erfolg. Für die Leserschaft des 18. Jahrhunderts war allein das desaströse Erdbeben von Lissabopn im Jahr 1755 Beweis genug für die Tragik der menschlichen Existenz .“

Robert Treichl in „Profil“ 52/2017

Mit der Interpretation von „Candide“ als rein  satirischem Roman bin ich nicht ganz einverstanden, aber darauf kommt es in diesem Zusammenhang nicht an.

Die Gehirnforschung ist schon lange bei der Erkenntnis angekommen, dass das menschliche Gehirn äußerst flexibel ist und sich in jedem Alter noch selbst umprogrammieren kann. Zwar erfordert dies viel Übung und viele Wiederholungen, aber es ist möglich.

Ich sinniere darüber, wie sich die Weltanschauung, dass das Leben sehr viel Leid bereithält, jeder Mensch aber trotzdem in kleinen und großen Dingen viel Freude und Glück finden kann, in die Kontroverse zwischen Optimisten und Pessimisten einreihen lässt. Vielleicht ist sie auch deren Auflösung ?


3 Kommentare

Wien 1919 – Der zweite Reiter

 Alex Beer

„Der zweite Reiter“

Verlag Limes 2017

ISBN: 978-3-641-19292-1

 

Wien 1919, der erste Weltkrieg ist vorbei:

„Der Kaiser war ins Exil gegangen, die Kronländer hatten sich abgespalten, und Österreich war nur noch ein klägliches Überbleibsel, das kaum lebensfähig war. Genau wie seine Einwohner.Es mangelte an allem. An Lebensmitteln, an Kohle, an Seife, an Kleidung. Die Menschen hungerten, froren und stanken. Sie prügelten sich um faules Pferdefleisch oder schimmlige Kartoffeln und teilten sich mit Flöhen ihre Betten. Es gab keine Arbeit und keine Medikamente, dafür umso mehr Verbrechen und Krankheiten.“ p. 9

Trostlose Zeiten. Es gibt Schwarzhandel, Auswanderungsvereine, massive Obdachlosigkeit. Zu dieser Zeit spielt die auch durchaus interessante Krimihandlung. Der Kommissar ist eine sehr gut gezeichnete Figur, ein Überlebender des Kriegs mit einer verletzungsbedingten Gehbehinderung, der selbst unter recht prekären Verhältnissen lebt, sein Assistent, Spross einer reichen Adelsfamilie. Das Wien in dem sie ermitteln ist ein ziemlich grausiger Ort, der aber durchaus bekannte Orte zeigt.

Natürlich ist der Autor kein Zeitzeuge, aber das Ambiente in Wien kurz nach dem 1. Weltkrieg scheint mir gut getroffen zu sein. Wenn man dann bedenkt, was noch nachkommen wird, können einem die Romanfiguren fast leid tun.

Auch ein interessanter Aspekt: Heroin war damals ein völlig legales Schmerzmittel, dessen Suchtpotential entweder nicht bekannt war, oder totgeschwiegen wurde.

„Heroin wurde überall als Wundermittel gepriesen. Es fand sich sogar im Hustensaft für Kinder.Er sollte dankbar sein, statt skeptisch und den versöhnlichen Blick genießen, den ihm das Medikament auf die Welt gewährte.

Wie zur Bestätigung tauchte vor ihm eine Litfaßsäule auf – Ein Spiegel ihrer Zeit. Waren bis vor kurzem Einberufungsbefehle, Kriegsdepeschen und Gefallenenlisten darauf plakatiert, so wandten sich die Ankündigungen mittlerweile wieder positiven Dingen zu –  Wohltätigkeitsabende wurden angekündigt, Theaterstücke angepriesen und neue Produkte feilgeboten. Vielleicht war Winters unerschütterlicher Optimismus doch nicht so fehl am Platz.“

Einzig die Sprache hat mich nicht restlos überzeugt. Der Autor schwankt zwischen Wiedergabe von wienerischer Mundart und Kompromissvokabular für den deutschen Leser. Aber das ist auch ein schwieriger Punkt, an dem sich viele Autoren die Zähne ausbeißen.

Insgesamt keine erheiternde Lektüre, aber eine gut gebaute Krimihandlung mit überraschendem Ende und ein realistisch beschriebener Hintergrund. Sehr empfehlenswert.