Mittwoch 12. Jänner 2022

Immer wieder denke ich voll Bewunderung an Frida Kahlo. Nicht nur die Kinderlähmung traf sie und hinterließ ihr ein kürzeres, schwächeres Bein was für ein Menschenleben schon gereicht hätte. Es geschah aber auch noch der Unfall. Nach diesem Busunfall, bei dem sie als junges Mädchen von einer Stange durchbohrt wurde, konnte sie sich zunächst gar nicht bewegen, erlitt in weiterer Folge über dreißig Operationen mit anschließend langen Zeiten in Gipskorsetten und bettlägrig. Aber sie malte, sie war politisch aktiv, sie hatte ein aktives Sozial-, Privat- und Sexualleben.

Es gibt die bekannte Anekdote, dass sie sich im Bett zu einer ihrer Ausstellungen tragen lies und als eine Amputation im Raum stand den Ausspruch „wozu brauche ich Füße wenn ich Flügel habe.“

Aber wie war es, wenn die Schmerzen kamen, wenn jede kleinste Bewegung der Wirbelsäule Nerven an Knochen schaben lies und zum Brüllen brachten? Wenn der Schweiß auf der Haut unter dem Korsett immer mehr juckte und sie wusste, dass der Gips noch wochen – und monatelang an ihrem Körper kleben würde? Wie war das Warten auf die Morphiumspritzen? Wie empfand sie die Fehlgeburten? Hasste sie ihren Körper?

Man kann vieles vermuten und vieles in ihren Bildern sehen, aber wissen, kann man gar nichts. Frida Kahlo hat sich durch ihr kurzes Leben gemalt, durch mehrere Malstile und persönliche Phasen. Sie ist die berühmteste Malerin Lateinamerkas und doch fasziniert sie mich als Mensch noch mehr.

57 Gedanken zu “Mittwoch 12. Jänner 2022

  1. Ich nenne sie „Leuchttürme, diese Personen, die einen besonderen Einfluss auf einen haben – aus welchen Grünen auch immer. Zunehmend versuche ich diese Leuchttürme nicht mehr in der großen Welt der Kunst oder des Sports oder der Literatur oder der Musik oder oder zu suchen, sondern in meiner Nachbarschaft. Die Größe im Leid gibt es ja überall.
    Liebe Grüße
    Jürgen

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    1. Ich bin selbst angeschlagen und das einzig positive an so einer Situation ist die Schärfung des Sensoriums. Hätte ich die Energie einer Frida Kahlo hätte ich einen längeren Text draus gemacht. Es kommt auf die Liste der Projekte

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      1. O, bist du immer noch nicht wieder auf dem Damm? Das ist aber schade.
        Wie geht es dir eigentlich mit solchen Projektlisten? Kommst du dazu, davon so viel abzuarbeiten, dass du zufrieden bist? Oder werden sie einfach immer länger, wie bei mir? Mich frustriert meine Liste überwiegend. Hast du eine praktikable Methode zum Umgang damit?

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        1. Ich habe heute schon eine heftige Arzttour hinter mir. Rückfall total, zirück an den Start von vor 3 Wochen. 🥴
          Meine Inspirationsliste kommt auch selten zum Einsatz. Ich betrachte sie als eine Art Ersatzschatzkiste falls ich etwas schreiben möchte und mir nichts einfällt. Aber allzu lange wird die Liste nie, denn ich schau sie mir gelegentlich an und entferne Themen, die überholt sind, also, die mich gar nicht mehr interessieren…. Ich versuche immer das Schreiben nur als Freude und nie als Verpflichtung zu sehen. Auch meine eigenen Ansprüche muss ich ja schließlich nicht erfüllen 👀 endlich habe ich dieses reizende emoji gefunden, das ich bei dir entdeckt habe 👀🌹

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          1. Sicher ist es so, dass das nicht geht, aber es tut z.B. uns sehr gut zu lesen, dass nicht nur wir uns Gedanken machen was wäre wenn? Wir haben deine wie du schreibst sinnlose Frage offensichtlich in ihrer Tragweite nicht verstehen wollen. ….. Ohne uns mit Frida Kahlo auch nur im Ansatz vergleichen zu können und wollen, wir würden viel geben um ein „normales“ Leben zu führen, was immer das heißt. ….. Wenn aber dein Gedankenexperiment bedeuten würde Gesundheit gegen alle Talente, dann wissen wir das nicht. Das wäre auch ein ziemlich unfairer Handel, irgendwie der Pakt mit dem Teufel. Ein dumpfes aber dafür schmerzbefreiteres Leben? ….. Wir dachten zuerst du meinst Gesundheit gegen den Erfolg, den sie auch durch die Verarbeitung ihrer Erkrankung hatte. Wenn dieser Aspekt wegfällt, fehlt natürlich auch ein sehr wichtiger Punkt an Erkenntnis. Wie diese ausgeglichen werden kann, dass dennoch etwas Herausragendes geschaffen werden kann. ….. Das bleibt offen.

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            1. Ja, ich meinte einen Tausch aller ihrer herausragenden Talente gegen Gesundheit.
              Pakt mit dem Teufel ist ein ebenso theoretisches und auch sehr interessantes Thema. Mir ist noch nicht untergekommen, dass man da abgesehen von seiner Seele auch irdische Dinge wie zB Talente hergibt. Man bekommt sie, im Austausch gegen die Seele…

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                  1. Irgendwie verstehen wir jetzt den Unterschied nicht zu dem was wir meinen.
                    Wenn man etwas hat oder nicht, heißt es, es ist per Geburt generell angelegt. Das meinten wir. Du zählst sie mehr zu Charakter als zu Seele, verstehen wir das richtig? Wobei die Definition von Seele ja auch schwierig ist.

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                    1. Ja, genau weil ich mich an die Definition von Seele nicht heranwage, betrachte ich alle Eigenschaften und Talente, die jemand hat als gleichermaßen aus dem Erbgut und der Umwelt stammend. Ich habe aber auch kein Problem damit, wenn du zwischen Charakter und Seele unterscheidest

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                    2. Uns scheint, dass wir viel mehr differenzieren als du. Genuine Eigenschaften sprich Talente sind für uns eine Grundlage für den Umgang mit jenen ersten Erfahrungen/Erkenntnissen, die aus der Umwelt entstehen. Alles was aus dem Erbgut kommt ist wieder eine andere Ebene und Charakter ebenso. Und Seele ist wie gesagt schwierig zu fassen, aber dennoch eine extra Position. Wir müssten hier eine Abhandlung schreiben, wie unterschiedlich für uns diese Bezeichnungen sind. ….. Das werden wir jetzt lieber lassen. 😉Danke für das Gedankenexperiment.

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                1. Ich habe mich auf den Handel mit dem Teufel bezogen. Der Teufel bekommt die Seele des Menschen und der Mensch bekommt irgendeine Gegenleistung dafür zb langes Leben oder viel Geld oder Erkenntnis. Dss hat aber eigentlich nichts mit den Talenten zu tun, die zum Zeitpunkt des Handels schon vorhanden waren und die der Mensch ja behält.
                  Der Handel mit dem Teufel ist für mich eine Allegorie dafür, dass jemand seine eigenen Werte und Ideale verrät

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                  1. Bezogen auf die Allegorie sind wir ganz deiner Meinung. Die Talente werden nicht weggegeben, aber doch nicht weiter genutzt angesichts der Gegenleistung, die im Fokus stehen soll. Das Leben erfährt eine Zäsur und wird anders gelebt als davor. …. Bezogen auf F. Kahlo bzw. die ursprüngliche Frage erscheint uns der Wunsch danach gesund zu sein und die eigenen Talente dafür zu opfern schon als ein Verrat an eigenen Werten und Idealen. Uns bestimmen unsere Talente im Leben so stark, ohne sie hätten wir nicht überlebt. Das ist kein glücklicher Bonus, sondern essentiell. Die weg zu geben für Gesundheit ist ein Verrat an allem was wir sind. Das Resultat wäre eine andere Person/Frau.
                    In diesem Fall stimmt dann die Allegorie nicht, wie du schreibst, weil der „Pakt mit dem Teufel“ hier noch nahezu harmlos erscheint angesichts der Option Gesundheit gegen herausragende Eigenschaften und Begabungen.

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                    1. P.S. so gesehen wirft deine ursprüngliche Frage die Folgefrage auf, ist Gesundheit im Leben wirklich alles, oder doch nicht? Den oft als gültig und selbstverständlich dargestellten Spruch: „Die Gesundheit ist alles im Leben und ohne Gesundheit alles Nichts.“ können wir so nicht mehr ohne Einschränkung unterschreiben. ….. Das hat jetzt wirklich Spaß gemacht auf deine im Endeffekt gar nicht sinnlose Frage einzugehen.

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  2. Ochh, Du Arme, und ich dachte, es geht aufwärts…
    Dann hoffe ich jetzt aber, daß es nun einfach ein letztes Aufbäumen des verflixten Ischiasnerves ist.

    Frida Kahlo, diese so sehr bewundernswerte Malerin mit dem eisernen Willen, mit dem Malen ihre Schmerzen zu bezwingen… Ein Name, den man nie mehr vergißt.

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      1. 96 kam ein Buch raus mit Tagebuchseiten.

        Ich kann mir vorstellen, daß ein Leben mit ihr schwierig war.
        All diese nicht zueinander passenden Wünsche, die zwar voll berechtigt waren, aber nunmal nicht gingen. Sie lies sich ja des öfteren wunderbar fotografieren, ganz stolz und ganz edel.

        Ach, was weiß ich.

        Eine unmenschlich starke Frau, wie mir scheint.

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  3. Ja, aber es ist bereits über fünf Jahre her, also vor der Baugruppe und vor Corona. Professoren der philosoph. Fakultät der Uni Wien leiten die Zusammenkünfte. Da waren die Veranstaltungen immer extrem gut besucht. Was leider den Nachteil hatte, dass es schwierig war zu Wort zu kommen. Also einen Debattierklub stellen wir uns einfach viel kleiner vor, damit wirklich alle reden können.

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