la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


4 Kommentare

Schreibprojekt 2020

Gefühlt ewig habe ich mit dem Text „Kälte“ verbracht. Die Idee war einfach und ich hätte nie gedacht, dass sich die Sache so lange dahinziehen würde.

Die Schwierigkeit war das Ende. Ich sah drei verschiedene Möglichkeiten und konnte mich nicht entscheiden, wie die Sache nun ausgehen sollte. Daher habe ich zwei verschiedene Versionen des Endes geschrieben, eine tragisch-ausweglose und eine mit Happy-end. Zuerst kommt die finstere Version, dann die positive.

Gekämpft habe ich mit meiner mangelnden Disziplin. Die Figuren wären alle sehr ausbaufähig, nur haben sie mich letztlich nicht ausreichend fasziniert um ihnen noch ein paar tausend Wörter zu widmen. Eine Weile gefeilt habe ich auch an den Zeitverhältnissen am Anfang des Textes. Sieht  ganz einfach aus, war es aber nicht.

Womit ich mich gerne beschäftigen möchte, ist der Aufbau einer längeren Geschichte. Einfach linear zu erzählen von Anfang bis Ende ist auch eine Möglichkeit, vor allem bei sehr kurzen Texten, ist aber auf die Dauer langweilig, zum Lesen und zum Schreiben. Es braucht zumindest ein paar Schleifen oder verschiedene Zeitebenen, oder verschiedene Erzählperspektiven mit parallel laufenden Handlungen.

Oder, oder, oder ……..


7 Kommentare

Betrachtungen zu meinem Schreibprojekt 2020

Sehr kurze Texte, wie die 300-Wörter-Etüden sind einfach zu schreiben, vieles wird nur angedeutet, kann nur angedeutet werden, komplexere Zusammenhänge können gar nicht ausgeführt werden. Aus einer kleinen Idee kann man einen kompakten, kohärenten Text machen. Es ist auch interessant zu sehen, was man mit wenigen Worten transportieren kann. Auf jeden Fall ist es eine Übung für eindeutige Formulierungen und für die sprachliche Vereinfachung von Komplexität

Wird der Text länger, so tauchen Kreuzungen und Scheidewege auf. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, ob die Dinge sich nun so oder so verhalten, die Personen müssen glaubwürdig agieren, es taucht die Idee auf, einen weiteren Handlungsstrang zu entwerfen und mit dem Hauptstrang zu verflechten. Insgesamt muss zumindest ich dabei viel mehr denken als bei einem Minitext, den ich ohne Planung  herunterschreibe.

Es stellt sich die Frage, was mir nun mehr Freude macht. Das ist noch nicht entschieden. Mir kommt vor, dass es sich um ziemlich verschiedene Schreib-Tätigkeiten handelt. Ich bastle an einem Text namens „Kälte“ und weiß noch nicht recht, wie kompliziert ich ihn anlege und wie genau sich das Grundproblem lösen lässt. Vieles kann auch in der Schwebe bleiben bzw der Phantasie der Lesenden überlassen, aber nicht allzuviel, es soll ja nicht ein Rätsel sondern eine Geschichte herauskommen.

Was mich auch sehr interessiert, ist, wie sich die Ideen für eine Geschichte aus dem eigenen Alltag entwickeln.


19 Kommentare

Im Museum – SP2 – Real-Surreal

Peinlich war es mir, so wenig von Richard Gerstl gehört zu haben. Immerhin der erste österreichische Expressionist, vor Schiele, vor Kokoschka. So nutzte ich die Gelegenheit, eine Gerstl-Ausstellung im Leopold Museum sehen zu können. Eine Gerstl-Ausstellung, wohlgemerkt, nur Gerstl, keine Gefahr und  ein hoffentlich harmloser Maler mehr, dessen Bilder ich mir gelegentlich ansehen könnte Vorsichtshalber studierte ich das Bild auf dem Ausstellungsplakat nochmal genau . Es kann nicht dieselbe Wirkung haben wie ein Original, aber es hilft mir doch. Ja, wie erwartet, ich kann es lange ansehen, ja, es ist recht interessant, der Pinselstrich, der Ausdruck, und ich stehe ganz solide, wie andere Leute auch und betrachte ein Bild. Dann kann ich weitergehen zum nächsten Bild, ein Video über den Maler sehen, weitere Bilder sachkundiger betrachten, einen Stopp in der Cafeteria machen, einen Katalog kaufen. Ein völlig normaler Museumsbesuch wie früher.

Schön ist das Leopold-Museum im Wiener Museumsquartier, ein Gebäude, das konzipiert wurde um Kunst auszustellen. Ich bin hier um mir Gerstl anzusehen. Es ist schon sehr gewagt, aber die Ausstellung ist nur in einem Stockwerk. Direkt vom Eingang dorthin und wieder zurück, ohne Umwege.

Panik! Wieso hängt hier ein Munch?  Nur schnell vorbei! Gerade noch geschafft. Ich lasse mich im nächsten Saal auf die Bank fallen. Indigniert schaut mich ein junges Paar an, beide mit dem Audio-Guide am Ohr, beide konzentriert lauschend und schauend. Eben Leute, die sich an einem Ausstellungsbesuch erfreuen können. Im nächsten Saal ein Paar Figurendarstellungen von Gerstl, die mir zum Glück überhaupt nichts sagen, ein paar Landschaftsbilder vom Traunsee, die mir recht gut gefallen. Aber der Munch hat mich erschreckt, eines von den Vampirbildern. Besser wird es sein, ich gehe jetzt. Nicht nur einen Munch habe ich gesehen auch Werke von anderen Malern. Warum habe ich nur nicht daran gedacht, dass es im Kunstbetrieb gerade üblich ist, möglichst viele Referenzwerke zu dem eigentlichen Ausstellungsthema dazuzuhängen. Hoffentlich komme ich hier gut hinaus. Mein Gott, Expressionismus!

Ich visiere den nächsten Saal an. Zurückgehen hat jetzt keinen Sinn mehr, ich weiß ja wo der Munch hängt. Also in die andere Richtung. Durch den Torbogen sehe ich, dass im nächsten Saal Portraits hängen. Wahrscheinlich von Gerstl. So gut kenne ich ihn nicht, dass ich das von weitem sehen könnte. Portraits, keine Figuren, keine Akte, vielleicht schaffe ich es. Ich beschließe ganz schnell und zielgerichtet durch den Saal durchzugehen, auf der anderen Seite hinaus, dort ist die Garderobe. Gerettet wäre ich für heute. Ich gehe also geradeaus, schaue nicht rechts noch links, nur den Ausgang im Blick. Nur ein paar Schritte stur geradeaus. Dann kommt mir jemand entgegen, der auch nur einen Punkt irgendwo hinter mir anvisiert hat, wir stoßen zusammen, durch den Schwung drehe ich mich gegen die Wand neben dem Eingang, die ich von draußen nicht sehen konnte und dort hängt Egon Schiele „Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter“ 1912.

Ein Schiele und ich stehe direkt davor, und er zieht und zieht und es ist zu spät …

Er hat ein Bein über mich gelegt und schläft auf dem Bauch. Ich versuche unter ihm herauszukommen. „Egon“ rufe ich „Egon“. Der Morgen graut und womöglich ist es ein Morgen im Jahr 1918 und die spanische Grippe greift schon nach uns. Bin ich diesmal Wally Neuziel oder Edith Schiele oder eine ganz andere? Was passiert, wenn ich hier sterbe?  Edith Schiele war schwanger und starb ein paar Tage vor ihrem Mann. Und Wally Neuziel? Ich weiß es nicht. Das hätte ich doch vorsichtshalber herausfinden können bevor ich mich ins Leopold-Museum gewagt habe. Hier hängt die weltweit größte Schiele-Sammlung. Was für ein Wahnsinn, hierher zu kommen. Nach allem. Was für ein Wahnsinn !

Im Hintergrund höre ich das Martinshorn einer Ambulanz. Haben die damals schon genauso geklungen? Jemand packt mich an den Schultern und zieht mich hoch. Aber wohin? Es ist  nicht Egon. Egon sieht seltsam durchscheinend und unwirklich aus, schläft immer noch und hält mich fest, so dass ich mich nicht bewegen kann.

„Wie geht es Ihnen? fragt jemand. Kann das Egon sein? Nein, der hat sich nicht bewegt und würde doch auch nicht „Sie“ sagen, oder? „Können Sie mich hören?“  „Natürlich“ will ich sagen, aber es geht nicht. Das Bild mit der hochgezogenen Schulter sehe ich auch. Warum der Egon es nicht in seinem Atelier hängen hat? Komisch. Vielleicht ist es gerade fertig geworden und er wollte es mir zeigen. Dann wären wir 1912 und es blieben mir sechs Jahre um mich von hier zu befreien. Dann wäre ich doch die Wally, mit der er bis 1915 gelebt hat? Und was ist dann mit mir passiert, während des Kriegs und später während der Grippeepidemie?

Was ist jetzt los, wer sind denn diese Leute? Wieso sind sie alle hier in unserem Schlafzimmer und greifen mich an? „Egon“ rufe ich „Egon, so wach doch auf!“ Ich sehe ihn kaum noch.

Wie komme ich nur aus diesem Museum, dieser Zeit, diesem Leben hinaus?


11 Kommentare

Zwischenbilanz

Seit Tagen schreibe ich an einer Geschichte, in der dieses Bild eine wichtige Rolle spielt. Es zieht sich dahin, weil ich mich nicht längere Zeit damit beschäftigen kann und den flow jedesmal wieder neu suchen muss.

Interessant finde ich, dass Geschichten, je näher sie dem Leben kommen, umso schwieriger zu schreiben sind. Eine Fantasy-Geschichte ist extrem einfach zu schreiben, ein Krimi fast noch einfacher, aber eine Geschichte aus dem Leben, weder kitschig noch an den Haaren herbeigezogen, in der keine Leichenteile herumliegen und deren Figuren glaubhaft sind, deren Sprache das richtige Register zum Thema findet und durchhält ….. Puh, das ist um einiges schwieriger. Bei der Geschichte, in der das Bild vorkommt, habe ich es mir noch leicht gemacht. An der nächsten werde ich dann feilen …


2 Kommentare

Doch ein Projekt 2020

Eigentlich denke ich nicht in Jahren, auch nicht in Monaten, bestenfalls in Tagen. Dennoch ist 2020 eine sehr hübsche Zahl, die irgendein neues Projekt verdient. In meinem Fall ist es eines, das ich ohnehin schon lange wälze. Somit eröffne ich das Schreibprojekt 2020. Es wird nicht nach einem bestimmten Rhythmus stattfinden, also jeden Montag, Dienstag, Mittwoch oder am 25. Tag des Monats oder in welcher Struktur auch immer. Seine einzige Gesetzmäßigkeit wird meine Motivation sein und die gestaltet sich üblicherweise sehr unregelmäßig. Warum aber sollte ich mein Privatvergnügen strukturieren, mich in irgendein selbsterzeugtes Korsett zwingen, der Alltag strukturiert mein Leben ohnehin schon mehr als mir Freude macht.

Ich möchte mich mit Wörtern beschäftigen, mit den Bildern, die man aus ihnen machen kann, mit den Rhythmen, die entstehen können. Ich beginne mit einfachen, kurzen Geschichten und bin gespannt wohin es mich führen wird. Vielleicht ist auch schon der zweite Text anders als der erste. Ich weiß es selbst nicht und lasse einmal die Ideen fließen. Vielleicht habe ich nach dem dritten Text keine Lust mehr, das kann auch sein, oder die Texte werden nicht so, wie ich mir das vorstelle, alles ist offen.

Selbstverständlich bleibe ich den ABC-Etüden treu. Diese kurzen Texte mit vorgegebenen drei Wörtern sind ein feines Übungsfeld, aber ich möchte außerdem das Feld etwas vergrößern und die Zäune rundherum abtragen. Vorgegebene Wörter zu verwenden sind eine ziemliche Herausforderung für die Phantasie, sie schränken aber auch sehr ein.

Der erste Text, der mir eingefallen ist, hat nicht viel Neues. Es ist einmal der Versuch, die üblichen Geschichtchen etwas auszuweiten, auszuloten ob eine Idee in einen beliebig langen Text münden kann. Bei diesem Text SP1 (SP für Schreibprojekt) bin ich kurz geblieben, weil ich gesehen habe, dass sich die Idee gut auf ein paar tausend Wörter ausdehnen ließe. Der nächste soll dann ganz anders werden, aber so weit bin ich noch nicht und der Zweck der Übung ist es ja nicht, mich selbst unter Druck zu setzen.

Was die Technik betrifft, so werde ich beginnen auf Word zu schreiben und nicht direkt in den blog hinein wie bisher, vielleicht entstehen Dinge, von denen ich finde, dass ich sie aufheben möchte …