la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Die verpasste Gelegenheit – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane 

Die Wörter kommen diesmal von Anna-Lena

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Das adrette kleine Raumschiff hing schon eine Weile über der Erde. Schiff und Insasse stammten vom siebenten Planeten einer roten Sonne, der von seinen Bewohnern Uxmurk genannt wurde, was in Übersetzung ungefähr“der schönste Planet mit den klügsten Bewohnern heißt“. Unser Alien war auf seiner Jugend-forscht-Sprachtour mit dem Auftrag mindestens eine Sprache eines bislang unbekannten Planeten zu erlernen und zu dokumentieren.

Er war ziemlich frustriert, denn die Sprachen der Erde, die er bisher geprüft hatte, kamen ihm außerordentlich schwierig vor. Er hatte einen Test entwickelt, der darin bestand das Wort „wutschdihupp“ aus seiner Muttersprache in die angepeilte Sprache zu übersetzen und dadurch eine Vorstellung vom Komplexitätsgrad dieser Sprache zu bekommen. Seine eigene Sprache konnte sehr komplexe Zusammenhänge in nur wenigen Wörtern ausdrücken. So hieß etwa “ platschdiplumm“ „leider sind Sie bei Ihrer Galaktik-Sprachprüfung durchgefallen, weil Sie nicht in der Lage waren eine neue Sprache zu erlernen und zu dokumentieren.“ Als noch sehr junger Student war er natürlich daran interessiert, eine möglichst einfache Sprache zu finden, mit deren Erlernung er seine Jugend-forscht-Prüfung bestehen könnte.

Er gab also wieder einmal „wutschdihupp“ in sein System ein und saugte die Informationen zu einer weiteren hoffentlich unkomplizierteren Erdsprache auf seinen Infoschirm. „reisen , verreisen, abreisen, einreisen, ausreisen, bereisen, durchreisen und andere“ stand da. Das war der letzte Tropfen, der das außerirdische Fass zum Überlaufen brachte. „Krabaflllt Ybbszkiba“ fluchte er, was soviel heißt wie „primitive Typen mit widerwärtig komplizierten Sprachen und einem scheußlichen Planeten mit unendlich vielen herumstehenden nicht mehr recycelbaren riesigen Betontrümmern“

Damit war sein kurzer Besuch im Solarsystem beendet. Seine wütende Abreise wurde von den Menschen als ungewöhnliches Himmelsleuchten wahrgenommen. Einige bewerteten es als gutes, andere als schlechtes Omen, die meisten wunderten sich nur. So hatte die Menschheit wieder eine Chance verpasst.


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Himmelsleuchtend absurd – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane 

Die Wörter kommen diesmal von Anna-Lena

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Nachdem mir so gar nichts einfällt, habe ich mich mit einem dadaistischen Text vergnügt.

„He, Sie können doch nicht Ihre Socken bei mir abgeben“ rief die Garderobiere.

„Nein, nein, nein, eh nicht“ sagte der Theaterbesucher „die brauche ich ja noch zum Ausreisen.

„Vielleicht vorher waschen“ sagte die Garderobiere, was ihr einen missbilligenden Blick ihrer theatererfahrenen Kollegin einbrachte.

Die Garderobiere ersparte sich jeden weiteren Kommentar und nahm die standardmäßige nur in ganz seltenen Fällen recycelbare Überbekleidung anderer Theaterbesucher in Empfang. Was für ein öder Job! Der Ort würde ja andere Möglichkeiten bieten ……

Es wurde eine Bühnenfassung von Strindbergs „Ehestandsgeschichten“ aufgeführt, inszeniert von einem dadaistischen Jungregisseur. Das Publikum war erstarrt, aus verschiedenen Gründen.

In einem Kostüm aus mehreren Pelzmänteln, einem Designercape und einem klassischen Zylinder hüpfte die Garderobiere auf die Bühne.  „Himmelsleuchten verscheuchten die feuchten Verseuchten“ rezitierte sie dramatisch. Einige, sehr wenige, Zuseher waren  schockiert wegen der Entweihung des Stücks, die meisten lachten. „Recycelbar und immer wahr, das alles kaufen Sie bei Spar“ skandierte sie. Es gelang ihr auch noch „ausreisen, verweisen, Fußeisen, Busreisen“ zu trällern bevor der diensthabende Polizist auf die Bühne stieg, stürmte, stolperte und sie nach hinten zerrte. „Recycelbare Polizeigewalt bringt alle Bürger in den Wald“ rief sie. Das Polizeiorgan ließ sich von der lyrischen Stimmung anstecken und brummte:  „Nun halte du den Mund, so tue ich dir kund“

Das Publikum applaudierte begeistert.

Bevor das ungleiche Paar in der Backstage verschwand, sang es noch „Alle meine Entchen“ in einer spontan enstandenen Rapp-Variante. Ein Zeuge berichtet, dass die beiden auf der Straße vor dem Theater um den Polizeiwagen herumtanzten und „Nein, da woll´n wir nicht hinein, nein, so wollen wir nicht sein“ riefen.

Es geht die Mär, dass die ehemalige Garderobiere und der ehemalige Polizist gemeinsam den Künstlerverein der „Himmelsleuchtend Recycelbaren“ gründeten und ihre Auftritte  von allem Anfang an in der alternativen Kunstszene höchst beliebt waren.

 


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Evolution – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane . Die Wörter kommen diesmal von Ulli Gau

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Der Alte sah wie jeden Abend starr den Vögeln zu, wie sie kreisten und schwebten und den Himmel in Besitz genommen hatten. Er dachte sehr langsam darüber nach, was die Vögel konnten und seine fast ausgestorbene Art nicht zuwege gebracht hatte, was denn den Vogelflug vom Flug der Dinosaurier unterscheiden könnte. Wie jeden Abend kam Wind auf, blies durch seine Federn und reinigte seine Schuppen.

Vielleicht war er der allerletzte seiner Art, der letzte, der noch wusste wie die Dinosaurier wirklich gewesen waren. Der Letzte, der darüber trauern konnte, dass die Evolution andere Wege eingeschlagen hatte und seine Art vergessen sein würde. Ängstlich flatterten die Vögel auf, wenn er Abends zu seinem Schlafplatz donnerte. Sie schwangen sich in die Luft und flogen davon. Sie wussten wohl noch nicht, dass die Zukunft ihnen gehörte.

„Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen“


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Vogelflug – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane . Die Wörter kommen diesmal von Ulli Gau

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Aus dem Tal hinauf. Der Aufstieg war schwierig, die Felsen glatt von der Feuchtigkeit des Nebels, aber er schaffte es, stand schließlich ganz oben und breitete die Arme aus. Immer stabiler wurde diese Position, die Arme begannen langsam zu schwingen und zu vibrieren. Er konnte die verschiedenen Luftströmungen an der Unterseite seiner Flügel spüren, den Aufwind, die leichten Seitenwinde, die die Flugbahn verändern konnten. Doch er war nicht ängstlich. Die Luft würde ihn tragen, er würde sich in die Kurven legen und ganz knapp vorbei an Felsen in die Tiefe schießen, wieder aufsteigen mit dem Wind, in die Höhe, durch den Nebel hinauf in den blauen Himmel. Kurven würde er beschreiben und Loopings würden ihm gelingen, immer getragen doch niemals gefesselt. Diesmal würde er versuchen sich in eine Zugvögelformation einzureihen um diese gewaltigen Luftströme zu erleben, die durch die Flügelbewegungen von hunderten Vögeln entstanden. Vielleicht war da auch ein Geräusch, ein Lied der Sehnsucht nach dem Süden, das durch die ganze Formation klang, sich über die Federn wellte und die Nebelfetzen auseinandertrieb. Der Leitvogel ganz vorne, alle anderen, die auch genau spürten wohin es ging. Gemeinsame Ziele.

Die Welt von oben. Die dunklen Felsen, die grünen, gelben, roten Formen der Felder, die rotierenden Windräder. Vorsicht, nicht in die Nähe kommen! Die winzigen Häuser, Bäume, Straßen. Nur sehen, nicht kommunizieren müssen. Menschen zu klein um sie aus dieser Höhe wahrzunehmen. Entspannung. Stundenlang.

Er war völlig durchfroren und durchnässt, doch das machte ihm nichts aus. Der Vogelflug war sein Lieblingshobby.


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Bedrückende Familienverhältnisse – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane . Die Wörter kommen diesmal von fraggle

Diese 3 Begriffe sollen in einen höchstens 300 Wörter langen Text eingebaut werden

Großtante Marie war verstorben. Sie war die mit Abstand unbeliebteste Person in der Familie und obwohl sie in der Nachbarschaft mehrerer Neffen und Nichten wohnte, ging man ihr aus dem Weg. Ein oder zweimal im Jahr lud sie ihre zahlreichen Verwandten zu einem sehr bescheidenen Imbiss ein und verabsäumte nie, darauf hinzuweisen, dass sie sich noch nicht klar darüber war, wem sie ihr beträchtliches Vermögen vererben würde. Dieses unerfreuliche Familientreffen hatte zum letzten Mal vor einem halben Jahr stattgefunden. Der Imbiss war noch ein bisschen bescheidener als sonst ausgefallen, die Großtante hielt ihr Haus verschlossen und hatte im Gewächshaus gedeckt, auf wackligen Holzgerüsten, ein paar Brötchen auf schmutzigem Geschirr. Allein das hätte auffallen müssen, denn die Tante war zwar immer knauserig bei der Bewirtung, aber ihr Porzellan war von höchster Qualität und normalerweise sauber. Sie selbst wirkte krank, ungepflegt, verwirrt, sprach über Verfolgungen und Verschwörungen. Alle Anwesenden mussten bemerkt haben, dass sie dringend Hilfe benötigte. Aber niemand reagierte, niemand wollte das heiße Eisen anfassen.

Nun stöhnte die Familie unter komplizierten Nachlassverhandlungen. Zahlreiche Testamente hatte die Tante verfasst, dutzende undatierte Seiten in einer kaum lesbaren Schrift mit vielen Streichungen und ebenso vielen Widersprüchen. Der Notar meinte, dass es einfacher wäre ein gefälschtes Testament durchzubringen als diese Situation irgendwie aufzuklären. Und die Streitigkeiten der Familienmitglieder untereinander lagen noch in der Zukunft.

Die Obduktion erklärte zumindest ihren Tod und ihre Verwirrtheit. Sie hatte aus allgemeinem Misstrauen gegen Medizin und Ärzte die hochdosierten Medikamente gegen ihre Schilddrüsenunterfunktion abgesetzt und durch große Mengen jodhaltiges Salz ersetzt. Berge von Salzpaketen lagen in ihrem ganzen Haus verstreut. Auch alle anderen Medikamente, die ihren Gesundheitszustand einigermaßen stabilisiert hatten, waren im Müll gelandet, die Fenster von innen mit Brettern vernagelt. Es hatte zwei Monate gedauert, bis man die Leiche fand. Der Hinweis kam vom Briefträger.

297 Wörter


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Gift und Geld – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane . Die Wörter kommen diesmal von fraggle

„Gewächshaus – jodhaltig – fälschen“

Diese 3 Begriffe in einem höchstens 300 Wörter langen Text einbauen

Manchmal stand sie in dem umgebauten Gewächshaus, dem Atelier ihres verstorbenen Vaters. Einige seiner Spätwerke standen hier noch an den Wänden und auf Staffeleien. Spät in seinem Leben hatte er diese riesigen, fröhlichen Bilder mit den minutiösen Details gemalt. In diesen Bildern lebten die Erinnerungen an das offene Haus, in dem sie mit fünf Geschwistern aufgewachsen war. Ihr Vater hielt sich zwar sehr viel in seinem Atelier auf, doch war er für seine Familie immer greifbar. Oft war das Atelier versperrt, doch sie musste nur anklopfen und er ließ sie hinein zu den verhängten Bildern zwischen denen er selbst auch oft eine Atemmaske trug.

Nur einmal erhaschte sie einen Blick auf eines der Bilder, ein auf dunklem Hintergrund leuchtendes Portrait.

„Warum sind die Bilder immer verhängt ?“  fragte sie einmal.

„Wegen der giftigen Farben“ sagte ihr Vater.

„Jodhaltig und so ?“

„Wie kommst du denn auf Jod ? Nein, nein, die alten Farben hat man aus ganz anderen Giften gemischt “

„Aber warum ……….“

„Schau ein Reh“ sagte er. Die vielen Wildtiere des Parks schienen immer in die Nähe des Ateliers zu kommen, wenn Fragen nicht beantwortet werden sollten. Manchmal sah sie die Tiere, manchmal nicht.

Von ihren Lehrern bekam sie das romantische Bild des armen Malers vermittelt, der sich trotz großem Fleiß und einmaliger Begabung kaum über Wasser halten konnte.  „Dein Vater ist da eine seltene Ausnahme. Ihr seid so viele und wohnt in einem Schloss mit Park mit mindestens so viel Luxus wie ein Großindustrieller“. Es klang immer etwas giftig, aber es war nun einmal tatsächlich so.

Nach dem Tod des Vaters erklärte die Mutter endlich einiges. „Dein Vater war ein Genie. Er konnte alles malen, von Leonardo bis Monet. Gefälscht ? …….. nein, so kann man das nicht sehen. Seine Bilder waren einfach mindestens so gut wie die Originale und manchmal teurer.“

298 Wörter


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Ekel – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane . Die Wörter kommen diesmal von fraggle

3 Begriffe in einem 300 Wörter langen Text einbauen

Sie genoss ihre Leberknödelsuppe. Kein Superfood, kein Matcha, Moringa, Acai, Goji oder Baobab, kein jodhaltiges Gemüse, noch nicht einmal Nüsse waren drin. Leber, ein ungeheuerlicher Ausrutscher für eine selbstoptimierte Leistungsträgerin. Aber köstlich !

Sie betrachtete das Firmengebäude gegenüber. Die Glasfront, die glänzenden Metallflächen, die Bäume im Dachgarten und dachte an das überdimensionierte Portrait des Firmeninhabers, das wie ein Konterfei des Großen Bruders in der Eingangshalle hing.  Alles war ihr vertraut. Die feucht-schwüle Atmosphäre in diesem Gewächshaus der Intrigen und Verleumdungen. Sie beherrschte das Metier: das Andeuten, das Fälschen von Informationen, das geheuchelte Bedauern auch das gemeinsame Joggen und Aushorchen. Sie kannte die Codes der Branche. Auch das Anwenden der samtig-gemeinen Stimme und des bedauernd-verachtungsvollen Blicks gehörten zu ihrer täglichen Routine.

Jetzt saß sie beim Wirten auf der anderen Straßenseite. Hierher verirrten sich ihre Kollegen und Mitarbeiter selten. Ein bodenständiges Lokal mit mittelmäßigem Essen. Mit Ausnahme der Leberknödel, die waren erstklassig. Das Auskundschaften solcher Perlen in schäbigem Dekor gehörte zu den Eigenschaften, die sie im Verborgenen kultivierte, von denen sie aber hoffte, dass sie ihr späteres Leben bereichern würden.

Auf ihrem privaten Laptop gab es zwei streng geschützte Bereiche: in einem ruhte das vollständig ausgearbeitete Rationalisierungskonzept, das die oberste Führungsebene der Firma bei ihr in Auftrag gegeben hatte, der andere Bereich enthielt eine einzige Seite: ihre Kündigung. Noch war sie nicht sicher, was sie am nächsten Tag weiterschicken würde. Vielleicht zuerst das Rationalisierungskonzept, für das sie eine sehr fette Prämie bekommen würde, das aber für gut ein Drittel der Belegschaft den Rausschmiss bedeutete und dann die Kündigung. Lange konnte sie diese Kündigung nicht mehr aufschieben, der Blick in den Spiegel unter die perfekte Fassade ekelte sie schon zu sehr.

Ein letztes Stück Leberknödel ließ sie sich auf der Zunge zergehen. Vielleicht doch morgen zuerst die Kündigung?

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