Geschmacksverirrungen

Ich schaue mir überall wo ich hinkomme die Gedenkstätten für Kriegsopfer an. Ob da die Rede ist von „Helden“ und „Gefallenen fürs Vaterland“ etc oder ob es eine verhältnismäßige neutrale Stätte ist, etwa mit Namen und/oder einem Hinweis auf die Schrecken des Krieges, einer Mahnung für den Frieden oder Ähnliches.

Was sich der Pfarrer von Zell am See gedacht hat, oder wer immer dieses Objekt dort aufgestellt hat, ist mir unverständlich. Viel geschmackloser geht es kaum. Es spricht ja nichts dagegen, Kerzen für Kriegsopfer anzuzünden und auch Geld dafür zu sammeln, aber in einem blank polierten, überdimensionalen Geschoss ? Eine Kanone in deren Rohr man Münzen hineinwerfen kann, wäre doch auch nicht schlecht, oder vielleicht ein Sarg ….

21 Gedanken zu “Geschmacksverirrungen

  1. Ich bin mir gerade gar nicht so sicher, ob ich das geschmacklos finde. Es macht sehr deutlich, wofür die Kerzen sind, wodurch die Menschen umgekommen sind und man kann nicht daran vorbei, sich das zu vergegenwärtigen. Aber ich gebe zu, es ist schon befremdlich.

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    1. Interessant! Mein Partner hat meine Empörung auch nicht verstanden. Ich kann die Argumentation schon nachvollziehen, aber emotional finde ich es unendlich geschmacklos, dass man in de facto Mordinstrumente, die obendrein noch glänzend poliert sind, als wären sie Kunstobjekte, Geld einwerfen soll um derer zu gedenken, die durch diese und andere Kriegsgeräte mehr oder weniger elendig gestorben sind.

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      1. Befremdlich – allerdings.
        Und da kann ich mich der Überlegung meiner Liebsten auch nicht anschliessen, denn in meinen Augen ist das nichts anderes als eine Provokation, ähnlich denen, die man in Stein gehauen auch hier an manchen „Heldengedenkstätten“ noch findet, an denen der Führer vor Volk und Vaterland so stümperhaft ausgemeisselt wurde, dass man das böse Wort trotzdem noch lesen kann.

        Besser wäre es, alle drei Worte einfach wegzulassen und einfach an alle Opfer des (der Kriege) und des Nazireiches zu erinnern an deren Entstehen sowohl Ö als auch D entscheidende Anteile hatten.
        Auch an die Opfer auf Seiten des/der Gegner(s), die mindestens genauso unschuldig gestorben sind wie die meisten Gefallenen, die da so matriarchalisch geehrt werden.
        Und wenn man schon ein Opfergefäss aufstellt – warum dann nicht eine Friedenstaube. Die wäre wenigstens unverfänglich.

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  2. Gerade sehe ich, dass auf den Fotos dieses Denkmals im Internet das Spendengeschoss nicht dort steht. Vielleicht hat sich denn doch jemand etwas gedacht ….. Oder die Fotos sind entstanden als es dieses Ding noch nicht gab

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  3. Schwerter zu Pflugscharen, Geschosshülsen für Friedenszwecke – es ist kein Einzelfall. In der Nachkriegszeit hat man aus Rohstoffmangel viele zivile Alltagsgegenstände aus militärischen „Überbleibseln“ gefertigt.
    ImWeb findet man z.B. einen e-Zeitungsartikel der Heilbronner Tageszeitung Stimme:
    https://www.stimme.de/archiv/neckar-zaber/swalg/frueher-wurde-nichts-weggeworfen-art-3847775
    Den Menschen durch so eine Sammelbüchse die Ursache der Sammlung anschaulich zu machen, finde ich nicht geschmacklos, weil nicht verlogen, wie man es ebensogut einem bewusst „hübsch“ und neutral designten Stück unterstellen könnte.

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