Kategorie: EL MUNDO Y LA VIDA

Irgendetwas gibt es an jedem/jeder zu loben

In diesem Sinne möchte ich darauf hinweisen, dass unser neuer Kanzler von Kurzens Gnaden eine sehr angenehme Stimmlage hat und eine wirklich äußerst kultivierte Sprache. Von Burgtheater aufwärts. Von dem, was er sagt, bin ich deutlich weniger begeistert. Es ist aber alles noch in Bewegung und im Umbruch und man kann noch gar nicht sagen, wie sich die Machtstrukturen entwickeln werden. Offenbar sind die Landeshauptleute aus ihrer türkisen Starre erwacht und daraus kann sich noch so einiges ergeben. Ob mir das, was die erzkonservativen ÖVP-Landeshauptleute vielleicht ausbrüten werden besser gefällt, ist aber unwahrscheinlich.

Ich gehe also in einen hedonistischen retreat, fahre ans Meer und lasse mich überraschen. Der Laptop bleibt zuhause.

Das Foto kann man interpretieren: Es wird finster und die Lampen leuchten noch nicht. Aber zum Glück gibt es ja rundherum andere Arten der Beleuchtung.

Sonntag 10. Oktober – Überraschungen

Wir waren den ganzen Tag in PB und hätten mit dieser Überraschung nun wirklich nicht gerechnet. Kurz ist doch tatsächlich vom Amt des Bundeskanzlers zurückgetreten. Er wird Clubchef seiner Partei im Parlament, was ihm als Kollateraleffekt parlamentarische Immunität verleiht. Zum neuen Regierungschef macht er einen seiner engen Vertrauten, den derzeitigen Außenminister. Es kann sich wohl jede/r ausmalen, wie sich die Machtverhältnisse de facto gestalten werden.

Auf einer Demo vor dem Kanzleramt wird „Tango Korrupti“ gespielt. Da wäre ich vielleicht hingegangen, aber wir sind zu spät nach Wien gekommen und wurden von den Ereignissen überrascht. Gestern erklärte Kurz noch er würde selbstverständlich und unter allen Umständen im Amt bleiben und schickte zwei seiner Getreuen vors Mikrofon, die verkündeten, dass die ganze Partei „wie ein Mann“ hinter ihm stünde. Offenbar hatten einiger der Elemente dieses „Mannes“ Hackln dabei, die sie von hinten schwangen. Vorläufig hat er nicht viel an Macht verloren, aber sein Strahlemann-Effekt ist vorbei, er ist moralisch schwer angeschlagen und die Ermittlungen werden auch irgendwann weiter laufen.

Langweilig ist es in der österreichischen Innenpolitik derzeit wirklich nicht

Freitag 8.Oktober 2021- Bei uns geht´s zu !

Es hätte eine kleine Spur unredlich sein können, Zetter und Mordio zu schreien ohne die mittlerweile berühmt-berüchtigten 104 Seiten der Staatsanwaltschaft gelesen zu haben. Vielleicht tue ich es noch. Das Interview mit dem Kanzler, das ich gestern Abend gehört habe, hat mir aber vorläufig gereicht. Die perfekte Opfermasche, Fehlverhalten gibt es keines, aber falls sich doch etwas beweisen ließe, stellt er schon einmal vorbeugend fest, dass andere schuld sind, die er plötzlich gar nicht kennt und nie gekannt hat und ER auf jeden Fall nichts mit nichts zu tun hat. Diese Leute, die er ja gar nicht kennt, haben ganz von sich aus in seinem Interesse gehandelt. Und diese unsäglichen SMS-Protokolle, in denen man mitlesen kann, mit welcher kindischen, korrupten Unverantwortlichkeit der Herr K und seine Freunde, die er plötzlich gar nicht mehr kennt mit der Republik umgehen! Angetreten ist der neugefärbte Herr K mit dem Anspruch neue, ehrliche, unkorrupte Politik zu machen. Es ist zum Kotzen! Was für ein Glück, dass ich hier keinen politischen Blog betreibe !

Mittwoch 6.Oktober 2021 – ungarisches Geflüster

Der erste Ungarischkurs, mit etwas durchwachsener Bilanz. Die Kursleiterin war eine Vertretung der tatsächlichen Kursleiterin, die wir also erst in der zweiten Stunde kennenlernen werden. Das ist ja nicht so schlimm. Diese Lehrerin war sehr charmant, die Gruppe angenehmerweise auch nur aus fünf Personen bestehend, perfekt.

Bücher wurden verkauft, die sich zunächst niemand angesehen hat, was ein Fehler war. Es wird ein einsprachiges Lehrbuch und eine einsprachige Grammatik verwendet. Man stelle sich vor, ich beherrsche 3,5 Wörter ungarisch und soll nun die hochkomplizierte Grammatik dieser Sprache ausgehend von ungarischen Erklärungen, die ich natürlich nicht verstehe, erlernen. Schon in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wusste man, dass diese Lernmethode für Erwachsene und ohne sprachliches Umfeld völlig ungeeignet ist.

Ich möchte mich aber ungern als Horrorkursteilnehmerin profilieren nach dem Motto „ich habe jahrzehntelange Erfahrung als Sprachlehrerin und weiß, wie das geht“ und dann womöglich noch mit dem Zusatz „so nämlich nicht“. Ich will auch nicht jedes Mal bedeutungsvoll schauen, wenn irgendwas nicht funktioniert.

Nicht so toll fand ich auch, dass die Kursleiterin zuerst meinte, es wäre didaktisch völlig verkehrt gleich in der ersten Stunde in die nicht ganz einfache Grammatik des Ungarischen einzusteigen, aber zehn Minuten später mit hellen und dunklen Vokalen und dem Plural begann.

Die Lösungsmöglichkeit, zu der ich mich entschlossen habe, ist, großen Aufwand zu treiben. Mindestens ein anderes Lehrbuch und eine Grammatik erwerben, eine Vokabelkartei anlegen, die Arbeitsanweisungen und Erklärungen aus dem einsprachigen Buch durch DeepL jagen. Das wird recht mühsam, aber wahrscheinlich ist es letztlich recht effektiv, weil ich mir alles besser merken werde, wenn ich es abgeschrieben, eingetippselt und übersetzt habe.

Intrinsische Motivation übersteht schlechte Bedingungen, schlechte Lehrer*innen und ungeeignete Bücher.

„Tartalom“ wird wohl Inhaltsverzeichnis heißen

Ein graziöser Huf …

Nur im Detail mag ich Reiterstatuen manchmal ganz gerne. Das ist eine der zahlreichen Prinz-Eugen-Statuen, die in Österreich so herumstehen. Dieser Prinz Eugen ist auf der Tullner Donaulände in der Bewegung eingefroren und blickt sinnend aufs Wasser.

Schloss Hof mit den barocken Gartenanlagen, den Kamelen, Eseln und Alpakas gehörte auch Prinz Eugen, einem der reichsten Männer der damaligen Monarchie.

Schweigen

In der Deeskalation von Konflikten kann Schweigen ungute Gruppenprozesse unterbrechen aber auch zum Aufstauen von Frustration und Hass führen, je nachdem.

Für Kartäusermönche und – nonnen ist Schweigen ein zentraler Aspekt ihres Lebens. Die Ordensregel ist eine interessante Konstruktion: gemeinsames Eremitentum. Jeder Mönch, jede Nonne hat eine Zelle, die man so aber eigentlich gar nicht nennen kann. Die Zellen, die wir kürzlich besichtigt haben, bestehen aus mehreren großen Räumen und einem großen ummauerten Garten. Während des Tages treffen die Mönche oder Nonnen in der Kirche zusammen, im Refektorium, im Kreuzgang, gelegentlich im Kapitelsaal. Das Schweigen darf aber nur für unbedingt nötigen Informationsaustausch unterbrochen werden.

Wie der Führer erzählt, hat das Schweigen nur sehr bedingt funktioniert. In Chroniken kann man nachlesen, dass Mönche bestraft wurden, weil sie Zettel über die Gartenmauern zum Nachbarmönch geschmuggelt haben oder heimlich und nicht-schweigend zusammentrafen. Wie jede Regel, die gegen die menschliche Natur ist, hat auch diese nicht funktioniert. Mitten unter anderen schweigend für sich zu bleiben funktioniert nur unfreiwillig.
Man könnte auch sagen, dass es ein fauler Kompromiss ist, einerseits Eremit sein zu wollen und andererseits ein Gemeinschaftsleben zu führen.

In Österreich wurden die rein kontemplativen Orden wie die Kartäuser in den 1780er Jahren von Joseph II aufgelöst.

Wuschelportraits

Die Alpakas haben eine sehr große Koppel und tragen das Geschirr nur wenn sie – wie hier – über das große Gelände geführt werden.

Sonntag 27. September – Feurige Stille

Nein, es geht nicht um den Vulkanausbruch auf La Palma sondern um die Schmiedewerkstatt in der Kartause Mauerbach.

Den zweiten „Tag des Denkmals“ haben wir für eine Besichtigung der Kartause genützt und dies beide nicht bereut. Wir hatten eine wirklich großartige Führung, die uns über das Gebäude und seine Geschichte, über den Orden der Kartäuser und seine Besonderheiten und auch über den heutigen Stand der Dinge informierte. Ein Mitarbeiter des Bundesdenkmalamts betätigte sich als Führer und aus dem vorgesehenen 50 Minuten-Rundgang wurden 3 Stunden. Drei sehr interessante Stunde.

Besonders ist an dieser Kartause, das sie Werkstätten enthält, in denen alte Handwerkskunst ausgeübt und weitergegeben wird. Es finden permanent Kurse zB. Schmiedekurse statt, bei denen ausgebildete Handwerker alte Techniken erlernen können. Wir erfuhren, dass die Schmiedekurse ungemein beliebt und immer ausgebucht wären.

Es werden Kurse abgehalten, Aufträge auch von Privaten durchgeführt und die Kartause mit allen Gebäuden instand gehalten. Dies ist beispielsweise ein barocker Wasserspeier, der repariert wurde.

Allein schon die herumstehenden und -liegenden Werkzeuge hätte ich mir stundenlang ansehen können.

Wir sahen auch eine Parkett-Ausstellung und erfuhren, dass Kaiser Maximilian bevor ihn die Revolution von Benito Juarez überrannte, Parkettböden aus seiner Heimatstadt Wien bestellte.

Andere Böden wurden restauriert und man konnte zusehen, wie der Restaurator die wunderschönsten Intarsienarbeiten unter diversen Schichten von allen möglichen Materialien befreite. Zum Glück waren die Kleber damals noch wasserlöslich

Aus einem Koala-Projekt

Die Malereien sind dem traditionellen Stil der australischen Aborigines nachempfunden. Die Kultur der Aborigines ist wirklich uralt, schließlich gehörten sie zu den ersten Völkern des homo sapiens, die aus dem heimatlichen Afrika auswanderten, nach Australien kamen und dann sehr lange von anderen Menschengruppen isoliert blieben.

Der Koalamann träumt den Menschen

Ich weiß nur,

… dass Müemlék so etwas wie „Baudenkmal“ heißt. Das habe ich den Kellner gefragt, der großartig Deutsch konnte. Erfreulicherweise bietet DeepL auch ungarisch an, aber allein schon das Eintippen dieser langen Wörter mit Akzenten und Umlauten…

Aha, „1773-ban“ heißt „im Jahr 1773“. Na, das hätte ich mir denken können. 1773, da war Maria Theresia Kaiserin. „helyreallitotta az orszagos müemleki felügyelöség“ heißt laut DeepL „wurde von der nationalen Aufsichtsbehörde wieder in Kraft gesetzt“. Das macht Sinn. Faszinierenderweise heißt 1968-BEN auch „im Jahr 1968“

Kèsörokokò schafft DeepL nicht, aber Rokokò ist natürlich Rokoko und A Keleti Rèsz heißt „Das Ostkreuz“. Seltsam.

Sehr viel schlauer bin ich nicht geworden, aber der Ungarisch-Kurs hat ja auch noch nicht einmal begonnen.

Pandas im Regen?

Phantastisch muss es sein, wenn man die eine Hälfte seines Lebens mit einer von zwei Lieblingsbeschäftigungen zubringen kann: Bambus knuspern und die andere Hälfte mit der anderen Lieblingsbeschäftigung: ausruhen.

In Wien allerdings haben die Großen Pandas noch eine weitere wichtige Beschäftigung: die Paarung.

Durch einen Vertrag mit der Volksrepublik China kam im Jahr 2000 ein Pärchen von Riesenpandabären in den Wiener Tiergarten, wo im August 2007 der erste Nachwuchs zur Welt kam. Fu Long („Glücklicher Drache“) war das erste auf natürlichem Weg gezeugte Panda-Junge Europas. Wie es im Vertrag festgelegt ist, übersiedelte Fu Long, nachdem er zwei Jahre alt geworden und damit auch von seiner Mutter entwöhnt war, im November 2009 in die Panda-Station in Bifengxia.

Mittlerweile gab es schon viermal Nachwuchs bei den Pandas, die sich in Wien offenbar sehr wohl fühlen. 2016 gab es sogar eine Zwillingsgeburt. Die Zwillinge wurden von ihrer Mutter ohne menschliche Hilfe aufgezogen und „Fu Feng“ (Glückliche Phönix), sowie „Fu Ban“ (Glücklicher Gefährte) genannt. Im Dezember 2018 übersiedelten die beiden nach China. Auch sie leben heute im Nanjing Wild Animal Park.

Nicht schwer zu erraten: der F und ich haben heute eine Runde durch den Tiergarten gedreht, teilweise bei Regen. Die Pandas haben sich aber draußen nicht blicken lassen, sie waren drinnen intensiv mit Bambus beschäftigt