la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


Ein Kommentar

AURORA

Dass ich sehr gerne science-fiction lese, habe ich an anderer Stelle ja schon gestanden. Vor allem science-fiction, in der es tatsächlich um „Wissenschaftsfiktion“ geht und das ist bei Kim Stanley Robinson eindeutig der Fall.

Wer gerne martialisch-aggressives liest, ist bei diesem Autor falsch. Es geht hier im Überlegungen dazu, wie sich wissenschaftlicher Fortschritt auf Menschen und ihre Gesellschaftsformen auswirken könnte. Es geht auch immer um zwischenmenschliche Beziehungen.

Die „Aurora“, das Raumschiff, auf dem der größte Teil der Handlung spielt, ist ein Generationenschiff. Science-Fiction-Leser wissen natürlich, was ein Generationenschiff ist. Noch-nicht-science-fiction-Leser wissen es vielleicht noch nicht. Es handelt sich um ein Raumschiff, in dem eine große Gruppe Menschen unterwegs ist, um neue Sonnensysteme zu erforschen und zu besiedeln. Wegen der großen Entfernungen kommen am Ziel nicht jene Menschen an, die von der Erde abgereist sind, sondern ihre Nachkommen.

Das hier beschriebene Raumschiff ist in ein Dutzend Biotope unterteilt mit verschiedenem Klima, verschiedener Flora und Fauna. Ziemlich ausführlich werden hier Probleme beschrieben, die dadurch entstehen, dass das Leben auf dem Schiff in einem geschlossenen Kreislauf stattfindet. Das heißt, dass alles , was an „Substanz“vorhanden ist immer wieder recycelt werden muss, jahrhundertelang. Dabei werden die einen und anderen Elemente immer weniger und dadurch entstehen bei Mensch und Tier Mangelerscheinungen verschiedenster Art. Ich gebe zu, dass man ein gewisses Interesse an biologischen Kreisläufen haben muss, wenn man diesen Aspekt des Buches genießen will.

Ganz originell finde ich, dass die Geschichte zum größten Teil vom Quantencomputer der Aurora erzählt wird, dem von seiner „Gesprächspartnerin“ der Auftrag erteilt wurde, die Geschichte des Schiffs literarisch zu bearbeiten. Es gibt der Geschichte eine humoristische Note, dass der Computer immer wieder von der literarischen Bearbeitung abweicht, Fakten und Zahlen bekannt gibt und sich dann selbst wieder auffordert, mehr zusammenzufassen und nicht so sehr ins Detail zu gehen. Nebenbei: ich weiß natürlich auch nicht, was ein Quantencomputer ist.

Auch die gesellschaftliche und politische Struktur, die diese Gruppe Menschen aufgebaut hat, ist ziemlich ungewöhnlich und nicht rasend erfolgreich. Sie geht übrigens auf die Ergebnisse einer Revolte zurück, die amüsanterweise im Jahre 68 der Reise stattgefunden hat.

Ich möchte nicht erzählen, was bei der Ankunft der Aurora an ihrem Ziel passiert. Wichtig finde ich es nur noch zu erwähnen, wie eindringlich und berührend am Ende der Geschichte die Verbindung des Menschen mit seinem Ursprung, der Erde, beschrieben wird. Man kann die Geschichte auch als sehr gelungene Öko-Saga betrachten.

Leider ist es mir noch nicht gelungen, die Mars-Trilogie desselben Autors aufzutreiben, aber ich arbeite daran.

Mit herzlichem Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar ! 

 

 


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Die fabelhafte Welt der Hochsensiblen und Hochbegabten

Ein Buch, das ganz anders ist, als ich mir erwartet hatte und das mir dennoch sehr gut gefallen hat.

Erwartet hatte ich mir ein populärwissenschaftliches Werk mit allgemeinen Betrachtungen zum Thema, abgerundet mit Berichten über diverse Studien und gepolstert mit diversen Statistiken.

Das aber, so schreibt die Autorin gleich auf den ersten Seiten , ist es keineswegs.

Denn dieses Buch ist explizit kein wissenschaftliches (…)Dieses Buch hat eine andere Herangehensweise – nämlich die über Bilder. Bilder und Geschichten sprechen uns in ganz anderer Weise an und geben uns die Möglichkeit, auf einer tieferen Ebene Dinge zu entdecken, (wieder ) zu erkennen und zu verstehen. p14

Es beginnt mit der Geschichte des häßlichen kleinen Entleins, das eigentlich ein Schwan ist, führt über Himmel und Hölle der Hundenase und die Prinzessin auf der Erbse bis zu Pippi Langstrumpf.

Es werden typische Verhaltensweise von Hochsensiblen und Hochbegabten besprochen. Die Kapitelüberschriften machen neugierig. „Niemand ist eine Insel – ich schon“, „Der Pinguin ist so perfekt wie die Giraffe“

Mich hat zum Beispiel das Thema Reizüberflutung und Hochsensibilität ziemlich interessiert. Ich fand es informativ, abgerundet, mit vielen Beispielen versehen. Es gibt zu allen Teilbereichen Erklärungen und Beispiele. Die Autorin schreibt einen angenehmen, leicht zu lesenden Stil. Hin und wieder kam meine Erwartungshaltung hoch, dass ich von einem solchen Buch erwarte, dass es von qualifizierten Psychologen geschrieben ist, aber diese Erwartungshaltung verflog dann immer wieder, weil sich das Buch eben so flüssig liest und weil mir die Schilderung von sehr vielen Stellungnahmen von Betroffenen sehr einleuchtend und streckenweise bekannt vorkam.

Einfach ein Beispiel:

Dazu kommt, dass sie von Kind an häufig verlernt haben, ihrer Intuition zu trauen. Damals stempelte man ihre Wahrnehmung als Einbildung und Spinnerei, als eine zu ausgeprägte Fantasie. So bestand häufig der einzige Ausweg darin, ihr sicheres Körpergefühl „abzustellen“, da die Erwachsenen so eine ganz andere Wahrnehmung hatten. Den Eltern , den Erwachsenen zu vertrauen ist  für das Kind überlebensnotwendig. Gib Tante Luise die Hand, Tante Luise lächelt doch so lieb. Sie haben als Kind ganz klar gespürt, dass Tante Luises Lächeln falsch war, dass sie gar keine Kinder mag. Sie haben es gespürt, sie wussten es einfach. Aber weil die Eltern immer Recht haben, verlernt das Kind seiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und ersetzt sie durch die Einschätzung der Eltern. (…) Was ich fühle ist falsch. Ich bin falsch so wie ich bin. p. 53

Das einzige, was mir an dem Buch wirklich nicht gefallen hat, ist eine der mehreren verwendeten Schriften. Dass überhaupt mehrere Schriften verwendet werden, finde ich weder gut noch schlecht, aber eine der verwendeten Schriften ist so blass, dass ich sie nur schwer entziffern konnte.

Insgesamt ein sehr angenehmes, interessantes Leseerlebnis, bei dem ich eine Menge gelernt habe.

Meinen herzlichen Dank an den Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars.

 


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Die Würde ist antastbar

Ich habe dieses Buch gelesen, weil mich einerseits der Autor angesprochen hat. Ich kenne Ferdinand von Schirach als Autor des Theaterstück/Films/Fernsehfilms „Terror“, wo mittels einer fiktiven Geschichte die Frage aufgeworfen wird, ob es moralisch vertretbar ist, das Leben einiger für das Leben einer viel größeren Anzahl von Menschen zu opfern. Eine Frage, die ich höchst interessant finde, weil sie meiner Ansicht nach nicht entschieden werden kann. Eine ethische Frage, die deutlich zeigt, wie sehr Theorie und Praxis auseinanderklaffen, wie sehr der individuelle Standpunkt von Bedeutung ist.

Auch der Titel dieser Sammlung von Essays hat mich angesprochen. Schirach denkt über eine große Anzahl an Themen nach. Er stellt dabei viele Fragen, von denen sich mehr als eine als unlösbar erweist. Der erste Essay zum Beispiel mit dem Titel „Verstehen Sie das alles noch ? Fragen an die Wirklichkeit“ besteht ausschließlich aus Fragen. So verschiedenartigen wie „Beunruhigt Sie der Begriff „effiziente europäische Bankenaufsicht“ ? “ oder „Schreibt Frau Merkel ihrem Mann manchmal eine SMS, dass noch Milch eingekauft werden müsse ? “ oder „Können wir jemanden für das alles, wie es so schön heißt, zur Verantwortung ziehen ?

Außerdem hat mich interessiert, ob Schirach irgendetwas über seinen Großvater, Baldur von Schirach, schrieb, der ab 1940 „Gauleiter“ und „Reichsstatthalter“ in Wien war. Tatsächlich tut er das in dem Essay „Du bist, wer du bist“. Schirach erzählt, dass er seinen Großvater nicht wirklich gut kannte, weil er zu klein war, als dieser kurze Zeit bei seiner Familie wohnte. Trotzdem finde ich, dass die kleine Anekdote, die er erzählt, ein sehr helles Licht auf diesen Mann wirft.

„Wir spielten jeden Tag Mühle, er gewann immer mit dem gleichen Trick. Irgendwann dachte ich solange darüber nach, bis ich verstand, wie er das machte. Danach spielte er nicht mehr mit mir. Ich war damals fünf, sechs Jahre alt.“ p 39

Bekannt ist auch dieser Satz aus einer Rede, die er 1942 hielt:  „Wenn man mir den Vorwurf machen wollte, dass ich aus dieser Stadt Aberzehntausende ins östliche Ghetto abgeschoben habe, muss ich antworten: Ich sehe darin einen aktiven Beitrag zur europäischen Kultur.“

Schirach fragt sich und kann nicht verstehen, warum sein Großvater zu dem geworden ist, was er ist. Er stammt aus einer wohlhabenden , gebildeten Familie, hatte jede Möglichkeit im Leben …..

„Die Schuld meines Großvaters ist die Schuld meines Großvaters. Der Bundesgerichtshof sagt, Schuld sei das, was einem Menschen persönlich vorgeworfen werden könne. Es gibt keine Sippenhaft, keine Erbschuld, und jeder Mensch hat das Recht auf eine eigene Biografie. In meinem Buch schreibe ich nicht über ihn und seine Generation. Ich weiß nichts von diesen Männern, was nicht schon tausendmal gesagt und erforscht wurde. Unsere Welt heute interessiert mich mehr. Ich schreibe über die Nachkriegsjustiz, über die Gerichte in der Bundesrepublik, die grausam urteilten, über die Richter, die für jeden Mord eines NS-Täters nur fünf Minuten Freiheitsstrafe verhängten. Es ist ein Buch über die Verbrechen in unserem Staat, über Rache, Schuld und die Dinge, an denen wir heute noch scheitern. Wir glauben wir seien sicher, aber das Gegenteil ist der Fall: wir können unsere Freiheit wieder verlieren. Und damit verlören wir alles. Es ist jetzt unser Leben und es ist unsere Verantwortung.

Ganz am Ende des Buches fragt die Enkelin des Nazis den jungen Strafverteidiger : „Bin ich das alles auch ?“Er sagt: „Du bist, wer du bist.“ Das ist meine einzige Antwort auf die Fragen nach meinem Großvater. Ich habe lange für sie gebraucht.“ p. 46

Ein unter die Haut gehender Autor.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars


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Verdacht

Ich habe den dringenden Verdacht, dass diese Vorgangsweise die Wasserqualität nicht verbessert hat. Aber wahrscheinlich war das ein Thema über das man damals noch nicht allzuviel nachgedacht hat.

Ah ja, übrigens ist ein Fleischhauer ein Metzger.


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Fest der Finsternis

Fest der Finsternis

Ulf Torreck

„Fest der Finsternis“

Heyne: 2016

Tut mir leid, dieses Buch lesen zu wollen, war eine falsche Entscheidung. Ich habe mich bis Seite 311 (!) durchgekämpft, weil ich es nur sehr selten schaffe, ein Buch das ich begonnen habe nicht fertig zu lesen. Bei diesem gelingt  mir das aber sehr gut.

Ich will mich gar nicht lange ausbreiten darüber was alles an diesem Buch mir nicht gefallen hat. Der Marquis de Sade, Fouché, Talleyrand werden als willkürlich charakterisierte Personen vorgeführt. Ein Geheimbund darf nicht fehlen. Insgesamt eine haarsträubende sinn- und spannungsbefreite Handlung; auch die „historische Milieuschilderung“ hat mich absolut nicht überzeugt. Gähnen und Kopfschütteln haben mich durch die 311 Seiten begleitet. Weitere 300 wären zuviel gewesen.

Das einzig Positive, das mir einfällt, ist, dass mir solche Bücher als kontrastreicher Hintergrund für andere dienen.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars.

 


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Die eisigen Säulen des Pluto

Der Autor, Kim Stanley Robinson, ist ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Science-Fiction Autor. Zurecht wie ich finde. „Die eisigen Säulen des Pluto“ (im Original „Icehenge“) ist ein ziemlich ungewöhnlicher Roman, der mir sehr gut gefallen hat.

Er spielt 500 Jahre in der Zukunft, sämtliche Planeten und Monde des Sonnensystems sind besiedelt. Was diesen Hintergrund betrifft, ist es ein klassischer Science-Fiction-Roman. Der Autor wusste allerdings noch nicht, dass Pluto seinen Status als Planet verlieren würde, aber das ist für die Handlung völlig unbedeutend. Wenn man die ausgefeilte Sprache Robinsons betrachtet, könnte man aber meinen, dass es sich hier um ein ganz anderes Genre als Science-Fiction handeln könnte.

Der Roman hat drei Teile, im ersten schreibt eine Ökologin auf einem Raumschiff Tagebuch über die Tage der Meuterei auf ihrem Schiff, im zweiten Teil wird dieses Tagebuch von einem Historiker entdeckt, der darauf seine Theorie über die Entstehung des Icehenge aufbaut. Es handelt sich dabei um eine gewaltige Konstruktion aus Eis auf Pluto, die an das prähistorische Stonehenge erinnert. Im dritten Teil stellt ein Enkel dieses Historikers die Theorie in Frage und erarbeitet eine eigene Theorie.

Soviel zum Plot. Wesentlich wichtiger als der Plot scheint mir aber der Hintergrund vor dem diese Handlung abläuft. Die menschliche Lebenszeit wurde auf Jahrhunderte ausgedehnt, man kann fast schon von Unsterblichkeit sprechen, aber das Gedächtnis der Menschen kommt mit dieser Situation nicht zurecht. Niemand erinnert sich an sein ganzes Leben.

Oft kam mir vor, dass das eigentliche Thema dieses Textes die Unsterblichkeit und das als sinnhaft empfundene Leben ist.

„Früher einmal waren wir wie gespannte Bogensehnen, wir vibrierten am Bogen der Sterblichkeit – nun ist der Bogen entspannt, und wir liegen schlaff herum, und der Pfeil ist zu Boden gefallen. “ p.87

„Doch die Dinge waren überall gleich, egal wo ich mich aufhielt; hier war meine Arbeit genauso sinnlos, mein Leben genauso leer. Ich erinnerte mich an Kavafis Gedicht „Die Stadt“

Du wirst keine neuen Länder entdecken, keine anderen Meer. Die Stadt wird dir folgen. du wirst durch dieselben Straßen streifen, in denselben Vierteln alt werden. Dein Haar wird weiß in denselben Häusern. Wo immer du hin fährst, hier wird deine Reise enden.“ p.137 *)

Das Ende ist ebenso ungewöhnlich wie der ganze Roman. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht und bin zu einer Lösung gekommen. Welche verrate ich natürlich nicht, auch nicht welches das Rätsel war, über das ich nachgedacht habe.

*) Konstantin Kavafis , griechischer Dichter  (1863 – 1933)

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar in Form eines e-books