ABC-Etüden – Nougat-Pralinen

Die ABC-Etüden
Wie immer bei Christiane
Drei vorgegebene Wörter sollen in einem höchstens 300 Wörter langen Text untergebracht werden
Die Wörter kommen diesmal von Monika

Das Problem mit den Pralinen ist, dass ihre Lebensdauer in meiner Umgebung so extrem kurz ist. Würde man mich einen Pralinenjunkie nennen, wäre das nur sehr wenig übertrieben. Ach, ich liebe sie alle, aber den Nougat-Variationen kann ich überhaupt nicht widerstehen, dieses schmelzende Gift im Mund, diese verschiedenen Schokolade-Aromen.

Es konnte ja so nicht weitergehen und so beschloss ich, eine selbst erdachte Desensibilisierungskur zu machen. Ich bat meine Freundin Traudl eine Packung Pralinen in meiner Wohnung so gut zu verstecken, dass ich sie nicht finden konnte. Das tat sie, aber nicht ohne mich mehrmals zu fragen, ob ich das wirklich für eine gute Idee hielte. Ich komplimentierte sie hinaus und setzte mich – vorläufig entspannt – auf ein Sofa.

Aber ich kenne mich ja, ich weiß ja genau wie das ist, nach kürzester Zeit begann ich zu überlegen, wo die Süßen wohl sein könnten. Natürlich wollte ich nur eine einzige kosten und die anderen dann nur ansehen. Ach, die Tiefen des Selbstbetrugs. Ich wanderte durch die Wohnung und suchte, systematisch. Dabei bemerkte ich, dass die Leiter im Abstellraum etwas anders stand als sonst. Also waren sie irgendwo oben.

Dann ging alles ganz schnell: Leiter, Teppich, Krankenwagen, komplizierter Bruch, Krankenhaus.

Nun lag ich hier, haderte mit der ganzen Welt, hauptsächlich mit mir selbst und wurde mit herzhaftem, gesundem Essen ernährt. Es wäre mir eventuell gelungen das gesunde Essen als Positivpunkt zu verbuchen, wären da nicht die Besuche gewesen. Ja, ich habe sehr liebe Freundinnen und Freunde, die sich um mich kümmern und mich nicht im Krankenhaus allein herumliegen lassen. Insgesamt habe ich schon sieben Bonbonnieren mit Pralinen bekommen.

Zuerst wollte ich die Schwester ersuchen, sie alle auf den Kasten zu stellen, ich kann ohnehin nicht aufstehen. Aber die Schwester hat wohl annähernd zweihundert Kilo und einen widerwärtig verständnisvollen Blick.

Mißerfolg auf der ganzen L
inie

301 Wörter

49 Gedanken zu “ABC-Etüden – Nougat-Pralinen

  1. Herausforderung glänzend gelöst, würde ich sagen! Ich glaube, dass du großen Spaß beim Schreiben hattest, und hoffe, dass du im wirklichen Leben nie auf so eine echt blöde Idee kommst 😁
    Sehr amüsant. Ich brüte noch 🤔😉🍫
    Ich habe in der letzten Woche deutlich mehr Schokolade gegessen als sonst. Keine Ahnung, woran das liegen könnte … 😉🍫
    Entspannte Morgenkaffeegrüße 😁🌞🐦🌼🦋☕🍩👍👍

    Gefällt 2 Personen

    1. Danke schön! Dezente Hinweise bringen bei mir gute Erfolge 😉
      Die Idee ist wirklich ziemlich blöd, aber es gibt eine Lösung: man verstecke auch die Leiter 🙂 🙂
      Ich nenne diesen Effekt Hitze-Frust-Schokolade. Vielleicht hat er bei dir auch zugeschlagen.

      Gefällt 1 Person

  2. Die Wendung mit der Leiter war genial, aber grausam – und wurde dann auch gleich durch die vielen Geschenke im Krankenhaus bestraft oder neutralisiert.
    GsD esse ich ausnahmsweise Nougat nicht so gern, sonst wäre ich gleich zum Vorratsschrank geeilt.

    Gefällt 1 Person

    1. Die Erwähnung der Schokolade-Geschenke sollte auf die allgemeine Verständnislosigkeit der jeweiligen Umwelt zum Thema Zuckersucht hinweisen und auf die allgemeine Phantasielosigkeit zum Thema Schenken. Also eigentlich eine sehr ernste Etüde 😉 🙂

      Gefällt 3 Personen

  3. Schätze, dass man nördlich des Weißwurschtäquators, wo eine niedliche kleine Bonbonniere schon als „Pralin’kasten“ gilt, leichter von den schokoladigen Verführerchen loskommt. Wenn die Protagonistin genesen ist, sollte sie vielleicht eine Entziehungskur in Wanne-Eickel machen.
    🙂
    Eine sehr amüsante Geschichte!

    Gefällt 2 Personen

    1. Wie hätte ich ohne das Thema Nougat-Bonbonniere jemals von Wanne-Eickel erfahren ! Das gibt es übrigens nicht mehr, also es ist wohl nicht dem Erdboden gleich gemacht worden, sondern nur umbenannt bzw eingegliedert 🙂
      Naja, es gibt viele Länder und Gegenden, in denen man keinen Wert darauf legt, das Suchtobjekt Zucker geschmacklich ansprechend anzubieten. Manche Produkte sind dem Schoko-junkie so wie der Spiritus dem Alkoholiker 😦 Aber Lindt, Zotter, Neuhaus und viele unbekannte Chocolatiers mit hervorragenden Produkten gibt es zum Glück auch.

      Gefällt 1 Person

  4. Oh weh und ach,
    *Dann ging alles ganz schnell: Leiter, Teppich, Krankenwagen, komplizierter Bruch, Krankenhaus. *
    und das alles nur wegen die verflixten versteckten Pralinen…
    Wegen Nougat gehe ich nicht auf die Suche. Ich gehöre zur Marzipanfraktion 🙂

    Tolle Idee, das mit dem Verstecken *g*, aber leider ging der Schuß dann ja nach hinten los. 🙂
    Bitte Rundbrief vor dem nächsten Krankenhausaufenthalt an alle Freundinnen:
    Keine Pralinen mitbringen, Bücher aber stapelweise, bitte!

    Gefällt 1 Person

    1. Eine sehr gute Idee, das Rundschreiben. Na zum Glück bin ich ja nicht wirklich von der Leiter gefallen.
      Aha, Marzipanfraktion, da würden wir uns gegenseitig nicht in die Quere kommen. Marzipan mag ich eigentlich nicht

      Gefällt 1 Person

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