la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Habseligkeiten mit Sessel

mein Beitrag zu  *.txt  bei Dominik Leitner

Es war im Winter, zu der Zeit in der es immer wieder schneit. Eines Tages als ich morgens im Bus saß um zur Arbeit zu fahren, war eine Busstation besiedelt worden. Eines dieser Stationshäuschen mit Glaswänden und einer Metallbank im hinteren Teil in der Mitte. Da stand jetzt ein sehr großer Einkaufswagen vollgepackt mit Plastiksackerln und anderen Behältnissen, daneben ein Sessel Modell Schulen und öffentliche Veranstaltungsräume. Einer dieser unbequemen aber leicht zu reinigenden und problemlos stapelbaren Sessel. Auf diesem Sessel schließlich stand ein Metallkübel wie man sie bei Ikea kaufen kann und darin ein Strauß Plastikrosen. Vom Besitzer dieser Habseligkeiten war aber weit und breit nichts zu sehen. Da hatte ich noch die Theorie, dass vielleicht jemand umzog und ein paar Dinge dort zwischengelagert hatte. Nur die Kombination von Einkaufswagen und Sessel fand ich ungewöhnlich.

Später am Tag kam ich dort wieder vorbei und sah nun jemanden auf der Bank sitzen und essen. Wie sich später herausstellte war es eine Frau, die hier aus der Bustationsbank einen gedeckten Tisch gemacht hatte. Sie hatte etliche ihrer Plastiksackerl ausgepackt, die zum Essen notwendigen Dinge herausgeholt und um sich herum aufgestellt. Am nächsten Tag war ich ziemlich früh unterwegs und es schneite ein bisschen. Die Busstation war immer noch bewohnt, der Einkaufswagen samt Sessel mit einer Plane abgedeckt und verschnürt, die Bewohnerin lag auf der Bank und schlief.

So ging es mehrere Tage lang. Untertags standen die Habseligkeiten im Einkaufswagen in der Busstation, meistens mit den Plastikrosen obenauf. Die Stationsbewohnerin selbst sah man nicht so oft. Sie musste aber immer wieder umpacken, denn die Ladung des Einkaufswagens sah immer wieder anders aus. Vielleicht hatte sie irgendwo einen Schlafplatz, zu dem sie ihren Einkaufswagen nicht mitnehmen konnte. Jeden Morgen war ich neugierig, ob sie noch da war und die Polizei wohl ein Auge zudrückte, weil die Obdachlosenunterkünfte zu der Zeit alle hoffungslos überfüllt waren. Sie blieb sehr lange. Offenbar hatte sich noch niemand darüber beschwert, dass die Busstation für niemanden außer die Bewohnerin betretbar war. Darüber habe ich mich gefreut.

Dann war sie eines Tages weg. Spurlos, als wäre da nie etwas gewesen außer dem Wartehäuschen mit der Metallbank.

Es hat dann noch ein paarmal geschneit.

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Leben im trüben Bereich

Ich bin von diesem Text nicht besonders überzeugt. Manchmal denke ich, er schrammt hart am Klischee vorbei, manchmal denke ich, er ist mitten drin. Aber jetzt habe ich ihn schon geschrieben und stelle ihn auch rein

Mein Beitrag zu *txt. 4. Wort: trüb

Früher hatte sie in diesem Zimmer mit ihren beiden Schwestern gewohnt und mit ihrem jüngsten Brüder. Damals ging sie auch noch in die Schule, hatte Freundinnen. Sie durfte auch beim Turnunterricht mitmachen, sogar schwimmen gehen. Das hatte ihr Freude gemacht.

Dann gab es viel zu tun, das Aussuchen des Brautkleids, die Fotos, die der Bräutigam von sich schickte. Sie war so verliebt in ihn, er schrieb so süß. Dann überlegte sie mit ihrer Mutter wieviel Geld wohl in den Kuverts der Familienmitglieder sein würden und was man damit alles anfangen könnte. Ihre Freundinnen beneideten sie alle, der schöne, aufmerksame Bräutigam, das coole Auto, er hatte sogar einen Job in der Türkei, so einen würde er schon wieder finden, wenn er erst deutsch gelernt hätte. Dann könnten sie in ein großes Haus mit Garten ziehen.

In diesen Zeiten der Träume war sie auch öfter mit ihren Schwestern und Freundinnen unterwegs, manchmal waren sie bei Mc. Donalds, manchmal gingen sie nur spazieren, kauften manchmal Schminksachen. Ihre jüngere Schwester, die jeden Samstag in einem Drogeriemarkt arbeitete, war sehr großzügig mit dem Geld, das sie ihr manchmal gab und mit den Schminksachen, die sie immer mitbrachte. Bis sie dort gekündigt wurde.

Nun wohnte sie schon ein halbes Jahr mit ihrem Mann in diesem Zimmer. Im anderen Schlafzimmer in dem jetzt alle Geschwister gemeinsam wohnten, war es laut und lustig, aber sie fühlte sich davon ausgeschlossen und saß lieber vor dem Fernseher. Ihr Mann hatte das Deutschlernen erst gar nicht begonnen, wozu auch, er arbeitete jetzt im türkischen Supermarkt. Er hatte auch schon viele Freunde mit denen er abends und am Wochenende ausging und Freitags gingen sie gemeinsam in die Moschee. Sie könnte ja zuhause beten, hatte er gemeint, das sei ohnehin viel bequemer.

Vor ein paar Tagen hatte eine frühere Schulfreundin sie angerufen. Ob sie noch in die Schule ginge, hatte sie sie gefragt. Ja klar, sie wollte doch einen Abschluss machen. Aber sie riefe an um zu fragen, ob es sein könnte, dass sie letzten Freitag ihren Mann mit zwei Mädchen in der Disco gesehen hätte. Nein ? Na, umso besser, war schön von dir zu hören.

Und sie war jetzt wohl Hausfrau und noch nicht Mutter. Er hatte ihr schon öfter gesagt, dass er sehr enttäuscht sei von der Situation  hier , das hatte er sich ganz anders vorgestellt. Sie weinte, weil sie es sich auch ganz anders vorgestellt hatte. Er glaubte aber, dass sie sich schämte wegen der kleinen Wohnung und dem wenigen Geld und weil sie noch nicht schwanger war. Da tröstete er sie und sagte, wenn er erst reich und berühmt geworden wäre,  dann könnten sie mit ihren Söhnen nach Amerika gehen.

Inzwischen saß sie vor dem Fernseher. Ihre Mutter würde sie gleich rufen um ihr beim Kochen zu helfen. Der Vater würde von der Baustelle zurückkommen. Er war sehr froh darüber, dass er noch Arbeit hatte. Sie wusste, dass ihr älterer Bruder den ganzen Tag im Wettcafé verbrachte, aber Angst vor dem Vater hatte und immer vor ihm nachhause kam. Zum Essen waren dann alle da. Danach gingen ihr Bruder und ihr Mann weg, schließlich war es eng in der Wohnung.


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Klammerwahn – *txt

Klammerwahn

Mein Beitrag zu *.txt

Du musst, du musst, du musst dich melden. Wie oft habe ich jetzt angerufen – es läutet viermal oder fünfmal bevor die mailbox anspringt. Vorhin waren es aber dreimal, hast du da irgendetwas verändert während ich angerufen habe ?

Endlich, deine Stimme klingt komisch.Was ich will ? Na, mit dir reden, so kann das doch nicht stehen bleiben. Es gibt nichts mehr zu sagen?  Das sehe ich aber anders, ich muss unbedingt wissen, was du damit gemeint hast, dass das keine Zukunft hat, wieso denn nicht, was hat sich denn geändert?

Jetzt ruf ich nochmal an. Spätestens genau jetzt. Eigentlich müsste ich arbeiten gehen, aber unterwegs kann ich das nicht besprechen, außerdem bist du ja in einer Stunde in einer Besprechung – ich kenn doch deinen Tagesablauf – und dann geht gar nichts mehr. Jetzt muss ich mit dir sprechen, jetzt, jetzt, jetzt

Wenn es wieder zuerst viermal und dann fünfmal läutet, gehst du bestimmt ran. Es gibt nichts mehr zu sagen, du hast ohnehin schon eine Engelsgeduld mit mir ? Dann sag mir doch, warum du unlängst gesagt hast, dass wir nicht zusammenpassen. Du hast doch immer gesagt, wir passen so gut zusammen, genau das hast du immer und immer wieder gesagt. Was soll denn in meinen Kopf hineingehen ? Hast du es denn nicht gesagt ? Erklär mir das doch

Jetzt müsste ich wirklich zur Arbeit gehen, egal, ich bin krank. Du fährst jetzt sicher zu deiner Besprechung. Früher haben wir auch immer von Auto zu Auto telefoniert. Ich muss das jetzt unbedingt noch wissen. Als wir unter dem Baum in deinem Garten gesessen sind, hast du doch gesagt, das ist unser Baum. Was ist denn jetzt unerträglich, hast du das denn nicht gesagt ?

Du drehst das Telefon nach der Besprechung sicher wieder auf. Ich muss noch so viel wissen. Inzwischen werde ich mir das alles aufschreiben, was ich dich fragen muss.


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BERGE.txt

Zu den ersten Dingen, die ich überhaupt über ihn erfuhr, gehörte seine Leidenschaft für die Berge. Nicht nur für seine heimatlichen Berge sondern für sämtliche Erhebungen in sämtlichen Landschaften. Ich habe zu Bergen kein Verhältnis. Das macht mich zu einer untypischen Österreicherin. Nachdem ich aber auch zu Lipizzanern kein Verhältnis habe, Walzer tanzen mich nicht in Ekstase versetzt und trinken und Schi fahren auch nicht zu meinen Leidenschaften zählen, kommt es jetzt auf die Berge auch nicht mehr an. Er aber liebt die Berge.

Bergsteigen ist ja wohl ein Sport wie andere auch, dachte ich. Dabei geht´s um Kondition, um Körpergefühl, um Erreichen und Überschreiten der eigenen Grenzen. Dazu kommt der Kick. Der Kontakt mit den Bergen bleibt gefährlich, auch mit noch so perfekter Ausrüstung. Die Endorphine fließen. Der genau richtige Tritt auf den einzig sicheren Punkt. Das Erreichen des Ziels, der Triumph, das Ganz-Oben-Stehen, an den Wolken, nichts um sich herum spüren außer Weite. Die feste Überzeugung auch noch genug Kraft und Konzentration zu haben um wieder hinunterzukommen. Das euphorische Gefühl der Körperbeherrschung bis in den letzten Muskel. So stelle ich mir das vor.

Dazu kommt auch noch das Interesse an Flora und Fauna, an Geologie, an der jeweiligen Region und ihren Menschen. Das nimmt er alles mit, er ist ein universell interessierter und gebildeter Mensch. Aber ob irgendetwas davon der tatsächliche Kern seiner Bergbegeisterung ist ?

Berge und sonstige Erhebungen können auch dazu dienen, auf die Fallen und Schlingen der Welt aus sicherer Entfernung hinunterzuschauen. Hinunter auf emotionale Verstrickungen, auf schwierige Beziehungen zu anderen und sich selbst. Räumliche Entfernung, der Blick von oben können entwirren, klären, Durchblick und Kontrolle ermöglichen oder vorgaukeln.

Nachdem mir das klar geworden war, hatte ich etwas wichtiges verstanden.

Mein Beitrag zum txt-Projekt

 


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Hektik beim Tempelhüpfen

 

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Auf Feld 1 liegt der Stein. Der hat sehr attraktiv ausgesehen im Meerwasser. Bunt, vielschichtig, kuschelweich. Jetzt im Trockenen, na ja, ein Stein halt. Was soll´s. Weiter. Feld 2 und 3 sind auch nicht besonders schwierig. Einfach drüber. Vieles läuft mir über den Weg und lockt und lächelt. Schade, aber das geht jetzt nicht, man muss Prioritäten setzen und bla,bla,bla. Kennen wir alle.

Feld 4. Ooops, da wäre ich jetzt fast daneben gelandet. Dumm von mir, ich weiß doch, dass diese Art Sprung leicht daneben gehen kann. Hybris ….. das schaffe ich locker. Ist schon so oft gut gegangen. Einmal mehr.

Da bin ich bei Feld 5 vorsichtiger. Den Stein konzentriert in der Mitte platziert …. Der schaut übrigens nach gar nichts mehr aus, der Stein, staubig, trocken, hart. Und jetzt der Sprung, ganz genau anvisiert und ……. uuuuuuuh, auf die Linie gehüpft, das darf ja nicht wahr sein! Ausgerechnet bei diesem bestens geplanten Sprung. Warum ………. ach egal ….. schnell weiter, vielleicht hat es gar niemand bemerkt …  trotzdem weiterhüpfen. Man lebt nur einmal.

Mein Beitrag zu  Dominik Leitners Schreibprojekt   *.txt – Die erste Runde dreht sich um das grauenhafte Amalgamgebilde „nichtsdestotrotz“. Ich habe es wegen Unvereinbarkeit  durch „trotzdem“ ersetzt.