la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Das Haus der Schatten

Es handelt sich nicht um einen südamerikanischen Roman, sondern um ein Foto. Leider musste ich im Interesse der Gesamtwirkung das Dach beschneiden, was mir gar nicht besonders gefällt. Aber ich finde es wirkt so ziemlich bedrückend. Man kann sich fragen, was wohl in diesem Haus vorgeht.

 


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Donnerstag 21.2.19 – Panflöte und Mitmenschen

Die Klänge der Panflöte gehören für mich zu einer ganz bestimmten Landschaft, dem Hochland der Anden, wie etwa auch die Musik von Dudelsäcken im schottischen Hochland bei Regen und Sturm am besten klingt und der canto hondo, der Flamencogesang nach warmen Nächten im Süden verlangt. Sehr erstaunt hat mich daher wie beschwingt und weit tragend die Panflöte in der Fußgängerzone einer österreichischen Kleinstadt klingen kann. Vielleicht kam das Gefühl der beschwingten Weite auch von mir und nicht von der Panflöte.

Mit meiner Lieblingsrehagefährtin wollte ich ins Kino gehen um die Kultur nicht ganz links liegen zu lassen, aber leider lässt sich ein Kinobesuch nicht mit den Essenszeiten der Anstalt vereinbaren, vom Theater ganz zu schweigen. Das Casino öffnet schon um 11Uhr Vormittag, sodass der Gewinn den ganzen Tag lang fließen kann. Vielleicht gehe ich einmal hin vielleicht auch nicht. Die Langeweile wird mich sicher nicht treiben, ich habe ein ganz dichtes Programm, was ich sehr schätze.

Es herrscht in der Reha-Anstalt ein reges Kommen und Gehen. Dreimal in der Woche gibt es Anreisetage bzw Abreisetage. Ich kenne mittlerweile das halbe Haus, die Lieblingsrehagefährtin ist leider schon abgereist, andere sind nachgekommen, aber diese eine war mir auf den ersten Satz sympathisch und wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Es sind eine Menge netter oder zumindest neutraler Menschen hier, aber auch einige andere.

Höchst nervig finde ich Leute, die in den Genuss einer solch teuren und wirklich guten, auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Reha kommen und deren einziges Thema ist, wie ungern sie doch hier sind. Die Matratzen sind zu hart, die Polster zu weich, das Essen zu gesund, geregnet hat es auch schon einmal und was für eine Zumutung, sie sollen turnen. Warum denn, wenn doch ohnehin erwiesen ist, dass „die Ärzte“ an allen ihren Leiden schuld sind. Selbstverantwortung? Niemals, dafür hat man doch die prinzipiell unfähigen Ärzte und Therapeuten. Solchen Anstaltsgenossen gehe ich tunlichst aus dem Weg oder ich tue meine von ihrer abweichenden Meinung deutlich kund. Immerhin einer der Vorteile des Alters, dass man niemandem mehr nach dem Mund reden muss. Nicht dass ich das früher besonders oft getan hätte.


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Montag 18.2.19

„Hupf in Gatsch“ heißt auf hochdeutsch übersetzt so etwas wie „Spring in den Schlamm“, sinngemäß „geh zum Teufel“. Nun hüpfe ich nicht in den Gatsch sondern lege mich sehr vorsichtig ins Moor. Vorsichtig, weil es ziemlich heiß ist. Ich wollte diese Therapie verweigern, weil ich es lieber kühl habe, bin jetzt aber sehr überrascht, wie angenehm und entspannend das ist.

Auch den Massagen stehe ich seit der Diagnose der beiden Gleitwirbel etwas skeptisch gegenüber. Ich fürchte mich vor zu kräftigen Massagen, die womöglich die Wirbel verschieben. Heute war ich also zu einer ersten Massage eingeteilt und war mir nicht sicher, ob ich sie überhaupt haben wollte und ja klar, ein absolut muskelbepackter Masseur kam auf mich zu. Ich hatte auf eine ganz sanfte Masseurin gehofft, wenn überhaupt. Er war aber so nett und hat mich alle zwei Minuten gefragt, ob eh alles passt und ob er eh sanft genug ist. War er, nur bei den Schultern hat er sich dann ausgetobt, aber insgesamt war auch das eine gute Erfahrung.

Auch das Gehtraining hat begonnen. Hoffentlich geht es mir da nicht wie dem Tausendfüssler, der plötzlich darüber nachdenkt, wie er seine Beine sortieren muss und dann sofort auf der Nase liegt


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Sonntag 17.2.19

Wenn ich auf meinen Schrittzähler schaue, sehe ich da 10.200  und der Tag ist noch nicht vorbei. Mit sicheren Schritten im beginnenden Frühling in den vielen Parks hier herumzulaufen macht glücklich. Ich fühle mich ganz jung und sportlich, obwohl ich ja weder das eine noch das andere bin, aber der Tag und die Bewegung und die Sonne  fühlen sich nun einmal hervorragend an

Die Stadt atmet Geld, geschmackvoll investiertes Geld, muss man schon sagen.  Keine Protzbauten sondern Jugendstilvillen, vorsichtig renoviert, in gepflegten Gärten ohne goldene Gartenzwerge. Eine Gemeinde mit einem Casino und zahlreichen Thermalbädern und Kuranstalten hat natürlich viel Geld.

Abgesehen von meiner Kamera habe ich natürlich auch ein Buch mit. Ich hatte schon länger keinen Yalom mehr gelesen. Diesmal ist es „Denn alles ist vergänglich“ „Geschichten aus der Psychotherapie“. Leicht zu lesen und doch voller Lebensweisheit. Sollte jemand „Und Nietzsche weinte“ noch nicht gelesen haben, wäre das schade. Ich finde, das ist sein bestes. Auch „Die Schopenhauer-Kur“ und „Das Spinoza-Problem“ finde ich auch sehr gut ebenso wie viele von seinen Kurzgeschichten.

Ich weiß nicht recht, ob ich bedauern soll oder nicht, dass das Arnulf-Rainer-Museum heute nicht geöffnet war. Eigentlich wäre es ohnehin schade bei so strahlendem Wetter nicht im Freien zu sein.


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Fühler ausstrecken

Brücke, Straßen, Plätze, der alte Kaiser Franz Josef ist allgegenwärtig. Auch andere Habsburger – die Kaiser-Franz-Straße, der Josefsplatz. Das Ambiente hat insgesamt ein altösterreichisches Flair und viel Kultur. Mir gefällt es auch rund um die Kuranstalt.

Die Kombination zwischen der Kaiser Franz Joseph Brücke und dem chinesischen Lokal finde ich sehr reizvoll.


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Donnerstag 14.2.19

In glühenden Farben beschreibt mir der F. die wunderschöne digitale Rose, die er mir zum Valentinstag schicken würde, wenn sie nicht so groß wäre, dass sie mein W-lan sofort zum Zusammenbruch bringen würde. Ist natürlich ein Schmäh, aber es freut mich trotzdem sehr und der Zusammenbruch des W-lans ist keineswegs ausgeschlossen, es schwankt so dahin und Kaspersky lässt es nur unter ständigem Protest überhaupt durch.

Erstaunlicherweise können Tage, die um 6:00 beginnen sich als durchaus angenehm erweisen. Auch wenn der Tag mit dem Abzapfen von Blut vor 7Uhr nicht besonders vielversprechend begonnen hat, so hat er sich doch gut entwickelt. Zunächst gab es kurze knackige Vorträge, von den einzelnen Abteilungen und der Leitung, die dann insgesamt immerhin fast zwei Stunden dauerten aber streckenweise sehr informativ waren. Dann hatte ich ein Rendezvous mit einem Orthopäden, der die Arbeit seines Kollegen sehr lobte und die Position meines neuen Hüftgelenks als „ideal“ bezeichnete. Was wohl tatsächlich so sein muss, weil sein Blick auf den Bildschirm mit dem Röntgenbild geradezu verzückt war.

Dann durfte ich zum Mittagessen. Auch eigentlich überraschend ist das Essen sehr gut. Wer immer die Küche regiert, ist sehr phantasievoll. Allein schon die Suppen und Salate sind überaus abwechslungsreich und originell.

Nach dem Essen waren zuerst das Krafttraining und dann das Ausdauertraining dran. Ich war sehr froh über meine Kieser-Erfahrungen mit Krafttrainingsmaschinen sonst wäre ich wie die Kuh vorm neuen Tor da gestanden. Ein Ergometer hätte ich schon auch ohne „Vorkenntnisse“ erkannt, aber sonst nichts.  Ich hatte mich ja bisher noch nicht einmal aufs Fahrrad getraut und bin richtig begeistert, wie gut alles funktioniert hat. Das Radln war überhaupt kein Problem, die Kraftmaschinen auch nicht. Anstrengend war alles aber schon. Und ganz besonders der letzte Physiotermin des Tages. Ich habe mich für eine Studie zur Verfügung gestellt, weil ich dadurch noch ein paar Stunden mehr Physiotherapie bekomme.

Zum Abschluss des Tages ging ich noch ein bisschen vor blauem Himmel fotografieren und nach dem Abendessen schließlich beteiligte ich mich noch an einer sehr entspannenden  Malrunde, die von einer etwas überkandidelten aber sehr netten Dame geleitet wurde. Und zum Abschluss gelang es mir, das W-lan lange genug in Gang zu bringen um diesen Beitrag zu schreiben.