Donnerstag 24. März 2022 – wieder einmal bukolische Chroniken

Zwei Tage war ich allein in PB, bin öffentlich hingefahren. Alles hat bestens geklappt. Die Züge und Busse waren optimal pünktlich, beim Umsteigen war gerade genug Zeit um zu schlendern und nicht zu rennen aber auch wiederum nicht so viel Zeit, dass es in Warten ausgeartet wäre. 

Ich bin ein Stadtmensch und gehe sicher sämtlichen Zug- und Busangestellten, die mir so begegnen furchtbar auf die Nerven. Ich frage immer jeden, der mir unterkommt, ob die Zeiten auf den Fahrplänen auch stimmen, ob dieser Bus auch pünktlich fährt, ob es diesen Bus überhaupt gibt und was ich machen kann, wenn er doch nicht kommt. Ich muss mir das wirklich abgewöhnen, irgendwann fragt mich noch jemand, ob ich den Leuten außerhalb von Wien überhaupt zutraue, einen Bus zu fahren oder einen Zug. Es ist schon schlimm genug, dass die Busse so selten fahren, ich muss nicht auch noch alle Fahrer*innen verärgern. Womöglich bleiben die dann wirklich nicht stehen, wenn sie mich sehen. Jetzt bin ich auf dem besten Weg, die Busse-auf-dem-Land-Neurose zu entwickeln. Nein, im Ernst, die Verbindung ist gar nicht so schlecht. Man kann nicht wie in der Stadt an jeder Ecke in einen Bus, eine Bim oder eine U-Bahn einsteigen, man muss planen, aber abgesehen davon, funktioniert eh alles ganz gut.  

 Die Temperatur war so wie ich es im Sommer gerne hätte, so um die zwanzig Grad. Es ist also warm aber noch alles recht kahl, die Blüte zögert noch. Einer der Gründe warum ich gerne ein paar Tage alleine in PB sein wollte, war das Fotografieren. Wenn man zu zweit unterwegs ist, geht das nicht so gut. Ich habe also am Vortag die Kamerabatterie aufgeladen, die Kamera in ihre Tasche versenkt und in den Rucksack gepackt. Nur blöd, dass sie mir, als ich das erste wunderbare Motiv anvisierte, mitteilte, dass sie keine Speicherkarte hatte. Nun denn, man kann ja auch spazieren gehen ohne zu fotografieren. 

Der obere Nachbar, den wir schon beim letzten Aufenthalt kennengelernt haben, ließ zwei seiner Modellflugzeuge ums Haus kreisen und loopings machen. Ich traf ihn später beim Weggehen und er erzählte mir, dass das Modellflugzeugbauen sein Vogel sei und dass es im Ort einen Verein gäbe, der hin und wieder eine Flugschau veranstaltete. Was es in PB alles gibt! Was mich doch sehr gewundert hat, ist, dass der Nachbar mich geduzt hat. Es liegt altersmäßig eine Generation zwischen uns. Ich habe keine Ahnung, ob das so üblich ist. Wird sich im Lauf der Zeit auch herausstellen, es gibt vieles zu entdecken. Der F lacht immer und meint, dass ich mich so anstelle als ob ich auf einem fremden Planeten wäre. Bin ich auch. Er kann das nicht nachvollziehen, weil er mehr oder weniger auf dem Land aufgewachsen ist. 

Die Post in PB habe ich auch kennengelernt. Der Möbellieferant hat eingeschrieben einen weiteren Gutschein geschickt. Warum auch immer, ich werde sicher nicht nachfragen. 

In Summe war alles ziemlich beschwingt und angenehm und ich bin sehr zufrieden. 

10 Gedanken zu “Donnerstag 24. März 2022 – wieder einmal bukolische Chroniken

  1. Auf dem Land ist manches anders, ich kenne Stadt und Land recht gut.
    Im Gegensatz zu früher kennt auch jeder Dorfbewohner Städte. War mal für kurze Zeit in einer Stadt ansässig.
    Früher soll es dorferemiten gegeben haben.

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  2. Wir hatten einmal ein Gespräch mit einer Freundin, die am Land aufgewachsen ist darüber, dass wir uns gefreut hatten als wir in Wien in einem Bus einen Fahrer hatten, der tatsächlich alle Fahrgäste einzelnen begrüßt hatte. (Es war keine sehr befahrene Linie 😉). Er sagte: „Grüß Sie, und gute Fahrt!“ oder so ähnlich, aber eben per Sie.
    Sie meinte, dass das bei ihr am Land üblich wäre nur hätte er „griaß di!“ gesagt, auch wenn er dich zum ersten Mal gesehen hätte. Das „Du“ dürfte am Land tatsächlich gängig sein. ….. Bei der jüngeren Generation ist es vielleicht auch eine Folge von sozial media? Da ist das Du auch generell üblich, obwohl man sich nicht kennt. Vielleicht wird es von dort in den Alltag genommen?

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