Der kleine Mohr – Impulswerkstatt

Ich finde, dass dieses Foto zunächst einmal nach einem Sachtext schreit. Über Kaffee vielleicht oder über Kaffeehäuser, die Geschichte des Kaffees oder vielleicht Landwirtschaftliches… Random hat mich auf die Idee gebracht. Nichts davon, es geht zunächst einmal um das Logo der Firma Julius Meinl.

Gegründet 1862, war das Unternehmen zu Zeiten der österreichisch-ungarischen Monarchie deren größter Kaffeesieder. Die Firma hielt sich gut über die Jahrhunderte zumal deren Besitzer finanziell und netzwerkmäßig sehr gute Ehen eingingen. Vielleicht waren sie obendrein auch sehr glücklich. Nachdem ein gerichtliches Intermezzo gut überstanden wurde, von der Firma wohlgemerkt, nicht so sehr von den Anlegern, die viel Geld verloren haben, sind nunmehr Julius Meinl V und der VI an der Macht und der Konzern wird immer noch größer. Ob es schon eine Nummer VII gibt, weiß ich nicht. Vielleicht einmal eine Julia ?

1954 wurde in Wien sogar eine Gasse nach Julius Meinl II benannt, die es immer noch gibt,

Hier geht es aber um das Firmenlogo. 1924 wurde vom österreichischen Plakatkünstler Joseph Binder diese Figur eines schwarzen Kindes kreiert, die sich immer wieder leicht veränderte, aber im Wesentlichen gleich blieb. In den letzten Jahren sorgte es für hitzige Rassismusdebatten. Meinl verteidigte das Logo als Hommage an die Geschichte rund um den Import von Kaffee.

Nun gibt es ein neues Logo für das Geschäft am Graben (Wiener Nobelgeschäftszone), das so aussieht

Auf der homepage der Firma und wahrscheinlich auch auf den Produkten ist aber nach wie vor der kleine „Mohrenkopf“ zu sehen, allerdings in rot. So auch auf meiner Kakaotasse.

26 Gedanken zu “Der kleine Mohr – Impulswerkstatt

  1. Ich finde es furchtbar dass selbst so alte Logos als Erkennungsmerkmal nicht erhalten bleiben dürfen. Dass es immer wieder „Gutmenschen“ gibt die alles umändern müssen, rumkrakelen was sein darf und was nicht. Ich finde den farbigen Mohrenkopf recht hübsch, auch wenn das neue Logo in Gold edel aussieht.

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      1. Ich hatte bisher nie rassistische Gedanken wenn ich an den Sarotti Mohr, Negerküsse, die 10 kleinen Negerlein oder sonstiges dachte. Man kann in vielen etwas hinein interpretieren wenn man nur will und das finde ich dann eher unmöglich.
        Ich wäre dann diejenige die schon allein aus Sturheit extra den roten Mohr behalten würde um zu zeigen dass man nicht allen Schmarn mitmachen muss.

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    1. Eine Mohrenapotheke haben wir in Wien auch. Im Zusammenhang mit „Apotheke“ verstehe ich die Empörung auch nicht. Wenn es ein Leiharbeiter-Institut wäre, würde ich das für einen Skandal halten, aber eine Apotheke …

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  2. Ich sehe das zwiespältig. Ich persönlich stoße mich wenig daran, verstehe aber, dass es anderen mehr aufstößt. Historisch erhaltenswert finde ich diese Titel und Bilder allemal, das geht aber auch im Museum oder einer Ausstellung innerhalb von Unternehmen. Wäre eine „Krautfresser-Apotheke“ in Ordnung?
    Liebe Grüße,
    Lyrix

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      1. Oder auch eine „Kräuterfutterer-Apotheke“ …? ;-D
        Mohr (von Maure) im engsten Wortsinn ist wohl nicht als Schimpfwort zu sehen, schätze ich. Eher der Gebrauch und die damit einhergehenden Stereotypen und Charakterisierungen.
        Erstaunlich finde ich immer wieder, welche Wichtigkeit es für viele Menschen zu haben scheint, dass die Schaumsüßigkeit Negerkuss heißt und das Sarottiding ein Mohr ist. Als ob das die höchsten Schöpfungen unserer Kultur seien und sämtliche schönen Kindheitserinnerungen zerbrechen würden, wenn sich diese Namen ändern. Ganz ehrlich? mir doch egal, wie das Schaumding heißt, wenn es diese merkwürdigen Diskussionen und Aufschreie wegen dem Thema seit x Jahren nicht gäbe, hätte ich schon seit Jahrzehnten vergessen, dass es die Teile gibt xD
        Ich finde es, über solche Bezeichnungen und Defonitionsfragen hinaus, wichtiger, andere Missstände und Umgangsformen zwischen Menschen und Völkern anzugehen…. sei es Kluft zwischen Nord- Süd, die Unvergleichverteilung von Reichtum und Lebensmitteln, usw. Zwischen Völkern und Menschen, denen es ungefähr gleich gut geht, ein friedvolles und von Respekt geprägtes Miteinander gibt und eine Stimmung der Akzeptanz und sind solche veralteten Begrifflichkeiten sicherlich nur noch ein kleines Problem. Um dahin zu kommen, gehört aber eben auch dazu, sich mit diesen Dingen zu befassen.
        Lieben Gruß vom Lyrikuss ;-D

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        1. In Ö haben wir eine Nachspeise, die „Mohr im Hemd“ heißt..Seit Jahren wird darüber diskutiert sie umzubenennen.Mir wäre es herzlich egal, nur bin ich wie du der Meinung, dass Umbenennung keine Probleme lösen und nur ablenken von wichtigen Missständen, an denen gearbeitet werden sollte

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  3. Wie spannend, dass es hier als Domino-Effekt gleich einen so informativen Beitrag gibt. 🙂
    Den Kopf in der heutigen empfinde ich eigentlich einfach als „Wahrzeichen eines Traditionshauses.“
    Bei solchen hitzigen Debatten wie um dieses Logo beschleicht mich oft das ungute Gefühl einer „künstlichen Aufregung.“ Eine engagierte Debatte wäre bei vielen Produkten (darunter auch Kaffee und Kakao) bei der Frage angebracht, wie es um faire Preise und Arbeitsbedingungen für die Produzenten ausschaut. Aber solche Fragen sind halt weniger bequem, denn da müsste man auch handeln und nicht nur reden… 😉

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  4. Ich finde es verrückt, daß ein altes Firmenlogo aufgegeben werden muss, das sich über Jahre in die Köpfe der Konsumenten eingeprägt hat. Man kann aus unserer gesamten Kultur den Mohren ja nicht streichen – ob als Name für Gasthäuser, Apotheken oder auch Brunnen ist er in Deutschland überall präsent. In der Grundschule hatten wir ein schwarzes Kind, das von uns liebevoll ‚Krulleköppche‘ genannt wurde. Wenn das auch als Diskriminierung eingestuft wird, verstehe ich gar nichts mehr … 🙄

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  5. Eigentlich solllte es wohl um die Kopfbedeckung gehen, die eine Art Fez, also ein „musulmanisches“ Attribut darstellen dürfte. („Nichts für Kinder ist der Türkentrank…“ ). Dass der Kopf darunter schwarz ist: wwas ist daran rassistisch? Darf es schwarze Menschen nicht geben?
    Du hast übrigens gesagt, es sei Kakao in der Tasse :;)

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    1. Das hast du super formuliert. Ich weiß auch nicht, was an dem Logo rassistisch sein soll, warum ein Logo für Kaffee nicht einen dunkelhäutigen Menschen darstellen darf. Ich verstehe auch nicht, warum er keinen Fez aufhaben darf, wenn doch Kaffee mit dem arabischen Raum in Verbindung gebracht wird. Was soll an Kaffee ehrenrührig sein? Es gibt in diesem Zusammenhang so viele Absurdität en während dort wo die Empörung angebracht wäre gar nichts passiert

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  6. An das Firmenlogo erinnere ich mich gern. Leider hat die kleine Lebensmittelmarktfiliale in Neusiedl am See schon bald nach unserem Hinzug geschlossen, die Rentabilität war in der kleinen Stadt wohl nicht ausreichend gegeben.
    Die Rassismusdebatte um diverse „Mohren“ als Wortbezeichnungen oder Embleme empfinde ich fast immer als auf einem Auge blind, wenn nicht gar arrogant und undankbar, denn ohne die in Anbau, Ernte und oft auch noch erster Verarbeitung überseeischer Produkte durch die dort lebenden, dunkelhäutigen und für kleine Löhne arbeitenden Menschen wäre die hellhäutige Wohlstandgesellschaft um einige ihnen liebgewordene Genussmittel ärmer.
    Firmenbezeichnungen und Identifikationsbilder vom Anteil dieser Menschen in der europäischen Umgebung zu „reinigen“, als wäre alles nur noch der Verdienst der weissen, sich an den Produkten bereichernden Konzernchefs, Aktionären oder anderen Anteilsbesitzern, das ist in meinen Augen nicht weniger rassisitisch und sogar zynisch.

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  7. Das allerletzte Firmenlogo – gaNZ in Rot – ist doch wunderschön. Das sollte bleiben.
    in Gold ist es mir irgendwie zu *klassisch-modern*
    Für mich sind Mohrenköpfe oder Negerküsse immer noch die einzig richtigen Namen für Schaumküsse. Rassistische Gedanken hatte ich dabei nie.

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