Dienstag 11. Jänner 2022 – Ungarischgeflüster

Ich war fleißig und habe den gesamten Stoff aus den bisher 11 Kursstunden nochmals durchgeackert, wobei „ackern“ das falsche Wort ist, den ich habe es ja freiwillig und mit großer Freude gemacht. Der F ist nicht allzu begeistert darüber, dass ich derzeit „fiatalember“ oder „uram“ zu ihm sage, aber das sind nur winzige Kollateralschäden.

Um das zeitlich aufwendige Lernen aus dem einsprachigen Lehrbuch zu unterstützen, habe ich mir mehrere andere Lehrbücher aus der Bibliothek geholt und schließlich zwei davon ausgesucht und gekauft. Es ist schon ganz was anderes, wenn Grammatikerklärungen auf Deutsch sind. „németül“ heißt „auf Deutsch“.

Langsam bekomme ich ein ganz gutes Gefühl dafür, wie die Balance zwischen dem analytischen und dem intuitiven Zugang beim Lernen dieser wirklich fremden Sprache aussehen muss. Anfangs habe ich wichtige Ausdrücke und Sätze gelernt mit dem Ziel eine Minimalbasic-Konversation führen zu können. Dazu gehören auch mögliche Antworten auf Basic-Fragen wie „wie geht´s „. „wie heißt du ?“ „wo lebst du“ „was machst du“ etc. Das kann ich inzwischen ganz gut und habe nun im zweiten Durchgang Strukturelles entdeckt.

Ein kleines Beispiel. „Örvendek“ ist eine Höflichkeitsfloskel wie „sehr erfreut“. Nun habe ich gesehen, dass es sich da eigentlich um ein Verb handelt, ebenso wie „Köszönöm“, danke, auch das ist ein Verb.

Ja und? kann man sagen, Hauptsache es gelingt, in einer Situation passend zu reagieren. Solche „Erkenntnisse“ führen aber zu einem gewissen Durchblick durch das System der jeweiligen Sprache. Nur mit einen solchen Durchblick ist es möglich, ein Netz zu knüpfen, in das man dann mit fortschreitender Kompetenz immer mehr Teile hineinweben kann. Irgendwann – aus meiner derzeitigen Sicht in recht ferner Zukunft – kann man dann zur Beherrschung einer Sprache kommen.

23 Gedanken zu “Dienstag 11. Jänner 2022 – Ungarischgeflüster

  1. Ich finde es wichtig, vor allem auch interessant, die Struktur einer Sprache zu begreifen. Das war wohl der Grund, warum mir das von anderen so gehasste Latein sehr gefiel. Mit der Struktur begreift man auch ein wenig mehr von der Mentalität und Kultur eines Volkes, das in dieser Sprache aufwächst. Auch beim Deutsch-Unterrichten versuche ich, die Lerner mit der Syntax des Deutschen (zB die für viele schwer zu begreifende Satz-Klammer des Prädikats oer der Verneinung) vertraut zu machen.
    Übrigens sind danke und freut mich auch im Deutschen (und im Griechischen) verbale Ausdrücke.

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  2. Ich freue mich für dich, dass du im Ungarischen Fortschritte machst. Ich pauke nach wie vor täglich ca. eine halbe bis dreiviertel Stunde Italienisch, und habe seit langem schon das Gefühl, überhaupt nicht voran zu kommen. 😉

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    1. Oje! Ich mache ja einen Kurs, habe aber derzeit auch keinen ungarischen nativespeaker zum Üben. Ich führe Selbstgespräche. Die sind natürlich sehr fehleranfällig, aber der Vorteil dabei ist, dass man alles was man kannn, immer wieder umrührt und nachschaut. Das Geheimnis nachhaltigen Sprachlernens liegt darin, dass man spiralig lernt, alles immer wieder wiederholt bis es im Langzeitgedächtnis angekommen ist. Jeden Tag zu üben ist toll, da muss sich Erfolg einstellen 👍🐬

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    1. Isländisch war meine erste Wahl nachdem ich aber keinen Kurs gefunden habe, keinen nativespeaker kenne und das Land so weit weg und so irrwitzig teuer ist, habe ich ungarisch genommen. Ungarn gibt es in Wien viele, in einer Stunde Zugfahrt eröffnet sich das Übungsgebiet…. Aber isländisch finde ich nach wie vor sehr reizvoll

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      1. Im Studium habe ich ein wenig Altwestnordisch gelernt, aber inzwischen alles vergessen. Das moderne Isländisch würde vielleicht etwas wieder „aufwecken“… Kurse gibt es hier auf dem platten Land nicht, aber irgendwie würde das schon gehen über virtuelle Wege.
        Ich verfolge weiter gespannt Deine Ungarisch-Entwicklungen und bekomme dann hoffentlich den Motivations-Schubs für’s Isländische. 🙂

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    1. Spanisch ist – so finde ich – unter den romanischen Sprachen am leichtesten zu lernen. Man kommt sehr schnell auf ein Basic-Niveau und kann schon sehr bald einigermaßen kommunizieren. Da wünsche ich dir viel Freude beim Lernen !
      Das Bild ist ein Glasdruck, den ich auch sehr mag.

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  3. Das finde ich bei Sprachen so interessant – wie unterschiedlich sie aufgebaut sind, wie unterschiedlich ihre Systeme funktionieren, weil sich daraus auch so vieles ableiten lassen kann über Gesellschaften, Kulturen usw. In einem dritten oder vierten Leben würde ich Sprach(kultur)wissenschaftlerin. Spannend.

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