la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Einstimmung in die Drei Sonnen

Cixin Liu

„Der Spiegel“

Heyne Verlag: deutschsprachige Ausgabe 2017

ISBN: 978-3-453-31912-7

Dieses Buch enthält eine Novelle, „Spiegel“, einen Kommentar zu der Kosmogonie von Cixin Liu, eine Leseprobe aus „die drei Sonnen“, die ich schon mit großem Vergnügen gelesen habe und eine Leseprobe aus „der dunkle Wald“, dem zweiten Band der Trisolaris-Trilogie, die auf Deutsch noch nicht erschienen ist.

Cixin Liu ist ein neuer Stern am Himmel der Science Fiction, von dem wohl noch viel zu erwarten ist. Der Heyne Verlag hat sogar ein statement von Barack Obama auf dem Cover

„Spiegel“ ist auch ein recht faszinierendes Produkt von Cixin Liu. Wie in „Die drei Sonnen“ tauchen wir auch hier in wissenschaftliche Theorien ein, die die Grundlage für die Handlung darstellt. Hier geht es um die Erschaffung von Welten, um die Dimension der Zeit, um Reales und Virtuelles. Die Handlung ist in aktuelles chinesisches Leben eingebettet und allein schon dadurch wäre sie interessant.

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Buch Date im Dezember

Zunächst einmal ein lautes „Hoch lebe das Zeilenende“. Seine Empfehlungen haben mir großes Lesevergnügen bereitet.

Zuerst wusste ich gar nichts. Lars Ruppel ? Nie gehört. „Holger, die Waldfee“, aha. Vielleicht ein eremitischer Transsexueller? Dann las ich „12 Gedichte über Redensarten“ und konnte die Redensarten nicht finden. Ich bin Österreicherin. Noch nie ist mir Holger, die Waldfee untergekommen ebenso wenig wie Schmidts Katze. Obwohl, meine Nachbarin heißt Schmidt und hat eine Katze, die kann ja aber nicht gemeint sein … oder doch ?

Ich zog also den Think-tank meiner versammelten Kollegenschaft zu Rate. Holger, die Waldfee ? Äh …..  Niemand ! Außer die allwissende Gerlinde, die hat nämlich eine Freundin aus dem deutschen Norden, die im Freundeskreis „Holla, die Waldfee“ genannt wird, weil sie diesen Ausdruck der Überraschung ständig verwendet . Aha !!! die erste Redensart wurde identifiziert.  Schmidts Katze, Herrn Gesangsverein und Heide Witzka allerdings kannte leider gar niemand.

Trotzdem bin ich von den Texten absolut begeistert. Zum Beispiel „Schmidts Katze“. Es geht darum, dass die Miezekatzen den Aufstand proben und die Weltherrschaft übernehmen wollen.

„Dort sitzen die Miezen, von Mondlicht beschienen,

im täglichen Plenum der Katzen der Stadt,

wo seit ihrem Wahlsieg im letzten September

den Vorsitz die Katze der Schmidts innehat“

Die Lage der Menschheit wird immer schlimmer:

Doch irgendwann wurde der Widerstand stärker:

Die Hunde versuchten als Erste ihr Glück.

Vom nächtlichen Sturm auf den Spielplatz im Stadtpark,

da kehrte nur einer von ihnen zurück;

Im Maul eine Nachricht, mit Whiskas geschrieben,

höchstselbst von der Katze der Schmidts formuliert

„Der Mensch soll sein klägliches Leben behalten,

sofern er den folgenden Deal akzeptiert.“

Als letzte Hoffnung der Menschheit, wird die größte aller möglichen Unterhändlerinnen in den Ring geschickt:

„Drum schickten die mächtigsten Menschen der Menschen

den mächtigsten Menschen als Repräsentant

zum letzten Duell in der Mitte des Stadtparks

beim Kinderspielplatz auf dem Sandkistensand.

Um Mitternacht stand auf vier Pfoten Schmidts Katze

vor Angela Merkel in Kampfposition

Auf Angies „Wir sollten hier differenzieren“

da schnurrte Schmidts Katze und lächelte nur.“

Und so geht es dahin von Klamauk bis besinnlich. Ich habe streckenweise Tränen gelacht und dabei nebenbei erfahren, dass der „liebe Herr Gesangsverein“ ein Verwandter von „Ach die lieber Schwan ist“ und dass Heide Witzka von einem Karnevalslied abstammt….

Vielen, vielen Dank an das Zeilenende. Das ist ein Text auf den ich von selbst nie gekommen wäre und der mir doch ausnehmend gut gefallen hat.

Nach dem großen Erfolg der ersten Empfehlung bin ich in die Buchhandlung geeilt um mir das zweite empfohlene Buch zu besorgen.

Auch dieses Buch, liebes Zeilenende, gefällt mir sehr, zwar bin ich noch nicht über die ersten 30 Seiten hinausgekommen, aber die haben mich schon sehr amüsiert …….

Beim nächsten Buch-Date bin ich unbedingt wieder dabei. Alle Rezensionen zu diesem Buchdate gibt es hier 


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Die türkische Männergruppe

Sonja Hartwig

„Kazim, wie schaffen wir das „

Deutsche Verlagsanstalt, München: 2017

ISBN:978 – 3 . 421-04765-6

Schon die Widmung hat mir gefallen:

Für unsere Väter

Battal und Friedhelm

„Leben wie ein Baum

einzeln und frei

und brüderlich wie ein Wald

das ist unsere Sehnsucht“

Nazim Hikmet, Davet

 

„Es kann die Ehre dieser Welt

dir keine Ehre geben.

Was dich in Wahrheit hebt und hält

muss in dir selber leben“

Theodor Fontane

Die Journalistin Sonja Hartwig hat dieses Buch geschrieben nachdem Sie Kazim Erdogan jahrelang begleitet hat. Erdogan (ich denke mir jedesmal wie unglaublich häufig dieser Name in der Türkei vorkommen muss) ist zum Studieren aus einem anatolischen Dorf nach Deutschland ausgewandert, ist Psychologe geworden, hat in allen möglichen Bereichen gearbeitet, auch als Lehrer und als Sozialarbeiter. Eines seiner bemerkenswertesten Projekte ist aber die Gründung einer Männer-Selbsthilfe-Gruppe für türkischstämmige Männer. Einmal in der Woche treffen sie sich und reden über alle möglichen Dinge, auch über ihre Probleme bei der Arbeit, in der Familie, bei der Kindererziehung.

„Männer sitzen um einen Tisch, die türkischen Paschas, die sogenannten.(…)Wer hätte das gedacht sagt Kazim. Immer wurde doch nur über sie geredet, nicht mit ihnen.

Männer im Anzug, Männer im Blaumann, Männer im Hoodie. Männer, die geschlagen wurden als Söhne, Männer, die schlagen als Väter; Männer, die ihre Frau verloren und ihre Ehre; Männer, die in dieses Land kamen, um eine Braut zu finden, und nun Frau und Schwiegereltern haben, aber keine Arbeit , kein Ansehen. „p. 9

Eines von Kazims Lieblingsthemen ist das „Ankommen“ im Einwanderungsland. Er spricht mit den Menschen aber auch über ihre Gefühle, ihre Probleme, ihre Ehre und immer wieder über ihre Frauen und Kinder und über Gewalt.

„Kazim sah (…) wie Männer, die Gewalt schöngeredet hatten, Gewalt abschworen, wie sie sich selbst halfen, wie sie, die nie gelernt hatten, über Probleme zu reden, sagten „Das war mein Fehler“. Wie sie selbstbewusster wurden, dadurch, dass sie zusammen etwas schufen, dass Medien schrieben: Sind nicht nur Machos. Dadurch, dass sie sich T-Shirts anzogen, mit Schnurrbart und Engelsflügeln drauf, und sagten: Wir Männer sind gegen Gewalt. Kazim sah, was es mit ihnen machte, dass sie nicht Ablehnung spürten, sondern etwas, das sie nicht kannten: Anerkennung.“ p. 100

Kazim Erdogans Erfolgsrezept ist einfach: er spricht mit den Menschen auf Augenhöhe.

Eine Menge Einblicke in eine fremde Welt hatte ich durch dieses Buch und eine Menge Stoff zum Nachdenken. Sehr empfehlenswert !

Mit herzlichem Dank an den Verlag für die Überlassung des Freiexemplars


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21. Station der Leseweltreise – China

Bisher bereist

 

Ich bin begeistert !

Ein echter Science-Fiction-Roman:Wissenschaft ist ein wichtiger Teil der Handlung. Nachdem der Autor Techniker ist, kann man wohl davon ausgehen, dass die wissenschaftlichen Schilderungen sich im Bereich der Realität oder zumindest im Bereich des Möglichen befinden.

Ich werde nicht die Handlung nacherzählen. Es ist ein äußerst origineller Plot, in dem Physik und Astrophysik eine Rolle spielen, ebenso wie ein Computerspiel, das in Verbindung mit einer geheimnisvollen Organisation steht. Es gibt auch eine außerirdische Zivilisation, deren Beschreibung ebenfalls ein Beweis für sehr viel Kreativität ist. Die Bedeutung der außerirdischen Zivilisation wird vermutlich im zweiten Band steigen. Cixin Liu hat seine Geschichte als Trilogie angelegt. Leider ist mir das Buch gewissermaßen zu früh untergekommen, denn der zweite Band erscheint erst im März und der dritte irgendwann.

Sehr interessant finde ich auch, dass die Handlung in China spielt und Einblicke in die neue chinesische Geschichte und Politik bietet. Cixin Liu hat Personen geschaffen, von denen einige wohl typische Erscheinungen ihrer Zeit und des eigenwilligen chinesischen Kommunismus sind.

Hier geht es zu Yvonne unserer literarischen Reiseleiterin.


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Der ewige Deutsche ?

Schon lange habe ich das vom Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellte Hörbuch und habe einfach nicht geschafft, es bis zu Ende zu hören. Die nuancenreich modulierte Stimme von Hans Korte bietet anfangs reines Zuhörvergnügen. Allerdings geht es in weiterer Folge sehr militärisch-stramm zu und von Hörvergnügen kann man dann eigentlich nicht mehr sprechen.

Heinrich Manns „der Untertan“ beschreibt das Leben des Diederich Heßling, eines Menschen, der aus bescheidenen Verhältnissen kommend zu Macht aufsteigt. Zur Zeit Wilhelm I in Deutschland lebend, erfährt er eine Erziehung durch Elternhaus und Gesellschaft , die ihn durch brutale Verformung ebenso skrupellos wie duckmäuserisch macht. Das „weiche Kind „ wie er im ersten Satz des Romans genannt wird, entwickelt sich zu einem wahren Monster, einem Popanz seiner Zeit. Nur ganz zu Beginn des Romans, wenn Kindheit und erste Liebe des Protagonisten geschildert werden, gelingt gelegentlich eine zaghafte Identifizierung mit Diederich Heßling.

„Dieses Buch Heinrich Manns (…) ist das Herbarium des deutschen Mannes. Hier ist er ganz: in seiner Sucht zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Rohheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolganbeterei und in seiner namenlosen Zivilfeigheit. Leider: Es ist der deutsche Mann schlechthin gewesen; wer anders war, hatte nichts zu sagen, hieß Vaterlandverräter und war kaiserlicherseits angewiesen, den Staub des Landes von den Pantoffeln zu schütteln“ Kurt Tucholsky in Die Weltbühne, 15.Jahrgang Nr.13 (20.3.1919)


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Alles was Recht ist.

So nennt sich die heurige niederösterreichische Landesausstellung in Pöggstall, im Waldviertel. Schon das Gebäude ist sehenswert. Dies ist der Eingang durch den Verteidigungsrundturm der Schlossanlage Pöggstall aus dem 13. Jahrhundert, wo die Ausstellung untergebracht ist. Das Schloss hat mehrere Innenhöfe und Laubengänge, die in den Weg durch die Ausstellung integriert sind.

Wir haben zunächst gezögert, uns diese Ausstellung anzusehen, weil wir dachten,dass aus einem Thema wie diesem auch eine äußerst fachspezifische für Nichtexperten langweilige Ausstellung geworden sein könnte. Aber da hatten wir die Kustoden dieser Ausstellung schwer unterschätzt. Sie ist nicht nur nicht langweilig sondern sogar äußerst interessant gemacht; nicht chronologisch gestaltet, sondern nach Themen zusammengestellt. Zum Beispiel „Rache oder Strafe“ „Gesetz versus Gerechtigkeit“ „Inwieweit konnte man sich während des Nationalsozialismus der Erfüllung von Befehlen und Vorschriften entziehen“ „Folter und Wahrheit“ , „Gewaltentrennung“ und einiges mehr.

Die Ausstellung regt zum Denken und Diskutieren an und ist somit auch für Schulausflüge mit älteren Schülern höchst geeignet.  *Gedankennotiz*

Manche Exponate sind auch vom ästhetischen Standpunkt eine Freude

Bei anderen entsteht Freude darüber, nicht in Zeiten leben zu müssen, in denen solche Masken als adäquate Strafinstrumente betrachtet wurden