Sonntag 18.Juli 2021

Was für eine Nacht ! Permanentes Blitzen und Donnern, das Gewitter an dessen Ausläufern wir uns befinden, zieht hin und her. Ein einziges Mal sind Blitz und Donner beinahe synchron und noch lauter. Wahrscheinlich sind aus dem Erleben der unbeherrschbaren Energie von Gewitttern die allermeisten menschlichen Gottesvorstellungen hervorgegangen.

Aus dem stundenlangen Wetterleuchten bricht immer wieder Regen heraus, zuerst wenig, eine Wohltat für die trockene Erde, doch dann kommt der gefürchtete Starkregen. Wie eine Wand. Von einer Taschenlampe beleuchtet, sieht die Wasserwand fast weiß aus.

In einem meiner Pflanzen-Container sind die Abflusslöcher verstopft. Er verwandelt sich gerade in ein Sumpfgebiet. Entweder Lotus anbauen oder die Löcher nachbohren …

Wir sind im sechsten Stock, aber die Terrasse ist de facto ebenerdig und das Wasser staut sich an den schwer beanspruchten Dachrinnen, die außerhalb des Terrassengeländers liegen und die Fluten abtransportieren sollen. Das erste Mal bin ich froh, dass es eine Stufe zwischen Wohnung und Terrassen gibt, an die das Wasser auch noch nicht herangekommen ist.

Ich überlege mir, ob es eine Lösung wäre, Wasser über die Dachrinnen hinweg auf die Straße zu kehren oder zu schaufeln. Für eventuell Vorbeigehende kann das in dieser Sturzflut keinen Unterschied ausmachen. Im Nachthemd mit wasserdichter Jacke und Kapuze darüber gehe ich hinaus um mit Taschenlampe bewaffnet die Lage zu sondieren. Das Wasser steht auf den Steinplatten drei bis vier Zentimeter hoch und der herunter prasselnde Regen lässt es aufspritzen. Zum Glück ist die Bodenfläche geneigt und das Wasser ist noch ein Stück von der Tür entfernt.

Es hätte übel ausgehen können, aber wir hatten sehr viel mehr Glück als andere. Der Regen hat gegen elf Uhr nachts aufgehört und die Pause hat bis jetzt gedauert. Nun sehe ich gerade, dass es wieder zu regnen beginnt …

17 Gedanken zu “Sonntag 18.Juli 2021

  1. Wie sehr ich mein Glück zu schätzen weiß, nur von „normalem“ Starkregen belästigt worden zu sein! Ein Blick in Gegenden, die rund 100 km entfernt liegen, zeigt, was uns hätte blühen können. Große Dankbarkeit stellt sich ein.

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  2. Bei starkem Regen offenbart sich vielfach, wie oft in der Städteplanung und Architektur immer nur das „Normale“ zugrundegelegt wurder, sei es bei der Planung von Gefällen und Abflüssen auf Gebäuden und Vorplätzen oder bei den Kapazitäten der Abflüsse zum Kanalisationsnetz.
    Sandsäcke auf einer Dachterrasse zu bevorraten wäre sicher neu, werden aber bei der Beschreibung denkbar.

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    1. Ja, das ist wahr. Zwei kleine Sandsäcke hätten meinen Nerven gut getan. Es wurden in Wien durch Starkregen auch etliche U-Bahn Stationen zu Wasserfällen und Ähnliches. Die Kanalisation schafft sehr viel Wasser, aber soviel nicht …..

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        1. Ja, es steht zu hoffen, dass es zum Anlass genommen wird, Schwachstellen zu überdenken. Andererseits gibt es Naturgewalten, denen wir nichts entgegenzusetzen haben. Zumindest nicht, wenn nicht berechenbar ist wann und wo sie auftreten werden

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          1. Man wird sich ähnlich darauf einstellen müssen, mit jähen Wassermengen zu rechnen, wie die Japaner sich auf „ihre“ Erdbeben einzustellen gelernt haben. Das ist in unseren Breiten völlig verlernt worden, die gewalt der Natur in rechnung zu stellen, nachdem man sich im nördlicheren Mitteleuropa fast hundert Jahre lang in dem Gefühl gesonnt hat, technischer Beherrscher und Nutzer der Naturkräfte zu sein.

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  3. In meiner genossenschaftlichen Wohnsiedlung wurden vor einigen Jahren Installationen eingerichtet, die das Dachniederschlagswasser und das Balkonniederschlagswasser über Ablaufbecken unter jedem Balkonboden damit verbundene Rohre und Regenrinnen sowie weitere Rohrleitungen in ein schmales ausgebaggertes Bachbett auf den hangabschüssigen Wiesen hinter den Häusern leitet. Dieses System fließt dann am Ende des Hangs unterirdisch vertunnelt weiter in größere Ablaufsysteme.
    Bei normaler Niederschlagsmenge ist das Bachrinnsal nur 15 – 20 cm breit. Beim kürzlichen Starkregen war das Rinnsal schon ein Bachlauf vom 60 cm Breite mit deutlich erkennbaren Strömungswellen.

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