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Montag 9. November 2020 – Atelier !!!

In dieser rasenden Woche hätte ich beinahe vergessen, dass wir ja ein ganz gut passendes Atelier gefunden haben. Es ist ziemlich in der Nähe meiner Wohnung und ich bin froh, dass es der D gefunden hat und ich daher nicht verdächtig bin, etwas gesucht zu haben, was ganz in meiner Nähe ist.

Es ist nicht sehr groß, gerade 40m2 mit zwei Räumen und einem winzigen Abstellraum. Der eine Raum hat ein Fenster und ein Tor, die praktisch die ganze Außenwand einnehmen, dafür hat der andere Raum gar kein Tageslicht. Es wird gerade renoviert, wir bekommen saubere Wände und Böden, ein Ausgussbecken mit Warmwasser, neue Glasscheiben, viele Leuchtkörper an der Decke. Die Heizung funktioniert und ist ebenso wie Strom und Wasser in der Miete inkludiert. Es ist etwas teurer als die Schimmelbude und viel kleiner, aber wir müssen keinen Cent in irgendetwas hineinstecken, was wir nicht auch wieder mitnehmen können. Die Stützstangen, die man auf dem Foto sieht, kommen natürlich weg, die halten nicht die Decke – hoffen wir zumindest.

Hier kann man den D bewundern, der sich um Fotos bemüht mit denen er seine Frau überzeugen möchte, die der Sache sehr skeptisch gegenübersteht. Wenn die Bilder nicht schöner geworden sind als meine, sehe ich da schwarz. Seine Frau ist eine liebe Freundin von mir, die ich sehr schätze, aber sie ist in finanziell sehr schlechten Verhältnissen aufgewachsen und hat Sparsamkeit extrem verinnerlicht. Eine zusätzliche Miete fällt nicht unter ihre Vorstellungen von sparsamer Lebensweise. Der Arm in rot gehört entweder unserer Dritten im Bunde, der A, oder dem Verwalter, der uns alles gezeigt hat.

Einen gewissen Bohème-Effekt hat man hier auch: das Klo ist nämlich am anderen Ende des Gebäudes. Man kann entweder durch einen sehr entrischen Keller gehen oder außen um das Haus herum und auf der anderen Seite wieder hinein. Nachdem wir ja in Pandemie-Zeiten leben und das Klo kein Waschbecken hat, dürfen wir auch die daneben liegende ziemlich grindige Waschküche benützen um uns dort die Hände zu waschen. Auch den Müllraum des Hauses dürfen wir benützen. Ich sehe mich schon mit einem riesigen Schlüsselbund !

Die aus meiner Sicht ziemlich scheußliche Holztäfelung können wir weiß streichen, das macht größer und heller. Was mich von diesem Objekt überzeugt, ist der Außenbereich, den wir auch benützen dürfen. Dort sehe ich schon einen Tisch stehen und Staffeleien und ein paar Bilder zum Trocknen in der Sonne. Weiter links ist eine Wiese und die Bäume von denen man einen Teil sieht, sind groß und beschatten die Wiese. Man kann ja im Normalfall gut 8 Monate des Jahres draußen verbringen.

Nun geht´s um den Vertrag. Der D hat es furchtbar eilig, aber ich kann nicht über meinen Schatten springen und einen Vertrag unterschreiben, den nicht eine sachkundige Person meines Vertrauens angeschaut an. Juristentochter eben, wahrscheinlich hat mir mein Vater schon als Säugling beigebracht, dass man niemals, unter überhaupt keinen möglichen Umständen irgendetwas unterschreibt, was man selbst nicht hundertprozentig versteht ohne eine vertrauenswürdige, kompetente Person zu konsultieren. Es gibt dümmere Glaubenssätze. Nachdem das zukünftige Atelier ohnehin erst mit 1. Dezember „beziehbar“ ist, wird meine Manie auch keine Verzögerung erzeugen.Wenn die Hürde mit dem Vertrag genommen sein wird, werde ich mich mit Begeisterung ins Projekt stürzen.

Ateliersuche #1

Die A, der D und ich haben schon vor gut einem Jahr überlegt, uns ein gemeinsames Atelier zu mieten. Dann ertranken wir aber alle in Arbeit und dann kam Corona, aber jetzt ist es so weit.

Bei unserem letzten Malwochenende haben wir zufällig ein paar Häuser neben unserem derzeitigen Malquartier ein Atelier entdeckt, das Plätze vermietet. Aber schon nach einem Anruf bei der Besitzerin des Ateliers war klar, dass diese Plätze tatsächlich nur Plätze an einem größeren Tisch waren, die zur Vermietung standen und das hat uns nicht interessiert.

Heute haben der D und ich das erste in Frage kommende Objekt besichtigt. Ziemlich abgefuckt, aber mit reichlich Platz für drei Leute auch wenn alle drei gleichzeitig anwesend wären, was wahrscheinlich nicht so oft der Fall sein würde. Es ist eine ebenerdige Substandard-Wohnung, was heißt, dass das Klo am Gang neben der Wohnung liegt. Allerdings wurde ein Bad eingebaut mit einer Dusche, die so ungefähr das ärgste an Dusche ist, was ich je gesehen habe. Obendrein wurde innerhalb dieser Duschkabine ganz oben ein Heizstrahler eingebaut. Das ganze sieht aus wie eine Kombination aus Guillotine und elektrischem Stuhl. Das ist aber egal, wir brauchen ja kein Bad und können dort einfach die Tür zumachen.

Über der ganzen Wohnung, die eine Fläche von ungefähr 42m2 hat, wurde eine hölzerne Zwischendecke eingezogen wodurch die Fläche verdoppelt wurde. Die Stiege ist nicht ganz so gemeingefährlich wie sie aussieht.

 

Die Küche ist leer, völlig verdreckt, aber gefliest und mit Wasser- und Elektroanschlüssen

Das zweite Zimmer, ebenfalls völlig verdreckt und mit einem funktionslosen Heizkörper ausgestattet, bietet einen Boden, den man ohne alle Gewissensbisse mit Farbe tränken kann und zwei sehr große Fenster mit Nordlicht. Darüber zwei weitere Räume, in derselben Größe wie diese und ein geräumiger Vorraum ebenfalls mit einer Empore.

Das Haus ist öffentlich ganz gut zu erreichen, die für uns nötige Infrastruktur ist vorhanden: ein paar Lokale, ein paar Supermärkte. Es hat einen Hof mit Fahrradständer und Teppichklopfer und auch ein Stück grün.

Tja, also der Bohème-Faktor ist eindeutig gegeben: alles ist alt, verkommen und ziemlich verdreckt. Aber aufgrund seiner Größe hat es doch ein gewisses Potential. Soviel Bohème, dass man im Winter nicht heizen kann, wollen wir aber nun auch nicht. Der D ist aber handwerklich sehr gut und kann abschätzen wieviel Geld bzw Arbeit wir da hineinstecken müssten.

Ein sehr heftiges Argument für diese Hütte ist ihr Preis. Die verkommene Behausung ist um 250 monatlich zu haben, plus Betriebskosten natürlich, unglaublich billig für drei Leute.