Daggi 2 – Leben im Mittelalter

IMG_7107Annette Großbongardt /Johannes Saltzwedel (Hsg)

„Leben im Mittelalter“

Goldmann 2015

ISBN: 978 – 3 – 442 – 15870 – 6

Aufgabe 12: Ein Buch mit einem Gebäude auf dem cover

 

 

Ein ganz informatives Buch über Alltagsgeschichte des Mittelalters. Geschrieben von – wenn ich mich nicht verzählt habe – 24 verschiedenen Autoren, inklusive Herausgeber. Es beinhaltet vier Kapitel zu verschiedenen Gesellschaftsschichten: Mönche und Klerus, Bauern und Volk, Ritter und Adel, Bürger und Intellektuelle. In jedem Kapitel gibt es ein halbes Dutzend Aufsätze zu diversen Unterbereichen .

Einige Beispiele:

„Die Konzerne Gottes “ von Kristina Maroldt – über Macht und Erfolg der Klöster

„Strafvollzug im Jenseits“ von Rainer Traub – über die Angst vor der Hölle, Bußübungen und Ablaßzahlungen

„Siegeszug der Erbse“ von Nils Klawitter – über Essen im Mittelalter

„Blut und schwarze Galle“ von Frank Thadeusz – darüber dass Ärzte damals den Patienten häufig schadeten

„Ich tumber Man“ von Annette Großbongardt – über die zweifelnden Helden der Artus-Romane

„Das andere Rom“ von Romain Leick – über die Pariser Sorbonne

„Gott den Haushalt führen“ von Angela Gatterburg – über die Beginen, die fromme Frauengemeinschaften gründeten

Ich habe die verschiedenen Aufsätze unterschiedlich informativ und lesenswert gefunden, je nachdem wie sehr mich das Thema interessiert hat. Natürlich sind sie auch unterschiedlich gut geschrieben. Historiker müssen ja aber auch nicht unbedingt gute Geschichte(n)erzähler sein. Obwohl diese Qualität den Beruf populärer machen könnte …

Daggi 1 – Dschungelkind

IMG_20151027_203801Sabine Kuegler „Dschungelkind“

Knaur Taschenbuch; Droemer Verlag  2005

ISBN-13; 978-3-426-77873-9

Aufgabe 39: ein Buch, das nicht in Europa oder den USA spielt

Über die Autorin: Geboren 1972 in Nepal, kam Sabine Kuegler mit fünf Jahren in den Dschungel von West-Papua, wo ihre Eltern, deutsche Sprachwissenschaftler und Missionare, einen neuen Wirkungskreis gefunden hatten.

Über das Buch: In diesem Buch wird die äußerst ungewöhnliche Kindheit der Autorin und ihrer beiden Geschwister bei einem vom Rest der Welt isoliert lebenden Volksstamm in West-Papua beschrieben. Ja, ja, ich wußte auch nicht, wo West-Papua liegt: nördlich von Australien, südöstlich der Philippinen 🙂

Viele Bilder illustrieren die Beschreibung von Sitten und Gebräuchen der Fayu, von Geistern und in Europa unbekannten essbaren Tieren verschiedenster Art. Die Familie lebt wirklich mit diesem Stamm. Bei heftigeren Malariaausbrüchen hätten sie leicht auch dort sterben können. Die Eltern studieren Sprache und Kultur der Fayu, mischen sich aber durchaus auch immer wieder in deren Leben ein. Es gelingt dem Vater der Autorin sogar eine besonders fatale Art der Blutrache, die zwischen „seinem“ und anderen Stämmen besteht zu beenden.

Ein flüssig geschriebener Text, der Sabines Kindheit beschreibt aber auch die Zeit nach West-Papua. Wie schwierig es für sie ist zu lernen, wie man mit Autos, Fernsehen, Telefonen und Geschäften lebt. Der Kulturschock geht sehr tief und wirft Sabine völlig aus der Bahn.

Die Frage wie verantwortungsvoll es von ihren Eltern war die Kinder in einer fremden archaischen Kultur aufwachsen zu lassen wird in dem Buch nicht gestellt. Ich finde aber, sie steht zwischen den Zeilen.

Insgesamt hat mir der Text sehr gut gefallen, weil er einerseits von einem sehr ungewöhnlichen Leben erzählt, und andererseits eine archaische Kultur beschreibt ohne sie zu bewerten, mit liebevollem Blick auf die Menschen und ihr Leben.

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Just a pic – 24

Saudade

Das ist dieses unübersetzbare portugiesische Wort, das in etwas bedeutet „Sehnsucht nach der Vergangenheit“. Saudade ist die Essenz des Fado und wohl auch einer der Gründe für die katastrophale Wirtschaftslage des Landes.

Ich mag diese melancholische Grundstimmung manchmal ganz gerne, halte sie aber nicht lange aus. Nach einer Nacht beim Fado, einer Weile literarisch hochwertigem Jammern und  Klagen und einer ausgiebigen Sitzung Kaffeehausrevolution ist mir dann immer danach zu sagen „Na gut, Leute, aber wie wär´s jetzt mit etwas Aktivität ! “  Tatsächlich halte ich natürlich den Mund, lächle und reise nach ein paar Tagen wieder ab. Schließlich kann ich vieles davon zuhause auch haben. Gleich nach den Portugiesen sind wir Österreicher auch ziemlich gut im Jammern und Klagen und der Kaffeehausrevolution, nur haben wir kein eigenes Wort dafür und jammern auf wohlstandsmäßig höherem Niveau.

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BERGE.txt

Zu den ersten Dingen, die ich überhaupt über ihn erfuhr, gehörte seine Leidenschaft für die Berge. Nicht nur für seine heimatlichen Berge sondern für sämtliche Erhebungen in sämtlichen Landschaften. Ich habe zu Bergen kein Verhältnis. Das macht mich zu einer untypischen Österreicherin. Nachdem ich aber auch zu Lipizzanern kein Verhältnis habe, Walzer tanzen mich nicht in Ekstase versetzt und trinken und Schi fahren auch nicht zu meinen Leidenschaften zählen, kommt es jetzt auf die Berge auch nicht mehr an. Er aber liebt die Berge.

Bergsteigen ist ja wohl ein Sport wie andere auch, dachte ich. Dabei geht´s um Kondition, um Körpergefühl, um Erreichen und Überschreiten der eigenen Grenzen. Dazu kommt der Kick. Der Kontakt mit den Bergen bleibt gefährlich, auch mit noch so perfekter Ausrüstung. Die Endorphine fließen. Der genau richtige Tritt auf den einzig sicheren Punkt. Das Erreichen des Ziels, der Triumph, das Ganz-Oben-Stehen, an den Wolken, nichts um sich herum spüren außer Weite. Die feste Überzeugung auch noch genug Kraft und Konzentration zu haben um wieder hinunterzukommen. Das euphorische Gefühl der Körperbeherrschung bis in den letzten Muskel. So stelle ich mir das vor.

Dazu kommt auch noch das Interesse an Flora und Fauna, an Geologie, an der jeweiligen Region und ihren Menschen. Das nimmt er alles mit, er ist ein universell interessierter und gebildeter Mensch. Aber ob irgendetwas davon der tatsächliche Kern seiner Bergbegeisterung ist ?

Berge und sonstige Erhebungen können auch dazu dienen, auf die Fallen und Schlingen der Welt aus sicherer Entfernung hinunterzuschauen. Hinunter auf emotionale Verstrickungen, auf schwierige Beziehungen zu anderen und sich selbst. Räumliche Entfernung, der Blick von oben können entwirren, klären, Durchblick und Kontrolle ermöglichen oder vorgaukeln.

Nachdem mir das klar geworden war, hatte ich etwas wichtiges verstanden.

Mein Beitrag zum txt-Projekt

 

Lesezeichen – das Mondgrasprojekt 6

Lesezeichen

Dieses habe ich als Zuschauerin eines Kinderfaschingumzugs in Portugal bekommen. Leider ist es schon etwas zerknittert. Ich hatte es in die Tasche gesteckt und nicht mehr weiter daran gedacht. Süß waren sie, die verkleideten Flöhe, wenn´s auch mit dem Ausmalen noch nicht so geklappt hat. Aber ich finde es ohnehin schrecklich, dass Kinder Bilder ausmalen sollen, statt dass sie angehalten werden, selbst zu zeichnen

Karnaval ist Süßigkeiten essen, singen, laufen, die Gesichter schminken, spielen und verkleiden

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Gitter – das Mondgrasprojekt 5

Gitter

Giter und Zäune dienen der Eingrenzung, der Ausgrenzung, der Abgrenzung, dem Schutz . Sie verhindern oft die persönliche Entwicklung, sie verdecken den Horizont. Oft kann man zwar hindurchsehen, aber nicht auf die andere Seite kommen.

Zäune wie dieser, sind nur dazu da, Menschen und Tiere davon abzuhalten ins Wasser zu fallen. Nicht immer sind Worte mit tonnenschwerer Symbolik befrachtet, auch Bilder nicht. Ein Zaun kann auch einfach nur ein Zaun sein, jenseits jeder politischen Anspielung.

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Carnaval em Portugal

Die helle und die dunkle Seite treffen aufeinander und bewerfen sich mit Girlanden 🙂

Ich kann gar nicht beurteilen, ob das Foto nicht ein bissl fad ist, weil ich ja vor meinem inneren Auge das Rundherum sehe, das auf dem Bild nicht zu sehen ist.

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Linien – das Mondgrasprojekt 5

LINIEN

Linien, Lebenslinien, eingegraben in den Stein, vergänglich im Sand. Zufallsprodukte der Erosion, der Flut, des Windes.

Der Mensch leidet, weil er Dinge zu besitzen und zu behalten begehrt, die ihrer Natur nach vergänglich sind. Buddha

Eine Sache ist das intellektuelle Verstehen und eine andere das emotionale Annehmen dieser Tatsache, aber für mich macht das Betrachten des Ozeans, der Ebbe und Flut, des Entstehens und Vergehens der Linien im Sand das Annehmen der Vergänglichkeit viel leichter. Das Kommen und Gehen des Wassers, die ständige Veränderung hat etwas Hypnotisches, dem man sich aber auch wieder entziehen muss. Das Leben ist kurz dennoch kann man es gerade angesichts unserer Vergänglichkeit gestalten und glücklich leben.

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