Kategorie: EL MUNDO Y LA VIDA

Montag 27. Juni 2022- Margaret Attwoods USA

Mir kommt vor, dass die Gesellschaft der USA sich immer mehr in Richtung der Horrorvision von Margaret Atwoods „The Handmaid´s Tale“ (die Geschichte der Magd). bewegt. Völliges Verbot von Abtreibungen, was dazu führt, dass jene Frauen, die es sich leisten können in Kanada abtreiben, die anderen in finsteren Hinterzimmern. Die erzkonservativen Höchstrichter, die durch Trumps Ernennungen in der Mehrheit sind, sollen sogar über ein Verbot der Empfängnisverhütung nachdenken. Das ist kaum exekutierbar, dennoch erstaunt es doch sehr, dass es möglich ist, derartig rückschrittliche Gesetze zu erlassen und gleichzeitig von der Freiheit der Einzelnen zu reden. Die Freiheit soll man dann wohl hauptsächlich daran merken, dass noch mehr Waffen gekauft werden können.

Es beginnt immer mit der Beschneidung der Rechte der Frauen und dann ist die jeweilige Gesellschaft schon auf dem Weg in Realität gewordene Dystopien.

Themenwechsel, weil ich mich ja nicht zu politischen Themen äußern will und das schon wieder nicht schaffe.
Wie gerne hätte ich annähernd die Energie eines kleinen Kinds, das gehen lernt. Ein Schritt – plumps, umgefallen – wieder aufstehen, vier Schritte, plumps , – wieder aufstehen usw usf solange bis das Gehen funktioniert. Und diese absolute Konzentration und Zielgerichtetheit … Ich dagegen hänge wie eine müde Fliege herum.

Manchmal ist die Donau doch blau

Sonnwend? Veranstaltung -2-

Ich hatte keine Ahnung, was da eigentlich gefeiert wurde. Für die Sonnwende war es zu spät und außerdem wird, soviel ich weiß, bei dieser Gelegenheit niemand verbrannt. Für ein Johannisfeuer wiederum war es zu früh.
Peter und Paul-Feuer sagten die Einheimischen, auch der F, der diese Feuer aus seiner Kindheit kennt. Wikipedia klärt mich darüber auf, dass es sich um das Peterlfeuer handelt. Warum allerdings nur der Peter und nicht auch der Paul verbrannt wird, bleibt unklar.

So sah das arme Opfer aus bevor es verbrannt wurde.

Das Holz war nass vom heftigen Regen in der Nacht davor und das Feuer wollte und wollte nicht brennen und so kam es, dass zwei Feuerwehrleute in voller Montur Kanister mit vermutlich Benzin in den Holzstoß schütteten und das Feuer zum Aufflammen brachten. Schon die kleinsten Kinder und die Erwachsenen ohnehin wurden vom Feuer magisch angezogen. Es wurde auch geklatscht und gesungen, die Emotionen gingen teilweise hoch.

Für mich ist dieser Brauch ganz fremd und ich fand es schon recht grenzwertig, dass da, wenn auch nur symbolisch ein Mensch verbrannt wurde und viele Menschen – inklusive ich selbst – begeistert zusahen.

Besonders heftig sah es aus, als die Puppe längst verbrannt war, das angesengte Holzkreuz aber noch mitten im Feuer hin und her schwankte. Verbrennung von Märtyrern, Hexen sonstigen politisch oder religiös unliebsamen Personen. Ich weiß nicht, ob es noch so heftig wirkt, wenn man so eine Darbietung von Kindheit an jedes Jahr sieht, ich war jedenfalls sehr beeindruckt.

Die Feier fand ja zu beiden Seiten der Donau statt. „Drüben“ gab es auch ein riesiges Feuer und keine Lasershow sondern ein Feuerwerk. Eine Kollegin von mir stammt aus dem Ort gegenüber und nahm dort an der Feier teil. Das Feuerwerk war gut gemacht, auch von weitem gut sichtbar, aber für meine Kamera zuviel. Daher freute ich mich, ein Foto von der anderen Seite zu bekommen.

Sonnwendfeuer
Die Feuer zur Sommersonnenwende weisen wohl vorchristliche Wurzeln auf, waren aber vor allem im Mittelalter sehr verbreitet und haben sich über die Verbote der Aufklärung hinweg vielerorts bis in unsere Zeit erhalten. Im Zuge der Christianisierung ersetzte die Kirche das Fest der Sommersonnenwende durch jenes der Geburt Johannes des Täufers am 24.6. (=> Johannisfeuer), aus den Sonnwendfeuern wurden die Johannesfeuer. Ob jedoch unter dem Namen Sonnwendfeuer oder Johannisfeuer, die Feuer zur Sommersonnenwende zählen zu den verbreitetsten in ganz Österreich. Unter dem Namen „Sonnwendfeuer“ werden in Tirol vor allem noch im Raum Innsbruck und im Zillertal Bergfeuer entzündet. Brauchtermine sind die Nächte um die Sommersonnenwende, das ist der 22. Juni. Besonders in den letzten Jahrzehnten sind sie zugunsten der => Herz-Jesu-Feuer in den Hintergrund getreten, nicht zuletzt deshalb, weil die Feiern zur Sommersonnenwende in der Zeit des Nationalsozialismus für ideologische Zwecke mißbraucht wurden.

Quelle:
Institut für Europäische Ethnologie/Volkskunde
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Innrain 52
A-6020 Innsbruck
http://www2.uibk.ac.at/volkskunde/

D und Wasser

Mein Atelierskollege der D ist Dauergast auf Flohmärkten und bei Altwarenhändlern in Wien und in seiner irischen Wohnumgebung. Er hat einen sehr guten Blick dafür, wo und wie ein altes Teil eingebaut werden könnte. Zum Leidwesen seiner Frau wirft er diesen kundigen Blick auf sehr, sehr viele Objekte. Manche davon gefallen mir sehr gut, etwa dieser Kopf, der auf dem Brunnen im irischen Garten montiert wurde

Selfie aus Irland

Ich hoffe sehr, dass ich im Herbst wieder einmal nach Irland komme. Die Erzeugung weiterer unorthodoxer Selfies steht aber auf meiner Prioritätenliste ziemlich weit unten

Mittwoch 22. Juni – Räder, Unfälle, Traumata

Dass ich aus zwei selbst gebauten Autounfällen ein ordentliches Trauma zurückbehalten habe, war mir schon klar. Nicht umsonst fahre ich nicht Auto. Ich habe auch erfahren, dass mir sogar bei einem Computerspiel das Autofahren unangenehm ist. So weit so schlecht. Dass es aber nicht nur ums Autofahren sondern um die Teilnahme am Verkehrsgeschehen mit egal welchem Fahrzeug geht, ist mir erst kürzlich klar geworden, beim Radfahren in PB.

Ich habe das Thema nie ernsthaft bearbeitet. Ich weiß, dass es da ist, aber es ist in meinem städtischen Alltag kein Problem, nicht selbst Auto zu fahren. Auf dem Land sieht die Sache anders aus.

Es ist ein seltsames Gefühl, sich zu fürchten und genau zu wissen, dass der Grund für die Angst nicht das ist, was ich gerade tue – nämlich Radfahren – sondern sehr alte Geschichten. Ich habe ja nicht wirklich Angst davor in eine ohnehin sehr schwach befahrene Straße einzubiegen, steige aber trotzdem ab und auf der anderen Seite der Straße wieder auf. Sehr unangenehm ist das und ich hoffe, ich bekomme es in den Griff. Ich denke schon, aber es wird eine Weile dauern. Genau das gleiche Problem habe ich mit dem Scooter.

Foto: Pixabay

Es war nicht annähernd so schlimm wie auf diesem Foto

Freitag 17. Juni 2022 – doch keine Querulanten

Immer dachte ich, dass die Leute, die sich ständig über Paketdienste und Zustellungen beschweren einfach Querulanten sind, die über alles und jedes schimpfen und ohnehin nie mit irgendetwas zufrieden zu stellen sind. Eine einzige ungute Erfahrung hatte ich bisher selbst gemacht. Ein Paket, das nie bei seinem Empfänger in Deutschland angekommen ist, zurückgeschickt wurde und dann auch erst nach größerem Hin- und Her wieder bei mir gelandet ist. Aber einmal – so dachte ich – ist kein Mal und alle anderen Lieferungen haben immer funktioniert. Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich, weil Stadtbewohnerin und haptischer Typ eine sehr schwache Online-Käuferin bin.

Aber nun hat der F zur Aufrüstung unseres „Fahrzeugparks“ in PB ganz spontan einen kleinen Scooter erworben, der von DHL geliefert werden sollte. Und dadurch haben wir so ungefähr alles erlebt, was in den als querulantisch empfundenen Beschwerden so vieler Leute vorkommt. Aber immerhin nach drei und einigen Wirren Tagen ist das Paket angekommen. Der F ist obendrein gleich hinuntergestürzt und hat dem Zusteller das ziemlich schwere Paket abgenommen, weil der ja eh so einen Scheißjob hätte, das man ihm auch einmal helfen könnte.

Ich entschuldige mich also in aller Form bei allen, die ich insgeheim als Querulanten gesehen habe und werde weiterhin so wenig wie irgend möglich online bestellen.

Samstag 11. Juni 2022 – Verhaltensmuster

Zu den angenehmen Seiten des Radfahrens zählt , dass man das Rad praktisch überall stehen lassen und ein Stück zufuß gehen kann. Allerdings habe ich prinzipiell Probleme damit, meine Besitztümer irgendwo in der Landschaft herumstehen zu lassen. NIcht weil ich besonders ängstlich wäre, aber es ist in der Großstadt eine ziemlich undenkbare Verhaltensweise, ein Rad einfach irgendwo stehen zu lassen, auch mit Bewegungssperre finde ich das riskant. Ich bin immer wieder überrascht, wenn das Rad noch am selben Platz steht, wenn ich zurückkomme. Der F lacht, aber der ist einerseits auf dem Land aufgewachsen und hat völlig andere antrainierte Verhaltensweisen (nicht nur was das Abstellen von Fahrrädern betrifft) und andererseits auch kein nagelneues Rad. Es würde ja an seiner Ehre kratzen, wenn er ein E-Rad hätte. Na, warten wir es einmal ab, er wird auch nicht jünger.

Auf dem Hügel im Hintergrund steht die Basilika von Maria Taferl, der zweitwichtigste Wallfahrtsort Österreichs. Die Basilika ist mir nun örtlich näher gerückt, also werde ich sie wohl irgendwann besichtigen, aber eigentlich kann ich mit Wallfahrtsorten gar nichts anfangen. Allein schon die Devotionalienstände und die Votivtafeln ! So ganz frei bin ich aber wohl doch nicht sonst würden mich solche Orte nicht so irritieren und manchmal sogar richtig aggressiv machen.

Donnerstag 9. Juni 2022 – Nicht auszuführende Projekte

Ich schmettere „take me home – country road“, natürlich nur subvokal, denn ich kann leider so gar nicht singen und will ja nicht die gesamte Flora und Fauna erschrecken oder sogar verschrecken. So ein Kur- und Naturaufenthalt ist sehr inspirierend und phantasieanregend …

Ein spannendes über 10 (!) Jahre laufendes Projekt habe ich bei Graugans gesehen. Ein von mehreren Teilnehmer*innen geschriebenes bzw gezeichnetes Tagebuch. „Tagebuch“ ist eine etwas irreführende Bezeichnung, denn Chronologie spielt keine Rolle und auch nicht der Bezug auf tagesaktuelle Ereignisse, oder Erlebnisse. Es muss ein wirklich gewaltiger Aufwand gewesen sein, dieses Projekt zu betreuen bzw am Leben zu erhalten, ich kann mir das sehr gut vorstellen. Inwieweit die Bezugnahme der teilnehmenden Personen aufeinander funktioniert hat, lässt sich von außen nicht feststellen. Die Teilnehmerinnen lassen sich anhand ihrer Zeichnungen leicht identifizieren, bei den Texten ist es schwieriger, auch aufwändiger. Ich meine nicht, dass man erkennen kann, wer wer ist, nur sieht man, dass Zeichnung x und y von derselben Person sind und bei näherer Beschäftigung wären sicher auch die Schreibstile zu erkennen, abgesehen von der Handschrift. Aber das ist ja nicht das Ziel und der Zweck dieses Projekts.
Ich kenne auch mehrere Zweierprojekte, bei denen Sätze der jeweils anderen Person entweder illustriert oder vervollständigt werden, Zeichnungen oder sonstige Darstellungen werden mit Text versehen. Es gibt da eine Menge Variationen. Was mir noch nie untergekommen ist, sind wirklich gemeinsame Zeichnungen oder Texte, es bleibt immer ein Nebeneinanderstellen von Individuellem.
Sollte mir so ein Projekt der Erstellung gemeinsamer kreativer Produkte unterkommen, würde ich gerne mitmachen. Es ist sicher sehr spannend, ob und wie man es aushält, die eigenen Bilder und Texte von anderen teilweise wohl stark verändert vorzufinden und sich trotzdem damit zu identifizieren. Vielleicht wäre die Organisation eines solchen Gemeinschaftsprojekts gar nicht so ein großer Aufwand, aber nein, nein, ich betreibe schließlich meine Impulswerkstatt. Eventuell könnte ich ja irgendwann so ein Gemeinschaftselement dazutun ….

Manchmal sind Selbsteinbremsungen sehr empfehlenswert.

Kinder des Krieges

Es geht nicht um die Ukraine. Es geht um den Zweiten Weltkrieg und Kinderschicksale aus dieser Zeit. Ich habe eine dreiteilige Artikelreihe zum Thema gelesen, von der Historikerin Maria Krell, die die Geschichte von Kriegskindern unter anderem anhand von Tagebucheintragungen und Aufsätzen von Kindern untersucht hat. Ich fasse die drei Artikel kurz zusammen. Der Inhalt ist schwer zu ertragen.

Es sind über 1200 Wörter geworden. Man verzeihe mir Rechtschreib- und Beistrichfehler sowie das schwache Layout. Ich habe kaum mehr darauf geachtet, weil mich der Inhalt ziemlich mitgenommen hat.


Der erste Teil der Artikelreihe trägt den Titel „Interniert, ausgehungert, ermordet“ und befasst sich mit Leben, Überleben und Tod von Kindern in Gettos und Konzentrationslagern, auch in belagerten Städten. Ich lasse die Autorin sprechen bzw die von ihr zitierten Tagebucheintragungen oder Aufsätze von Kindern.

Der damals 13-jährige Zanwel Krigman, der im Warschauer Ghetto lebte, schrieb 1942 in einem Aufsatz zum Thema „Wie es unserer Familie erging“ :

„Einmal wollte mir ein Gendarm den Proviant wegnehmen und fragte mich, was ich vorziehe: 30 Schläge oder das Geschmuggelte hergeben. Ich antwortete, die 30 Schläge – er ließ mich frei.“ Zanwel sorgte für seine Mutter, bis sie „im März 1942 vor Hunger“ starb. „Und dieser Hunger in Warschau, und der Übergang auf „die andere Seite“, immer diese Schüsse, die Junaken, die Deutschen, Angst gab es genug „ (1. Teil S 47)

Aus dem Getto Theresienstadt ist eine Zeichnung von einem Mädchen namens Ilona Wissowa erhalten. Sie malte auf, was wohl ihr sehnlichster Wunsch war. Im Bild hat sie sich zwischen allerlei Lebensmitteln platziert. Gabeln stecken in gebratenem Fisch, in Schwein und Huhn, es gibt Kuchen und Kakao. Hinter der 11-jährigen steht ein Schild mit der Beschriftung „Märchenland. Eintritt 1 Krone“ (1.Teil S47)

Verstörend ist auch der Bericht darüber, was die Kinder in den KZs spielten. Beim Spiel „Bestrafungsaktion“ etwa wollten die am Spiel teilnehmenden Kinder immer am liebsten der NS-Offizier sein.

„Schätzungen zufolge wurden etwa 232.000 Kinder und Jugendliche nach Auschwitz-Birkenau deportiert, etwas mehr als 23.500 wurden im Lager registriert. Als sowjetische Soldaten das Lager befreiten, fanden sie noch 700 Kinder und Jugendhäftlinge vor, 500 davon jünger als 15 Jahre“ (1. Teil S 48)

„Die Belagerung von Leningrad, dem heutigen St. Petersburg (…) gehört zu den furchtbarsten Kriegsverbrechen der Wehrmacht. Von 1941 bis 1944 , 872 Tage lang belagerte das deutsche Heer die Stadt. Dabei kamen mehr als eine Million Menschen ums Leben. Wenige der 400.000 Kinder wurden rechtzeitig aus der Stadt evakuiert, ebenfalls nur wenigen gelang die Flucht aus der Belagerung. Die Notlage war derart immens, dass in den mehr als zwei Jahren eine Lebensmittelration 125 Gramm Brot am Tag pro Person betrug. (…)

Am 27.Januar 1944 endete die Blockade von Leningrad. Die elfjährige Tatjana Sawitschewa überlebte die Befreiung der Stadt nur wenige Monate, bevor sie an den Folgen des Hungers starb. Ihr kurzes Tagebuch gilt heute als Mahnmal für die Belagerung (…) Darin schrieb das Mädchen:

Schenja starb am 28 Dezember um 12 Uhr Vormittags, 1941. Oma starb am 25. Jänner, 3 Uhr Nachmittags, 1942. Ljoscha starb am 17. März um 5 Uhr morgens, 1942. Onkel Wasja starb am 13. April um 2 Uhr nach Mitternacht, 1942. Mutter am 13. Mai um 7:30 morgens, 1942. Die Sawitschews sind tot. Alle sind tot. Nur Tanja ist übrig geblieben“ (Erster Teil S 49)

Der zweite Artikel ist mit „Auf der Flucht“ überschrieben und legt wieder den Schwerpunkt auf das Schicksal von Kindern.

„Flucht bestimmte auch das Leben zahlreicher Menschen in der späten Kriegsphase. Seit Herbst 1944 versuchten sie, aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und der Neumark Brandenburg vor der heranrückenden russischen Armee in Richtung Westen zu entkommen. Darunter jede Menge Kinder, die sich im Winter bis ins Baltikum durchschlugen. „Wolfskinder“ nannte man sie, weil sie einige Zeit ohne menschliche Fürsorge blieben und sich von der Gesellschaft entfremdeten. Derartige Eindrücke traumatisierten eine ganze Generation, die während des Zweiten Weltkrieges Kinder und Jugendliche waren.“ (2. Teil S 77)

Das Trauma ließ die Kinder emotional erstarren. So schilderten Beobachter, dass Kinder, die nach Kriegsende zur Erholung an die Nordsee und in andere Gegenden verschickt wurden, an sich tot stellende Tiere erinnerten. Ihre Erfahrungen würden die Kleinen sachlich, emotionslos und knapp schildern. Ihre Gesichter blieben dabei unbewegt. Die Kalendernotizen einer 17-jährigen Berlinerin bestätigen die Nachkriegsberichte. Am 30. April 1945 notierte das Mädchen “ Die Russen sind da. Nachts Vergewaltigungen. Ich nicht, Mutti, ja“ ( 2. Teil S.78)

Waisenkinder mussten am Kriegsende oft komplett auf sich allein gestellt zurechtkommen. Sie flohen nach der Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee auf eigene Faust in Richtung Litauen (…) von den Höfen verjagt, schliefen die Kinder mal in Schuppen und Ställen, mal im Unterholz. In den Wäldern ernährten sie sich von Baumrinden, Gras und Fröschen. Als sie schließlich 1946 barfuß Litauen erreichten, hatten sie bereits viele ihrer Altersgenossen sterben sehen.
Schätzungsweise irrten etwa 25.000 Kinder alleine durch die Sümpfe und Wälder Litauens und Ostpreußens.
Die „Vokietukai“ , die „kleinen Deutschen“hatten in den Wirren des Krieges nicht nur ihr Zuhause und ihre Familie, sondern ebenso ihre Identität verloren. (…) Die Wolfskinder durften kein Deutsch sprechen, Erinnerungsstücke wie Fotos oder Briefe wurden verbrannt, selbst die Namen der Kinder wurden geändert. (…) Alles auszulöschen, was zum früheren Leben der Kinder gehörte, geschah zu ihrem Schutz und zu dem ihrer Helfer. Litauen war 1945 Teil der Sowjetunion, die Aufnahme von Feinden, also auch deutschen Kindern, stand unter hoher Strafe. (2. Teil S 81)

Forscher schätzen die Zahl der Waisenkinder zu Kriegsende in Europa auf etwa 13 Millionen. Europa war nach dem Zweiten Weltkrieg eine Nomadenlandschaft (2. Teil S81)

Der dritte Teil der Artikelreihe behandelt unter dem Titel „Hitlers Kindersoldaten“ ein besonders finsteres Thema: die Indoktrinierung der Jugend und wie sie schließlich als Kanonenfutter missbraucht wurde.

„In den prägendsten Lebensjahren verinnerlichte eine ganze Generation nationalsozialistische Parolen und Werte wie Pflichterfüllung oder Gefolgstreue. Sie wuchs im Glauben an Adolf Hitler und die eigene „rassische Überlegenheit“ auf. Und zu einem übersteigerten Pflichtgefühl erzogen, trieb es etliche in den letzten Kriegsmonaten dazu, sich und andere zu opfern. (3. Teil S53)

Die 15-jährige Lieselotte schreibt am 8. November 1943 in ihr Tagebuch „Ist es nicht heilige Verpflichtung weiterzukämpfen, und sollte Deutschland ausgerottet werden, dann wären wir alle gleich tapfer gewesen (…) Und wenn wir alle untergehen sollten, es kommt kein 1918 mehr. Adolf Hitler, ich glaube an dich und den deutschen Sieg.“ (3. Teil S53)

„Mit zunehmender Kriegsdauer und Radikalisierung zeigte sich die volle Widersprüchlichkeit und skrupellose Brutalität des Regimes. Als die Niederlage längst absehbar war, opferte die NS-Führung ausgerechnet jene Menschen, die sie jahrelang als „Zukunft des Volkes“ beschwor. Im 1944 gebildeten Volkssturm wurden alle waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren für den „Endsieg“ eingezogen.

Hauptmann Otto Hafner erinnert sich später „Es waren Buben, blasse Kindergesichter, die Feldblusen viel zu groß. Ihre dünnen Finger verschwanden unter den langen Ärmeln, die schmalen Gesichter unter den viel zu großen Helmen (…) Ich war sehr betroffen. Sollte ich mit diesen Kindern die Russen angreifen. (3. Teil S.57)

„Von den 15 bis 17-jährigen deutschen Jungen der Jahrgänge 1927 bis 1929 sind fast 60.000 gestorben – sie wurden größtenteils 1944 und 1945 eingezogen. Unter allen Jahrgängen von 1920 bis 1929 waren es mehr als 1,5 Millionen (3. Teil S 57)

Auch Lieselottes Bruder wurde zum Volkssturm eingezogen. Sein wahrscheinlicher Tod bringt die lange begeisterte Nationalsozialistin zu der Einsicht “ So viele, viele Soldaten haben sich gedrückt und sind gekniffen, dazu war Bertel aber viel zu begeistert. Für wen denn? Für Hitler? Für Deutschland? Arme verhetzte Jugend? (3. Teil S 57)

Quelle: Spektrum Geschichte. Maria Krell
6/2021 „interniert, ausgehungert, ermordet“
1/2022 „Auf der Flucht“
2/2022 „Hitlers Kindersoldaten“



Kein Titel mangels Inspiration

Selten geht sie mir aus, die Inspiration, aber manchmal eben doch. Umso mehr schätze ich es dann, wenn sie sich wieder kooperativ zeigt. Die Mohnnudeln werden da vielleicht etwas nachhelfen

Die einzigen Mohnblumen, die ich bisher im Land des Mohns gesehen habe. Auf den Feldern sind die Pflanzen noch ganz klein und sollen erst Anfang bis Mitte Juli blühen. Was in den Gärten steht, ist wahrscheinlich Island-Mohn

Liebe Pflanzenkenner*innen

Könnt ihr mir verraten, worum es sich hier handelt? Auf den ersten Blick sieht es ja aus als hätte jemand blaue Farbe über die Bäumchen gegossen oder die Erde, in der sie wachsen mit irgendetwas angereichert, das blau färbt, aber das kann es ja nicht sein, oder doch?
Es ist auch kein einzelnes Bäumchen sondern gut zwanzig Stück, eher mehr. am Waldrand.

Ich hoffe sehr, dass jemand die Antwort weiß. Sie würde mich sehr interessieren.

Sie sind überall

Möchte man hier in der Gegend ein Haus bauen, einen Garten anlegen oder nur einen Zaun aufstellen, so muss man immer beachten, dass genau dort, wo man ihn nicht brauchen kann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Stein liegt. Also „Stein“, „Felsen“ beschreibt die Sache besser. Manche dieser Granitbrocken, Überbleibsel eines Gebirges aus Zeiten der Kindheit des Planeten, sind so groß und schwer, dass man sie ohne gewaltigen maschinellen Aufwand nicht entfernen kann. Der findige Waldviertler Zaunbauer muss sich kreative Lösungen einfallen lassen. Wie etwa diese: