la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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True Crime?!

Offenbar schon wieder einmal ein neues „genre“ von dem ich noch nichts gehört hatte. Ich dachte in dem Buch ginge es um Betrachtungen zum Thema Schuld, aber es ist ganz anders,

Hanna und Nora Ziegert

„Die Schuldigen“

Penguin 2017

Eine Reihe von wahren Fällen einer forensischen Psychiaterin werden in diesem Buch vorgestellt. Interessante Fälle, zweifellos, ziemlich erschütternde Fälle. Alle nach dem Kriterium ausgesucht, dass die Mutter der Straftäter eindeutig als Quelle allen Übels identifiziert wird. Was die Tätigkeit der forensischen Psychiatrischen Begutachterin betrifft, so hat mich verblüfft, dass so weit in die Tiefe der Psyche eines Menschen hineinreichende Zusammenhänge in einigen wenigen oder gar nur einem Gespräch zu klären sind. Bei allem Respekt für Kompetenz und Erfahrung der Psychiaterin.

Das Buch ist sensationalistisch aufgezogen: auf dem cover prangt die Frage: „Ist das Böse weiblich?“  Und weiter wird ausgeführt: „Denn in jedem Täter steckt ein Mensch mit einer Vergangenheit. Begleitet von der Person, die er zuerst geliebt hat: seiner Mutter. “ So etwas mag ich nicht, das finde ich einseitig und undifferenziert, aber es hätte mich nicht weiter gewundert, schließlich wollen Verlage ihre Bücher verkaufen. Was mich aber sehr wohl gewundert hat, ist die Distanzierung der Autorin dazu. Wobei sie sich nicht nur von der Verkaufsstrategie des Verlags distanziert, sondern auch gleich zu einem Rundumschlag ausholt auf potentielle Leser und viele andere.

“ (…) …. wird Ihnen möglicherweise auffallen, dass das Innere unseres Buches andere Begrifflichkeiten verwendet als sein Äußeres. „Schuld“ und „Unschuld“, „gut“ und „böse“ – das sind Maßstäbe, die Juristen, Journalisten und eine von Verbrechen faszinierte Öffentlichkeit an Straftäter anlegen. Mir als Psychiaterin sind diese Kategorien fremd…. “

Kurios, sehr kurios. Ich stelle mir dazu interessante Verwicklungen in der Beziehung zwischen Autorinnen und Verlag vor.

Wie auch immer sich das verhalten möge, habe ich die Fälle als solche und auch die psychiatrische Interpretation interessant und lesenswert gefunden.

 

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Nein, es ist kein Katzenbuch

Genki Kawamura

„Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“

C.Bertelsmann: 2018

Original 2012

Es ist kein Katzenbuch obwohl zwei Katzen eine durchaus wichtige Rolle spielen. Es ist auch kein Krimi, obwohl der Tod eine wichtige Rolle spielt. Es liest sich leicht und flüssig, obwohl es um existentielle Fragen geht. Es geht auch um Liebe ohne dass es eine Liebesgeschichte wäre. Es ist ein nachdenkliches Buch über das man auch lachen kann. Einfach ein sehr feines, kleines Buch, das sich in die Reihe von mehreren Büchern junger und arrivierter japanischer Autoren und Autorinnen einreiht, die ich in letzter Zeit gelesen habe


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31.Station der Buchweltreise – Saudi Arabien

Rana Ahmad

„Frauen dürfen hier nicht träumen“

btb;  ISBN: 978-3-442-75748-0

Zugegeben es hätte zum Thema Saudi Arabien auch eine andere Art von Lektüre gegeben, aber fürs Krankenhaus war das Buch goldrichtig. Die Erzählerin berichtet zunächst von ihrer Kindheit und Jugend als Syrerin in Saudi-Arabien und von den Sommerferien in Syrien bei der Familie.

Es ist eine für eine europäische Frau beängstigende Welt aber dennoch etwas schwer vorstellbar, dass abgesehen von der ohnehin frauenfeindlichen Gesellschaftsordnung auch noch in der Familie der Autorin eine so große Anzahl an Männern zu finden sind, die sie entweder einschränken oder sexuell belästigen. Angefangen vom Großvater, der ihr mit 10 Jahren ihr Fahrrad wegnimmt und es einem Cousin schenkt, weil Mädchen nicht Rad fahren sollen bis zum Schwiegervater eines ihrer Geschwister, der sie belästigt.

Über internet beginnt sie eine Vorstellung davon zu bekommen, dass es auch ein anderes Leben für Frauen gibt und dass keineswegs alle Menschen an einen Gott glauben. Unter Bedingungen, die aus meiner Sicht wiederum absolut menschenverachtend sind, arbeitet sie an einer Rezeption und dann in einem Krankenhaus. Nachdem ein Verwandter sieht, wie sie mit einem Arbeitskollegen spricht, wird sie von ihren Eltern zuhause eingesperrt und darf das Haus nicht mehr verlassen.

Wiederum über internet lernt sie einen jungen Ex-Muslimen kennen, der ihr finanziell bei der Flucht hilft. Im Grunde kann sie das Land ziemlich leicht verlassen, weil sie einen syrischen Pass hat und Syrerinnen sich ganz im Gegensatz zu saudi-arabischen Frauen ohne männliche Begleitung im öffentlichen Raum aufhalten dürfen. Sie fliegt in die Türkei und von dort aus beginnt ihr Weg nach Deutschland über Griechenland und das Mittelmeer.

Es ist ein Buch aus dem man das eine oder andere interessante Detail über das Leben in Saudi-Arabien und über die Pilgerfahrt nach Mekka erfährt. Es ist einfach geschrieben, ich habe es an einem Krankenhaustag fertig gelesen. Ein bissl irritiert hat mich, dass die Berichte der Autorin über ihre Anfänge in Deutschland klingen wie aus dem Handbuch der perfekten Integration, aber vielleicht hat sie ihren Neubeginn tatsächlich so erlebt.


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Der dunkle Wald – chinesische Science-Fiction

Cixin Liu

„Der dunkle Wald“

Heyne: 2018

chinesisches Original: 2008

ISBN: 978 – 3 – 453 -31765 – 9

„Der dunkle Wald“ ist der zweite Teil der Trilogie, die mit „Die drei Sonnen“ begann. Sprühend vor originellen Ideen, ebenso wie der erste Teil! In „die drei Sonnen“ kommt es zu einer höchst absonderlichen Kontaktaufnahme zwischen der Menschheit und einem außerirdischen Volk, den Trisolariern.

Im zweiten Teil bereitet sich die in  neue Reiche und Gruppierungen aufgeteilte Menschheit auf den kriegerischen Zusammenstoß mit den Außerirdischen vor. 400 Jahre vor dem errechneten Datum der Begegnung beginnen die Vorbereitungen.  Diese Haupthandlung wird durch diverse Nebenhandlungen umflossen, die immer wieder völlig unerwartete, überraschende Wendungen bringen. Eine Kontinuität der handelnden Personen wird durch den Kunstgriff des Kälteschlafs erreicht.

Faszinierende Zukunftsbilder gibt es in diesem Roman. Etwa das Peking des 24sten Jahrhunderts, unterirdisch, ökologisch, schwebend… Oder die drei Weltraumflotten, die die Regierungen der einzelnen Länder ersetzt haben.

Im Laufe der Handlung gibt es mehrere verblüffende Wendungen und man muss bis ganz ans Ende warten um zu erfahren, was denn der dunkle Wald ist. Das Ende führt nochmals in eine ganz andere Richtung und so klingt das Buch anders aus, als es begonnen hat. Cixin Lius blühende Fantasie hat wohl auch für einen weiteren Band noch einige Überraschungen auf Lager. Ich kann das Erscheinen des dritten Bands kaum erwarten !


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Wir sagen uns Dunkles

Helmut Böttiger

„Wir sagen uns Dunkles. Die Liebesgeschichte zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan“

DVA 2017

ISBN:978-3-421-04631-4

Ich wollte dieses Buch lesen, weil ich dachte, es wäre eine Gedichtesammlung und ich sowohl die Gedichte von Paul Celan als auch die von Ingeborg Bachmann sehr schätze. Tatsächlich handelt es sich um eine Doppelbiographie mit dem Fokus auf die Beziehung zwischen den beiden. Eine durchaus interessante, detailreiche Biographie aus der ich eine Menge erfuhr, nicht nur über die beiden Lyriker sondern auch über etliche andere Personen, die in ihren Leben wichtig waren sowie über finstere Seiten des Literaturbetriebs. Die erste Begegnung zwischen Celan und Bachmann fand in Wien statt, was mir das Lesen der biographischen Daten erleichterte, weil ich viele der erwähnten Personen zumindest dem Namen nach kenne.

Die Liebesbeziehung zwischen Celan und Bachmann war nicht nur unkonventionell sondern auch äußerst schwierig bis sie völlig unmöglich wurde. Ein ständiges Hin und Her zwischen Anziehung und Ablehnung, kurze gemeinsame Zeiten, dann wieder langes Schweigen und Entfremdung. Bachmann lebte zum Zeitpunkt der ersten intimen Begegnung mit Celan mit Hans Weigel zusammen. Celan heiratete kurz nach einem zweiten gescheiterten Versuch mit Bachmann zusammenzuleben Gisèle de Lestrange. Zwischen den kurzen Episoden des Zusammenlebens gab es manchmal eine sehr intensive Korrespondenz, manchmal lange Phasen des Schweigens. Zum Beispiel schrieb Celan zu einem Zeitpunkt an dem Bachmann den Eindruck hatte, dass es zu einer Annäherung gekommen war:

„Lass uns nicht mehr von Dingen sprechen, die unwiederbringlich sind, Inge – sie bewirken nur, dass die Wunde wieder aufbricht, sie beschwören bei mir Zorn und Unmut herauf, sie scheuchen das Vergangene auf – und dieses Vergangene schien mir so oft ein Vergehen. Du weißt es, ich habe es dich fühlen ja wissen lassen – sie tauchen die Dinge in ein Dunkel, über dem man lange hocken muss, um sie wieder hervorzuholen, die Freundschaft weigert sich hartnäckig, rettend auf den Plan zu treten, – du siehst, es geschieht das Gegenteil von dem, was Du wünschst, Du schaffst, mit ein paar Worten, die die Zeit in nicht gerade kleinen Abständen vor dich hinstreut, Undeutlichkeiten, mit denen ich nun wieder ebenso schonungslos ins Gericht gehen muss wie seinerzeit mit Dir selber“ p.88

Sehr interessant fand ich die Analyse von Werken beider Autoren, die die gegenseitige Beeinflussung und das sich aufeinander Beziehen zeigen. Eigentlich unabhängig voneinander aber steuerten ihrer beider Leben auf die Katastrophe zu.

„Man kann es nicht ohne Erschütterung lesen, wenn Klaus Demus, der jüngere, langjährige und bewundernde Freund, nach einem Besuch in Paris im März 1962 und einer Abweisung im April einen bewegenden Brief an Celan schrieb:

„Mein lieber, mein geliebter Paul! Wenn Du mich lieb gehabt hast in so vielen Jahren, wie ichs ja weiß, wenn du meine Liebe gespürt hast: dann gib diesem Brief dem schwersten meines Lebens, soviel Gehör als Du kannst. Ich habe Dir das Äußerste, das Allerletzte zu sagen. Ich schwöre es Dir, dass es allein aus mir kommt, dass niemand mich beeinflusst hat , dass ich allein von mir zu Dir spreche. Alles hängt davon ab, dass Du mir das glaubst. Was ich zu sagen habe, kannst du mir wohl nicht glauben – es geschähe denn ein Wunder: weil diese winzigste Chance besteht, die letzte und äußerste, die meiner Freundschaft zu dir aufgegeben ist, habe ich es zu sagen. Paul, ich habe den entsetzlichen ganz gewissen Verdacht, dass Du an Paranoia erkrankt bist.“ p.239

Celan fühlte sich immer mehr auch von den wohlwollendsten Freunden angefeindet und verfolgt. Nach tragischen Vorfällen und mehreren Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken, wählte er im April 1970 den Freitod. Bachmann starb 1973 mit 47 Jahren. Sie litt in  den letzten Jahre ihres Lebens an einer gravierenden Angstneurose und an Panikattacken und hatte eine ausgeprägte Medikamentensucht.

 

 


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28. Station der Lesereise – Großbritannien 2

Anne Perry

„Des anderen Feind“

Goldmann: 2018

ISBN: 978-3-48703-5

Anne Perry hat zwei Serien von historischen Krimis geschrieben, die beide im London des viktorianischen Zeitalters spielen. Die Serie zu der dieser Roman gehört, hat zwei Hauptfiguren: Esther Latterly, die gemeinsam mit Florence Nightingale im Krimkrieg Krankenschwester war und William Monk, der im Laufe der Geschichten Polizist, dann Privatdetektiv und schließlich Kommandant der Londoner Wasserpolizei wird. Es gibt Romane. in denen eine der beiden Figuren, die Hauptperson ist und solche, in denen beide für die Handlung ziemlich gleich wichtig sind. Im Laufe der Zeit kommen sie einander näher und heiraten schließlich. Im vorliegenden Buch sind sie schon ein paar Jahre verheiratet und das Straßenkind, das sie vor einigen Jahren zu sich genommen haben, ist so gut wie erwachsen und spielt in der Handlung auch eine Rolle.

Dieser Roman spielt in einer ungarischen Zuwanderer-Community in London. Allzu viel dürfte sich die Autorin nicht mit Ungarn beschäftigt haben, denn die Ungarn werden hauptsächlich dadurch beschrieben, dass sich ihr Essen durch hervorragende Würzung von der englischen Kost unterscheidet. Ich verkneife mir jede weitere Bemerkung dazu. Auch das viktorianische Ambiente kann die Autorin besser, was nicht heißt, dass es schlecht wäre. Es handelt sich hier nur nicht um ihren besten Roman.

Ich fand, dass die Geschichte eine Weile braucht um in die Gänge zu kommen, einen spannenden Mittelteil hat und dann ein für die Leserschaft unmöglich zu erratendes Ende. Nach dem gemächlichen Tempo der Handlung, ist das Ende etwas abrupt und überraschend. Insgesamt aber ein flüssig zu lesender Krimi mit vielen sehr gut herausgearbeiteten Personen und auch ein paar eher schemenhaften in einem viktorianischen Londoner Ambiente. Genau das richtige für leichte, unterhaltsame Schnell-Lektüre.

Hier geht´s zu meiner Lesereise


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Arm, ärmer, am ärmsten, noch ärmer

Paul Collier

„Die unterste Milliarde“

Pantheon Verlag 2017

Originalausgabe 2007

Ein zweifellos sehr interessantes Buch, dessen Grundthese ist, dass in den Entwicklungsländern die Armut auf dem Rückzug ist. Eine Ausnahme bilden einige wenige Länder, in denen etwa eine Milliarde Menschen lebt, die den Anschluss an die weltweite Verbesserung der Lebensbedingungen versäumt haben. Der Autor führt eine Reihe von Gründen für diese Situation auf: politische, soziale und ethnische Konflikte, der Mangel an Ressourcen, das schlechte Verhältnis zu Nachbarstaaten in Verbindung mit einem nicht vorhandenen Zugang zum Meer und schlechte Regierungsführung in einem kleinen Land.

Diese Aspekte werden umfassend und kenntnisreich behandelt, schließlich ist Paul Collier ein renommierter Ökonom, aber es gibt leider ein Problem: das Buch wurde im Original schon 2007 herausgegeben und so stellte sich mir beim Lesen immer wieder die Frage, ob manche Dinge noch aktuell sind. Insgesamt wird sich wohl an der Tendenz leider nicht viel geändert haben, aber es sind doch neue Entwicklungen dazugekommen, die nicht berücksichtigt wurden.

Dennoch eine Lektüre, die mir eine Menge Aha-Erlebnisse brachte.