la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Dienstag 20.5.19 – Stiegen, Treppen und Villen

Politisch turbulente Zeiten, sehr turbulente, aber auch überaus interessante Zeiten und es besteht durchaus Hoffnung, dass sich nach dem reinigenden Sturm so manches anders zusammenfindet und neu bildet. Jedenfalls,  was für ein Glück, dass in der Hofburg Alexander van der Bellen residiert und nicht der andere Kandidat zum Amt des Bundespräsidenten, der nun FPÖ-Obmann geworden ist. „Wir kriegen das schon hin“ hat van der Bellen in einer unerwarteten Rede gemeint. Die Formulierung würde mir gut gefallen, wenn sie mich nicht an „wir schaffen das“ erinnern würde.

Wunderschöne Häuser aus dem 19. Jahrhundert gibt es in Wien. Barrierefrei sind sie nicht. Viele solche Häuser, mit geschnitzten Toren, bunten Glasfenstern in den Gängen, schmiedeeisernen Geländern sind von der Straße her nur über Treppen zugänglich. In vielen wurden nachträglich Lifte eingebaut, man muss aber um bis zu den Liften zu kommen Treppen steigen. Gehbehinderte und/oder Rollstuhlfahrer können in solchen Häusern nicht wohnen. Auch Kinderwagen, Einkaufswagen, Koffer sind mühsam zu transportieren. In den Zeiten als diese Häuser gebaut wurden, setzte man offenbar auf unerschöpfliche menschliche Arbeitskraft. Schleppen musste das Gesinde.

In der Hofburg und in den diversen Ministeriumsgebäuden gibt es Lifte im Hintergrund. In sämtlichen Reportagen aber sieht man Politiker und Beamte immer die Prachttreppen zu fuß hinauf und hinuntergehen, elastisch und sportlich natürlich, eigentlich schweben sie mehr als sie gehen, wie Filmstars der alten Schule. Treppen gehören im Öffentlichkeitsgeschäft  zu den ganz wichtigen Requisiten und Hintergründen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass manche der aktiv-elastischen eher als Treppenwitz der Geschichte enden auch wenn die Villen ihres Untergangs ebenerdig waren.


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Ja ……. Jaaaaaa ………Jaaaaaaaaaa !!!

Was für ein großartiger, wunderbarer, denkwürdiger Tag: die FPÖ ist erledigt, der „Vizekanzler Strache“ samt seinem Protégé Gudenus zurückgetreten, die Koalition gekündigt, so bald wie möglich Neuwahlen. Endlich ist auch Kanzler Kunz nicht mehr darum herum gekommen, die FPÖ als nicht regierungsfähig und moralisch verkommen öffentlich wahrzunehmen. Natürlich ist das Filmen mit versteckter Kamera auch sehr bedenklich, aber bei diesem Ergebnis kann man nur dankbar sein, dass es jemand gemacht hat.

Wir sind zur Feier des Tages an die Donau, in die Wachau gefahren. Zu dem Zeitpunkt wussten wir erst, dass Strache zurückgetreten war, was uns auch schon sehr gefreut hat. Ein schöner sonniger Tag. Den F. hat es aufwärts gezogen, mich zur Donau hinunter. Als wir uns zum Abendessen im Gasthaus zum Goldenen Schiff wieder trafen, hörten wir dann die Erklärung vom Kanzler, dass er die Koalition aufkündigt. Ein Grund zum Jubeln.


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Wiens Eingeweide

Gestern war ich in der Gudrunstraße, mitten in Favoriten. Für nicht ortskundige : „Favoriten ist der 10. Wiener Gemeindebezirk. Er liegt südlich der inneren Bezirke, reicht bis an die südliche Stadtgrenze und ist mit rund 200.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste der Stadt. Hier wohnen etwa 10 Prozent aller Einwohner Wiens.“ Das Leben brodelt hier heftig. Döner-Pizza-Schnitzel ,diese faszinierende interkulturelle Dreieinigkeit wird  in jedem dritten Haus im Gassenlokal angeboten. Mehr oder weniger schäbige kleine Lokale sind das. Dazwischen Nagelstudios und Fitness-Center, sehr beliebte Freizeiteinrichtungen.

Viktor-Adler-Markt, früher Ort vieler Heimspiele der Sozialdemokraten, heute fest in FPÖ-Hand. Sollen womöglich hier die Asylantenlager gebaut werden, die der neue FPÖ-Klubchef Gudenus vorgeschlagen hat ? Nicht einmal seine eigene Partei hat sich dazu zustimmend geäußert. Gudenus ist übrigens einer von zwei FPÖ-Politikern, die der Bundespräsident nicht angelobt hätte, wären sie für einen Ministerposten vorgeschlagen worden. Van der Bellen kann einem überhaupt leid tun. Hatte er doch schon im Wahlkampf verkündet, dass er niemals eine FPÖ-Regierung angeloben würde. Es ist ihm nun nichts anderes übrig geblieben.

Reumannplatz in der Nacht. Alle haben es eilig. Unterirdisch fährt die U-Bahn in Richtung Oberlaa. Ich denke mir, ich schaue mir ein bissl die Leute an und fahre mit dem Bus in Richtung nachhause. Eine Weile stehe ich an der Bus-Station und warte gemeinsam mit etwa fünfzehn Leuten. Kein Bus in Sicht. Plötzlich kommt eine Frau vorbei und sagt „Bus nicht da, dort. War gestern so“. Niemand zweifelt an der Auskunft und die Karawane setzt sich in Bewegung. Ein junges Paar, sie im Rollstuhl. Einige verfallen in Laufschritt, es wird doch nicht der letzte Bus für heute sein. An der angekündigten Stelle steht tatsächlich ein Bus und ich bekomme sogar einen Sitzplatz. Der Weg ist weit und das gibt mir Gelegenheit, mir viele Leute anzusehen. Interessant sehen viele aus, nicht so einheitsgeschleckt und normiert wie in den innerstädtischen Bezirken, auch weniger maskenhaft, Geschichten könnten einem da einfallen ….

Schade, dass ich keine Kamera mithatte, ein paar Motive wären sehr ausdrucksstark gewesen, aber wer weiß, ob ich mich getraut hätte.

Wenn ich mir das so durchlese, klingt es recht düster. Ist es auch, aber auch wiederum nicht so dramatisch, dass es in Wien nicht mehr möglich wäre in der Nacht allein durch Favoriten oder sonstwo zu gehen.