la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Aus Bildern geboren – 3 –

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte? Oft und für viele Menschen ist das so. Was aber ist mit denjenigen, die Bilder in Worte umsetzen möchten? Ein Blick auf Gemälde, Fotos, Alltagsszenen erzählt oft schon lange Geschichten und sicherlich nicht jedem Betrachter dieselben.

Ich habe beschlossen, ein Bild-Erzähl-Projekt zu beginnen. Hauptsächlich für mich selbst, weitere Teilnehmer sind aber gerne willkommen. Wer mitmachen möchte, möge seinen/ihren Text auf dem eigenen Blog veröffentlichen und zu meinem Posting verlinken damit Interessierte mitlesen können. Die Bilder werden nicht regelmäßig erscheinen, vielleicht oft, vielleicht selten, das kann ich noch nicht sagen. Nur keinen Stress, es soll ja Freude machen.

Welche Texte? Alles ist erlaubt, vom 3-Worte Gedicht bis zum 30 bändigen Roman mit allen Zwischenstufen. Die Texte sind so lange, wie sie eben sind und es können Gedichte, Geschichten, Märchen, Leserbriefe, Essays oder was auch immer sein; Autobiografisches, Miterlebtes, Fiktives …. Einzige Bedingung: der Zusammenhang zwischen Text und Bild muss nachvollziehbar sein.

Nummer 3.

Ihre Hand ist rau mit aufgeschürfter Haut und Wunden von Verbrennungen. Sie tastet über die Kanten der Steine, die feucht sind  vom herunterrieselnden Wasser, abgerundet von vielen Jahren und vielen tastenden Händen. Ein paar lichtleere Flechten berührt sie auch, erfahren und erfolgreich im Überleben. Wände aus Sandstein und Granit, abgeschliffen wie ein altes Gebirge, zusammengefügt aus Natursteinen und grob geschnittenen Blöcken. An manchen Stellen fahren ihre Finger sanft in eingeritzte Linien, die für die Zeit stehen und für das menschliche Bemühen um Struktur und Halt. In der Nacht sind meist auch die Bodensteine feucht, der Wind treibt den abendlichen Regen herein, die Hitze des Tages zieht sich zurück und hinterlässt die kalten, feuchten Wände. Die rostigen Gitterstäbe wirken fragil, wurden aber wie für die Ewigkeit in die Wände geschlagen. Kein Rütteln, kein dagegen Schlagen, keine Tritte erschüttern sie. Ihre Hand  tastet auch über den Boden, in die Ritzen, entlang der kleinen Kiesel, die manchmal noch scharfkantig sind, die Fingerspitzen auf der konzentrierten Suche nach etwas Essbarem

Am schlimmsten ist immer der gegenwärtige Moment, die Hitze, die Kälte oder die Feuchtigkeit, der Hunger oder die Panik in dem dunklen kleinen Raum, die Verlassenheit. Doch kein Moment ist so schlimm wie jener, wenn die Tür geöffnet wird und man sie abholt.

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Aus Bildern geboren – 2

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte? Oft und für viele Menschen ist das so. Was aber ist mit denjenigen, die Bilder in Worte umsetzen möchten? Ein Blick auf Gemälde, Fotos, Alltagsszenen erzählt oft schon lange Geschichten und sicherlich nicht jedem Betrachter dieselben.

Ich habe beschlossen, ein Bild-Erzähl-Projekt zu beginnen. Hauptsächlich für mich selbst, weitere Teilnehmer sind aber gerne willkommen. Wer mitmachen möchte, möge seinen/ihren Text auf dem eigenen Blog veröffentlichen und zu meinem Posting verlinken damit Interessierte mitlesen können. Die Bilder werden nicht regelmäßig erscheinen, vielleicht oft, vielleicht selten, das kann ich noch nicht sagen. Nur keinen Stress, es soll ja Freude machen.

Welche Texte? Alles ist erlaubt, vom 3-Worte Gedicht bis zum 30 bändigen Roman mit allen Zwischenstufen. Die Texte sind so lange, wie sie eben sind und es können Gedichte, Geschichten, Märchen, Leserbriefe, Essays oder was auch immer sein; Autobiografisches, Miterlebtes, Fiktives …. Einzige Bedingung: der Zusammenhang zwischen Text und Bild muss nachvollziehbar sein.

Nummer 2.

Ich kann gar nicht beurteilen, was das Bild mit jemand anderem macht, ob es überhaupt jemandem irgendetwas sagt. Für mich ist das anders, weil ich ja weiß, wann und wo und unter welchen Begleitumständen ich es aufgenommen habe.

Herbst. Strand in der Nacht. Licht ist mächtig, farbiges Licht mächtiger und manche Schatten leuchten. Überlebensgroß kann man erscheinen, klar abgegrenzt, eindeutig bestimmt und doch ist es der Schatten auf einsinkendem Sand. Die Fläche gibt vor eine Mauer zu sein, der Verurteilte soll dort hingerichtet werden, aber es ist nur unsteter Sand, eine Sinnestäuschung, oranger Sand, später grauer Sand wenn die Touristen nicht mehr hinsehen. Schattenspiele in der Nachsaison. Nach dem Sommertheater mit Lichtschutzfaktor und gefärbtem Zuckerwasser in Plastikflaschen für die Fische.

Leuchtendes Orange, stumpfes Orange, der schwarze Schatten und der schwarze Ozean im Hintergrund. Gleiten durch die Geschichte der Seefahrer und der Tourismusmanager und klick und der Moment ist festgehalten und driftet doch weiter.


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Aus Bildern geboren 1

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte? Oft und für viele Menschen ist das so. Was aber ist mit denjenigen, die Bilder in Worte umsetzen möchten? Ein Blick auf Gemälde, Fotos, Alltagsszenen erzählt oft schon lange Geschichten und sicherlich nicht jedem Betrachter dieselben.

Ich habe beschlossen, ein Bild-Erzähl-Projekt zu beginnen. Hauptsächlich für mich selbst, weitere Teilnehmer sind aber gerne willkommen. Wer mitmachen möchte, möge seinen/ihren Text auf dem eigenen Blog veröffentlichen und zu meinem Posting verlinken damit Interessierte mitlesen können. Die Bilder werden nicht regelmäßig erscheinen, vielleicht oft, vielleicht selten, das kann ich noch nicht sagen. Nur keinen Stress, es soll ja Freude machen.

Welche Texte? Alles ist erlaubt, vom 3-Worte Gedicht bis zum 30 bändigen Roman mit allen Zwischenstufen. Die Texte sind so lange, wie sie eben sind und es können Gedichte, Geschichten, Märchen, Leserbriefe, Essays oder was auch immer sein; Autobiografisches, Miterlebtes, Fiktives …. Einzige Bedingung: der Zusammenhang zwischen Text und Bild muss nachvollziehbar sein.

Hier ist Nummer 1:

Foto von Pixabay

Am letzten Ende des Bahnsteigs, wo sie stand, gab es keine Überdachung. Der Regen fiel stetig. In der Nacht würde Schnee daraus werden, die Züge vielleicht Verspätung haben. Der Zug, dem sie nachsah war pünktlichst abgefahren. Drinnen war es warm und trocken, zielgerichtet, ergebnisorientiert. Sie lehnte an einem Laternenpfahl, der trotz Nässe, Verlassenheit und betäubender Leere ihren Rücken sicher aufrecht hielt. Ihre Kapuze verlor langsam die Form, Regenschirm hatte sie keinen, denn sie hatte beide Hände fürs Umarmen und Festhaltenwollen gebraucht, fürs Festkrallen und Glattstreichen und vielleicht doch selbst Einsteigen. Beim Zurückgehen ins Bahnhofsgebäude musste sie an dem Würstlstand vorbei, wo sie vorhin gemeinsam gestanden waren und irgendetwas gegessen hatten, unter einem schmalen Wellblechdach zusammengedrängt mit anderen Reisenden. Die durchnässte Kapuze begann sich an ihr Gesicht anzulegen. Es wurde langsam dunkel und bald würde auch ein anderer Zug einfahren mit anderen Passagieren aus anderen Leben. Sie stand noch am Bahnsteig, weil sich in ihrem Kopf die Überlegung verhakt hatte, wie sie an diesem Würstlstand nur vorbeigehen konnte, wie nur sollte sie dort vorbeigehen und dann zurück ins Trockene, Geordnete, Helle mit Zukunftsperspektive.

Jahre später wusste sie, wie gut es war, dass der Zug mit allen Passagieren in die andere Richtung gefahren und sie nicht eingestiegen war. Die Schienenstränge hätten sich weder in der Unendlichkeit noch davor getroffen, die Lampen den Nebel nur unzureichend erhellt. Es war gut wie es war, nur die Erinnerung an das Zurückgehen über den Bahnsteig war vollkommen verblasst.

21.5.18