la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


13 Kommentare

Der Dienstag dichtet

Katha hat das Projekt ins Leben gerufen, bei ihr gibt es auch eine Teilnehmerliste

Ich definiere für mich „Gedicht“ als verdichtete Prosa und beginne – sehr vorsichtig – mich daran zu versuchen

 

Keine blaue Blume, lieber mag ich die roten

Sehnsucht macht sich nicht breit, aber Freude

Liebe, ein Bestandteil des Alltags in diesem Leben

Braucht die Welt fantasiertes Geglitzer um richtig zu sein?


19 Kommentare

Ein mutiges Experiment, sehr mutig …

Katha hat das Projekt ins Leben gerufen

Ich versuche es auch einmal. Für mein dilettantisches Erstes habe ich einen Satz von Sabine (Wortgeflumselkritzelkrams) als Ausgangspunkt genommen. Natürlich mit ihrer Erlaubnis

Sand rinnt in Flüssen davon

Es bleiben die Steine

In Jahrmillionen wieder Sand

Werden Menschen ihn sehen?

 

Mit von der Partie sind bisher
Stachelbeermond
Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Werner Kastens
Findevogel
Wortverzauberte
Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder
Nachtwandlerin
Lindas x Stories


29 Kommentare

Projekt X – Josef 1

An dem Tag, an dem ich zum ersten Mal in Josefs Wohnung war, lernte ich auch seine Mitbewohnerinnen kennen. Er wohnte in einer Altbauwohnung, die er von einer Tante übernommen hatte, wie ich später erfuhr. Großzügig bemessene Räume, vier Meter hoch, mit Stuckatur an den Decken, mit weiß gestrichenen Holzpaneelen an Fenstern und Türen, ein typischer Wiener Altbau, edel und schwer zu beheizen. Ich war etwas zu früh dran und daher die erste Besucherin.

 „Nicht erschrecken“ war fast das erste, was Josef zu mir sagte, als ich die Wohnung betrat. Ich erschrak trotzdem: durch alle Räume der großen Wohnung zog sich ein seltsames, verzweigtes Röhrensystem aus verschiedenen Materialien, hauptsächlich aber aus einer speziellen Art von Glas. Die Röhren waren an Decken und Wänden festgeschraubt und sehr geschickt so geführt, dass man nicht darüber stolpern konnte, sich im Normalfall nicht den Kopf anstieß und die Wohnfunktionen alle gewahrt waren. Die Räume hatten Flügeltüren, einer der Flügel konnte problemlos bewegt werden, der andere blieb in geschlossener Position und hatte eine ausgesägte Öffnung, durch die eine Röhre führte.

Es konnte für den Bewohner dieser Wohnung keine neue Situation sein, dass Erstbesucher im Vorzimmer standen und neugierige und beunruhigte Blicke auf das Röhrensystem warfen. Ich kannte Josef damals erst sehr flüchtig, wir hatten uns über einen gemeinsamen Freund, Martin, bei einem Gartenfest kennengelernt und ich hatte damals keine Anzeichen von besonderer Exzentrizität an ihm entdeckt. Nun stand ich in dieser röhrendurchzogenen Wohnung und war unschlüssig, ob ich nicht besser sofort wieder den Rückzug antreten sollte.

„Du schaust drein wie alle, die meinen Bau das erste Mal sehen. Hat dich der Martin nicht vorgewarnt?“ fragte Josef. Ich konnte gar nicht sagen, ob er eher besorgt oder eher belustigt wirkte. Monate später lachten wir über meine Einschätzung, dass die Bekanntschaft mit Martin keine solide Referenz für geistige Gesundheit darstellte, denn Martin hatte eine Menge sehr seltsamer Bekannter. Ob Josef auch zu dieser Gruppe gehörte, war für mich aber damals nicht feststellbar.

Ich ergriff also nicht die Flucht sondern erkundigte mich vorsichtig, ob diese Röhren denn leer wären oder mit irgendetwas gefüllt, oder vielleicht ein Kunstprojekt? „Da drin wohnen meine Forschungsobjekte“ sagte Josef. „Du weißt, ich bin Biologe“. Das wusste ich, hatte aber keine Ahnung, womit genau er sich beschäftigte. Er erklärte mir, dass die Röhren an vielen Stellen von außen durchsichtig wären, so dass man hineinsehen und beobachten konnte. Es war wohl nicht ganz zufällig, dass gleich neben der Kleiderablage im Vorzimmer  eine Röhre ein Stück weit auf Sichthöhe verlief und dort auch aus dem semitransparenten Glas bestand. Josef schob die verdeckende Folie beiseite und wir konnten in den Bau hineinsehen.

Zu Josefs vielen guten Eigenschaften gehört, dass er es anderen Menschen nicht übel nimmt, wenn sie seine Leidenschaften nicht teilen. Er verzieh mir also mein spontanes und angeekeltes „was für scheußliche Viecher! “

 „Naja, sie sind wirklich nicht besonders schön“ meinte er und schob die Folie wieder über das Glas „aber extrem faszinierend. Die einzigen Säugetiere, die in einem insektenähnlichen, unterirdischen Staat leben mit einer Königin und sexuell inaktiven Arbeiterinnen. Das wäre schon bemerkenswert genug, aber diese Viecher sind auch extrem langlebig und ihre Zellen altern nicht, erkranken nicht an Krebs, sie sind schmerzresistent und kommen unfassbar lange ohne Sauerstoff aus.“

Tatsächlich hatte ich von diesen Tieren schon gehört und wusste auch ungefähr wie sie aussahen, aber Fotos kamen an die Realität nicht heran. In Bewegung fand ich sie noch schlimmer.

Wohl auf der Suche nach angenehmeren Perspektiven fiel mir auf, dass Josef kräftige Hände mit langen Fingern hatte. Zupackend und sanft, für handwerkliche und erotische Zwecke gleichermaßen geeignet. Ich konnte gar nicht mehr wegschauen. Vielleicht wollte ich auch nur den Anblick der Nacktmulle verdrängen. 


28 Kommentare

Fortsetzung folgt nicht – ABC Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Stepnwolf

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Übermächtig war die Zerstörungswut gewesen und fast alles in dem riesigen, luftigen Labor war ihr zum Opfer gefallen. Von schlichten Reagenzgläsern über gewaltig auflösende Elektronenmikroskope bis zu den perfekten DNS-Sequenzierern. Alles lag unbrauchbar in Stücken und in Scherben. Nichts davon würde jeweils wieder benützt werden können, nicht zum Guten und nicht zum Bösen. Weder vom Großen Uhrmacher noch vom Bockfüßigen. Das letzte hier geschaffene Wesen, der homo sapiens sapiens, ein Lacherfolg dieser Name, der eigentlich nur durch den DNS-Anteil von seinem Vorgänger dem Neandertaler einigermaßen psychisch stabil gehalten werden konnte, hatte sich zum größten Flopp überhaupt, zum Zerstörer seiner Biosphäre entwickelt.

Dann übernahm der Zauberlehrling das Labor mit den zahllosen DNA-Proben diverser Hominiden und experimentierte mit Photosynthese, mit CO2-Atmung, Stoffwechsel auf Plastikbasis, Kiemen mit Bio-Filtern und diversen anderen Wegen, die das aufwändige Biotop vielleicht wieder stabilisieren könnten.

Doch der Große Uhrmacher und der Bockfüßige waren sich einig – zuviel ist zuviel, eine so misslungene Kreatur musste ausgelöscht werden. Zahlreiche Optimierungsversuche entweder durch großflächige Ausrottung oder durch Vorhalten eines Extremspiegels waren erfolglos geblieben. Die Sintflut, Sodom und Gomorrha, der Holocaust, Hiroshima, Donald Trump als letzter Versuch. Als Trump mit triumphalen 60 % wiedergewählt wurde, war die Zukunft des Labors besiegelt. Andere Biotope versprachen bessere Ergebnisse. Der Große Uhrmacher und der Bockfüßige zogen um in eine andere Ecke des Universums.

Das luftige Labor war völlig zerstört. Das gesamte Labor? Nein. Eine kleine Ecke war vergessen worden. Klein für die Verhältnisse des Riesenlabors. Hier standen unzerstört ein paar hundert Brutkästen, in denen der letzte Versuch des Zauberlehrlings ausgebrütet wurde. Menschliche Babys mit intensiv grüner Haut und hübschen orangen Kiemen, in ihrer synthetischen Muttermilch wurde Plastik aufgelöst durch das die Babys wunderbar gediehen. Ihr Stoffwechsel war aber so vielseitig, dass sie sich praktisch von allem ernähren konnten.  

Und eines Tages glitten sie in die verschmutzten Ozeane der Erde. 

(301 Wörter)

 


11 Kommentare

Endlich hemmungslos kreativ sein können – ABC Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei Christiane

Diesmal stammen die Wörter von books2cats

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Der Unfall war leider tödlich und da stand ich nun ….. ja wo eigentlich? Das Himmelstor hatte ich mir anders vorgestellt. Vielleicht war das der Hintereingang für Atheisten. Ein äußerst fescher junger Mann kam aus dem Tor auf mich zu. „Entschuldige den Schwefelgeruch“ sagte er mit sonorer Stimme. „Man riecht ihn aber eh nur außerhalb der Liegenschaften“

Liegenschaften?

„Hölle klingt nicht so gut. Herzlich willkommen! Du bist die 5trillionste Aufnahmebewerberin und bekommst eine Führung vom Chef persönlich.“ Was konnte ich anderes tun als ihm zu folgen, in eine wunderschöne, blühende Landschaft übrigens.

„Die eigentliche Chefin hier ist meine Großmutter. Die Dame dort drüben mit der bronzefarben-nilgrünen Frisur. Vor ein paar Äonen hat sie beschlossen die Bude hier völlig umzuorganisieren, sie wollte mehr feiern und weniger foltern. Daher haben wir von der calvinistischen Leiharbeiterfirma von oben Geräteschuppen bauen lassen für die Kessel, Zangen und sonstigen überflüssig gewordenen Folterinstrumente“

Leiharbeiterfirma?  

„Na, du weißt doch, die Calvinisten sind nur glücklich wenn sie viel arbeiten, deswegen hatte einer der himmlischen Engelchorleiter diesen glücklichen Gedanken. Eine eindeutige win-win-Situation.

Hier sind wir ja nicht nach Religionen organisiert sondern nach Interessensgebieten. Ungefähr 95% aller menschlichen Forscher, Philosophen, Küchenchefs, Künstler leben bei uns. Die Aufnahmebedingungen da oben sind praktisch unerfüllbar. Wer zum Beispiel bekommt denn heutzutage noch die letzte Ölung! Außerdem gefällt es den Menschen bei uns viel besser „

Ach, und die Verbrecher und so ?

„Für die hat die Oma eine Sonderabteilung eingerichtet. Zur Inspiration hat sie ein paar Wochen in den chinesischen Uiguren-Lagern verbracht. Das dortige System hat sie mit deutlichen Abmilderungen dann auch hier eingeführt.“  

„Aber du stehst auf der Liste für die kreative Abteilung. In aller Bescheidenheit möchte ich darauf hinweisen, dass die Zufriedenheitswerte dort bei 99,9% liegen.“

PLOPP

„Ich hab ja gewusst, dass die letzte Ölung sie wieder aufwecken wird“  sagt ein Mann in schwarzer Kutte zu einer Frau mit grüner Chirurgenmaske.  NEIN ……

 


9 Kommentare

Projekt X – Abwasser auf arabisch

Ich nehme eine der vielen hilfreichen Anregungen von Jutta Reichelt   auf und schreibe einfach einmal drauflos aber mit einem Fokus auf den längeren Text, den ich vorhabe, also auf mein Projekt X.

Das Ergebnis von ein paar Minuten schreiben und einmal durchlesen, gefällt mir gut. Natürlich habe ich aber das Beschriebene vor meinem inneren Auge und kann nicht wirklich beurteilen, ob sich für die Lesenden auch ein Bild herauskristallisiert.  

Der Ansatz „Stoff zu sammeln“ in Form von spontan geschriebenen Kurztexten wie dieser entspricht mir sehr. Es wird mir sehr viel Freude machen, zu verschiedenen Stichwörtern oder Bildern zu schreiben, wobei sich der Plot für das Ganze in recht rudimentärem Zustand in meinem Kopf befindet. Trotzdem werde ich wohl irgendwann so etwas wie einen Plan machen müssen, wie das Ganze dann zusammengefügt werden kann. Vielleicht kann es aber auch gar nicht zusammengefügt werden, oder ganz anders. Ich seh schon, ich bin wieder ganz inspiriert.

Vielen Dank an Jutta

Es regnet, es gießt, es schüttet, es waschelt, hemmungslos und ausgiebig. Es fließt, es tropft, es trommelt gegen Scheiben, es prallt das Wasser von Wänden ab, es tröpfelt von den Bäumen, es flutet die Kanalisation. In Wien nicht, da ist die Kanalisation ziemlich solid aufgestellt, aber in vielen Städten dieser Welt habe ich gesehen, wie ein starker Regenguss die Straßen in Bäche und Flüsse verwandelt auf denen Diverses schwimmt und schaukelt, manchmal in Strudeln untergeht, manchmal den Vorbeikommenden an die Beine klatscht oder gar ins Gesicht. Manchmal gurgelt es auch beängstigend unter einem Kanaldeckel und die Vorbeigehenden behalten die Sache im Auge, ob nicht plötzlich ein Schwall Wasser oder eine Gruppe tierischer Bewohner der Unterwelt den Deckel hebt und auf die Straße herausströmt

Diese schmale Straße in Lissabon zum Beispiel, die vom Lokalbahnhof Cais do Sodré zur Praça do Comercio führt. Bei Regen konnte man dort getrost die Schuhe ausziehen und die Hosen hochkrempeln, denn sogar wenn die Autos vorsichtig und rücksichtsvoll durchgefahren wären, was sie nicht taten, wäre man auf jeden Fall bis zu den Knien nass gewesen.Tatsächlich bretterten sie aber durch die tiefen Wasserlachen, so dass Fussgänger manchmal zu ausgiebigen Ganzkörperduschen kamen mit Wasser in Reinheit und  Qualität, wie sie eben durch die städtische Kanalisation floss, denn das Wasser kam nicht nur von oben sondern durch die Überlastung des Systems auch von unten, aus den tieferen Gefilden des Abwassersystems.

Sistema de esgoto heißt die Kanalisation auf portugiesisch, alcantarillado dagegen auf spanisch. Alcantara wiederum heißt das Lissabonner Viertel mit einer großen Brücke über den Tejo und es gibt einen Ort in der Algarve, der Alcantarilha heißt. Das sprachliche Erbe der Araber auf der iberischen Halbinsel ist umfangreich und vielfältig.

Kurz hat der Regen aufgehört, die Erde saugt das Wasser gierig ein, der Beton schüttelt es angewidert ab oder stellt sich leicht auf um das unangenehme Nass abwärts fließen zu lassen. Doch es fängt nochmals an zu regnen. Das Platschen und Spritzen geht weiter. Missmutige Schirme werden wieder aufgespannt, Kapuzen wieder hochgezogen, Gummistiefel mit Kindern darin hüpfen mit vollem Schwung in die Wasserlachen. Es breitet sich eine Mischung aus Belustigung und Resignation aus

Und wenn die Pflanzen in den Parkanlagen entspannt und fröhlich summen könnten, würden sie das sicher tun.


9 Kommentare

Letztlich haben Schnecken und Menschen ähnliche Interessen – ABC-Etüden

Die unten stehenden 6 Begriffe sollen in einem höchstens 500 Wörter langen Text vorkommen

Wie immer bei  Christiane

Erstens läuft der alte Editor tatsächlich noch und zweitens kommt in diesem Text 3x (in Worten „dreimal“ ) „Katamaran vor.

Das ist Otto-Sylvia mit frisch geputztem Haus an einem wundervollen, regnerischen Vormittag. Die Blätter und die Steine leuchten feucht, die Luft atmet sich von selbst. ErSie ist unterwegs zu einem Date mit Sybille-Jochen, unten an der Marina zwischen dem blauen Katamaran und dem kleinen Ruderboot „Schrecken des Meeres“. Aus reiner Lebensfreude versucht Otto-Sylvia seineihre Fühler zu ringeln und vibrieren zu lassen. Das gelingt nicht ganz, ist aber nicht weiter schlimm, sieer hält ohnehin nichts von den angeberischen, großspurigen Schnecken, die ständig ihre Begabungen zum schnellen Sex heraushängen lassen. Vulgär, so was! Natürlich muss man den Sex nicht totschweigen, aber so öffentlich und ohne PartnerPartnerin … Otto-Sylvia ist ganz entspannt: den Zeitplan für die Hin- und Rückreise wird ersie problemlos einhalten können, die Wetterfrösche garantieren Regen bis in den frühen Morgen hinein. Da werden sieer und Sybille-Jochen ausreichend Zeit haben um sich miteinander so richtig einzuschleimen und abzufühlern. Diese langen Trockenzeiten waren doch ein Horror, echte Notstandszeiten für temperamentvolle Schnecken. Auf dem Rückweg im angenehmen Rieselregen wird ihrihm eine Mondsichel leuchten, falls sie hinter den Wolken zu sehen sein wird. Wenn nicht, wird ersie eben auf der eigenen Schleimspur zurückfinden. Wäre nicht das erste Mal. Um mit Sybille-Jochen zu kopulieren, lohnt sich das auf jeden Fall.   In ihrerseiner üblichen, rasanten Fortbewegungsart gleitet Otto-Sylvia über die nassen Steine. Hin und wieder fällt ein Wassertropfen auf seineihre Fühler, elektrisierend fühlt sich das an, die Vorfreude wird langsam zur Gier. Aus genau denselben Gründen wie Otto-Sylvia ist auch Richard unterwegs, zur Disco an der Marina. Aus reinem Übermut hüpft er beidbeinig über die Schnecke und schwenkt seine Regenjacke wie Flügel. Seltsam, denkt Otto-Sylvia, dass man bei Menschen sofort sieht, ob sie gerade männlich oder weiblich sind. Das ist aber nicht die einzige Seltsamkeit bei Menschen denkt sieer und konzentriert sich wieder auf den Weg. Nach ein paar Stunden, als Richard gerade überlegt, ob es heute der Mühe Wert ist zu verkünden, dass sein Katamaran jederzeit bereit zum Ablegen ist, ist Otto-Sylvia beinahe angekommen. Sybille-Jochen kommt ihmihr entgegen, die beiden richten sich aneinander auf, entscheiden schnell, ob es Otto mit Sybille oder Sylvia mit Jochen sein soll und lassen sich dann in die schleimigen Freuden fallen. Bei Richard läuft es nicht so gut. Kein einziges weibliches Wesen scheint sich für ihn und seinen Katamaran zu interessieren. Klar, geschlechtlich unflexibel, was soll das schon werden, würde Otto-Sylvia denken, wenn ersie nicht intensiv anderweitig beschäftigt wäre.   ALTERNATIV: Richard sieht Otto-Sylvia nicht, oder ist ein Barbar oder mag keine Schnecken und daher glitsch, spritzt, schleim, Haus zu vergeben. Aber das wollen wir ja alle nicht.    


19 Kommentare

Kritische Menschen – ABC Etüde

Die untenstehenden 6 Begriffe sollen in einem höchstens 500 Wörter langen Text vorkommen

Wie immer bei  Christiane

Der neue Texteditor ist doch etwas spröde, aber wunderbar geeignet für Turnübungen für die Synapsen. Bei solchen Gelegenheiten kann ich ganz beträchtliche Sturheit entwickeln.

In furchtbarer Erinnerung habe ich noch heute den Strandurlaub mit meiner Freundin Yolanda. Es war gegen Ende des Sommers 2020, als man in Europa nach der Corona-Pandemie endlich wieder reisen durfte. Wir wollten beide unbedingt ans Meer und mieteten uns gemeinsam ein Haus in der Altstadt der Insel Rab.

Die ersten Tage verbrachten wir gemeinsam an verschiedenen Stränden, schlenderten durch die Altstadt und den Yachthafen, probierten Fischgerichte, kauften bunte Kleider und Taschen und plauderten ohne Punkt und Komma. In einem der Fischrestaurants, das auf verschiedene Zubereitungsarten von Tintenfisch spezialisiert war, trafen wir am vierten Abend zufällig meinen ehemaligen Arbeitskollegen Markus, in den ich immer schon ein bisschen verliebt war. Er war nur für weitere zwei Tage allein auf der Insel. Yolanda verschwand schnell auf die Toilette und machte mir hinter Markus Rücken eindeutige Zeichen: ich sollte doch diese Gelegenheit auf keinen Fall vorbeigehen lassen. So kam es, dass Yolanda und ich einander in den folgenden Tagen kaum zu Gesicht bekamen.   

Markus entpuppte sich allerdings als hohler, großspuriger Angeber, mit dem ich kaum mehr als zwei Tage hätte verbringen wollen, eigentlich war das auch schon zu viel und so war es alles andere als schlimm, als wir uns verabschiedeten und er in Richtung Flughafen aufbrach. 

Am nächsten Tag saß ich wieder vergnügt mit Yolanda am Strand und erzählte ihr, dass diese Episode so peinlich war, dass sie am besten totgeschwiegen werden sollte. Yolanda nickte und meinte, es gäbe ja schließlich auch Männer von ganz anderem Kaliber, die sich über die Welt und das Leben Gedanken machten und handelten. Ich stimmte ihr zu und wollte zum Meer hinunter gehen. Aber Yolanda wollte mir etwas Wichtiges erzählen.

„Kommt es dir nicht auch seltsam vor, dass Präsident Trump so oft genau das Richtige tut, obwohl ihm das in Europa niemand zutraut“ fragte sie mich. Ich war verblüfft. „Und wolltest du noch nie wissen, was er und andere kritische, freiheitsliebende Menschen vorhaben um uns alle zu retten?“ fragte sie mich mit großen, glänzenden Augen. Bevor ich fragen konnte, wovor genau sie uns retten sollten, sprang sie auf, murmelte etwas von einem Zeitplan, der eingehalten werden müsse und lief davon.

Nun stand ich gegen zwei Uhr morgens am Yachthafen und starrte auf ein Schiff am Anleger. Es war ein Katamaran mit einer hell erleuchteten Kabine. Musik und Partygeräusche wehten von anderen Schiffen ans Ufer. Mir war aufgefallen, dass Yolanda ihren Pass und ihre Kreditkarten mithatte, als sie an Bord des Schiffs ging in Begleitung eines Mannes mit hartem Gesicht.

Wie konnte ich Yolanda dort nur wieder herausholen! Sie hatte wirre Geschichten erzählt von unterirdischen Gängen, Folterkammern für Kinder betrieben von den amerikanischen Demokraten, einer weltweiten Verschwörung, Reptiloiden … Kritikfähige Menschen – sagte sie –  müssten unbedingt G5-Handymasten abfackeln und Donald Trump und seinen Abgesandten blind  vertrauen, denn sie seien der Garant für Freiheit und Selbstbestimmung.

„Sie wollen sicher auch zur Q-anon- Versammlung“ sagte eine Stimme hinter mir. Jemand fasste mich hart am Arm und zerrte mich in Richtung Anleger. Gerade war auf dem Katamaran das Licht ausgegangen.


6 Kommentare

Projekt X – Version 1.2

Zweite Version des Beginns. Wird wohl nicht die letzte bleiben, aber sie gefällt mir schon besser und fügt sich langsam zusammen. Ein Teil des Textes ist ja fast ein Jahr alt. 

Hier gibt es die Farben und Anmerkungen aus der word-Datei nicht, an denen man auch gut sehen könnte, wie die Teile verbunden werden und zusammenwachsen, aber ausnahmsweise schreibe ich nicht direkt in den Blog. Zur Gewichtung habe ich hier den Anteil der Rückblende orange gefärbt. Das „Masse-Verhältnis“ ist jetzt ausbalancierter, denke ich. Aber ich mache mir keine Illusionen darüber, dass es noch mehrere Versionen geben wird, falls da jemals ein längerer Text draus wird.

Carmo starb in Lissabon. Für mich ganz unerwartet. Ich kam auch zu seinem Begräbnis zu spät, weil ich keinen Flug mehr bekommen hatte. Der größte Teil der Familie war wohl erleichtert, mich dort nicht zu sehen. Die Abneigung beruhte durchaus auf Gegenseitigkeit, dennoch waren Carmo, Maris und ich jahrelang ein so ineinander verwobenes Trio, dass ich mich beinahe gefreut hätte, sie zu sehen. Nachdem es aber für unsere Art von Beziehung keine Bezeichnung gab, die man in einer konventionellen Familie hätte verwenden können, war es wohl besser, dass ich es nicht rechtzeitig zum Begräbnis geschafft hatte.

Ich wohnte bei Carmos Tante, einer sehr resoluten, alten Dame, die mich ins Herz geschlossen hatte und mir gegenüber seiner restlichen Familie immer die Stange hielt. Tía Arlette wurde sie von allen genannt. Sie war Tante, Großtante und sogar Urgroßtante und hielt die Familie mit eiserner Hand zusammen. Ungewöhnlich für ihre Generation hatte sie nie geheiratet. Die Familienlegende erzählte, ihre große Liebe wäre ein Doktor Soundso gewesen, aber niemand wusste, warum die beiden nicht geheiratet hatten. Ich halte diese  Geschichte für reine Erfindung. Arlette war eine kluge Frau und wahrscheinlich nicht bereit, sich in die totale Abhängigkeit zu einem Mann zu begeben, wie das in ihrer Jugend in einer Ehe üblich und gerne gesehen war. Allerdings wurde sie dem weiblichen Rollenbild in der portugiesischen christlich-konservativen Diktatur der 1940er und 50er Jahre insofern gerecht, als sie zuerst ihre Eltern pflegte, dann ihre älteste Schwester und schließlich eine weitere ihrer drei Schwestern bis zu deren Tod.   

Zwei Tage nach Carmos Begräbnis saßen wir in ihrem Esszimmer zwischen wahrscheinlich handgeschnitzten Holzmöbeln und recht düsteren Landschaftsbildern. Tía Arlete   brachte eine Plastikbox herein und stellte sie auf den Tisch; auf das filigran bestickte Tischtuch zwischen die silbernen Leuchter. Das Esszimmer war nur für besondere Gelegenheiten gedacht, an normalen Tagen aß man in der Küche. Die Tatsache, dass wir also im Esszimmer saßen, gab der Übergabe der Plastikbox eine gewisse feierliche Note. In dieser Box sagte die Tante hätte Carmo persönliche Dinge verwahrt.

Carmo war theoretisch von seiner in Spanien lebenden Frau Maris getrennt und lebte entweder in Wien oder in Lissabon bei seiner Tante. Er war wohl auch des öfteren in Spanien anzutreffen, ganz sicher nachdem wir uns getrennt hatten, höchstwahrscheinlich auch vorher. Klare Verhältnisse strebte er nie an.

Ich zögerte, die Box entgegenzunehmen. Es war mir klar, dass sie mir kaum Angenehmes berichten würde. Wenn mein verstorbener Liebhaber diese Box bei seiner Tante aufbewahrte, also ein paar tausend Kilometer außerhalb meiner Reichweite, so würde das seine Gründe haben.

Ich saß im Flugzeug, auf dem Weg nachhause, nach Wien. Die Plastikbox, eingepackt in  altertümliches Geschenkpapier lag als Handgepäck im Gepäcksfach über mir. Der Pilot drehte die unvermeidliche enge Kurve über die Lissabonner Innenstadt. Wenn man dort am Campo Grande steht, hat man den Eindruck, dass die Flugzeuge so knapp über den Köpfen der Menschen liegen, dass es unmöglich noch einmal gut gehen kann. Schaut man hinauf, ist die geringe Entfernung zwischen Parkbäumen und Flugzeug noch erschreckender.

Ich habe einmal gehört, dass alle Piloten darauf trainiert werden in gefährlichen Situationen, wenn ein Abstürzen des Flugzeugs bevorsteht, aufs Meer hinaus zu drehen. Dafür wäre in Lissabon keine Zeit, zu tief müssen die Flugzeuge schon sein  wenn sie über die Stadt fliegen und den Flughafen ansteuern Dabei ist das Meer gar nicht weit, die Mündung des Tejo liegt praktisch im Stadtgebiet. Und weiter im Westen liegt Madeira …

„Give me hope, Joanna, give me hope, Joanna, give me hope before the morning comes.“ Ich weiß nicht mehr, ob es das Lied jenes Sommers oder aus irgendwelchen Gründen mein Ohrwurm war, jedenfalls sehe ich die Ferienwohnung in Madeira wenn ich es höre und wenn ich an diese Zeit denke, höre ich „give me hope, Joanna.“

Der Sitz neben mir war leer, wir flogen durch eine dicke Wolkenschicht Richtung Wien, aber ich war in Madeira angekommen.

Es hatte mir imponiert, dass Carmo einfach irgendeinen Fußballfunktionär in Madeira anrief und daraufhin eine Ferienwohnung gratis bekam. Die Wohnung war hübsch, in einem Vorort von Funchal gelegen. Tage verbrachten wir am Pool mit Sonnen, Schwimmen, Schmusen, Aufladen mit aphrodisierendem Jod, auch hier war das Meer nicht weit weg, das Bett auch nicht oder der Tisch und die kühlen Bodenfließen in der Ferienwohnung. Wahrscheinlich erwartete der Fußballverband von Madeira irgendeine Gegenleistung von einer eingeladenen Berühmtheit, bekommen hat er jedenfalls nichts, soviel ich noch weiß.

Irgendwann fuhren wir in die Stadt, es gab eine ganz gute Busverbindung und ich wollte unbedingt eine Schiffsrundfahrt entlang der Küste machen. Carmo wollte nicht. Ich wusste damals nicht, warum er kaum jemals in ein Boot zu bekommen war. Über seine Ängste sprach er nicht mit mir, ich war schließlich die junge Geliebte, die zu den finsteren Bereichen seines Lebens keinen Zutritt hatte. Leider blieb das nicht so.

Ich erinnere mich an die fantastische Steilküste, an der das Boot entlang fuhr und wie gut mir die Rundfahrt gefiel. Carmo war im letzten Moment wieder ausgestiegen. Das war noch ziemlich am Anfang unserer Beziehung. Nach ein paar Stunden kam ich dann zurück an den Pool, wo er hinter einer Zeitung verschwunden war. Er ging immer davon aus, dass alles nach seinem Kopf zu geschehen hatte, wenn ich mich aber widersetzte, nahm er das zur Kenntnis. Im Rückblick betrachtet, hatte ich einen großen Anteil daran, dass er so viel Macht über mich gewann. Hätte ich mich am Anfang unserer Beziehung nicht so träge verhalten, wäre vieles anders gekommen, wahrscheinlich besser, aber wer weiß schon, was genau sich verändert, wenn man eine andere Abzweigung nimmt.

Abends rief er immer seine Frau an. Damals gab es noch keine Mobiltelefone, man musste von einer Telefonkabine aus sprechen und dazu brauchte man Münzen, viele Münzen, je mehr Lügengeschichten umso mehr Münzen. Manchmal streckte er nur beredt die Hand aus, er konnte ja nichts sagen, jemanden, der nicht existiert, kann man auch nicht auffordern Münzen heranzuschaffen. Ich weiß, dass ich die Rolle der Münzenbesorgerin für diese Gespräche als sehr demütigend empfand und nach ein paar Tagen verweigerte. Ich hörte dann lieber im Kopf „give me hope, Joanna“ ohne mich weiter um die Gespräche mit Maris zu kümmern. Den ganzen Text weiß ich nicht mehr. Irgendwann kommt vor „… in the black Soweto ….. „

Auf der Strecke Lissabon-Wien flogen wir inzwischen schon über Frankreich und es gab sogar warmes Essen inklusive Nachspeise: Honiglebkuchen aus Madeira. Unglaublich wie viele Details manchmal zusammenspielen um einen in einer Erinnerung festzuhalten. 

Von dem Honiglebkuchen, der uns beiden sehr gut schmeckte, hatten wir oft ein Stück auf dem runden, weißen Tisch in der Ferienwohnung in Funchal liegen. Das Bett war, glaube ich, auch weiß und auf der Seite auf der ich meistens schlief, gab es ein schmales, hohes Fenster durch das man über eine Landschaftsterrasse bis zum Meer hinuntersehen konnte. Carmo schlief viel mehr als ich, schließlich war er annähernd zwanzig Jahre älter und lebte in einer permanenten Sexorgie, daher hatte ich viel Gelegenheit aus dem Fenster zu schauen. Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube ich las damals „Erdsee“ von Ursula K Le Guin. Auf jeden Fall einen Fantasy-Flucht-Roman in dieser Art.

Wir waren mehrmals in Madeira und einmal auf der Nachbarinsel Porto Santo deswegen weiß ich nicht mehr genau, welche Ereignisse welchem Besuch zuzuordnen sind. Ich erinnere mich an den Besuch einer Messe für lokale Produkte, das könnte bei diesem Aufenthalt gewesen sein. Ich trug ein beiges Kleid mit handgehäkelten Spitzen. Seltsames Detail, an das ich mich da erinnere. Einmal waren wir im Botanischen Garten, das muss aber ein andermal gewesen sein.

Während das Flugzeug in den Sinkflug ging um in Wien zu laden, erinnerte ich mich an den Anflug in Madeira. Als wir das erste Mal dort waren, war die Flugpiste noch extrem kurz und Piloten, die diesen Flughafen anfliegen wollten, mussten eine Spezialausbildung machen. Die Piste endete abrupt ein paar Meter vor den Klippen, was ein irrwitziges Bremsmanöver erforderte, das das gesamte Flugzeug zum Vibrieren brachte. Man hatte den Eindruck, es würde jeden Moment auseinander brechen, in tausend Stücke oder ganz über die Klippen fallen. Beim nächsten Besuch war die Piste schon verlängert, der neue Teil steht auf tragenden Pfeilern im Meer. Damals war ich aber hauptsächlich verliebt und interessierte mich nur am Rande für solche Details.

Inzwischen wurde schon der Donauwalzer gespielt und dem Piloten applaudiert, wir waren in Wien-Schwechat gelandet. Einen Augenblick war ich in Versuchung die Büchse der Pandora im altertümlichen Geschenkpapier im Gepäckfach zu vergessen. Aber ich bin nun mal neugierig.

24.5.20


22 Kommentare

Unerwartetes in Gerhards Garten – ABC- Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Gerhard von  Kopf und Gestalt.  

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Es summt und schwirrt und leuchtet ganz besonders intensiv in der linken hinteren Ecke von Gerhards Garten. Dort hat die Tarantula ihre Insekten-Fotomodel-Agentur eröffnet. Nachdem ihr schon als ganz kleiner Spinne schmerzhaft bewusst wurde, dass sie bei den Menschen nicht gerne gesehen war, auch nicht bei Gerhard, hatte sie sich dazu entschlossen, gewissermaßen im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Heute herrschte Vollbetrieb. Es hatten sich einerseits besonders viele Interessierte gemeldet und andererseits wankte der Zeitplan gewaltig. Manche Insekten waren eben zeitmäßig extrem undiszipliniert.

Der hübsche Schiffermuelleria schaeferella, auch Mülli genannt, was der eitlen Motte sehr mißfiel, war deutlich verspätet. „Hopp, hopp, hopp“ rief die Tarantula “ dort kommt Gerhard schon und wer hängt noch nicht malerisch an der Hausmauer ?! “ „Aber ich bitte dich, das ist doch nicht schlimm, wenn er dann so etwas Hübsches wie mich zu sehen bekommt“ flötete Mülli selbstgefällig. Die Tarantula verdrehte die Augen und ließ sich an einem ihrer praktisch unzerreißbaren Fäden bis knapp über Müllis Kopf fallen. Das wirkte. Gerhards Freudenschrei im Hintergrund war Beweis genug für Müllis Arbeitseinsatz.

„Wen haben wir denn da heute ?“ fragte die Tarantula “ Oh, ein Homotropus Signatus., wie schön, aber du bist leider viel zu klein. Damit Gerhard dich mit seinem Makro fotografieren kann, muss er dich doch überhaupt einmal wahrnehmen.“ „Schaff ich schon, schaff ich schon“ sirrte die Miniwespe und flutsch war sie weg.

Die Tarantula blickte wieder über die Kandidaten  und entschied sich für einen Käfer, den sie besonders gerne zum Frühstück in ihrem Netz … „Nein, du Barbarin“ sagte sie zu sich selbst „kein Wunder, dass Gerhard dich nicht mag, obwohl du doch als erste vegetarisch lebende Spinne eine Art Weltwunder bist.“ Nein, diesen interessanten Valgus hemipterus werde ich Gerhard als besonderen fotografischen Leckerbissen auf einer Pusteblume präsentieren. „Ach Gerhard“ seufzte sie „es wäre so schön mit uns beiden“

300 Wörter


12 Kommentare

Projekt X – 2

Projekt X – 1 

Inzwischen hat der Protagonist X den Namen Carmo bekommen. Das Projekt behält den Namen „X“ das passt sehr gut.

Zu klären ist die Frage, ob ich Rückblenden wie diese, von denen es ja ziemlich sicher sehr viele geben wird, in einer Rückblendperspektive erzählen soll – so wie hier –  oder sie lieber in eine direkte Gegenwartsperspektive holen sollte. Es spricht ja auch nichts dagegen, beides und auch noch vieles andere auszuprobieren.

 

Ich saß im Flugzeug, auf dem Weg nachhause. Die Plastikbox, eingepackt in  altertümliches Geschenkpapier lag als Handgepäck im Gepäcksfach über mir. Der Pilot drehte die unvermeidliche enge Kurve über die Lissabonner Innenstadt. Wenn man am Campo Grande steht, hat man den Eindruck, dass die Flugzeuge so knapp über den Köpfen der Menschen liegen, dass es unmöglich noch einmal gut gehen kann. Schaut man hinauf, ist die geringe Entfernung zwischen Parkbäumen und Flugzeug noch erschreckender.

Ich habe einmal gehört, dass alle Piloten darauf trainiert werden in gefährlichen Situationen, wenn ein Abstürzen des Flugzeugs bevorsteht, aufs Meer hinaus zu drehen. Dafür wäre in Lissabon keine Zeit, zu tief sind die Flugzeuge im Anflug wenn sie über die Stadt fliegen. Dabei ist das Meer gar nicht weit. Und weiter im Westen liegt Madeira …

„Give me hope, Joanna, give me hope, Joanna, give me hope before the morning comes.“ Ich weiß nicht mehr, ob es das Lied jenes Sommers oder aus irgendwelchen Gründen mein Ohrwurm war, jedenfalls sehe ich die Ferienwohnung in Madeira wenn ich es höre und wenn ich an diese Zeit denke, höre ich „give me hope, Joanna.“

Es hatte mir imponiert, dass Carmo einfach irgendeinen Fußballfunktionär in Madeira anrief und daraufhin eine Ferienwohnung gratis bekam. Nicht nur er, ich auch, als eine Art Anhängsel. Die Wohnung war hübsch, lag in einem Haus mit Pool, in einem Vorort von Funchal. Tage verbrachten wir am Pool mit Sonnen, Schwimmen, Schmusen, Aufladen mit aphrodisierendem Jod, auch hier war das Meer nicht weit weg, das Bett auch nicht oder der Tisch und die kühlen Bodenfließen in der Ferienwohnung. Wahrscheinlich erwartete der Fußballverband von Madeira irgendeine Gegenleistung von einer eingeladenen Berühmtheit, bekommen hat er jedenfalls nichts, soviel ich noch weiß.

Irgendwann fuhren wir in die Stadt, es gab eine ganz gute Busverbindung und ich wollte unbedingt eine Schiffsrundfahrt entlang der Küste machen. Carmo wollte nicht. Ich wusste damals nicht, warum er kaum jemals in ein Boot zu bekommen war. Über seine Ängste sprach er nicht mit mir, ich war schließlich die junge Geliebte, die zu den finsteren Bereichen seines Lebens keinen Zutritt hatte. Leider blieb das nicht so.

Ich erinnere mich an die fantastische Steilküste, an der das Boot entlang fuhr und wie gut mir die Rundfahrt gefiel. Carmo war im letzten Moment wieder ausgestiegen, ich nicht. Das war noch ziemlich am Anfang unserer Beziehung. Nach ein paar Stunden kam ich dann zurück an den Pool, wo er hinter einer Zeitung verschwunden war. Er ging immer davon aus, dass alles nach seinem Kopf zu geschehen hatte, wenn ich mich aber widersetzte, nahm er das zur Kenntnis. Im Rückblick betrachtet, hatte ich einen großen Anteil daran, dass er soviel Macht über mich gewann. Hätte ich mich am Anfang unserer Beziehung nicht so träge verhalten, wäre vieles anders gekommen, wahrscheinlich besser, aber wer weiß schon, was genau sich verändert, wenn man eine andere Abzweigung nimmt.

Abends rief er immer seine Frau an. Damals gab es noch keine Mobiltelefone, man musste von einer Telefonkabine aus sprechen und dazu brauchte man Münzen, viele Münzen, je mehr Lügengeschichten umso mehr Münzen. Manchmal streckte er nur beredt die Hand aus, er konnte ja nichts sagen, jemanden, der nicht existiert, kann man auch nicht auffordern Münzen heranzuschaffen. Ich weiß, dass ich die Rolle der Münzenbesorgerin für diese Gespräche als sehr demütigend empfand und nach ein paar Tagen verweigerte. Ich hörte dann lieber im Kopf „give me hope, Joanna“ ohne mich weiter um die verlogenen Gespräche zu kümmern. Den ganzen Text weiß ich nicht mehr. Irgendwann kommt vor „… in the black Soweto ….. „

Es gibt eine typische Süßigkeit in Madeira, eine Art Honiglebkuchen, der uns beiden sehr gut schmeckte und von dem wir immer einen auf dem runden, weißen Tisch in der Ferienwohnung liegen hatten. Das Bett war, glaube ich, auch weiß und auf der Seite auf der ich meistens schlief, gab es ein schmales, hohes Fenster durch das man über eine Landschaftsterrasse bis zum Meer hinuntersehen konnte. Carmo schlief viel mehr als ich, schließlich war er annähernd zwanzig Jahre älter und lebte in einer permanenten Sexorgie, daher hatte ich viel Gelegenheit aus dem Fenster zu schauen.

Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube ich las damals „Erdsee“ von Ursula K Le Guin. Auf jeden Fall einen Fantasy-Flucht-Roman in dieser Art.

Wir waren mehrmals in Madeira und einmal auf der Nachbarinsel Porto Santo deswegen weiß ich nicht mehr genau, welche Ereignisse welchem Besuch zuzuordnen sind. Ich erinnere mich an den Besuch einer Messe für lokale Produkte, das könnte bei diesem Aufenthalt gewesen sein. Ich trug ein beiges Kleid mit handgehäkelten Spitzen. Seltsames Detail, an das ich mich da erinnere. Einmal waren wir im Botanischen Garten, das muss aber ein andermal gewesen sein.

An den Anflug kann ich mich gut erinnern. Als wir das erste Mal in Madeira waren, war die Flugpiste noch ganz kurz und Piloten, die diesen Flughafen anfliegen wollten, mussten eine Spezialausbildung machen. Die Piste endete abrupt ein paar Meter vor den Klippen, was ein irrwitziges Bremsmanöver erforderte, das das gesamte Flugzeug zum Vibrieren brachte. Man hatte den Eindruck, das Flugzeug würde jeden Moment auseinander brechen, in tausend Stücke oder ganz über die Klippen fallen. Beim nächsten Besuch war die Piste schon verlängert, der neue Teil steht auf tragenden Pfeilern im Meer. Damals war ich aber hauptsächlich verliebt und interessierte mich nur am Rande für solche Details.

20.5.20


31 Kommentare

Zwischen Theorie und Praxis – ABC-Etüde

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Gerhard von  Kopf und Gestalt.  

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Helga und Ullrich saßen im Garten, wie üblich versuchte sie, sich auf ein Buch zu konzentrieren, während er ohne Punkt und Komma redete. Ullrichs Hobby war die Erfindung mehr oder weniger realistischer Szenarien mit denen er sich in allen Details beschäftigte. Das Ziel dabei war, die von ihm selbst erfundene Situation bestmöglich zu meistern. Das letzte Thema war gewesen, wie am besten mit einem Chef zu verfahren wäre, der sich als verkappter Außerirdischer erwiesen hätte.

Helga hielt diese Situation für eine der ganz besonders hirnverbrannten Ideen. Ullrich hatte dazu hunderte Seiten Arbeitsrecht gewälzt, sich über mögliche Formen außerirdischen Lebens umfassend informiert. Das Schlimmste waren die Vorträge von übel beleumundeten, selbsternannten Propheten, die er besucht und natürlich auch kommentiert hatte. Selten war ihr Ullrich so sehr auf die Nerven gefallen wie in seiner „der-Chef-ein-Außerirdischer-Phase“ . Sie war sehr erleichtert als er das Thema mit einem abschließenden „Keine Chance, besser nicht anstreifen“ beendete.

Ein paar Wochen lang hatte relative Ruhe geherrscht. Beinahe wäre sie dem Irrtum verfallen, dass sie nun ein normales Leben hätte. Aber leider, vor ein paar Tagen, hatte Ullrich begonnen, sie über einen neuen Themenbereich zu informieren. Sein erster Satz dazu, der sie wieder in ihr schwieriges Alltagsleben zurückkatapultiert hatte, war „Das wichtigste bei einem Banküberfall ist der Zeitplan“. Es war schon um die Auswahl der Bank mit den höchsten Bargeldreserven gegangen, um die Fluchtmöglichkeiten und die Notwendigkeit der Vermeidung einer Geiselnahme.

Helga hatte das Gefühl, dass sie es heute einfach nicht mehr aushalten konnte und beschloss eine Flasche Wein aus dem Keller zu holen. Manchmal half das. Sie flüchtete also in Richtung Haus. Der Keller war nie besonders aufgeräumt, aber das halbe Dutzend riesiger Sporttaschen vor dem Weinregal hatte sie noch nie gesehen. Befremdet öffnete sie die vorderste Tasche, zog den Zippverschluss auf und da quollen ihr die Geldscheine entgegen….

300 Wörter


16 Kommentare

Projekt X – 1

X kommt hier zweimal vor: als Arbeitstitel des Projekts und als Platzhalter für den Namen der männlichen Hauptfigur, den ich mir noch überlegen muss. Die geplanten Schauplätze der Handlung sind Orte, die ich kenne, die meisten davon sogar ziemlich gut. Es handelt sich wohlgemerkt um work in progress.

Wenige Tage nach dem Begräbnis begab ich mich auf den Weg X besser kennenzulernen und über diesen schmerzhaften Umweg auch mich selbst.

Ich war zu seinem Begräbnis angereist und wohnte bei seiner Tante, einer sehr resoluten, alten Dame, die mich ins Herz geschlossen hatte und mir gegenüber seiner restlichen Familie immer die Stange hielt. Tía Arlette wurde sie von allen genannt. Sie war Tante, Großtante und sogar Urgroßtante und hielt die Familie mit eiserner Hand zusammen. Ungewöhnlich für ihre Generation hatte sie nie geheiratet. Die Familienlegende erzählte, ihre große Liebe wäre ein Doktor Soundso gewesen, aber niemand wusste, warum die beiden nicht geheiratet hatten. Ich halte diese  Geschichte für reine Erfindung. Arlette war eine kluge Frau und wahrscheinlich nicht bereit, sich in die totale Abhängigkeit zu einem Mann zu begeben, wie das in ihrer Jugend in einer Ehe üblich und gerne gesehen war. Allerdings wurde sie dem weiblichen Rollenbild in der portugiesischen christlich-konservativen Diktatur in den 1940er und 50er Jahren insofern gerecht, als sie zuerst ihre Eltern pflegte, dann ihre älteste Schwester und schließlich eine weitere ihrer drei Schwestern bis zu deren Tod.   

Am Tag nach X Begräbnis saßen wir in ihrem Esszimmer zwischen wahrscheinlich handgeschnitzten Holzmöbeln und recht düsteren Landschaftsbildern. Tía Arlete   brachte eine große Plastikbox herein und stellte sie auf den Tisch. Auf das filigran bestickte Tischtuch zwischen die silbernen Leuchter. Das Esszimmer war nur für besondere Gelegenheiten gedacht, an normalen Tagen aß man in der Küche. Die Tatsache, dass wir also im Esszimmer saßen, gab der Übergabe der Plastikbox eine gewisse feierliche Note. In dieser Box sagte die Tante hätte X persönliche Dinge verwahrt.

X war theoretisch von seiner in Spanien lebenden Frau getrennt und lebte entweder in Wien oder in Lissabon bei seiner Tante. Er war wohl auch des öfteren in Spanien anzutreffen, ganz sicher nachdem wir uns getrennt hatten, höchstwahrscheinlich auch vorher. Klare Verhältnisse strebte er nie an.

Ich zögerte, die Box entgegenzunehmen. Es war mir klar, dass sie mir kaum Angenehmes berichten würde. Wenn mein verstorbener Liebhaber diese Box bei seiner Tante aufbewahrte, also ein paar tausend Kilometer außerhalb meiner Reichweite, so würde das seine Gründe haben.

16.5.20


20 Kommentare

Vergebens – ABC-Etüden

Die ABC-Etüden

Wie immer bei  Christiane

Diesmal stammen die Wörter von Olpo Olponator 

Die untenstehenden 3 Begriffe sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text vorkommen

Anfangs leckten nur kleine Wellen über die rot gestrichenen Planken. Gefällige Wasserschnörkel mit Gischt verziert, Abwechslung fürs Auge und Abkühlung an einem glühend heißen Tag. Jede Meile, die wir uns vom Ufer entfernten, erfüllte mich gleichermaßen mit Schrecken und Genugtuung. Mit welcher Arroganz ich damals erklärt hatte, dass ich der Sache wegen zu allem bereit wäre und alles auf mich nehmen würde um der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Sogar als ich meinen Verrat nicht mehr totschweigen konnte, nach dem Entschluss zur Flucht, hatte ich noch großspurig erklärt, dass keines der Weltmeere mir Angst machen könnte. Als ob nicht die gesamte Mannschaft wüsste, dass ich alle Schwüre gebrochen und alle Verbündeten verraten hatte. Nur noch um mein nacktes Leben ging es mir.

Die freundlichen, kleinen Wellen wurden zusehends energischer, Wolken zogen auf, das Meer hatte das Schiff bemerkt und wollte es in seinem Reich nicht dulden. Noch war es windstill, bedrohlich die Ruhe und Eleganz des schwarzgrauen Himmels. Das rote Schiff leuchtete wie ein Fremdkörper, der vernichtet werden musste. Immer höher nun die Wellen, immer näher der Ausbruch des Sturms. 

Götter wurden angerufen, so viele an der Zahl, dass einer uns hätte retten müssen, wäre ich nicht an Bord gewesen. Die Mannschaft brüllte um ihr Leben, hasste wohl den todbringenden Verräter an Bord. Immer größere Wellen brachen über das Schiff herein, rissen Ruder, Takelage, Vorräte und Menschen von Bord. Der archaische Überlebensinstinkt ließ uns nach allem greifen, was noch solide schien, befahl uns das Anklammern. Wir hörten alle das Brausen des Wassers über uns, sahen die Welle weit oben, grauweiß, mächtig, einen Augenblick lang festgefroren in absoluter Schönheit und Stille.   

Dann stürzte der Katamaran über den Rand der Welt.