la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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21. Station der Leseweltreise – China

Bisher bereist

 

Ich bin begeistert !

Ein echter Science-Fiction-Roman:Wissenschaft ist ein wichtiger Teil der Handlung. Nachdem der Autor Techniker ist, kann man wohl davon ausgehen, dass die wissenschaftlichen Schilderungen sich im Bereich der Realität oder zumindest im Bereich des Möglichen befinden.

Ich werde nicht die Handlung nacherzählen. Es ist ein äußerst origineller Plot, in dem Physik und Astrophysik eine Rolle spielen, ebenso wie ein Computerspiel, das in Verbindung mit einer geheimnisvollen Organisation steht. Es gibt auch eine außerirdische Zivilisation, deren Beschreibung ebenfalls ein Beweis für sehr viel Kreativität ist. Die Bedeutung der außerirdischen Zivilisation wird vermutlich im zweiten Band steigen. Cixin Liu hat seine Geschichte als Trilogie angelegt. Leider ist mir das Buch gewissermaßen zu früh untergekommen, denn der zweite Band erscheint erst im März und der dritte irgendwann.

Sehr interessant finde ich auch, dass die Handlung in China spielt und Einblicke in die neue chinesische Geschichte und Politik bietet. Cixin Liu hat Personen geschaffen, von denen einige wohl typische Erscheinungen ihrer Zeit und des eigenwilligen chinesischen Kommunismus sind.

Hier geht es zu Yvonne unserer literarischen Reiseleiterin.

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20. Station der Leseweltreise – Myanmar

Es ist mir zufällig zwischen die Finger gekommen, ein kleines Buch zu einem Land, von dem ich nicht viel weiß, das mich allerdings meiner Illusionen darüber beraubt hat, dass Buddhisten und gar buddhistische Mönche nicht gewalttätig werden. Auch meine Vorstellung, dass eine Friedensnobelpreisträgerin, die unter der Militärdiktatur in ihrem Land schwer gelitten hat, selbst eine gerechtere Herrschaft ausüben wird, hat sich leider in Luft aufgelöst.

Das kleine Buch ist aber 2007 herausgekommen und erzählt in kurzen Kapiteln über die Besonderheiten Myanmars, seine landschaftlichen und architektonischen Schönheiten, seine Volksgruppen und Kulturen:

„Asiens wahrem Antlitz ist Bernd Schiller auf seinen Reisen durch ein magisches Land begegnet: Der Ewigkeit auf der Schwedagon-Pagode hoch über Yangon, wenn die Morgensonne die Kuppel in glänzendes Gold taucht, den heilige Bergen, wo Buddha und diverse Geister in guter Nachbarschaft wohnen und dem beschwerlich-trägen Lauf des Lebens an den Ufern des Ayeyarwady, wo Ochsenkarren wie seit Jahrhunderten auf Lastkähne warten“

 

Aung San Suu Kyi: Myanmars Stimme der Freiheit, die zur Gewalt stumm bleibt


Die Friedensnobelpreisträgerin wird für ihr Schweigen angesichts der Verfolgung der Rohingya kritisiert. Dass Demonstranten in aller Herren Länder mit dem Antlitz von Aung San Suu Kyi für ihre Sache werben, überrascht nicht: Jahrelang war die heute 72-Jährige die prominenteste politische Gefangene der Welt. Ihr Name stand emblematisch für gewaltfreien Widerstand gegen Gewaltherrschaft – und gegen jene der myanmarischen Generäle im Speziellen, die sie von 1989 bis 2011 mit Unterbrechungen in Hausarrest isolierten, aber auch gegen alle anderen Diktatoren, für die Menschenrechte herzlich wenig zählen. Neu ist freilich, dass Demonstranten von Pakistan bis Indonesien die Plakate, auf denen die Friedensnobelpreisträgerin zu sehen ist, verbrennen, ihr Gesicht mit Hitler-Bart versehen oder schlicht durchstreichen.

Suu Kyi, die seit den ersten freien Wahlen 2015 Myanmar als „Staatsrätin“ de facto regiert, ist tief gefallen. „Nicht die Macht korrumpiert“, schrieb sie in ihrem 1991 erschienenen Buch „Freedom from Fear“, „sondern die Angst, sie zu verlieren.“ Nun scheint es so, als halte gerade sie ebenjene Angst fest im Griff. Die Mutter zweier Söhne, von denen sie während ihres Hausarrests so lange getrennt war, schwieg, als Myanmars Armee hunderte Zivilisten der muslimischen Rohingya-Minderheit ermordete, Dörfer brandschatzte und Hunderttausende vertrieb. Als die Uno das Vorgehen der Soldaten als „ethnische Säuberung“ bezeichnete, sprach sie von „Fake-News“ und von „Terroristen“, die man bekämpfen werde.

Den geplanten Besuch in New York, wo die Uno-Generalversammlung tagt, sagte Suu Kyi kurzfristig ab. Die einstige Ikone sei eben „eine Politikerin durch und durch und habe als Ziel einzig ihre Wiederwahl“, konstatierte die Uno-Sonderberichterstatterin. Tatsächlich werfen Kritiker der in Oxford ausgebildeten Tochter eines Unabhängigkeitskämpfers schon länger mangelnde Empathie für die Rohingya vor, die von vielen im mehrheitlich buddhistischen Land als Einwanderer betrachtet und abfällig „Bengalis“ genannt werden. Dass sich Suu Kyi weder mit der noch immer allmächtigen Armee überwerfen noch auf die Stimmen der buddhistischen Nationalisten, die den Muslimen sämtliche Bürgerrechte absprechen, verzichten will, könnte ein Grund dafür sein, dass Myanmars so lange unterdrückte Stimme der Freiheit nun nicht für die unterdrückte Minderheit im eigenen Land laut werden will.

Florian Niederndorfer, 13.9.2017 – derstandard

 


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19. Station der Leseweltreise – USA

Liebhabern des Schauerromans oder der Horrorliteratur ist Howard Philipps Lovecraft (1890-1937) sicherlich ein Begriff. Was dabei herauskommt, wenn ein etwas paranoider, rassistischer Sonderling mit einer Vorliebe für die unheimliche Phantastik und Talent zum Schreiben zur Feder greift … Ich lese Lovecraft richtig gerne und finde, dass er E.A Poe, der ihn stark inspirierte in nicht allzuviel nachsteht. Immerhin hat er in den wenigen Jahren seiner literarischen Karriere den doch ziemlich umfangreichen kosmischen Cthulhu-Mythos erdacht.

Viele seiner Kurzgeschichten habe ich gelesen. Ach, „Schatten über Innsmouth“ oder „die Farbe aus dem All“, „die Ratten im Gemäuer“ und viele andere. Ein etwas ungustiöses, aber prickelnd schauerliches Lesevergnügen. Mir fallen spontan die Stufen ein, die unter dem uralten Familienschloss durch den Felsen hinunterführen tief in die Erde hinein, zu unsäglichen Gräueln (um mit Lovecraft zu sprechen). Nach ausgiebigen Andeutungen über diese Gräuel ist der Höhepunkt der Geschichte, dass diese in den Fels gehauenen  Stufen …….. von unten nach oben gemeißelt wurden.

Eine sprachliche Anmerkung: ich denke noch darüber nach ob Gräuel grauenhafter sind als Greuel ….

Abgesehen von vielen Kurzgeschichten in verschiedenen Längen hat Lovecraft auch ein  Werk über das Horrorgenre geschrieben „Supernatural horror in literature“ und einen einzigen Roman „Der Fall Charles Dexter Ward“, den ich kürzlich gelesen habe.

Die Geschichte unterscheidet sich nicht wesentlich von vielen anderen: ein bis zu einem gewissen Zeitpunkt relativ normaler junger Mann, der sich sehr intensiv für die Geschichte Massachusetts und vor allem seiner Heimatstadt Providence interessiert, gerät in den Bann eines mysteriösen Vorfahren, der mit alchemistischen und sonstigen finsteren Praktiken Tote erweckte und dem es irgendwie gelungen ist das Übernehmen eines Nachfahren vorzubereiten und schließlich durchzuführen. Wer das Genre nicht mag, wird im besten Fall verwundert den Kopf schütteln …

S.T.Joshi, der – wie ich erfahre – weltweit führende Lovecraftexperte hat den Text, den ich gelesen habe ausführlichst kommentiert. Sein Fokus lag dabei auf der realistischen Beschreibung von Providence und einiger prominenter Zeitgenossen von Lovecraft. Dieser Aspekt hat mich allerdings nur am Rande interessiert.

Ah, und noch ein Hiweis für Lovecraftfans: kürzlich habe ich in einer Wühlkiste doch tatsächlich dieses gefunden:

Es gibt ja Leute, die sowas sogar kaufen *hüstel* Nach Überfliegen der Einleitung scheint das ein ernstgemeintes Werk zu sein, in dem etliche gelinde gesagt eigenartige Rituale, Symbole und Anrufungen beschrieben werden. Der Autor soll ein Priester sein. Na ja, also zu meiner Ehrenrettung betone ich, dass es ein extrem billiges  Sonderangebot war ….


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18.Station der literarischen Weltreise – Israel 2


Nachdem mir das erste Buch, das ich von Lizzie Doron gelesen habe (klick) sehr gut gefallen hat und mir dieses Buch auch sehr empfohlen wurde, habe ich zugegriffen.

In „Das Schweigen meiner Mutter“ geht es weitgehend um die Generation der Kinder der Shoa-Überlebenden, um das Trauma der zweiten Generation, mit dem sowohl die Kinder der Opfer als auch jene der Täter leben.

„Deine Mutter hat immer zu mir gesagt:Golda wann hörst du endlich auf Brachale Geschichten von der Shoah zu erzählen? Was kann sie damit anfangen, mit Krematorium, Transport, Aktionen? Gib deiner Bracha Freude. Die Shoah ist nicht ihr Leid, sie ist unser Leid“ Golda seufzte tief. „Leider habe ich nicht auf sie gehört“. p.205

Das Schweigen der Mutter bezieht sich aber nicht nur auf ihre persönliche Geschichte sondern auch auf das scheinbare Verschwinden ihres Mannes, des Vaters der Erzählerin.

Doron beschreibt, wie sie als Kind, ständig auf der Suche nach ihrem Vater, ihre gesamte Umgebung immer wieder nach ihm fragt und dabei den Eindruck hat, dass manche ihrer Nachbarn und Freunde etwas über ihn wissen, ihr aber nichts sagen.

Zwei Zeitstränge laufen nebeneinander: die Kindheit der Erzählerin mit der Suche nach dem Vater und dem Schweigen der Mutter und die Gegenwart in der auch vom Leben vieler gleichaltriger Freundinnen berichtet wird.

Lizzie Doron schreibt eine sehr klare, schnörkelfreie Sprache, die direkt den Kern des Geschehens trifft. Die Personen in ihrer Geschichte sind bunt und schienen mir sehr authentisch.

„Alles, von dem ich wollte, dass du es weißt, habe ich dir gesagt“ Ein Satz, den die Protagonistin von ihrer Mutter mehrmals hört.


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17. Station der literarischen Weltreise – Frankreich

 

Nachdem es das Buch nur noch vergriffen gab, habe ich ausnahmsweise beim Kraken Amazone gekauft. Ich tue das nicht oft, weil ich gar nichts von immer größer werdenden Konzernen halte und obendrein gerne in Buchhandlungen gehe. Tatsache ist aber auch, dass das Service fantastisch ist.

Georges Simenon „Le chat“

Das Buch ist 1967 herausgekommen, Georges Simenon war damals 64 Jahre alt. Es ist kein Krimi sondern ein Psychogramm.

Es hat mich fasziniert. Es passiert in dem Buch wenig, es geht um ein älteres Paar, deren Gefühle zueinander zwischen Gleichgültigkeit und Hass schwanken. Sie hat – wahrscheinlich – seine Katze vergiftet, er hat – ganz sicher – ihren Papagei umgebracht. Der Papagei sitzt in ausgestopftem Zustand im Wohnzimmer, die Katze ist nur noch als Schlachtruf präsent. „Le chat“ fasst alle Vorwürfe zusammen, die er ihr macht. Die beiden sprechen nämlich nicht miteinander sondern kommunizieren schriftlich mit kleinen Zetteln.

Es ist eine wunderbare detaillierte Studie der psychologischen Kriegsführung in einer Ehe, von der anscheinend beide wünschen, dass sie nie zustande gekommen wäre, aus der sie aber seit vielen Jahren auch nicht ausbrechen. Bis Marguerite einen strategischen Fehler begeht, der das jahrelang aufrechte Kräftegleichgewicht aus der Balance und dadurch neue Geschehnisse in Gang bringt ………

Ich habe das Buch in einem durchgelesen, weil es mir so gut gefallen hat. Spannung entstand auch dadurch, dass hier immer nur aus der Perspektive einer Figur erzählt wird, die auch Hypothesen über die Gründe der Handlungen der anderen aufstellt.

Sehr empfehlenswert!  Gibt es natürlich auch in deutscher Übersetzung; wobei ich darüber gerätselt habe, warum der deutsche Titel „der Kater“ lautet und nicht „die Katze“

Ein kleines Interview mit Georges Simenon in dem er unter anderem über seine Liebe zu den Menschen spricht


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16. Station der literarischen Weltreise – Großbritannien

Eine Ruth Rendell wie ich sie mag ! Eine prächtige Milieuschilderung, hochinteressante, wunderliche Charaktere, deren Wunderlichkeit aber aus ihrer Geschichte nachvollziehbar werden, minutiös aufgebaute Zufälle, Verwicklungen, Begegnungen, detailgetreue Schilderungen von Natur und Innengestaltung von Häusern und dazwischen immer der rote Faden der schicksalshaften Begegnungen.

Man geht von einer oder zwei Figuren aus und landet in einem Netz von Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Menschen, die von Ruth Rendell zusammengeführt werden, manchmal wie die Laborratten; was wohl geschieht, wenn man eine betrügerische Londoner Proletin mit einem aus ihrer Sicht armen tatsächlich aber steinreichen arabischen älteren Herrn zusammenführt ?  Diese Art von Experimenten kommen bei Ruth Rendell oft vor und bringen faszinierende Ergebnisse.

Die Bedeutung des Titels des Romans offenbart sich erst ganz am Ende des Buchs und auch hier verknüpfen sich Ereignisse, die nicht das Geringste miteinander zu tun haben. Aber Ruth Rendell nimmt man ihre  mögliche Verknüpfung durchaus ab.

Die genaue Handlung erzähle ich natürlich nicht. Nur soviel, dass die Hauptpersonen vier Frauen sind: zwei Schwestern und die beiden erwachsenen Töchter einer von ihnen. Der Ausgangspunkt der Geschehnisse ist eine in der Vergangenheit liegende Begebenheit, die großen Einfluss auf die Gegenwart hat obwohl nicht alle Akteure sich anfangs der Tragweite dieser Begebenheit bewusst sind.

 


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15. Station der Literaturweltreise – Afghanistan

Es liest sich gut auf Yvonnes Spuren ! Ich habe nicht das von ihr rezensierte Buch gelesen sondern das andere, das sie viel besser fand:

Khaled Hosseini ist ein großer Geschichtenerzähler; es ist mir richtig schwer gefallen, Lesepausen zu machen. Die Geschichte ist erschütternd, aber sie hat zumindest für einige der Figuren so was Ähnliches wie ein happy-end; wenn auch der Begriff „happy end“ gar nicht passend ist. Würde das Buch nicht in Afganistan spielen, würde ich sagen, dass soviel Unglück in einem Leben in einem Roman etwas dick aufgetragen ist, aber diese Geschichte kommt mir absolut möglich vor

Erzählt wird das Leben von zwei afghanischen Frauen aus völlig anderen Milieus kommend, mit völlig anderer Geschichte und anderen Charakteren, die denselben Mann heiraten. Keine von beiden tut dies wirklich freiwillig. Der Zwang der Eltern, der Zwang der Gesellschaft, der Zwang der Lebensumstände. Man erfährt vieles vom Leben in Afganistan, von der großen Geschichte und von vielen kleinen.

Wie in allen diesen und ähnlichen Geschichten frage ich mich, wie es geschieht, dass Menschen derartig verrohen können. Auch wenn die gesellschaftlichen Normen es erlauben oder gar fördern, wundert es mich trotzdem. Schließlich wachsen die meisten Männer auch in Afganistan mit Müttern, Großmüttern, Schwestern und Cousinen auf. In diesem Roman ist das Verhältnis zwischen positiven und negativen Männergestalten allerdings ziemlich ausgeglichen.

Die Buchvorstellung bleibt kurz, weil ich noch dringend anderes lesen möchte …..