Kategorie: EL MUNDO Y LA VIDA

Abwarten und Obst essen …

… kann man doch wohl in der gleichen Bedeutung wie „Abwarten und Tee trinken“ benützen. Das Entscheidende ist schließlich das Abwarten, das einen Schritt zurücktreten und sehen, was passiert oder auch nicht passiert oder ganz anders passiert als erwartet. Mit steigendem Alter und Lebenserfahrung steigert sich allerdings die Trefferrate bei den erwarteten Geschehnissen. Grund zur Freude ist das nicht unbedingt.

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich einmal bei Agatha Christie gelesen habe, dass die Ermittlungserfolge ihrer Miss Marple darauf zurückzuführen seien, dass sie einfach im Laufe ihres langen Lebens sehr viele Menschen und Situationen kennen gelernt hätte, unter denen sich immer irgendwelche „Präzedenzfälle“ für aktuelle Herausforderungen fänden. Interessante Sichtweise, die voraussetzt dass wir Menschen in vielerlei Hinsicht nicht annähernd so einmalig und originell sind wie wir das gerne wären.

Bäume am Anfang und am Ende

So schnell wären sämtliche Spuren menschlicher Ansiedlung und Existenz verschwunden, wenn man die Natur machen ließe, wie sie will

Adieu Verkehrsschilde
Noch ein Knubbel und weg ist der Zaun. Wie das Metall dann wohl in den Jahresringen aussehen wird?
Da sind die Verhältnisse nicht ganz klar, aber jedenfalls hat auch hier der Baum den Zaun überwunden

„Primitivismus“ und XIER! und Fortsetzung folgt

Derzeit sind die Museen offen, wer weiß wann sie wieder zusperren müssen und so habe ich mir heute endlich die schon lange geplante Modigliani-Austellung angesehen. Es gibt derzeit in der Albertina noch fünf andere Austellungen, das Kunsthistorische Museum ist auch nicht weit und dort haben sie gerade eine große Tizian-Ausstellung und, und … man könnte in Wien jeden Tag in eine andere Ausstellung gehen, oder in mehrere.

Ich konzentriere mich aber lieber auf einen Künstler bzw auf eine Richtung, denn bei den Ausstellungskurator*innen ist es ohnehin schon seit Jahren üblich zu den Werken eines Künstlers, einer Künstlerin auch andere Werke aus derselben Epoche, derselben Strömung zu zeigen. So auch in dieser Ausstellung. Abgesehen von Zeichnungen, Skizzen, Bildern und Skulpturen von Modigliani gab es auch Werke von Picasso und Brancusi zu sehen sowie afrikanische Masken und kleine Skulpturen aus verschiedenen Ländern. Die Ausstellung hieß „Modigliani, Revolution des Primitivismus“

Was mich immer irritiert, ist der Ausdruck „Primitivismus“. Wenn man bedenkt wie groß der Einfluss afrikanischer und asiatischer Kunst auf die europäische Moderne war. Gut, man kann „primitiv“ auch als „ursprünglich“ interpretieren und behaupten, es wäre gar nicht abwertend. Wenn man aber bedenkt, dass alle menschlichen Völker und Kulturen aus demselben Ursprung hervor gegangen und somit gleich alt sind, leuchtet mir auch nicht ein, warum die einen „ursprünglicher“ sein sollen als die anderen. Sie haben unterschiedliche Entwicklungen genommen, das wohl.

Wirklich heftig fand ich aber den Text, der neben einer Reihe kleiner Skulpturen aus Südostasien zu finden war. Dort wurde deren Kunstfertigkeit gelobt, die schon „vor jeder Berührung mit der Zivilisation“ vorhanden war. Zivilisation so muss man wohl daraus schließen, ist ein europäisches Phänomen. Anderorts spricht man von primitiver Kunst und/oder Gesellschaft.

Das ist ein Gebiet, in dem es wirklich angebracht wäre, das verwendete Vokabular zu überdenken. Anstatt sich abstruse „geschlechtsneutrale“ Personalpronomen auszudenken wie etwa diese:

Eine Zusammenziehung von „sie“ und „er“: sier (sies/siem/sien), Possessivpronomen sieni(r/s), und Artikel/Relativpronomen dier (dies/diem/dien)

Dritte Version: Xier! Als Personalpronomen wären das dann: xier (xies, xiem, xien), Possessivpronomen „xiese_“, als Relativpronomen bleibt „dier“ bestehen.

Die Sylvain-Konvention, ausgehend von einer Experimentierwerkstatt kam 2008 auf „nin“.

Personal wären das dann nin (nims_, nim, nin). Bonus bei der Sylvain-Konvention: Das „neutrale“ Gender bekommt als Bezeichnung „liminal“, um es vom Neutrum abzugrenzen, und es gibt eine neue liminale Wortendung für bestehende Worte. „Din Zauberir nahm nimsen Buch.“

Würde irgendjemand hier „Din Zauberir nahm nimsen Buch.“ sagen? Ich jedenfalls nicht. Aber ich schweife ab.

Das ist nun schon ziemlich lang geworden. Was mir nun an der Ausstellung gefallen hat, folgt im nächsten Beitrag (Xiese Beitragx?)

Lichtermeer – Sonntag 19.Dezember 2021

Die Ringstraße in Wien wurde an diesem Sonntag Abend gesperrt für eine Veranstaltung, die nicht als Gegenveranstaltung gemeint war zu den lauten, oftmals gewalttätigen Demos des Konglomerats aus Corona-Maßnahmen-Gegnern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremen und sonstigen ähnlich gesinnten Gruppierungen. Bei dieser Veranstaltung wurden weder Parolen gebrüllt, noch Passanten beschimpft und angegriffen, es wurden auch keine Fahnen geschwenkt.

Es wurden Lichter jeder Art mitgebracht, vom Teelicht bis zur Lichterkette, über Laternen, Handys und jede Art von Kerzen. Zwar war es sehr kalt, aber der angekündigte Sturm blieb aus und so konnten nicht nur die phantasievollen Konstruktionen mit geschützten Kerzen in diversen Behältern angezündet werden sondern auch ganz phantasielos ungeschützte Kerzen.

Es war eine unspektakuläre Veranstaltung. Dennoch war die gemeinsame Schweigeminute von zigtausenden Leuten überaus eindrucksvoll. Die Innenstadt war leise, keine Autos, keine Gespräche nur zwitschernde Kinder. Das geht schon unter die Haut. Der über 13.000 Corona-Toten wurde schweigend gedacht. Dann wurde geklatscht als Dank für die Arbeit der Mediziner*innen und Pfleger*innen. Es wurden keine Reden gehalten, keine Musik gespielt, es gab keine Einpeitscher, keine Megaphone. Klingt nicht nach viel, aber es war ein sehr starkes Gruppenerlebnis und ich bin froh, dass ich dabei war.

Samstag 18.Dezember 2021

Voriges Jahr gab es gar keine Christkindlmärkte, heuer sind sie seit Montag wieder geöffnet. Also wollte ich die Gelegenheit nutzen wenigstens den Markt vor Schloss Schönbrunn zu besuchen. Er ist kleiner als sonst, trotzdem gibt es eine Menge Stände, Kunsthandwerk aus vielen Materialien außer Plastik, handgeschöpftes Papier, viel Keramik und Kugeln und die Kulinarik kommt auch nicht zu kurz. Erstaunlicherweise ist der F mitgekommen, der sonst nicht gerade ein Fan von Weihnachtsmärkten ist.

Vor dem Schloss steht ein sehr großer Baum, vor dem je nach Tageszeit Musik aus Lautsprechern kommt oder live gespielt oder gesungen wird. Vor zwei Jahren gab es – glaube ich – ein Kamel auf Stelzen, diesmal ist es ein Esel. Zur Freude der Kinder

Wir haben ein paar nette Kleinigkeiten gekauft sowie größere Mengen Lebkuchen und Kinderpunsch getrunken. Ich kann ja nicht nachvollziehen warum ein nicht-alkoholischer Punsch „Kinderpunsch“ heißt, als dürfte man als Erwachsene/r ein Getränk, in dem kein Alkohol ist, nicht trinken.

Trotzdem

Gestern in der Buchhandlung sah ich eine Frau, Mitte siebzig, die äußerst mühsam und gebückt mit zwei Stöcken ging. Im Rucksack trug sie eine kleine Tanne, vermutlich vom Christbaumhändler gleich vor der Buchhandlung. Sie betrachtete Bücher, stöbern konnte sie wohl nicht, denn es sah so aus als könnte sie sich unmöglich mit nur einem Stock aufrecht halten. Sie stand dort mit ihrem Baum am Rücken und plauderte freundlich mit einer der Buchverkäuferinnen.

So etwas imponiert mir. So ein lautes, deutliches „TROTZDEM“.

Rennfahren oder Regieren

Unser Winterkanzler Nummer drei, Karl Nehammer wird es – denke ich – etwas länger schaffen als sein eh nur irgendwie interimistischer Vorgänger, der schon wieder Außenminister ist. Heute habe ich eine intressante Anekdote über Nehammers Familiengeschichte gelesen.

Ein direkter Vorfahre von Karl Nehammer, ein Mann namens Carl Nehammer war der Kammerdiener des Kronprinzen Rudolf, jenes Kronprinzen, der in Meyerling Selbstmord beging mit fatalen Folgen für die Habsburger-Monarchie. Der heutige „Kronprinz“ der Habsburger ist Rennfahrer geworden, wenn auch kein sehr schneller und der Nachfahre des Kammerdieners Kanzler einer Republik. Alles fließt

Hoffnung?

Seit ich bei Petra von ihrem Projekt „Zündstoff Hoffnung“ gelesen habe, überlege ich, daran teilzunehmen. Von allen Seiten betrachtet und mehrfach umkreist habe ich den Begriff „Hoffnung“ und bin doch dabei geblieben, dass ich damit nicht viel anfangen kann.

Ebenso wie „Freiheit“ ist für mich „Hoffnung“ ohne nähere Erklärung sehr vage. „Freiheit“ wovon oder wofür? und ebenso „Hoffnung“ worauf? Ohne genaueren Hinweis worauf sich die Hoffnung richtet, wovon oder wofür man frei sein möchte, sind das für mich leere Worthülsen mit denen man wohl Emotionen schüren aber zu keinem konstruktiven Ziel kommen kann. Ich denke, dass im religiösen Umfeld der Begriff „Hoffnung“ vor allem in der Adventzeit beliebt ist und er gar nicht näher definiert wird, oder werden muss, weil davon ausgegangen wird, dass alle wissen, worum es geht.

Ich bin aber nun mal nicht religiös und musste also weiter suchen. Bei Ulli fand ich den Begriff „Zuversicht“, der mir schon viel vertrauter ist und füge ihm noch das „Vertrauen“ hinzu. Nun kann man natürlich sagen „Zuversicht und Vertrauen worauf?“. In diesem Zusammenhang brauche ich aber diese nähere Beschreibung nicht, denn für mich ist Zuversicht eine Lebenseinstellung. So erklärt sich für mich auch, was ich bei Gerda gelesen habe, dass sie zu dem Schluss gekommen wäre, dass Hoffnung eine eigene Qualität ist. Ich gehe davon aus, dass sie mit „Qualität“ mehr oder weniger dasselbe meint, wie ich mit „Lebenseinstellung“.

Buddhisten beschreiben einen positiven Zustand als „jenseits von Hoffnung und Furcht“. Damit ist gemeint, dass es Hoffnung nicht ohne Furcht gibt, der Furcht, dass das Erhoffte eben nicht eintreten wird. In diesem Zusammenhang ist Hoffen negativ besetzt. So verschieden sehen unterschiedliche Kulturen Grundlagen der menschlichen Psyche.

Jedenfalls, liebe Petra ist dies nun mein Beitrag zum Thema. Ich werde weiterhin auch die anderen Beiträge lesen und bin gespannt, ob ich meine Sicht der Dinge damit bereichern kann.

Neubeginn und Freiheit

Einen Neubeginn kann es nur für äußere Umstände geben. Uns selbst nehmen wir überallhin mit. Wir stehen am vermeintlichen Neustart mit allen unseren Erfahrungen, Erfolgen und Verletzungen und nehmen auch alle unsere Vorurteile und Gewissheiten mit.

Sowohl der Neubeginn als auch die freie Entscheidung sind schöne Märchen, die nichts mit den realen Gegebenheiten zu tun haben. Die in unseren Gehirnen eingegrabenen Verhaltensmuster, die sich durch Lernen und Erfahrung gebildet haben, können wohl umprogrammiert werden, aber nur in sehr langwierigen, mühsamen Prozessen. Spontanes Umorientieren, plötzliches Ausbrechen aus dem bestehenden System, braucht sehr stark aufrüttelnde, schockierende Erlebnisse und sogar dann funktioniert es nicht immer.

Was wir als wertvolles Gut „Freiheit“ auf einen hohen Sockel stellen, ist eigentlich in nur sehr geringem Ausmaß möglich. Obwohl dieser Zustand ja auch positive Seiten hat. Viele Arten der Programmierung führen gut durchs Leben. Je flexibler und ausbaufähiger sie sind, umso besser. Sehr, sehr schwierig wird irgendeine Veränderung bei tief eingegrabener Ideologie und gar Fanatismus.

Auch bei vielen großen DenkerInnen kann man die Programmierungen ihrer frühen Kindheit nachverfolgen. Auch wenn sie sich dessen bewusst sind, heißt das noch nicht, dass sie leicht daraus ausbrechen könnten, wenn sie das wollten.