Schlagwort: Corona –

Sonntag 15. März 2020

Nun hat Fs Chef endlich home office angeboten mit der hübschen Formulierung, ob er sich vorstellen könne zuhause effizient zu arbeiten. Kann er. Allerdings ist er gerade per Rad aufgebrochen um sich seinen Kopfhörer aus dem Büro abzuholen. Ich hätte gesagt, na kauf dir doch einen gleich ums Eck, aber nein, das geht ja nicht, ab Morgen ist ja alles zu und heute ist Sonntag. Ursprünglich hatte man ja überlegt, die Elektronikgeschäfte offen zu lassen, weil die vielen Menschen, die ins home office gehen wahrscheinlich dies und das brauchen werden, das wurde aber dann nicht verwirklicht. Nur der Lebensmittelhandel, die Apotheken und Drogerien, Tankstellen, Trafiken, Post bleiben offen.

Drakonische Maßnahmen, ja. Jetzt wurde auch eine Ausgangssperre auf österreichisch verhängt. Man soll wenn irgend möglich zuhause bleiben, aber man kann einkaufen gehen, spazieren, aber nur allein oder mit Personen mit denen man ohnehin zusammen wohnt, dringende Erledigungen sind auch ausgenommen. Krisen erfordern drastische Maßnahmen und ich persönlich kann damit gut leben. Das Problem ist , dass man die Erfolge oder Nicht-Erfolge erst zeitversetzt sehen kann. Der heutige Tote hat sich vor mehreren Tagen angesteckt.

Eine der positiven Seiten dieses „Urlaubs“ wird sein, dass meine Terrasse in diesem Frühling wunderbar gepflegt werden wird. Wir kaufen meistens bei einem großen Interspar, bei dem es zwar am vergangenen Panik-Freitag kein Klopapier und keine Küchenrollen gab, aber Pflanzen und Blumenerde. Weiters werde ich viel Zeit zum Lesen und Wohnungräumen haben. Ich muss noch nicht einmal in die Schule, weil das Ministerium die ursprüngliche Idee, die Schularbeiten und sonstigen Prüfungen der Abschlussklassen in Kleingruppen abzuhalten aufgegeben hat. Nicht so gut geht es den Kollegen in den Unterstufen, die die Kinder, die zuhause nicht betreut werden können bespaßen müssen. Man weiß aber noch gar nicht, wie viele das sein werden. Es ist alles flexibel zu improvisieren. An und für sich sind solche Situationen in gewisser Weise auch prickelnd.

13. März 2020 und 1848 – Revolution

13. März 1848 – die Märzrevolution in Wien. Wenigstens ist man Metternich damals losgeworden, der am 13. März zurücktrat, aber die Revolution fand auch schon am 9. November ihr Ende, mit der standrechtlichen Erschießung ihrer Anführer. Verglichen damit, ist es derzeit friedlich.

Ab Montag werden alle Geschäfte mit Ausnahme vom Lebensmittelhandel und den Apotheken geschlossen. Alle Gastronomiebetriebe und Lokale jeder Art müssen um 15:00 schließen. Mit der Begründung, dass die ohnehin schon unter schwierigen Bedingungen arbeitenden Menschen die Möglichkeit haben sollen zu Mittag zu essen. Das ist eine österreichische Lösung, die mir gefällt. Sie trifft die goldene Mitte zwischen Normalität und Dramatik. Überhaupt bin ich vom Krisenmanagement der Regierung beeindruckt. Von den Maßnahmen selbst und von der Transparenz mit der sie kommuniziert werden. Kurz hat Gelegenheit seine rhetorische Brillianz zu zeigen. Als römischer Volkstribun hätte er den Senat permanent vor sich hergetrieben. Allein, wie er allen dankt, die das normale Leben aufrecht erhalten von den Verkäufern zum Gesundheitspersonal und auch allen anderen. Hat mir auch gefallen, obwohl mir klar ist, wie manipulativ sowas sein kann.

Anschober wirkt überaus solide und kompetent. Der Bundespräsident hält eine seiner Kuschelreden, die ich gerne mag, aber inhaltlich nicht so ganz nachvollziehen kann. Er spricht von einem „Team Österreich“, das die Herausforderung gemeinsam lösen wird. Ob das die Leute waren, die heute Vormittag in den Wiener Supermärkten wie die Irren Clopapier gehamstert haben ? „18 Paletten kommen morgen“ sagt mir eine Verkäuferin in dem großen Supermarkt, in dem wir meistens Freitags einkaufen.“aber wie lange die wieder reichen werden, weiß man nicht“. Ganz unter uns: wir wollten auch zwei Packungen Clopapier erwerben, es war aber keine einzige mehr da.

In Tirol werden die Hotels gesperrt und mehrere Gemeinden tatsächlich abgeriegelt. Ausländische Touristen dürfen natürlich ausreisen, die Einheimischen stehen unter Quarantäne. In Tiroler Bergtälern hat es Tradition von der Welt abgeriegelt zu sein … Im Hintergrund sieht man eine Gruppe chinesischer Ärzte, alle mit Mundschutz und Schutzanzug einem Flugzeug entsteigen. Sie kommen um ihre Erfahrungen mit dem Virus weiterzugehen.

Der F hat sich noch nicht entschieden, ob er er auch ins home office zieht. Er ist noch beim Abwägen der Vor- und Nachteile. Man wird sehen. Ich entschleunige einmal. Ungeklärt ist noch, ob wir die Schularbeiten und sonstigen Prüfungen der Abschlussklassen nächste Woche doch durchführen (müssen). Ich verstehe schon, dass es für den ganzen Jahrgang wichtig ist, Matura machen zu können, aber kann man nicht einfach alles um einen Monat verschieben?

Donnerstag 12. März 2020

Wie es aussieht, bleibt kein Stein auf dem anderen. Ab Montag sind alle Oberstufenschulen und Unis geschlossen. Am Mittwoch folgen die Schulen der der 6 bis 14 jährigen, allerdings soll es eine Betreuung geben, für jene Kinder, deren Eltern sie nicht betreuen können. Diese Betreuung wird, fürchte ich, etwas problematisch werden, was passiert sobald jemand vom Lehrpersonal infiziert ist? Und das kann nicht lange dauern, denn die KInder, die zum Glück anscheinend selbst nicht krank werden, sind lebende Virenschleudern.

Zu meiner großen Verblüffung hat Kanzler Kurz angekündigt, dass jene Firmen, die Mitarbeiter zur unbedingt notwendigen Kinderbetreuung freistellen ein Drittel des Gehalts dieser freigestellten Mitarbeiter aus öffentlichen Geldern bekommen sollen. Das ist doch eine wirklich soziale Maßnahme. Überhaupt kommt mir das Krisenmanagement von Kanzler und Gesundheitsminister gar nicht schlecht vor. Die Landsleute werden verstehen, was ich damit meine, wenn ich mir vorstelle, dass die Gesundheitsministerin von der FPÖ, Frau Hartinger-Klein noch im Amt wäre …

Ununterbrochen erfährt man, dass diese und jene Firma schließt oder zumindest den Kundenverkehr einstellt. Es schließen Museen, Großveranstaltungen jeder Art werden abgesagt, sportliche, kulturelle. Wir werden aufgerufen, soziale Kontakte möglichst zu meiden. Durch die Reduktion von Sozialkontakten auf ein Viertel soll eine signifikante Abflachung der Infektionskurve möglich werden.  Es gibt ein errechnetes Szenario, dass, wenn der exponentielle Anstieg der Infizierten nicht gebremst wird, mit 1. April keinerlei Spitalsbetten mehr zur Verfügung stehen würden, die Intensivbetten wären schon Mitte März alle belegt. Leider lässt sich an der Mathematik nicht rütteln.

Ich werde versuchen, mich der Entschleunigung zu widmen, allein.