Freitag 10.9.2021 – technische Kompetenz als Glückssache

Als begeisterte Schrittezählerin fand ich es sehr unangenehm, dass mein „Smartband“ genanntes Gerät, das ich nur als Uhr und zum Schrittezählen verwende, vom Handy entkoppelt war. Sehr lästig, vor allem weil ich in den letzten Tagen sehr viel gegangen bin.

Ich gehe also in das Geschäft, wo ich das Gerät gekauft habe und ein sehr freundlicher, junger Mann, der sich selbst als der Technik-Freak der Verkäufer-Mannschaft bezeichnet, probiert eine Weile daran herum, deinstalliert die app auf dem Handy, versucht sie wieder zu installieren, Ergebnis: es geht gar nix mehr, das Band-Display zeigt nur noch „Info“ und die Fabrikationsnummer. Na toll. Das liegt natürlich keineswegs an seinem Mangel an Kompetenz. Er ist aber so unglaublich freundlich. Immerhin teilt er mir mit, dass das Gerät noch Garantie hat und die Adresse des Flagship Stores von Huawei. „Flagship Store“ wenn ich das schon höre! Natürlich liegt das Flaggschiff im Stadtzentrum, Kärntnerstraße, naja.

Also pilgere ich ins Stadtzentrum, was ja im Prinzip nichts Unangenehmes ist, eher im Gegenteil, ich bin ohnehin schon lange nicht mehr durch die Kärtner Straße flaniert. Ahja, HUAWEI sieht man schon von weitem, offenbar gehört das ganze Gebäude dazu. Das Flaggschiff hat mit einem x-beliebigen Handy-und-Zubehörgeschäft gar nichts gemein. Sehr viel Luftraum, wenige Angestellte, hübsch gestylt. Ein Empfangsmann begleitet mich im Aufzug in den ersten Stock. Dieser Riesenraum ist noch edler gestaltet. Weißer Marmor – der Stein ist so kalt, dass es womöglich wirklich Marmor ist – glänzendes Metall, riesige Glasfronten, eine Sitzgarnitur zu der mich der junge Mann begleiten will. Ich lehne das ab, weil ich ja nicht elegant herum sitzen will sondern mein Gerät repariert werden soll. Im Hintergrund hört man immer wieder Gepiepse und Getute. Kommt mir vor wie eine Bühneninszenierung, die eine futuristische Atmosphäre erzeugen soll.

Schließlich lande ich bei der Reparaturmannschaft. Auch die sind äußerst freundlich, tippen auf dem Band, meinem Handy und ihren schnuckligen Huawei-Laptops herum, aber leider ohne irgendeinen Erfolg. Sie beschließen, die nächste Kompetenzebene zu befragen. Die ist wieder einen Stock höher, eine interessante räumliche Hierarchie. Nach einer Weile kommen sie zurück und teilen mir mit, dass das Problem nicht bei dem Band liegt, sondern beim Handy, sie hätten das ausprobiert. Netter Versuch, denke ich mir, das Band hat noch Garantie, das Handy nicht, da wäre es natürlich im Sinne des Hauses wenn das Handy defekt wäre. Ich lehne diese Theorie ab, behaupte, dass die blue-tooth-Verbindung von anderen Geräten mit dem Handy problemlos funktioniert.

Er könnte ja das Handy ganz zurücksetzen, meint der Techniker aus dem zweiten Stock. Ja, wenn er mir alle Daten und Kontakte vorher sichert und dann wieder raufspielt, wäre mir das recht. Damit ist der junge Mann sichtlich nicht glücklich. Und, lege ich noch nach, ist es ja allgemein üblich, dass bei der Reparatur eines Geräts während der Garantiefrist die Kundin ein Ersatzgerät zur Verfügung gestellt bekommt. Das wird doch bei einer so großen Firma wie Huawei nicht anders sein. „Äh“ sagt er. „So,so“ sage ich. Pattstellung.

Schließlich macht er einen letzten Anlauf und tut genau das, was der Angestellte im anderen Geschäft erfolglos versucht hat: er deinstalliert die app am Handy und installiert sie wieder neu. Und siehe da, diesmal hats funktionniert. Warum er das nicht gleich probiert hat, versteht er wahrscheinlich selbst nicht. Auf meine Frage, ob ich das jetzt selbst auch hinbekommen hätte, antwortet er „ja“ mit charmantem Lächeln. Also, das charmante Lächeln stelle ich mir nur vor, das ist ja hinter der Maske verborgen.

Zuhause erzähle ich die Geschichte dem F. Der lacht und sagt, dass es in der Informatik ja bedauerlicherweise nicht so ungewöhnlich sei, dass wenn man mehrmals genau dasselbe macht, die Sache einmal funktioniert und ein anderes Mal nicht.

Es waren nun zwar ein paar leere Kilometer, aber nun werden meine Schritte wieder gezählt und die Uhr geht nicht mehr drei Minuten vor und gekostet hat es auch nichts. Eigentlich Erfolg auf der ganzen Linie.

16 Gedanken zu “Freitag 10.9.2021 – technische Kompetenz als Glückssache

  1. Ach Myriade, das erinnert mich so verdammt an meinen Computer, der ja seit Fertigstellung so ähnlich rumzickt wie deine Geräte – nur schlimmer. Immer wieder lässt er mich nicht ins Internet – und der Computermensch macht das – es funktioniert für kurze Zeit. Dann macht er wieder per Fernwartung etwas anderes – und es funktioniert wieder eine Zeit.
    Jetzt habe ich schon zweimal das LAN-Kabel umgesteckt und es hat wieder funktioniert – mal sehen, wie lange dieses Mal.
    Leider komme ich beim Besuch des Ladens nicht in eine neue schöne Welt, sondern in einen vollgemüllten Computerladen.

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    1. Informatik ist eine Geheimwissenschaft 🙂 Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Computer entweder jahrelang perfekt und ohne jedes Problem funktionieren oder von Anfang an eine Katastrophe sind und das ändert sich nie. Entschuldige, das ist jetzt nicht besonders aufmunternd 😉

      Gefällt 1 Person

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