Kategorie: EL MUNDO Y LA VIDA

Mittwoch 7. Dezember 2022 – Kunst und Gewalt

Meine Begeisterung fürs Zugfahren ist heute etwas gedämpft worden. Vorige Woche als ich aus Linz zurückkam, war der Zug voll und viele Leute sind gestanden. Heute war es schlimmer, denn ich war selbst unter denjenigen, die gestanden sind, eine gute halbe Stunde. Das Ambiente im Zug war eigentlich sehr nett, aber trotzdem…

Die Ausstellung, die ich mir in Krems angesehen habe, war sehr interessant und entschädigend für die unbequeme Art der Hin- und Rückfahrt. Heute kann ich mir die vollen Züge durch den morgigen Feiertag erklären. Es waren viele Schüler*innen mit Koffern unterwegs, die wahrscheinlich über ein verlängertes Wochenende nachhause fahren.

Eine Menge Bilder habe ich gesehen, viele Einflüsse erkannt, viele Besonderheiten kennengelernt. Ich muss meine Eindrücke ein bisschen sortieren und in Zusammenhänge bringen. Vielleicht muss ich mir auch erst vorher noch die Pasquiat-Ausstellung ansehen, die in den Themenkreis hineinpasst. Zwar zieht mich Pasquiat nicht besonders an, aber ich möchte trotzdem Original-Bilder von ihm sehen.

Der Aufenthalt auf zugigen, eiskalten Bahnsteigen in Erwartung überfüllter Züge wird nicht zu einer Lieblingsbeschäftigung werden, aber auch dort gibt es immer wieder Sehenswertes. Eine gut gemachte Kampagne finde ich, die darauf setzt, dass Männer andere Männer davon abhalten könnten gewalttätig zu werden. In Österreich haben wir ja traurige Rekorde an Frauenmorden und -vergewaltigungen.

Bitte nicht „Reichskristallnacht“

Im großen und ganzen bin ich keine Verfechterin sogenannter politischer Korrektheit in der Sprache, aber natürlich gibt es da auch Ausnahmen. Morgen ist der 9.November, Jahrestag eines Ereignisses, das immer noch von manchen als „Reichskristallnacht“ bezeichnet wird, im reinsten Nazi-Sprech. Wahrscheinlich ist den meisten gar nicht bewusst,was diese Bezeichnung bedeutet und wo sie herkommt. Es gibt auch Menschen, die bis heute den unsäglichen Ausdruck „bis zur Vergasung“ verwenden. Da frage ich mich schon, ob es glaubhaft ist, dass jemand sich bei dem Ausdruck nichts denkt. Dass man nicht weiß, dass „jedem das Seine“ die Aufschrift am Tor des KZ Buchenwald war, finde ich dagegen verständlich, es handelt sich ja auch um einen viel allgemeiner verwendbaren Ausdruck.

Dabei wurden zwischen dem 7. und 13. November im ganzen Reichsgebiet mehrere hundert Juden ermordet, mindestens 300 nahmen sich das Leben. Um die 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume jüdischer Menschen sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden gestürmt und zerstört. Ab dem 10. November folgten Deportationen jüdischer Menschen in Konzentrationslager. Mindestens 30.000 Menschen wurden dabei interniert, Hunderte starben an den Folgen der mörderischen Haftbedingungen oder wurden hingerichtet.
Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden ab 1933 hin zu ihrer systematischen Vertreibung und Unterdrückung. Inwieweit sie eine Vorstufe zu dem drei Jahre später beginnenden Holocaust, der Vernichtung allen jüdischen Lebens, darstellen, ist in der Geschichtswissenschaft umstritten.
Die lange im deutschsprachigen Raum verbreitete zynische und euphemistische Bezeichnung (Reichs-) Kristallnacht (benannt nach den Scherben zerstörter Fensterscheiben) wurde auch in andere Sprachen übernommen.

zitiert nach Wikipedia. 7.11.2022 um 22:30

Montag 31.Oktober 2022

Natürlich ist es angenehm, wenn es am 31. Oktober auf 1000 Metern um die zwanzig Grad hat, wenn man zuhause alle Fenster offen lassen kann und im T-Shirt unterwegs sein, aber für die Klimaentwicklung sind das alles Katastrophenzeichen.

Ich sitze mitten in der Farbsymphonie der Laubwälder in PB und Umgebung und schaue immer wieder auf eine Internet-Seite, die die Auszählung der Stimmen bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl ziemlich live anbietet. Es läuft extrem knapp …

Ich lese gerade vier Bücher gleichzeitig, zwei reine Sachbücher, einen Roman und ein Mittelding zwischen beiden. Drei davon sind richtige Wälzer, für die man schon eine Weile braucht. Mit einem davon könnte ich in ein paar Tagen fertig werden.

85% der Stimmen ausgezählt. Das Ergebnis neigt sich knapp aber deutlich zu Lula. Leider sehe ich keine Hochrechnungen mit Schwankungsbreiten. 91%, der Abstand vergrößert sich minimal, sieht aber nun schon recht solid aus. 100% der Stimmen wurden ausgezählt. Die Wahlen sind entschieden, auf den Stimmzetteln. Was Bolsonaros bewaffnete Fanatiker vorhaben, weiß man noch nicht.

Friedhofsgedanken

Eine starke, beschützende Präsenz des Lebens vieler Menschen, auf deren Schultern ich stehe. Auch der Generation meiner Großeltern, die nicht einen sondern zwei Weltkriege überlebt haben, gehungert und gefroren in Angst und Schrecken, aber überlebt.

Sonntag 2. November 2022

Unerfreuliches Thema beim Frühstück: Parallelen zwischen Hitler und Putin. Gröfaz. 2.0 nennt der F diesen Sachverhalt.
Der Größenwahn ein riesiges Reich zu errichten unter dem eigenen exklusiven Befehl und nach ideologischen vom Anführer erlassenen Richtlinien, der militärische Größenwahn und damit verbunden die Übernahme des Oberbefehls in der Armee und das Verbot des Rückzugs egal in welcher Lage, wobei das Überleben der Soldaten völlig egal ist. Das Leben der einzelnen zählt ohnehin nicht.
Das völlige Ausschalten der Opposition, durch Inhaftierung, durch Morde, durch Zwingen ins Exil, die weitgehende Ausschaltung der dem Regime nicht gehorchenden Medien und die Aufhebung der Meinungsfreiheit, allein die Erwähnung des Begriffs „Krieg“ statt „militärische Spezialoperation“ ist Grund für jahrelange Gefängnisstrafen.
Die frei erfundenen Lügen, die doch sehr einfach zu entlarven sind und die seit Beginn der Teilmobilmachung auch die russische Bevölkerung großteils nicht mehr glaubt. Die Paranoia und das Abheben von der Realität. Hitler war in seinen letzten Jahren schwer drogensüchtig, davon weiß man von Putin nichts.

Die gläsernen Wahlurnen des „Referendums“ in den vier ukrainischen Provinzen erinnern frappierend an die „Volksabstimmung“ 1938 in Österreich, bei der über den Anschluss Österreichs an Hitlers Deutschland entschieden werden sollte. Die Abstimmung war nicht anonym, wer auf Anonymität bestehen wollte, musste mit Represssion durch das damalige und zukünftige Regime rechnen. Das „Ja“ Ergebnis war ebenso zustande gekommen wie das „ja“ in der Ukraine

Putins Sudetenland ist die Krim. Auch ein Faible für sogenannte Superwaffen, die allerdings nur in kleinster Anzahl vorhanden sind und für den Kriegsausgang irrelevant bleiben, verbindet die beiden Diktatoren.

Allein dieses Spektakel der „Rückkehr ins Reich“ von vier Regionen der Ukraine. Zum Vergleich Filme von einem Nazi-Parteitag. Nur die Fahnen unterscheiden sich und Putins Reden fehlt das neurotisch-charismatische Element, das Hitler hatte. Aber sonst … Man kann nur hoffen, dass der Krieg nicht sieben Jahre dauert.

Energie aus der Höhe

Zuerst fuhren wir in den elften Stock eines Parkhauses und stellten dort das Auto ab. Dann ein Stück zufuß, Bus Nummer 1, Ein offener Lift um eine Steilwand hinaufzukommen, dann noch ein Bus und man ist beim oberen Stausee des Kraftwerks Kaprun. Es handelt sich um ein Wasserkraftwerk mit zwei gewaltigen Staumauern, eine davon auf über 2000 Metern

Die obere Staumauer
Blick auf die untere Staumauer und den dazugehörigen Stausee

Es ist eine gewaltige Anlage, die nicht nur aus zwei Stauseen besteht sondern auch aus zahlreichen unterirdischen Verbindungen, die durch die Berge gebaut wurden. Schon jetzt erzeugt es eine Menge Strom soll aber noch weiter ausgebaut werden.

Wir mussten da unbedingt hinauf, denn ich bin ja mit einem studierten Wasserbauingenieur unterwegs. Aber, ich muss schon sagen, ich bin sehr beeindruckt! Die Landschaft ist gewaltig, die Seen, die Berge, die Gletscher und diese Leistung der Ingenieurskunst. Ich kann ja sonst auf Berge durchaus verzichten, aber diesem Eindruck konnte ich mich nicht verschließen.

Wie es aber nun so ist in österreichischen Landen und sicher auch in deutschen, wo man hinkommt stolpert man über neuere Geschichte von der beschämenden Art.

Der Bau wurde mitten im 2. Weltkrieg, im Jahr 1940 begonnen. Nachdem die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter nach Ende des Krieges nicht mehr zur Verfügung standen, sprang der Marshallplan ein. Kann man das nun geschickt finden oder moralisch verwerflich ? Ich weiß es nicht. Tatsache ist, dass das beeindruckende Werk fertig gebaut wurde und heute einen wichtigen Beitrag zur Energiegewinnung leistet.

Auf dem Gelände bei der oberen Staumauer steht auch noch ein seltsames Bauwerk „Heidnische Kirche“ genannt. Das Bauwerk ist eindrucksvoll, auf der Tafel fällt allerdings auf, dass die Toten erst ab 1947 gezählt werden, obwohl die Bauarbeiten 1940 begonnen wurden.

Heidnische Kirche

Ich halte nichts von Sippenhaft und es ist auch nicht so, dass es mir lieber wäre, wenn es dieses Kraftwerk nicht gäbe, ganz im Gegenteil, so wie die Zeiten sind. Trotzdem …

Geschmacksverirrungen

Ich schaue mir überall wo ich hinkomme die Gedenkstätten für Kriegsopfer an. Ob da die Rede ist von „Helden“ und „Gefallenen fürs Vaterland“ etc oder ob es eine verhältnismäßige neutrale Stätte ist, etwa mit Namen und/oder einem Hinweis auf die Schrecken des Krieges, einer Mahnung für den Frieden oder Ähnliches.

Was sich der Pfarrer von Zell am See gedacht hat, oder wer immer dieses Objekt dort aufgestellt hat, ist mir unverständlich. Viel geschmackloser geht es kaum. Es spricht ja nichts dagegen, Kerzen für Kriegsopfer anzuzünden und auch Geld dafür zu sammeln, aber in einem blank polierten, überdimensionalen Geschoss ? Eine Kanone in deren Rohr man Münzen hineinwerfen kann, wäre doch auch nicht schlecht, oder vielleicht ein Sarg ….

Saudi-Arabien en marche

Abgesehen von einer sehr schönen Landschaft mit See und Bergen gibt es im salzburgischen Zell am See eine weitere Attraktion: eine große Anzahl von Urlauber*innen aus Saudi-Arabien. Von der total verschleierten Frau unter einer Abaya, über Kopftuchträgerinnen mit freiem Gesicht bis zu ganz unverhüllten Frauen in bunter Bekleidung ist alles vertreten.

Vor etlichen Jahren, vor Corona, wurde in Österreich ein Vermummungsverbot eingeführt, das auch das Tragen von Burkas, Abayas und ähnlichen Kleidungsstücken, die das Gesicht verhüllen umfasst. Schon damals wurde die Frage diskutiert, wie denn nun mit Touristinnen aus arabischen Ländern verfahren werden sollte. Dann kam Corona und löste die Frage: die Frauen, die sich verschleiern wollten/ mussten, trugen statt des Gesichtsschleiers eine FFP2-Maske. Diese Lösung kenne ich, denn sie wird auch in Wien praktiziert. Dass das Tragen dieser Masken nichts mit medizinischen Erwägungen zu tun hat, sieht man daran, dass kein einziger arabischer Mann eine Maske trägt.

Es ist nun natürlich sehr unhöflich, zu starren oder gar zu fotografieren. Ich habe mich allerdings beider Faux-Pas schuldig gemacht. Ich dachte, was der Schwan darf, darf ich auch.

Ein nettes Erlebnis war es mit diesen beiden Frauen, die ich fotografiert habe, allerdings von weitem. Sie haben es trotzdem bemerkt. Die eine hat sich das Gesicht mit der Hand bedeckt, die andere hat ein Victory-Zeichen gemacht. Als wir dann aneinander vorbei gingen, haben wir alle drei gelacht.

Wir haben die saudischen Touristen überall angetroffen, rund um den See, beim Picknick in der Wiese, lächelnd im Regen, auf den Bergen, im Schnee. In mehr oder weniger geeigneter Bekleidung. Sehr gut gefallen hat mir eine Gruppe von fünf jungen Männern, die sich Anoraks und Stiefel ausgeliehen hatten, alle bei demselben Verleih, weswegen sie die gleichen Jacken und Stiefel trugen, was schon sehr urig aussah. Besonders lustig war aber, dass auf den Leihstiefeln hinten drauf, groß in weiß, die Schuhgröße zu lesen war. Diese fünf waren unmöglich zu fotografieren, denn sie sind mit der Energie und dem Schwung von Fünfjährigen im Schnee herumgekugelt.

Wenn man bedenkt, wie teuer und wie umweltschädigend eine Anreise im Flugzeug über mehr als 4000 Km ist, wäre es doch wünschenswert, wenn die Reisenden sich ihres Lebens erfreuen und ihre Umwelt wahrnehmen würden. Ist halt nicht immer der Fall