la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

Auf der Suche nach Mitgefühl und Weisheit


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Er wird zu einem Lieblingsautor

Schon das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, hat mir sehr gut gefallen. Humorvoller und tiefgründiger Blick auf ein Thema, das nicht gerade in aller Munde ist, aber für viele durchaus relevant. Klick .

Auch das zweite Buch , das ich gelesen habe, ist mir zufällig über den Weg gelaufen:

„Gewidmet meinem Vater, der sich schließlich doch damit anfreunden konnte, dass ich nichts Rechtes gelernt habe“

Schon diese Widmung hat mir gefallen, weil sie doch vieles an Vater-Sohn-Beziehung darstellt. Das Buch ist in einer altertümmelnden Sprache geschrieben:

Das erste Capitel

Worin der König heiter der Ankunft eines neuen Riesen entgegenblicket.

Friedrich Wilhelm der Erste, siebenundzwanzig Jahre alt, König in Preußen und Markgraf von Brandenburg, Erzkämmerer und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, saß im Potsdamer Stadtschlosse in seinem Bette und freute sich. p. 7

Es geht um die „langen Kerle“ des Friedrich Wilhelm, die überdurchschnittlich großgewachsenen Männer,die er in eigentlich verbrecherischer Art und Weise in großen Teilen Europas einfach entführen ließ und in seine Armee eingliederte.  Einem König war damals alles erlaubt und wenn es auch nicht erlaubt war, so wurde es doch geduldet.

Auch dieses Buch ist humorvoll geschrieben und behandelt doch absolut skandalöse, menschenverachtende  Zustände. Gerade diese Kunst schwerwiegende Dinge leicht zu schreiben schätze ich sehr und Thomas Meyer beherrscht sie. Wäre schon schade gewesen, wenn er seinem Vater gefolgt und „etwas Rechtes“ gelernt und ausgeübt hätte.

Thomas Meyer ist auch ein meisterhafter Gestalter von Figuren. Mehrere dieser „Riesen“ werden skizzenhaft aber doch lebendig herausgearbeitet. Die Figur des Friedrich Wilhelm, eines charakterlich grobschlächtigen, kindisch-gnadenlosen Tyrannen wirkt streckenweise fast sympathisch. Es gibt auch noch andere interessante und differenziert dargestellte Figuren: den Geheimsecretair Creutz, bei dem irgendwann der letzte Tropfen des königlichen Verhaltens das Fass zum Überlaufen bringt, der skrupellose Menschenhändler Schmidt, der „wissenschaftliche Berater“ Freiherr Jacob Paul von Grundling, der für ausreichende Mengen Alkohol jede Demütigung hinnimmt.

Ich freue mich auf weitere Bücher dieses sehr vielseitigen Autors.

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Ein Kommentar

16. Station der literarischen Weltreise – Großbritannien

Eine Ruth Rendell wie ich sie mag ! Eine prächtige Milieuschilderung, hochinteressante, wunderliche Charaktere, deren Wunderlichkeit aber aus ihrer Geschichte nachvollziehbar werden, minutiös aufgebaute Zufälle, Verwicklungen, Begegnungen, detailgetreue Schilderungen von Natur und Innengestaltung von Häusern und dazwischen immer der rote Faden der schicksalshaften Begegnungen.

Man geht von einer oder zwei Figuren aus und landet in einem Netz von Verknüpfungen zwischen unterschiedlichen Menschen, die von Ruth Rendell zusammengeführt werden, manchmal wie die Laborratten; was wohl geschieht, wenn man eine betrügerische Londoner Proletin mit einem aus ihrer Sicht armen tatsächlich aber steinreichen arabischen älteren Herrn zusammenführt ?  Diese Art von Experimenten kommen bei Ruth Rendell oft vor und bringen faszinierende Ergebnisse.

Die Bedeutung des Titels des Romans offenbart sich erst ganz am Ende des Buchs und auch hier verknüpfen sich Ereignisse, die nicht das Geringste miteinander zu tun haben. Aber Ruth Rendell nimmt man ihre  mögliche Verknüpfung durchaus ab.

Die genaue Handlung erzähle ich natürlich nicht. Nur soviel, dass die Hauptpersonen vier Frauen sind: zwei Schwestern und die beiden erwachsenen Töchter einer von ihnen. Der Ausgangspunkt der Geschehnisse ist eine in der Vergangenheit liegende Begebenheit, die großen Einfluss auf die Gegenwart hat obwohl nicht alle Akteure sich anfangs der Tragweite dieser Begebenheit bewusst sind.

 


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Netter Krimi – Ruth Rendell

Viel gelesen habe ich im Sommer und werde langsam einiges vorstellen. Zunächst einen netten Krimi.

Ruth Rendell ist eine meiner Lieblingskrimiautorinnen, vor allem ihre unter dem Namen Barbara Vine veröffentlichten Bücher schätze ich sehr. Das sind auch eigentlich keine Krimis.

Hier handelt es sich aber um ein Inspektor-Wexford-Buch. „Die Besucherin“. Ja, nicht ihr allerbestes aber auch nicht das schlechteste. Wobei ein schlechter Rendell-Krimi immer noch mindestens im Mittelfeld der veröffentlichten Krimis liegt. Wie bei allen ihren Krimigeschichten geht es nicht nur um die Mord-Story sondern um einige gesellschaftlich relevante Themen. In diesem Buch um Rassismus, Arbeitslosigkeit und die Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern.

Die Geschichte liest sich flüssig, ist logisch aber nicht allzu linear aufgebaut- es gibt überraschende Wendungen – bietet ein bisschen Stoff zum Nachdenken und ist insgesamt eine angenehme, mittelseichte Lektüre, die sich für Urlaubstage blendend eignet oder für häusliche Regentage. Man kann die Geschichte auch problemlos in Etappen lesen.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars


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Nicht nur Literatur gibt es zu lesen

„Die eigentliche Herausforderung der Entwicklungspolitik besteht darin, dass eine Gruppe von Ländern am untersten Rand immer weiter zurückfällt und oft regelrecht zerfällt.

Diese Länder ganz unten gehören zwar zur Welt des 21. Jahrhunderts, aber ihre Lebenswirklichkeit ist die des 14. Jahrhunderts: Bürgerkrieg, Seuchen, Analphabetismus. Die meisten dieser Länder liegen in Afrika und Zentralasien, ein paar wenige in anderen Regionen. (…) Wir müssen uns daran gewöhnen, das vertraute Zahlenverhältnis *  auf den Kopf zu stellen: insgesamt 5 Milliarden Menschen leben heute bereits im Wohlstand oder sind auf dem Weg dorthin, eine Milliarde fällt immer weiter zurück. “

Paul Collier „Die unterste Milliarde“ Pantheon: 2007 p.17

Mit „das vertraute Zahlenverhältnis“ ist die Situation  gemeint, in der  1 Milliarde Menschen in der reichen Welt leben und fünf Milliarden Menschen in der armen. Tatsächlich ist die Armut insgesamt zurückgegangen, aber die Kluft zwischen den ganz Armen und denen, die in großem oder bescheidenem  Wohlstand leben wird immer tiefer.


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13. Station der Literaturweltreise – Japan

Auf den Spuren von Yvonne  habe ich Kanae Minatos „Geständnisse“ gelesen.

Nach dem Buch, das ich zuvor gelesen hatte (klick) , war es ein so angenehmer, distanzierter, fast kühler Stil in dem die dramatischen Ereignisse geschildert werden. Ob diese Art der Darstellung  „das japanische“ an dem Roman ist oder einfach der persönliche Stil der Autorin, kann ich nicht beurteilen, ich werde mich aber auf jeden Fall nach weiteren Werken von Kanae Minato umsehen.

Obwohl ein Mord im Zentrum der Geschehnisse steht, handelt es sich nicht um einen Krimi. Die Geschichte um die es geht, ist von Anfang an bekannt: die vierjährige Tochter einer Lehrerin wurde getötet. Zu Beginn des Buches eröffnet die Lehrerin ihrer Klasse von 13-jährigen Schülerinnen und Schülern, dass sie weiß, wer die Tat begangen hat und dass sie sich an diesen Personen zu rächen gedenkt. Die handelnden Personen kommen nacheinander als Ich-Erzähler zu Wort und so werden die Hintergründe und der Ablauf der Geschehnisse langsam zusammengesetzt.

Die Jugendlichen, die den Mord begangen haben, leben unter schwierigen Familienverhältnissen. Der eine wird von seiner Mutter gegängelt, der andere völlig vernachlässigt. Man erfährt so nebenbei auch einiges über den allgemeinen Leistungsdruck im Leben japanischer Schulkinder. Neben den Rückblenden, läuft auch die Handlung nach dem Vortrag der Lehrerin weiter. Sie selbst hat die Schule verlassen und wurde durch einen Kollegen ersetzt, der – absichtlich oder nicht – zur Eskalierung der Geschehnisse beiträgt.

Der Roman ist ein erschreckender Einblick in menschliche Abgründe, die sich unter anderem durch die Lebenserfahrung von Kindern aus Mittelschichtfamilien in schwierigen persönlichen Situationen auftun. Es gelingt nicht immer wirklich zwischen Opfern und Tätern zu unterscheiden. Auch die Gesetzeslage und die Rechtspraxis werden thematisiert. Kinder werden einerseits unter sehr großen Leistungsdruck gesetzt, was unter anderen zu dem in Japan weitverbreiteten Phänomen der Hikikomori führt. Hikikomori sind Jugendliche, die sich weigern das Haus zu verlassen und die Schule zu besuchen. Andererseits werden aber Straftaten von Jugendlichen von den Gerichten mit größter Milde behandelt.

Die Rache der Lehrerin schließlich ergibt sich zwar aus weiteren Plänen eines der Täter, ist aber dennoch ebenfalls von ungeheurer Brutalität. Alles in allem ein ebenso hartes wie interessantes Buch.

Ich danke dem Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars 


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Buch-Date im Juli

Das Buch-Date ist ein von Flumsi und Zeilenende   koordiniertes Leseprojekt. Die Teilnehmer*innen empfehlen einander 3 Bücher, von denen man mindestens eines lesen und besprechen soll.

Floreca empfahl mir: 

Matt Ruff – Ich und die anderen.  Ein Buch, dass ich schon gelesen habe und dass mir gut gefallen hat. Es geht um einen Mann mit multipler Persönlichkeit, der sich und seine anderen Anteile als Personen sieht, die gemeinsam in einem Haus wohnen und die alle ihre eigenen Bedürfnisse haben. Und dann trifft er eine Frau, die ebenfalls eine multiple Persönlichkeit ist. Ich kann mich nicht mehr genau an die Handlung erinnern, aber daran, dass es ein Buch zwischen unterhaltsam und nachdenklich war …..

Jorge Bucay – Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte Warum auch immer hat mich dieses Buch nicht angesprochen.

Gelesen habe ich 

Dave Eggers – der circle

Es ist eine ziemlich erschreckende Dystopie. Ein weltumfassender Konzern namens Circle (dafür muss man natürlich Google einsetzen) möchte – geleitet von Drei Weisen – eine bessere Welt schaffen, ohne Verbrechen,  mit lückenloser Überwachung aller und permanenter verpflichtender Kommunikation.

Zur Erreichung dieses Ziels kauft der Konzern laufend Start-Ups auf, die sich durch ein Projekt auszeichnen, das in die Konzern-Philosophie passt. Zum Beispiel der Chip, der jedem Kind implantiert wird, damit es jederzeit geortet und nicht mehr Opfer einer Entführung werden kann. Oder das verpflichtende social-media-account für alle Bürger beim Circle, mittels dessen man wählen kann/soll/muss.

Die geschilderte Firmenphilosophie des Circles lehnt sich ein bisschen an die slogans aus „1984“ an und lauten:

  • Geheimnisse sind Lügen
  • Teilen ist Heilen
  • Alles Private ist Diebstahl

Die Protagonistin des Romans ist Mae, eine junge Frau, die gerade über Vermittlung einer Freundin einen Job im Circle erhalten hat. Ihre Aufgabe besteht zunächst darin irgendwelche nicht genau beschriebenen Kundenanfragen zu beantworten. Gleichzeitig muss sie aber mittels diverser Bildschirme auch mit ihren Kollegen und möglichst vielen anderen Leuten kommunizieren, sowie ständig Bewertungen von banalsten Äußerungen machen. Sie muss in verschiedenen rankings immer mehr aufsteigen oder zumindest nicht zurückfallen und sie muss selbst Nichtigkeiten aus ihrem Leben posten. Allein bei der Beschreibung bleibt einem die Luft weg:

„Um 22:16 betrug ihr Ranking 5342 und wieder war die nächste Hürde – diesmal bei 5000 – schwer zu überwinden. Sie schrieb eine Reihe von zings über einen neuen Service des Circles (…) und einer der zings, ihr siebter zu dem Thema zündete und wurde 2.904 Mal rezingt, was ihren PartiRank (= PartizipationsRank) auf 3.887 hochschnellen ließ. (…) Die Gesamtzahl von Statistiken, die sie trackte, betrug nur 41. Ihre Gesamtpunktzahl beim Kundendienst betrug 97.Ihr letzter Punktestand betrug 99. Der  Durchschnitt ihrer Subteams betrug 96 (…) Ihr zweiter Bildschirm zeigte die Zahl von Nachrichten, die andere Mitarbeiter an dem Tag geschickt hatten, 1.192 und die Zahl der Nachrichten, die sie gelesen hatte, 239 und die Zahl, auf die sie reagiert hatte, 88. Er zeigte die Zahl von neuen Einladungen zu Circle-Events, 41, und die Zahl auf die sie geantwortet hatte, 28.Er zeigte die Zahl der Besucher von Circle-Websites an dem Tag, 3,2 Milliarden (…) p224

… und so weiter und so fort. Smiles und Frowns werden verteilt, man tritt den Netzwerken zufälliger Besucher bei, füllt Formulare zu jedem Thema aus, bewertet, ratet …… aber es geschieht gar nichts

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich darüber nachgedacht meinen blog zu schließen, habe es mir aber wieder anders überlegt.

Es ist mit den meisten Leuten noch nicht so schlimm wie hier beschrieben, google hat auch nicht annähernd die Macht, die der Circle hat, die Entwicklungen in diese Richtung sind nicht so schnell und nicht ganz so beängstigend wie in diesem Buch, trotzdem eine ziemlich schaurige Vision ……

Ich bedanke mich nochmals für die Empfehlung, es war eine sehr interessante Lektüre, die mich auch zu einiger Selbstkritik angeregt hat.


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Litauen literarisch – Zitate 3

Das Buch wird zunehmend skurriler und auch politischer. Es gibt eine Art  geheime Weltherrschaft, genannt „die Zentrale“ deren zahlreiche Agenten die Menschen beeinflussen und manipulieren. Einer dieser Agenten erzählt von seinem Arbeitstag:

„Der Tag war wie immer anstrengend, voller zu erledigender Arbeiten. Er rief die zuständige Person an und bat darum, dass der Parapsychologen-Messe im Sportpalast der größtmögliche Rabatt gewährt würde. (…) Sollten die Parapsychos ihre Nichtigkeiten vortragen, stapelweise Bücher über Karmadiagnostik kaufen, mit magischen Kristallen die Zukunft vorhersagen, mit Wünschelruten wedeln und Auren fotografieren. Sollte der frei Wille sich selbst auf den Geist gehen, sich an der Nase herumführen, sich Sand in die Augen streuen und sich in bedrucktes Scheißepapier wickeln. Je mehr für dumm Verkaufte es im Staate gab, desto besser! Jedem Verbraucher sein eigener Weissager! Jedem Politiker sein eigenes Orakel !

Auf der Messe sollten zu diesem Zweck die von der Zentrale hergestellten Orakulatoren verbreitet werden, spezielle Apparate, die den ahnungslosen Anwender glauben ließen, er stünde in direktem Kontakt mit Gott und könne sogar mit ihm plaudern. Die wunderbaren Apparätchen waren in Armbanduhren eingebaut, natürlich nicht in irgendwelche, sondern in solche mit besonderen Zeichnungen auf dem Ziffernblatt: Yin und Yang-Diagrammen, sechszackigen Sternen sowie Buddha und Christus. (…)

Die Zentrale betonte immer wieder, wie wichtig die Flut von Magiern und Mystikern für Litauen sei.(…) Keiner seiner Mitbürger setzte am Morgen auch nur einen Fuß vor die Tür, ohne nachgelesen zu haben, was ihm das Horoskop für heute verkündete, das selbst im allerletzten Käseblatt abgedruckt war (…) Raus mit den klaren Köpfen aus dem Rad der Geschichte, dann dreht sich das Rad leichter. Das Leben hatte an der Oberfläche dahinzugleiten. Weg mit der Tiefe ! p. 116

Zu meinen Lieblingsbüchern in diesem Genre der politischen Utopie gehören die beiden Klassiker „Schöne Neue Welt“ und „1984“ . Sie werden in diesem Buch als wegweisend für die Ideologie der neuen Weltherrscher beschrieben:

„Zur möglichen baldigen Einführung standen auch die von Aldous Huxlex beschriebenen Soma-Tabletten an, die einem jederzeit gute Laune garantierten, Zweifelm, stress, Müdigkeit und Enttäuschung beseitigten und – was am Wichtigsten war – unnötige, ketzerische Gedanken verschwinden ließen, die GEMEINSCHAFTLICHKEIT, EINHEITLICHKEIT, BESTÄNDIGKEIT schaden konnten.In gewissem Sinne wurde die Mission von soma in vielen führenden Staaten schon von Prozac erfüllt.“ p194