la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Daggi 15 – der Azteke

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Gary Jennings

„Der Azteke“

Meyster Verlag Wien München 1981

Aufgabe 55: ein Buch mit mindestens 500 Seiten (863 genau gesagt)

Wochenlang habe ich an dem Wälzer gelesen. Der Anfang hat mir gut gefallen. Es ist eine interessante Geschichte: das Leben eines Azteken vor während und nach dem „Eintreffen“ von Cortez. Es macht den Eindruck recht gut recherchiert zu sein und bringt Details aus dem Alltagsleben der Azteken und anderer mittelamerikanischer Völker. So weit so gut, aber schon am Anfang kam es mir doch ziemlich brutal vor. Ich dachte, dass das eben das realistische Lokalkolorit ist. Schließlich gab es bei den Azteken die Menschenopfer bei denen den Geopferten bei lebendigem Leib das noch schlagende Herz herausgerissen wurde und es gab noch weitere extrem brutale Rituale, die in diesem Buch im Detail geschildert werden. Genüßlich kommt mir vor.

Der Autor schreibt sich auch abgesehen von den Opferzeremonien durch sämtliche mögliche Tabubrüche vom Inzest zum Kannibalismus mit verschiedenen Zwischenstufen. Dazwischen gibt es immer wieder mehr oder weniger grausige Details zum damaligen Alltagsleben. Auch die spanischen Konquistadoren werden so beschrieben, dass man sie ungern kennenlernen möchte. Trotzdem, die Geschehnisse sind historisch korrekt und spannend dargestellt. Tatsache ist aber auch, dass mir manche Details richtiggehend Alpträume beschert haben.

Warum ich dann überhaupt weiter- und fertiggelesen habe ? Ich kann es nicht sagen, es hat mich in negativer Weise ziemlich fasziniert. Es gibt vor allem eine Szene aus dem Buch, die mich Wochen später noch nicht losgelassen hat, weil sie irgendwie tiefsitzende Ängste anspricht. Bei einer dieser religiösen Zeremonien wurde eine junge Frau in der Rolle einer Göttin getötet. Schon schlimm genug, aber es wird ihr auch die Haut abgezogen und in diese Haut wird ein Priester der Göttin eingenäht. Die austrocknende Haut zieht sich zusammen und dadurch erstickt der eingenähte Priester langsam.

Es gäbe dann noch eine Fortsetzung dieser Geschichte, aber ich glaube, die werde ich auslassen. Ich bin ohnehin schon ziemlich beunruhigt darüber, dass ich die gesamten 863 Seiten gelesen habe.

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Extrem schlecht waren sie, die alten Zeiten

Da war nicht nur der Kirchenzehnte (zehn Prozent aller Erträge mussten an die Kirche abgegeben werden), den jedermann leisten musste, wollte er nicht „Raub am Eigentum Gottes“ begehen. Auch die Grundherren, gleichgültig ob es sich nun um einen Bischof oder einen adligen Landbesitzer handelte, verlangten Pachtzinsen in Form von Naturalien und Geld.

Bauern, die nicht zahlten, mussten harte Strafen fürchten: „Wer seinen Zins nicht an den festgelegten Tagen gibt, der soll ihn in doppelter Höhe am zweiten Tag zahlen“ heißt es 1230 etwa im „Sachsenspiegel“. Im schlimmsten Fall verloren Zahlungssäumige das Recht, das gepachtete Land an ihre Söhne zu vererben, oder wurden gleich zu Leibeigenen herabgestuft.

Annette Großbongardt / Johannes Saltzwedel (Hsg)  „Leben im Mittelalter“

Die Formulierung „Raub am Eigentum Gottes“ finde ich außerordentlich g´schmackig.


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MAY PEACE SPREAD – MÖGE SICH FRIEDEN VERBREITEN

Jenseits von Religionen und Ideologien gefällt mir die Vorstellung, dass der Wind durch die Gebetsfahnen bläst und damit gute Wünsche über die Welt trägt

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Mögen sie auch bei allen ankommen.

Und das ist ein buddhistischer Text, der ebensogut zu Weihnachten wie zu jedem anderen Tag passt:

„Mögen alle fühlenden Wesen Glück und die Ursache des Glücks besitzen,
Mögen alle fühlenden Wesen von Leiden und der Ursache des Leides getrennt sein,
Mögen alle fühlenden Wesen niemals von der Freude die frei ist von Leiden getrennt sein,
Mögen alle fühlenden Wesen in Gleichmut verweilen, der frei ist von Anhaftung und Ablehnung.“


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Jim Knopf, Darwin und Michael Ende. Lektüre 4

Heute habe ich auf unserem wohnhauseigenen Büchertauschplatz ein ungewöhnliches Buch entdeckt.

IMG_5087Fischer Verlag – Abteilung Wissenschaft – Jim Knopf ? ? dachte ich mir und grapschte mir das Buch.Und es ist wirklich interessant.

Die Autorin, Julia Voss, hat mit diesem Buch 2009 den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa gewonnen. In der Begründung der Jury für ihre Entscheidung heißt es:

In ihrer neuesten Studie entziffert Julia Voss (…) Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ als eine Auseinandersetzung mit der Pervertierung der Evolutionstheorie im Nationalsozialismus.

Michael Ende hatte offenbar eine  große Aversion gegen Charles Darwin. Nach Endes Meinung war die Evolutionstheorie mit dem ihr zugrunde liegenden Prinzip der Auslese der entscheidende Faktor für ein Weltbild in dem das Recht beim Stärkeren liegt und den im Kampf Unterlegenen nichts vor Vernichtung schützt. Er meinte, dass die Evolutionstheorie eigentlich nur die wissenschaftliche Rechtfertigung für eine unmenschliche Gesellschaftsordnung sei.

Ein Kapitel dieses Buches heißt „Nepomuk gegen die Nibelungen“. Nepomuk ist, wie Eingeweihte wissen, ein Halbdrache, der nicht in die Stadt der reinrassigen Drachen hineindarf, weil zwar sein Vater ein Drache, seine Mutter aber ein Nilpferd war, der aber Jim Knopf und Lukas dabei hilft in diese Stadt der Drachen hineinzukommen. Dort hält der Drache namens „Frau Mahlzahn“ die entführten Kinder gefangen, die gezwungenermaßen an ihrem „Unterricht“ teilnehmen.

Es gibt auch ein Kapitel „Schulpflicht im Nationalsozialismus“bei dessen Lektüre sich einem die Haare aufstellen. In diesem Kapitel gibt es Zitate aus „Mein Kampf“, über die man laut lachen könnte, wenn sich nicht die Geschichte den üblen Scherz erlaubt hätte den Autor dieser Absurditäten an die Macht zu bringen.

Ich seh´ schon dieses Buch muss ich mit protektionistischen Maßnahmen auf meiner Leseliste vorreihen


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Lektüre 3 – Alzheimer

Emma Healey „Elizabeth wird vermisst“

Den Tipp und die Rezension habe ich bei Ulrike Sokul gefunden.

Ein beeindruckender Erstlingsroman. Die Ich-Erzählerin ist eine an Alzheimer erkrankte Frau, deren Weg ins Vergessen mit viel Empathie und Sensibilität beschrieben wird. Erstaunlicherweise ist der Text auch ziemlich spannend zu lesen. Das wäre schon sehr viel, aber es gibt auch noch eine überraschende Wendung am Ende ….

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Lektüre 2 – bookcrossing

Herzlichen Dank, liebe Tonari, für das zugeschickte Buch. Es ist gestern angekommen, aber da war ich so genervt von meinem Familientreffen, dass es für ein Dankeschön nicht gereicht hat.

IMG_3682Ich lese sehr gerne autobiographische Berichte von Menschen aus weit entfernten Ländern. Sehr oft sind das traurige, ja dramatische Berichte.

Über das bookcrossing habe ich mich soweit informiert, dass ich ein Café gefunden habe, dessen Besitzerin sich damit befasst. Wie genau das funktioniert, werde ich noch ausfindig machen. Soweit ich das verstanden habe, liebe Tonari, gibt es eine zentrale „Liste“ auf der man eintragen kann, von wem man ein Buch bekommen hat und wem man es weitergibt. Das mache ich gerne, ich finde es auch interessant zu erfahren, welche Wege die Bücher dann nehmen. Ob ich welche von meinen eigenen Tausenden Bücher-Schatzis in die weite Welt reisen lasse, muss ich mir noch überlegen 🙂 Weil einerseits möchte ich gute Bücher nicht hergeben, andererseits möchte ich auch nicht irgendwelchen Schund in Umlauf bringen. Vielleicht finde ich ja etwas aus dem goldenen Mittelbereich 🙂

Jedenfalls freue ich mich schon auf die „Tochter des großen Stroms“. Ich nehme sie mit nach Irland um sie an einem kühlen Strand oder in einem Steinkreis zu lesen …


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LEKTÜRE 1

Ferien sind für mich auch Lesezeit. Ich lese immer, aber je nach Verfügbarkeit von Zeit und Nerven ändern sich einerseits der Lesestoff und andererseits die Geschwindigkeit mit der ich ein Buch verputze. Dies ist mein erstes Ferienbuch:

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Eric-Emmanuel Schmitt ist auch der Autor von „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, einer großartigen Erzählung , die auch sehr gut verfilmt wurde. Google teilt mir mit, dass dieser Autor auch einen Text mit dem Titel „Milarepa“ geschrieben hat, was zeigt, dass er sich offenbar für verschiedenste Kulturen interessiert.

Ich hatte einen kleinen Zweifel an der Sachkenntnis des Autors über den Umgang mit Schleppern, die Bedingungen unter denen eine solche „Reise“ stattfindet, die Lebenswelten von Flüchtlingen. Aber jemandem, der einen so empathischen aber in keiner Weise rührseligen Text wie den „Monsieur Ibrahim“ schreiben kann, traue ich die Recherchen und das Sich-in-den-Erzähler-hineinversetzen, die für so einen Roman nötig sind jederzeit zu.

Auch an „Odysseus aus Bagdad“ hat mir das absolute Eintauchen in die Welt des Ich-Erzählers gefallen. Es wird ausschließlich aus einer Perspektive erzählt. In diesem Fall aus jener eines jungen Irakers, der über verschiedene Etappen nach England kommt. Es wird weder politisiert noch moralisiert, sondern nur erzählt. Obwohl es im Leben dieses Odysseus nicht wirklich viel zu lachen gibt, gibt es auch witzige Passagen, die durch eine erzähltechnisch ziemlich geniale Person, den Vater des Erzählers entstehen. Dieser Vater, der zunächst als Lebender später als eine Art Geist in Erscheinung tritt, gibt der Geschichte streckenweise auch eine durchaus spirituelle Dimension.

Schweres Thema, gut verdaulich, sehr informativ und humorvoll geschrieben. Einem solchen Thema auch Humor entlocken zu können, zeigt die hohe Kunst des Schreibens.