Das Lied der Regentonne – ABC-Etüde

Wie immer bei Christiane
Drei Begriffe (siehe unten) sollen in einen Text von 300 Wörtern verpackt werden

Die Wörter stammen diesmal von Nellindreams

Mein zweiter Beitrag zu diesem Durchgang

Das Eichenholz habe ich vom samstäglichen Treffen mit dem Tischler mitgenommen und „das Lied“ stammt vom Titel eines Buchs, das ich gerade ausgelesen habe. Immer interessant, wie sich Brocken und Assoziationen aus verschiedenen Ecken zusammenfinden

Endlich ist meine Regentonne angekommen, lange genug habe ich gewartet. Sie ist perfekt: Eichenholz, jahrelang abgelagert, glatt fügen sich die Dauben aneinander, auch die Metallringe haben keine Spitzen und Kanten, an denen man sich verletzen könnte. Man kann sie streicheln als wäre sie mit Seide überzogen. Zur Eingewöhnung fülle ich sie mit dem Gartenschlauch und freue mich, dass sich lustige, kleine Wellen auf der Oberfläche bilden.

Schon das ganz junge Fass war etwas Besonderes, es wurde von Georg Binder gebaut, der weit und breit bekannt war für seine Fässer zu Zeiten als sie noch händisch gemacht wurden. Kräftig und sensibel waren die Hände dieses Handwerkers und herausragend die Produkte, die er fertigte.

Zunächst wurde das junge Fass nach Spanien geschickt und begann dort seine Lehrjahre als Sherryfass. Es war erst recht zufrieden und mochte die Umgebung und den Sherry. Mit der Zeit wurde er ihm aber zu süß, alle seine Poren waren von Sherry verklebt und bei der großen Hitze, die in Jerez herrschte, wurde ihm dies zusehends unangenehm.

Das Fass musste aber ein paar Jahre in Südspanien ausharren, bis es Zeit wurde nach Schottland zu übersiedeln, in eine große Whisky-Destillerie, wo es nun ein Eichenfass unter vielen war, vollgesogen mit Sherry, in Erwartung seiner neuen Aufgabe, den Reifeprozess des Whiskys zu leiten. Während der langen Reifezeiten die der Whisky benötigt, lagen die edlen Holzfässer herum und langweilten sich ziemlich.

Auf vielen Umwegen gelangte die Regentonne von Schottland aus in meinen Garten, wo sie wieder eine völlig neue und spannende Funktion übernimmt. Nach dem vielen Alkohol ist ihr das Wasser wohl ganz recht. So ganz eingearbeitet ist sie allerdings noch nicht in ihre alkoholfreie neue Betätigung. Oft sehe ich Vögel aus der Tonne trinken und dann auf ihrem Rand tänzerisch schwanken, was die heranschleichende Katze höchst attraktiv findet.

300 Wörter

26 Gedanken zu “Das Lied der Regentonne – ABC-Etüde

  1. Solange die Vögel aufgrund des Alkohols und etwaiger Dämpfe das Fliegen nicht vergessen, mache ich mir wenig Sorgen – mehr um die Katze, falls sie ein unfreiwilliges Bad nimmt … 🤔
    Morgenkaffeegrüße 🌧️🌻☕🍪👍

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        1. Wenn die Tonne ganz voll ist, müsste die Miez leicht herauskommen. So einen deprimierenden Anblick wie eine halbleere Regentonne gäbe es bei mir nicht. Ich würde sie immer nachfüllen. Ja, ja, ist mir selbst klar, dass das ziemlich dämlich wäre, aber ich habe ja ohnehin keine Regentonne 🙂

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    1. Danke dir! Ich liebe „Perspektivflimmern“, so ein schönes Wort. Tatsächlich habe ich auch während des Schreibens noch überlegt eine Ich-Tonne aus der „Protagonistin“ zu machen 🙂 Deinem Scharfblick auf Texte entgeht wenig!

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  2. So Fässer machen schon manch weite Reise. Deine Reise war spannend. Aber gut, dass Den Fass in Schottland gelandet ist und nicht in Dänemark. Sonst hätte es eine lange Seereise antreten müssen. Linie Aquavit ist das Zauberwort. Wodurch sich der auszeichnet: eben durch eine lange Schiffsreise in einem Fass von Dänemark nach Australien und zurück. So heisst es wenigstens. Die Bewegung des Schiffes soll dann wie ein liebevolles Hin-und-her-Wiegen sein.

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    1. Das klingt nach einem Werbetext, aber wer weiß. Wenns wahr ist, ist das ein erstklassiges Beispiel für gänzlich unnötige Umweltverschmutzung. Zumindest aus meiner Sicht: nur durch Todesandrohung könnte man mich dazu bringen einen Absinth zu trinken 😉 🙂

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      1. Linie Aquavit reift in Fässern, die während dieser Zeit den Äquator überqueren, habe ich gelernt – ich habe mich immer gefragt, was das für eine „Linie“ ist.
        Heutzutage ist Absinth derart reglementiert, dass man keine Angst mehr vor der grünen Fee haben muss, wenn man ihn nicht übermäßig trinkt. Oder magst du die Gewürze nicht?

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          1. Hihi. Nein, es soll der Name für Absinth gewesen sein (bevor es zum Markennamen wurde) aufgrund der Farbe, also ein schöner Euphemismus. Ob (und wann) den Trinkenden dann selbige erschienen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. 😉

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                1. Grüne Fee war mir ein Begriff, aber getrunken habe ich ihn nie. Vom Schaufenster ins Geschäft hinein habe ich mal fotografiert, aber nur wegen meiner Neugierde, wie es da drin wohl aussehen mag. Es ist ein kleines Geschäftchen, von dem ich nicht überblicke, ob es nur vom Absinth überhaupt leben kann…

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      2. Aquavit ist kein Absinth.

        Immer enthalten ist im Aquavit eine der beiden Grundzutaten Kümmel oder Dill. Die dann mit Koriander, Fenchel, Nelken, Dill oder Zimt verfeinert wird.
        Wird viel bei uns im Norden getrunken, wenn man etwas Feineres anbieten will als den Korn oder Doppelkorn.
        Klar ist der Aufwand blöd .

        Gefällt 2 Personen

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