Lichtermeer – Sonntag 19.Dezember 2021

Die Ringstraße in Wien wurde an diesem Sonntag Abend gesperrt für eine Veranstaltung, die nicht als Gegenveranstaltung gemeint war zu den lauten, oftmals gewalttätigen Demos des Konglomerats aus Corona-Maßnahmen-Gegnern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremen und sonstigen ähnlich gesinnten Gruppierungen. Bei dieser Veranstaltung wurden weder Parolen gebrüllt, noch Passanten beschimpft und angegriffen, es wurden auch keine Fahnen geschwenkt.

Es wurden Lichter jeder Art mitgebracht, vom Teelicht bis zur Lichterkette, über Laternen, Handys und jede Art von Kerzen. Zwar war es sehr kalt, aber der angekündigte Sturm blieb aus und so konnten nicht nur die phantasievollen Konstruktionen mit geschützten Kerzen in diversen Behältern angezündet werden sondern auch ganz phantasielos ungeschützte Kerzen.

Es war eine unspektakuläre Veranstaltung. Dennoch war die gemeinsame Schweigeminute von zigtausenden Leuten überaus eindrucksvoll. Die Innenstadt war leise, keine Autos, keine Gespräche nur zwitschernde Kinder. Das geht schon unter die Haut. Der über 13.000 Corona-Toten wurde schweigend gedacht. Dann wurde geklatscht als Dank für die Arbeit der Mediziner*innen und Pfleger*innen. Es wurden keine Reden gehalten, keine Musik gespielt, es gab keine Einpeitscher, keine Megaphone. Klingt nicht nach viel, aber es war ein sehr starkes Gruppenerlebnis und ich bin froh, dass ich dabei war.

31 Gedanken zu “Lichtermeer – Sonntag 19.Dezember 2021

  1. Schade, dass du dieser sicher sehr schönen und sinnreichen Gedenkveranstaltung durch dein framing zu einer negativen Note verhilfst, dass du das spalterische Gut-Böse-Schema verwendest. Und so kann ich, obgleich ich’s gern täte, nicht „liken“.

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    1. Welches framing? Ich beschreibe nur, wie es jeden Samstag in der Wiener Innenstadt bei den Impfgegner-Demos zugeht, ich erfinde diese Verhaltensweisen nicht, ich kommentiere sie noch nicht einmal, ich beschreibe sie nur und leider lassen sie sich nicht weg argumentieren. Es ist einfach so wie es ist

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      1. „Konglomerat aus Corona-Maßnahmen-Gegnern, Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremen und sonstigen ähnlich gesinnten Gruppierungen“ klingt für mich einfach nur gehässig. Es klingt mir so, als seien die Demonstranten eine Horde hirnloser und politisch anrüchiger Raufbolde und nicht Menschen wie (du und) ich, die sich durch die Regierungmaßnahmen bedroht fühlen und sich mit den legalen Mitteln der Demonstration zur Wehr setzen. Anstatt zu versöhnen, spalten solche Charakterisierungen und führen zu noch mehr Wut und Verzweiflung.
        Hast du dir schon mal überlegt, was geschieht, wenn die Regierung versucht, die Impfpflicht gegen den Willen von Millionen bisher nicht geimpfter Mitbürger durchzusetzen?

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        1. Schlage mir Synonyme vor. Wie soll man Gegner von Corona-Maßnahmen anders nennen als Corona-Maßnahmen-Gegner ? Wie soll man Leute nennen, die an Q-Anon glauben und an die Weltverschwörung von Bill Gates, der allen Menschen Chips implantieren möchten ? Nicht Verschwörungstheoretiker sondern ?
          Wie soll man Menschen nennen, die Nazisprüche plärren und mit einschlägigen Insignien herumlaufen? Nicht Rechtsextreme sondern?
          Natürlich gibt es auch Demonstranten, die in keine dieser Kategorien fallen und friedlich demonstrieren wollen ABER leider sind diese Demos nicht friedlich, es sind hirnlose Raufbolde dabei, die Passanten anpöbeln und angreifen, Krankenhäuser müssen geschützt werden, was glaubst du, was es für eine Freude ist, wenn du in einem Haus wohnst, an dem jeden Samstag vorbeimaschiert wird?
          Warum glaubst du, dass die „andere Seite“ nicht wütend und verzweifelt ist?
          Ja, Versöhnung muss stattfinden mit dem nicht gewalttätigen und nicht fanatisierten Teil dieser Gruppe (wie immer du sie nennen möchtest). Mit den Extremisten, denen die Corona-Maßnahmen völlig egal sind, die nur auf den Zug aufgesprungen sind um ihre Ideologien zu verbreiten, wird es unmöglich sein, Frieden zu schließen. Das ist nicht deren Anliegen.
          Ich gebe dir ja recht darin, dass man versuchen muss, Brücken zu bauen, nur wie ?

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          1. Liebe Myriade, danke fürs Draufeingehen. Es ist halt so, dass außer der ersten Bezeichnung (Massnahmengegner) nichts auf die zutrifft, die sich seit fast zwei Jahren bemühen, ihre andere Einschätzung, oft mit unendlich viel Arbeit und Aufopferung zu vertreten. Sicher haben sich auf diese Protestbewegung allerlei dunkle Existenzen gesetzt, von Hooligans über religiöse Fanatiker bis zu Rechtsextremen und gewöhnlichen Spinnern, die sich immer bei solchen Gelegenheiten hervortun und ein schönes Fotomotiv für die Presse abgeben. . Die aber haben mit den Kernforderungen nicht das geringste zu tun. – Ich war übrigens in meiner Studentenzeit in Berlin auf so mancher Demonstration, und das Muster war auch da das Gleiche: extremistische lautstarke Elemente (manchmal auch angeheuerte Provokateure) sprangen auf den Zug auf, es gab Prügelszenen und Pöbeleien und die Presse hatte was zu schreiben. Es war ziemlich frustrierend, denn über die eigentlichen Forderungen wurde gar nicht berichtet. Im vorliegenden Fall ist es sicher nicht gut, dass die Debatte sich auf die Straße verlagert hat. Aber warum ist das so? Weil die Kritiker der Maßnahmen kein normales Forum haben und weil man sie als Faschisten und esoterische Spinner beschimpft. Mit der Impfpflicht , die ca von einem Drittel der Bevölkerung abgelehnt wird, wird es nur noch schlimmer werden.

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            1. Den Frust kann ich verstehen, wenn man ein Anliegen vertritt und dieses nicht gehört wird, weil man sich in Gesellschaft von gewaltbereiten Spinnern und Extremisten befindet. Das Anliegen selbst, also das Aussetzen sämtlicher Schutzmaßnahmen gegen das Virus und das Ablehnen der Impfung kann ich nicht vetstehen, die Angst vor einer angeblich drohenden Diktatur noch weniger. Aber das hatten wir ja alles schon. Dass eine allgemeine Impfpflicht keine besonders gute Lösung ist, finde ich auch, aber ich sehe auch, dass der Irrationalität offenbar nicht anders beizukommen ist.
              Mir ist klar, dass du es anders empfindest, aber für mich handelt es sich um seltsame, teilweise paranoide Universen, die von Menschen bevölkert werden, die sich einerseits als Opfet sehen andererseits als die einzigen, die die Welt verstehen und durchschauen. Das ist für die anderen sehr mühsam
              Lösung weiß ich natürlich auch keine außer miteinander in Kontakt zu bleiben, was aber eine schwierige und auch ziemlich frustrierende Übung ist.
              Gestern habe ich einen Satz gehört, den ich sehr gut finde: alle haben ein Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten.
              Jedenfalls ist mein Ansatz Menschen zu respektieren aufgrund ihres Menschseins und ihrer vielseitigen Facetten auch wenn ich ihre Meinungen für hirnverbrannt bis gemeingefährlich halte. Dies wird aber zusehends schwieriger, weil viele ihr Leben auf ein einziges Thema reduziert haben…
              Einen lebendigen, erfüllten Sonnwendtag wünsche ich dir, liebe Gerda

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              1. Zwischen „Aussetzen sämtlicher Schutzmaßnahmen“ und „Impfung für alle“ und alle 4-6 Monate sowie Aussperrung der zwar Gesunden und Gesundeten, aber Zertifikatslosen aus dem gemeinsamen Leben liegen Welten, liebe Myriade. Und was die Fakten anbetrifft – ich schriebs ja schon woanders: man streitet sich angeblich über Sachliches, aber in Wirklichkeit gehts um persönliche Geschichten. Nun, wie auch immer. Deine Gewissheit sei dir unbenommen. Zum Abschluss grad mal dies, was ich bei Bernd („red-skies—„) rausfischte: https://www.nachdenkseiten.de/?p=79170
                Auch dir einen wunderschönen Sonnentiefstandstag! Gerda

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                    1. Damit drehen sie die Gewaltspirale weiter. Und das finde ich schon ziemlich bedenklich. Und wenn ich daran denke, dass einige Impfgegner ihre Informationen aus Internet-Seiten haben, die genau diese Bürgerkriegs-Phantasien pflegen, dann wirds richtig gruselig. Eine ungesunde Mischung aus Wir-sind-die-Erwachten und Opfermythos.

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  2. Interessant, auch die Diskussion… habe heute, also gestern eine sehenswerte Reportage auf ARTE gesehen, die auch aufzeigt, wer daran verdient, sich gegen die fast weltweite politische Meinung zu stellen. Und die sozialen Medien, natürlich immer mittendrin.

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    1. Ah danke, werde ich mir ansehen. Es wundert mich gar nicht, dass auch am Aufhetzen zur Impfgegnerschaft verdient wird. Soweit ich das überblicke zeichnen sich viele Anhänger dieser Bewegung durch heftige Emotionalität aus, die von keiner rationalen Überlegung in Schach gehalten wird, also ein idealer Zustand für skrupellose Geschäftemacher. Die sozialen Medien sind ja auch in vielen Bereichen ein Beitrag zur Verblödung der Menschheit. Man kann/könnte sie auch anderes nützen …

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