la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Tristesse – ABC-Etüden

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Ich wollte einen ganz düsteren Text ausprobieren mit diesen potentiell fröhlichen Wörtern. Wahrscheinlich gibt es aber gar keine fröhlichen oder traurigen Wörter, man kann aus jedem „Rohstoff“ alles machen

Tristesse

Sie ging über das vor Feuchtigkeit glänzende Kopfsteinpflaster über den Hinterhof, vorbei an der Buddelkiste. Dort wurde Abfall jeder Art gelagert: von Exkrementen und Küchenabfällen bis zu kaputten Möbeln, alten Schuhen und einer Menge nicht mehr definierbarem Müll.

Die Buddelkiste war das einzige Thema, das die ansonsten von jeder Illusion und Leidenschaft befreiten Hausbewohner vorübergehend aus ihrer Lethargie wecken konnte. Endlos wurde darüber schwadroniert wer welche Objekte dort abgelegt haben könnte und was dagegen zu unternehmen wäre. Zwar hatte  noch nie jemand irgendetwas unternommen, aber es blieb doch die Möglichkeit, dass eines Tages über den Umweg der Buddelkiste etwas Aufregendes und Lebendiges entstehen könnte. Alle ahnten es, aber niemand hatte noch den entscheidenden Schritt gewagt.

Es begann wieder zu regnen und sie beeilte sich zu ihrer Wohnungstür auf der anderen Seite des Hofs zu kommen. Wie jeden Tag machte sie sich im Kopf einen genauen Plan, wie sie den Rest des Tages verbringen würde. Nur keine Leerläufe. Ihr Tanzbein war längst gebrochen.


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Die Kiste- ABC-Etüden

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Die Kiste

– Die neue Nachbarin, die aus Hamburg, hat die Kinder in ihre Buddelkiste eingeladen.

– Wohin?

– Buddelkiste, ja ich weiß auch nicht was das ist, aber sicher nicht gefährlich

– Hmmm, vielleicht Pudelkiste, ein Hundezwinger oder Paddelkiste, ein Schlauchboot

– Ach, red doch keinen Schmarrn. Übrigens ist die neue Sandkiste geliefert worden, aber ohne Sand. Der Angestellte hat endlos herumschwadroniert und dann die Lieferung bis spätestens Mittwoch versprochen, wahrscheinlich kommt sie am Freitag.

-Immer dasselbe, so ein Chaotenverein. Aber weißt du was, wir drehen die Sandkiste um und machen draus eine Bühne, dann können die Kinder das Tanzbein schwingen und wir erfahren, was eine Buddelkiste ist.

-Supi, genial !


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Österreichische Zustände – ABC – Etüden

Eine kleine Etüde

Es muss eine klare Zäsur gebe

n, keine wischi-waschi Pläne, die irgendwann in einer nicht näher definierten Zukunft umgesetzt werden sollen. Klare Ziele, klare Wege, jederzeit kontrollierbarer Ist-Zustand. So muss das neue Leben aussehen. Transparente Handlungen, abhängig nur vom eigenen Willen, nicht von esoterischem Geschwafel und dem Stand der Mondsichel. Der Wille zählt, aber die Handlung muss ausgeführt werden nicht nur geplant. (5)

Soweit die Theorie, aber will ich das ? Vielleicht eine kleine Zäsur, nicht ganz so kontrollierbare Zustände, der Vollmond als Ausrede für dies und das. (7) Ein Kompromiss, jawohl ein Kompromiss muss her, keine Zäsur, wie bin ich nur auf die blöde Idee gekommen. Der Kongress tanzt !


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ABC-Etüden – Betäubung

Da unten war es. Dort hatte sie drei Wochen lang jeden Nachmittag verbracht. Zwischen Blüten und Gerümpel, voll Sehnsucht, voll Lust, voll Sommer und Jugend. Den Geruch der Liebe auf der Haut, den Geruch des Gerümpels in der Nase, die Brustwarzen steinhart. Auch das kleinste Stück Stoff war zuviel. Bittersüß der Abschied jeden Abend, der Abschied und das Versprechen am nächsten Tag wiederzukommen.    Stacheldrahtreste, spitze Steine, die sich in die Haut bohrten, betäubender Duft von Sommerblüten und sonnenheißem Metall.  Sie hatte seinen Namen nicht erfahren, nicht woher er kam und nicht wohin er ging, aber sie erkannte seinen Körper ganz und gar. Heute sah sie mit ihren Alltagsaugen nur noch den verrottenden Bunker überwuchert von Brombeerranken und Brennessel.


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ABC-Etüden – Vermischte Gewalt

Auch bei mir ist mit diesen Wörtern keine besonders fröhliche Geschichte entstanden.

Nun hatte er wohl endgültig den Boden unter den Füßen verloren und sich in den Nebeln seines Wahns verirrt. „Psychotischer Anfall“ lautete die Diagnose des Psychiaters.  „Als wir damals mit Eric, dem Roten durchs Land gezogen sind“ erzählte er mit glänzenden Augen „brandschatzend, alles niederschlachtend, was uns im Weg war, und die Weiber … “ Den Kellerdurchbruch zwischen seinem Haus und der leerstehenden Spinnerei hatten seine Enkel beim Spielen gefunden. Hakenkreuzfahnen, Stahlhelme und andere Kriegsdevotionalien, dazwischen Dutzende Wikinger-Bildbände, Totenschädel, Waffen. Ein heilloses Chaos von Erlebtem, Verdrängtem und Erdachtem. Für die Familie war es seit langem die Hölle, doch den Nachbarn war das Ausmass des Problems  nicht bewusst gewesen. Als er aber als tragisch-komische und dennoch gefährliche Erscheinung, ausgerüstet mit einem Wehrmachtsstahlhelm und einem hölzernen Wikingerschwert eine Gruppe von Teenagern mit lautem Gebrüll verfolgte, war die Zeit des Versteckens vorbei. Nun hatte man ihn in den „Narrenturm“ eingeliefert, wie er selbst sagen würde. Hermetisch verschlossen war die Verbindung zwischen seiner inneren Realität und der Umwelt, die er nicht mehr wahrnehmen konnte.


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Mein Wort, mein Schatz …… Oh, Donald !

„Mein Wort, mein Schatz“ nennt Barbara ihren Beitrag zum zweiten Schritt ihrer Schreibspiele. Es geht darum, die eigenen Lieblingswörter zu identifizieren und sie durch möglichst vielfältige Synonyme zu ersetzen.

Der Ansatz gefällt mir gut, obwohl ich weiß, wie schwierig das oft ist. Ich habe Phasen, in denen ich bestimmte Wörter und/oder Ausdrücke ununterbrochen benütze. Meistens fällt mir das dadurch auf, dass auch meine Umgebung beginnt dieses Wort/diesen Ausdruck überdurchschnittlich oft zu verwenden. In letzter Zeit habe ich das schöne Wort „bemerkenswert“ besonders gepflegt. Ich habe registriert, dass mein Partner F. kürzlich mehrmals „bemerkenswert“ gesagt hat und in einem Fall war mir klar, dass er selbst dieses Wort als „Zuwanderer“ identifiziert hat.

Im vorigen Absatz hätte viermal  „bemerkt“ stehen können. Es gibt aber auch „auffallen“, „registrieren“ – „identifizieren ……“ , es ist –  wie gesagt – gar nicht so einfach, die Wiederholung mancher Wörter zu vermeiden. Manchmal muss man tief in seinen Wortschatz greifen. So man über einen nennenswerten Wortschatz verfügt. Der derzeit mächtigste Mann der Welt tut sich bei der Verwendung von Synonymen für seine Lieblingswörter  eher schwer. Dadurch wird sein persönlicher Stil sogar für seine 144-Zeichen-Tweets etwas eintönig. Dabei ist englisch eine Sprache mit einem gewaltigen , feinst nuancierten Wortschatz.

Auf jeden Fall eine lohnende Übung, die sicher auch dazu dient, „latentes“ Vokabular zu aktivieren und über die Zugehörigkeit von Wörtern und idiomatischen Wendungen zu bestimmten Sprachregistern nachzudenken.

 


Ein Kommentar

Im Regen 2 – Kreatives Schreiben # 1

Sowohl das Spiel als auch das Thema gefällt mir so gut, dass ich mich unbedingt noch ein mal an „Im Regen“ versuchen muss. Nochmal vielen Dank an Vro und Barbara Pachl-Eberhardt .

Es fielen nur ein paar Tropfen, auf den Asphalt, der  dadurch wie ein gepunkteter Stoff aussah. Es war so wenig Wasser, dass du dich fragtest, ob du wohl in einem ungünstigen Moment die Flugbahn eines Vogels gekreuzt hattest. Dann wurden die Tropfen größer, der Himmel dunkler, du konntest nicht mehr zwischen den Tropfen gehen und hieltst dein Gesicht dem Regen entgegen. Das kalte Wasser traf deine Haut und löste vielfältige Empfindungen aus. Auf der Straße flossen kleine Rinnsale, dann Ströme, Wirbel, Fälle über Staustufen. Eine Wand aus Wasser, die vom Wind getrieben wurde. Die standest unter alten Steinbögen und der Regen kam aus verschiedenen Richtungen und  traf dich immer wieder ins Gesicht, auf die Schultern und Hände. Durch die Säulchen der breiten Stiege unter der du standest, sahst du den Himmel, die Wasserschleier, die ziehenden Wolken und auch die vom Wind geschüttelten Bäume, die Schotterfläche vor dir mit ihrem zentralen See. Schwere Tropfen bildeten Kreise auf der Wasserfläche, die sich immer weiter ausbreiteten. Die Welt war nass, das Wasser fruchtbar, du selbst auch nicht mehr trocken. Aber welche Freude Teil des Regens zu sein.