Viele Hände wenig Handlung – Impulswerkstatt

Wie viele Hände kommen im „Text“ vor, inklusive alle von „Hand“ abgeleiteten Wörter? Möchte jemand weiter schreiben? Zum Beispiel mit „Augen“ ließe sich auch eine Menge machen !

Händeringend eilte der Professor durch sein Institut. Einen umfangreichen, erhellenden und obendrein handlichen Handapparat hatte er eigenhändig zu seinem Seminar zusammengestellt. Handverlesen waren die kostbaren Werke, doch als er die Bücher nochmals zur Hand nehmen wollte, musste er feststellen, dass alle abhanden gekommen waren.
„Ist das Ihre Handschlagsqualität, Hannelore?“ rief er empört und bedauerte jeden – wenn auch nur angedeuteten – Handkuss, den er der Bibliothekarin jemals hatte zukommen lassen.
„Wie?“ rief Hannelore zurück „Ihre Beschuldigungen haben weder Hand noch Fuß! Ich soll an diesem Fiasko schuld sein! Mit eigenen Augen habe ich gesehen, wie sie gestern Abend händchenhaltend mit dieser verhuschten Person, die sie da an der Hand haben, durch den Park geschlichen sind mit den Büchern in der Hand. Nicht einmal die Hand geben wollten Sie mir und murmelten etwas von einem Handwerker, dem Sie die kostbaren Werke zur Reparatur bringen wollten. Die Dinge sind Ihnen wohl etwas aus der Hand geglitten!“
„Ach ja, jetzt wo sie es sagen“ murmelte der Professor beschämt und rieb an seinen Händen herum.
„Wenn Sie damit andeuten wollen, dass eine Hand die andere wäscht, so könnte ich gut ein verlängertes Wochenende gebrauchen um beim Bau unseres Gartenhäuschens Hand anlegen zu können.“

Handzahm schlich der Professor zurück in sein Büro um einen Termin bei seinem Handaufleger zu vereinbaren. Er hörte gar nicht mehr, dass die Bibliothekarin noch triumphierend rief „Und die Handwaschungen, die Sie am Institut angeordnet haben, könnten Sie selbst auch gelegentlich ins Auge fassen, aber Hände weg von meinem handwarmen Schokoladendepot neben dem Handwaschbecken.“

42 Gedanken zu “Viele Hände wenig Handlung – Impulswerkstatt

  1. dann war da noch der „Handlanger“, der dem Professor beim Suchen half …
    und auch die „Aus-der-Hand-Leserin“ könnte noch eine bedeutende Rolle bekommen …

    „händisch“ ist auch ein schönes Wort, ebenso „eigenhändig“, „handverlesen“, „Handarbeit“ … und viele andere mehr …

    Danke für den schönen Schreibimpuls 🙂

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  2. Ich schreib mal weiter und breche einen Streit vom Zaune:

    „Hand aufs Herz, meine liebe Bibliothekarin, so handzahm, wie Sie sind, werden Sie mir schon nichts tun. Schließlich sind Sie je noch eine von meinen handverlesenen Angestellten. Zwar habe ich Sie damals nur per Handschlag eingestellt, aber der Handel gilt nach wie vor, auch ohne Handout!“
    „Ja, Herr Professor. Aber um ehrlich zu sein: ohne das Handgeld, das Sie damals meinem Vater haben zukommen lassen, wäre ich gar nicht geblieben! Das Hand-in-Hand mit Ihnen war mir nämlich schon immer suspekt und ehrlich gesagt egal wie ein Handkäse. Wenn ich auch nur an Ihre widerliche Handcreme denke, wird mir schon schlecht. Da kann doch kein Handgriff sitzen, bei dem Geruch! Und dann auch immer Ihre zuckenden Handbewegungen! Mein Gott, und Ihre arroganten Blicke, wenn Sie Ihr Handdiktiergerät vor Ihren Mund halten um Ihre nichtssagenden Handlungsanweisungen da hinein zu krächzen. Ich weiss gar nicht, wie ich das ausgehalten habe!“
    „Tun Sie doch nicht so, Sie sind noch nur eine minderbemittelte Handlangerin für mich gewesen, Sie! Wie herablassend haben Sie mich immer behandelt, wenn ich mal etwas privater werden wollte. In den Buchhandel hätten Sie gehört, aber nicht an meine Lehranstalt! Hätte ich das doch nie mit Ihrem Vater ausgehandelt, der Sie eigentlich in eine Fischhandlung stecken wollte! Nie haben Sie mich unterstützt, wenn ich die Aussenhandelsprognosen für das Ministerium aufbereiten musste. Da hätte mir doch eher jemanden aus einer Bahnhofsbuchhandlung zur Seite stehen können. Handlungsunfähig waren Sie. Aber eingedenk des Gleichbehandlungsgrundsatzes habe ich mir verkniffen, Sie abzumahnen. Habe mich als Treuhänder Ihrem Vater gegenüber verpflichtet gefühlt. Aber nun reicht es mir mit Ihnen!“

    Gruß
    Werner

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    1. Super, lieber Werner. Vielen Dank für die empathische Fortsetzung. Genauso stelle ich mir den Umgangston zwischen den beiden vor 🙂
      Ich habe ja überlegt, ob „handeln“ und „Handel“ auch von „Hand“ kommen, habe dann nicht nachgeschaut, denke aber, dass es so ist.
      Auf einen so großartigen Kommentar muss ich noch in irgendeiner Art hinweisen. Es wäre schade wenn er nur in den Kommentaren zu sehen wäre. Ich denke nach.

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  3. Uns fallen zu diesem Text jene Bilder mit den vielen Händen ein, die wir gemeinsam im Spätsommer auf der Parallel Vienna in der Semmelweis Frauenklinik gesehen hatten. Erinnerst du dich?
    Ein sehr inspirierender Text. Es gibt einige Worte, die für solche Experimente dienen könnten. 👏👏👏

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    1. Sicher erinnere ich mich. Nicht nur an die Hände auch an andere Werke, die mir sehr gefallen haben.
      Es gibt ja auch zu Augen und Ohren und sonstigen (Sinnes)organen und Körperteilen eine Menge Wörter und Redewendungen ….

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              1. Oh das klingt interessant. Es wäre sehr schön, wenn wir die Zeit finden. Allerdings wird es auch ab sofort bis Ende März vermutlich sehr eng werden zeitlich wegen Wohnung, Mietvertrag, Sonderwünsche organisieren, zu verschiedenen Firmen, bestellen etc. und mit viel Glück und je nach Corona Lage vielleicht noch eine kurze Reise nach Südfrankreich. Das ist aber noch sehr unsicher. ….. Dazu gibt’s auch eine Geschichte, also vielleicht doch ein Treffen? …… Wann hast du vor hinzugehen? Bleiben wir in Kontakt diesbezüglich?! 🙂

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                1. Da geht es rund bei euch ! Wird es doch die geplante Wohnung? Ach, Frankreich *seufz*. Ich wünsche euch sehr, dass was draus wird !
                  Momentan kann ich leider gar nichts ausmachen, weil mein Radius derzeit sehr begrenzt ist und ich noch nicht wirklich gut abschätzen kann, wie lange mich der Ischias-Nerv noch im Würgegriff hat 😦 Ein Treffen wäre fein. Sobald es meine und eure Verhältnisse erlauben können wir drüber nachdenken. Die Ausstellung – falls wir uns für diese entschließen- beginnt aber ohnehin erst Ende Jänner.

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    1. Ich habe mit ein paar „Handwörtern“ und Ausdrücken angefangen. Beim Schreiben sind es dann immer mehr geworden und sicher gibt es noch viele. Es wäre interessant auch für andere (Sinnes)organe auf die Suche zu gehen

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  4. Ist ja Wahnsinn und man fühlt sich auch ein bisschen ertappt. Wenn ich versuche, beim Schreiben Gefühle auszudrücken und diese nicht platt direkt bezeichnen soll, muss ich zwangsläufig die körperliche Reaktion meiner Protagonisten schildern. Und dann kommen sie, die Hände, die Augen und die plakativen weichen Knie …
    LG, Tala

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